Causa Limburg: Andreas Püttmanns wohlfeiler Moralismus im Portal der Bischofskonferenz

Von Felizitas Küble

Der im konservativen Spektrum namhafte Publizist Dr. Andreas Püttmann gefällt sich in den letzten Monaten offenbar mit seiner scharfen Kritik am eigenen Lager.

Nun ist derlei Sachkritik an sich durchaus kein Problem, sondern mitunter lobenswert; es kann  –  je nachdem  –  Ausdruck von Courage und geistiger Unabhängigkeit sein, zuweilen aber auch von pubertär anmutendem Rebellentum zeugen. 

Im CHRISTLICHEN FORUM wurde Dr. Püttmanns Ausführungen zur Causa Limburg bereits vor vielen Wochen faktenorientiert widersprochen.Limburg-102 

Nun hat der katholische Buchautor erneut „losgelegt“   –  und zwar  bezeichnenderweise auf dem amtlichen Web-Portal der Deutschen Bischofskonferenz („Katholisch.de“): dort erschien gestern sein jüngster Rundumschlag zum Dauerbrenner namens Bischof Tebartz-van Elst.

Zunächst sei klargestellt:

Kein Vernünftiger im konservativen „Lager“ betreibt irgendeine „Anhimmelung“ des Limburger Oberhirten. Auch jene, die den Bischof gegen gehässige Medienjagd in Schutz nehmen, bestreiten damit keineswegs schwerwiegende Fehler, nehmen aber zur Kenntnis, daß sich Tebartz-van Elst mehrfach entschuldigte und erwarten keine zig-fache Wiederholung solch öffentlicher Bußübungen.

Unstrittig ist auch, daß sich der Limburger Bischof mit seiner Klage gegen das links agierende Wochenmagazin „Der Spiegel“ nicht mit Ruhm bekleckerte, weder moralisch noch intellektuell.

Hätte er gegenüber dem Reporter gesagt „Business-Class haben wir bezahlt“ statt „Business-Class sind wir geflogen“, hätte ihm niemand an den Karren fahren können, denn tätsächlich hat das „Upgrade“ auf die 1. Klasse dem Bistum keinen einzigen Cent gekostet.  –  Nun kann man sich in einer hektischen oder angenervten Stimmung schon mal unkorrekt ausdrücken, ohne daß man dem Betreffenden hierbei böse Absichten unterstellen muß.

Verheerender war freilich des Bischofs Fehlentscheidung, dem Drängen seines Anwalts nachzugeben und den „Spiegel“ zu verklagen, wobei TvE  –  um überhaupt eine einstweilige Verfügung zu erreichen  –  eine eidesstattliche Versicherung abzugeben hatte, was ihm womöglich zuvor nicht ausreichend klar war. 

Foto: PROWie dem auch sei: Als Quittung hierfür erhielt der Bischof eine teure Geldauflage, aber eben keinen Strafbefehl, keinen Prozeß, keine Vorbestrafung, obwohl viele offenbar damit gerechnet haben, nicht zuletzt in durchaus vorlauter Art bzw. Unart auch Erzbischof Zollitsch.

Somit hat das Hamburger Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf Erlaß eines Strafbefehls eben n i c h t  entsprochen, sondern das Verfahren angesichts des bischöflichen Eingeständnisses und quasi wegen Geringfügigkeit eingestellt.

Dieses „verhältnismäßige“ Vorgehen hat viele Bischofsgegner  –  vor allem innerhalb der Kirche  –  reichlich enttäuscht, denn die Hamburger Richter haben durchaus sachorientiert entschieden und sich weder von der öffentlichen Hysterie noch von der Staatsanwaltschaft zu einem Strafbefehl verleiten lassen.

Nach diesen Vorbemerkungen nun zum bereits erwähnten Artikel von Dr. Püttmann auf dem offiziellen Bischofskonferenz-Portal:

Der Verfasser beschwert sich eingangs über die Bischofs-Unterstützer, wobei er deren sog. „Entlastungsversuche“ kurios darstellt, so daß jene TvE-Fans als lächerlich präsentiert werden, was wohl wenig fair ist.

