Ägypten: Menschenrechtler begrüßen die Aktion „Aufschrei“ für gerechte Verfassung

Volle Bürgerrechte für Frauen und Kopten gefordert

Der ägyptische Menschenrechtsaktivist und Sprecher der „Maspero Youth Union“, Marceiliano Youssef, fordert in der Kampagne „Aufschrei“, dass die neue ägyptische Verfassung mehr Bürgerrechte für die Kopten enthalten muss. Fokus-menschenrechte-IGFM_2_02

Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet, soll die Verfassung im Dezember 2013 einer Volksabstimmung vorgelegt werden. Mehr als 12.000 ägyptische Bürger haben die Initiative bereits mit ihrer Unterschrift unterstützt, mehrheitlich Kopten, aber auch Angehörige anderer Religionen.

Die IGFM begrüßt die Initiative, unterstreicht aber, dass „mehr“ Rechte nicht ausreichten. „Frauen und Minderheiten müssen endlich volle Bürgerechte erhalten!“, so die IGFM. Eine Quotenregelung für Frauen, Kopten und andere Minderheiten im ägyptischen Parlament müsse in der Verfassung festgeschrieben werden.

Frauen und Minderheiten sind nach Beobachtung der IGFM sowohl im Parlament als auch in praktisch allen anderen Institutionen des Staates dramatisch unterrepräsentiert. Die bisherigen Versuche, die Missachtung von Frauen und Kopten zu überwinden seien gescheitert. Auch wenn Quoten kein Ideal seien, gäbe es nach Ansicht der IGFM keine andere erfolgversprechende Lösung mehr.

Die ägyptischen Kopten sind die mit Abstand größte christliche Gemeinschaft des Nahen Ostens. Ihr genauer Bevölkerungsanteil ist unklar und umstritten, er wir auf rund zehn Prozent geschätzt.

AUFSCHREI für Gleichberechtigung der christlichen Kopten

Die Kampagne zielt darauf ab, die systematische Diskriminierung und Marginalisierung der koptischen Christen in Ägypten zu beenden. „Wir mögen eine Minderheit sein (…), dennoch verdienen wir, wie alle anderen, dass unsere vollen Staatsbürgerrechte respektiert werden.“ Diesen Anspruch würde der derzeitige Verfassungsentwurf nicht erfüllen, erklärte Marceiliano Youssef.

Die Unterstützer der „Aufschrei“-Kampagne fordern daher, dass bis zum kommenden Monat noch einige Veränderungen am Verfassungs-Entwurfes vorgenommen werden:

Kopten sollen das gleiche Rechte haben wie Muslime, Gotteshäuser zu errichten, Diskriminierung von Kopten müssen ein Ende haben, strafrechtliche Verfolgung von Hetzte und religiös motivierter Gewalt gegen Kopten müsse festgeschrieben werden. Außerdem sollen koptische Christen denselben Zugang zum Arbeitsmarkt haben, wie Muslime, auch ihre Chancengleichheit in Bildung, Lehre und Medien solle verstärkt werden.

„Eine Quotenregelung würde auch die Gefahr verringern, dass ganze koptische Familien angegriffen werden, nur weil sich ein Kopte als Abgeordneter aufstellen lässt“, erklärt IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin.

Ein derartiger Vorfall hatte sich im April dieses Jahres in al-Minya (Oberägypten) ereignet, als die Kandidatur des Kopten Alaa Samir bekannt wurde. Außerdem würde eine in der Verfassung festgeschriebene Quotenregelung dauerhaft für eine verhältnismäßige politische Partizipation der koptischen Minderheit in Ägypten sorgen, im vergangenen Parlament waren die Kopten massiv unterrepräsentiert, so Lessenthin.

Weitere Infos zur Menschenrechtslage in Ägypten unter:
http://www.igfm.de/aegypten/



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