Kritik an einseitigem FAZ-Artikel über unser Volk während der NS-Diktatur

Ideologisierte Betrachtungsweise führt zu falschen Schlüssen

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ veröffentlichte am 13. November unter dem Titel „Staunende Erinnerung“ den Standpunkt des Historikers Otto Dov Kulka über die Deutschen in der Nazi-Diktatur.

Der Auschwitz-Überlebende schreibt über die damalige Mentalität in unserem Land u.a. folgendes: 0022

„Die geheimen Stimmungsberichte zeigten, dass die Deutschen der Deportation der Juden in den Osten nicht nur gleichgültig gegenüberstanden, sondern diese ‚Abschiebung‘ befürwortet haben: ‚Obgleich die Mehrzahl wusste, was mit den ‚Abgeschobenen‘ im Osten passiert.‘“

Unter Berufung auf das Werk des Autors „Die Juden in den geheimen NS-Stimmungsberichten 1933-1945“ bestreite ich diese unzutreffende Behauptung. Die „Stimmungsberichte“ sind auf 894 Seiten präzise nummeriert von 1 bis 752. Keiner eignet sich aus meiner Sicht als Beweis für diese pauschale Anschuldigung.

Zwar gibt es welche, die dergleichen vermuten lassen, aber weitaus größer ist die Zahl derer, die die damaligen Deutschen mehr oder weniger entlasten. Für eine objektive Analyse darf man sich nicht auf einzelne Berichte fixieren oder diese überinterpretieren. So kann man zB. in Nr. 601 Folgendes lesen:

„601 Gendarmerie Forchheim… 27.11.1941… Die nach den Ostland zu evakuierenden Juden von hier… wurden heute um 9.00 Uhr mit einem Lastkraftwagen nach Bamberg abtransportiert… Beim Abtransport am hiesigen Paradeplatz hatte sich eine größere Anzahl der hiesigen Einwohnerschaft eingefunden, die den Abtransport mit Interesse und großer Befriedigung verfolgte.“

„Eine größere Anzahl“ – wie viele mögen das gewesen sein, absolut und prozentual? – Dass amtliche NS-Stellen dazu neigten, die Verfolgungsmaßnahmen quasi mit den Augen ihrer Vorgesetzten positiv zu kommentieren, liegt auf der Hand.

„Große Besorgnis bei vielen Deutschen“

Die SD-Außenstelle Minden gibt zum gleichen Thema einen anschaulichen Bericht, der freilich andere Schlüsse nahelegt. Dort heißt es unter dem Datum des 6.12.1941:

„Die inzwischen zur Tatsache gewordene Evakuierung der Juden aus dem hiesigen Bereich wird in einem großen Teil der Bevölkerung mit großer Besorgnis aufgenommen. Dabei sind zwei Gesichtspunkte, die den Leuten am meisten am Herzen liegen. Einmal vermuten sie, dass dadurch den vielen Deutschen im noch neutralen Ausland, besonders in Amerika, wieder neues Leid zugefügt werden könnte. Man weist dabei wieder auf den 9. Nov. 1938 hin, der uns auch im ganzen Auslande mehr geschadet hat, als er uns hier im Inland genutzt hat.

Der zweite Punkt ist der, dass es doch wohl sehr bedenklich sei, jetzt im Winter mit allen seinen Gefahren die Leute ausgerechnet nach dem Osten zu verfrachten. Es könnte doch damit gerechnet werden,  dass sehr viele Juden den Transport nicht überständen. Dabei wird darauf hingewiesen, dass die jetzt evakuierten Juden doch durchwegs Leute wären, die seit ewigen Jahren in hiesigen Gegenden gewohnt hätten.“

Zahlreiche andere Quellen, z.B. Erlebnisberichte von Juden und ähnlich unverdächtigen Zeitzeugen, lässt Kulka völlig außer Betracht. Mit welcher Logik und Berechtigung soll als Auswertungsgrundlage nur das Material aus dem amtlichen NS-Deutschland zählen?

 


One Comment on “Kritik an einseitigem FAZ-Artikel über unser Volk während der NS-Diktatur”

  1. Anonymous sagt:

    … und wider sachlich statt schlecht 🙂

    Liken


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