Kritik an Solidarität „bis in die hohe Kirchenhierarchie“…

Sodann kritisiert er „Solidaritätsadressen und Durchhalteparolen bis in die hohe Kirchenhierarchie hinein“, was er dramatisierend als „moralischen Supergau“ bezeichnet.

Scharfe Worte, die Dr. Püttman damit begründet: „Wahrheit, Wahrhaftigkeit und der richtige Umgang mit Schuld gehören zu ihrer Kernkompetenz.“

Besteht der „richtige Umgang mit Schuld“ im Christentum etwa darin, jemanden, der seit Monaten medienweit wüst attackiert wird, der gleichsam im Graben liegt, noch weiter mit Vorhaltungen zu traktieren?

Wünscht der Autor, daß die Kirche auch mit seiner eigenen Schuld derart umginge? Oder auf welch hohem Roß sitzt er eigentlich?

Von einem Bischof, der unter die Medienräuber fiel…

Erinnern wir uns an Christi Gleichnis:

Als der barmherzige Samariter dem verletzten Mann tatkräftig geholfen hat, erkundigte er sich nicht erst nach dessen moralisch „sauberer Weste“, sondern schritt spontan zur heilsamen Tat.

Auch der Limburger Bischof ist unter die (Medien-)Räuber gefallen   –  und wer ihm in dieser schweren Zeit beisteht „bis hinein in die hohe Kirchenhierarchie„, beweist couragierte Tapferkeit während einer geradezu haßerfüllten Hexenjagd.

Wo bleibt denn die Empörung des Autors über das verlogene öffentliche Kesseltreiben? – Erinnern wir uns zB. an die faustdicke Lüge hinsichtlich der 15.000-Euro-Badewannen-Story, die wochenlang die Runde machte und den Volkszorn hervorrief, obwohl sie komplett erfunden war.

Einseitiger Moralismus von der wenig tapferen Sorte

Warum blüht der wohlfeile Moralismus des Herrn Dr. Püttmann nur einseitig in Richtung des ohnehin am Boden liegenden Bischofs? Warum greift er nicht die herrschenden Medien wegen zahlreicher Verstöße gegen „Wahrheit und Wahrhaftigkeit“ an? – Das würde wirklich Mut beweisen, weiteres Drauftreten auf den attackierten Bischof ist hingegen kein Zeichen edelmütiger Gesinnung.

Der auf hohem moralischen Roß sitzende Verfasser fragt weiter, wo denn jetzt das „Rücktrittsangebot“ des Bischofs bleibe. Ist Püttmann etwa entgangen, daß der Papst TvE keineswegs als Oberhaupt des Bistums Limburg amtsenthoben, sondern ihm vielmehr eine wohltuende „Auszeit“ vergönnt hat?

Gerade Dr. Püttmann betont seit Jahren seine ausgeprägt „romtreue“ Haltung. Wo bleibt denn jetzt die Würdung der päpstlichen Entscheidung in der Limburger Causa?

Abschließend empört sich der Autor weiter über die Fraktion der Bischofs-Unterstützer, welche über eine „Medienkampagne lamentieren“ würden, wobei „so viel moralische Stumpfheit und Wahrheitswurstigkeit“ aus seiner Sicht „schwer zu ertragen“ sei.

Weiß er nicht, daß sich zB. auch der bekannte ZDF-Moderator und evangelische Theologe Peter Hahne scharf gegen dieses tatsächlich unfaire, ja teils hysterische Kesseltreiben im Blätterwald gewandt hat?

Der angesehene Fernsehjournalist erklärte dazu ohne Wenn und Aber: „Ich habe selten soviel Haß und Häme erlebt“. Will Püttmann dem evangelischen Schriftsteller und TV-Moderator nun etwa auch „moralische Stumpfheit“ unterstellen?

PS: Auch CICERO beschwert sich jetzt über Hetzjagd-Stimmung in den Medien: http://www.cicero.de/berliner-republik/heissgelaufen/56457

1. Foto: Dr. Bernd F. Pelz / 2. Foto: Medienmagazin PRO


One Comment on “Causa Limburg: Andreas Püttmanns wohlfeiler Moralismus im Portal der Bischofskonferenz”

  1. Anonymous sagt:

    Suppen mögen manche scharf, manche nicht. Hier war die Schärfe angebracht, denn die Suppe war zu fad

    🙂

    Liken


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