Professor Hauke zum Hochfest Christkönig: RETTER – RICHTER – REGENT in Ewigkeit

Von Dr. Manfred Hauke

Zu den Lesungen des Christkönigssonntags (Lesejahr C): 2 Sam 5,1–3; Kol 1,12–20; Lk 23,35–43

Wer sich über den Ursprung und den Sinn des Christkönigsfestes kundig machen möchte, dem sei ein 2011 entstandener Film empfohlen: „For Greater Glory – The True Story of Christiada“.  

Prof. M. Hauke

Prof. M. Hauke

Es geht darin um den bewaffneten Aufstand der „Christeros“, der katholischen Christen in Mexiko, die sich 1926 – 29 der eigenen Regierung widersetzten. 

Auslöser der „Christiada“ war die grausame Kirchenverfolgung in Mexiko, die von den dortigen Freimaurern angezettelt worden war. Zahlreiche Priester und Laien kamen bei der Verfolgung ums Leben.

Die laizistische Regierung verstand sich selbst als Quelle jeglichen Rechtes, dem sich auch die Kirche zu beugen hätte. Kirchliche Güter wurden enteignet, katholische Schulen geschlossen, der Religionsunterricht verboten. Zeitweise waren fast alle Bischöfe aus ihrem Amt entfernt, und der größte Teil des Klerus saß im Gefängnis.

Die mexikanische Kirchenverfolgung ist in ihrer Brutalität nur vergleichbar mit den Blutorgien der Kommunisten in der Sowjetunion und in Spanien.

CHRISTIADA über Christenverfolgung in Mexiko

Der auf wahren Begebenheiten beruhende Film beschreibt aus der Perspektive eines Jugendlichen namens José, wie Soldaten des Freimaurerregimes den alten Priester seines Dorfes grausam ums Leben bringen, die Kirche zerstören. Daraufhin schließt sich José den „Christeros“ an. 

Die Widerständigen werden von einem General geleitet, der selbst Freimaurer ist, aber nicht dulden will, dass seiner gläubigen Frau und seiner Tochter die Freiheit verwehrt wird, ihren Glauben öffentlich zu bekennen. Seine Logenbrüder sind darüber entsetzt; die General führt die „Christeros“ zu beachtlichen Erfolgen, kommt aber im Kampf um; vor seinem Tod bekehrt er sich zum katholischen Glauben.

Die Regierung der USA äußert ihr Entsetzen über die blutige Verfolgung der Katholiken, liefert aber dem mexikanischen Präsidenten Flugzeuge, um den Volksaufstand niederzuringen. Dafür erhält sie Konzessionen zur Förderung von Erdöl.

Der Film endet mit dem Tod des 14-jährigen José: er widersteht schmeichelhaften Versprechungen, die ihm den Glaubensabfall nahelegen; grausam gefoltert stirbt er am Ende mit dem Bekenntnis zu Christus dem König.

„Christiada“ findet zahlreiche Interessenten im Internet, wird aber von den einschlägigen Lobbys der Filmindustrie boykottiert. Darüber beschwerte sich beispielsweise der Chefredakteur der katholischen Tageszeitung im Tessin angesichts der Ablehnung des Filmfestivals von Locarno, den filmtechnisch glänzend inszenierten und prominent besetzten Film beim Wettbewerb in Erwägung zu ziehen.

Pater Pro SJ: Märtyrer für Christus

Am 23. November 1927 starb in Mexico City ein junger Jesuitenpater, der 1988 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochene Miguel Agustin Pro. Er war fälschlicherweise der Teilnahme an einem Attentat beschuldigt worden und wurde ohne gerichtliches Verfahren erschossen. Er starb mit den Worten: „Viva Cristo Rey!“ – „Es lebe Christus der König!“

Foto: Evita Gründler

Foto: Evita Gründler

Die letzten Worte von Pater Pro (aber auch des gläubigen Jungen im Film „Christiada“) betonen, dass keine staatliche Macht sich anmaßen darf, die Rechte Gottes beiseitezustellen.

Die Kirchenverfolgung in Mexiko gehört zur Vorgeschichte der Enzyklika „Quas primas“ von Papst Pius XI. aus dem Jahr 1925, der damit das Christkönigsfest einführte. Der Papst wendet sich darin gegen den Laizismus, der die Rechte Gottes und den Anspruch Christi an die Gesellschaft leugnet.

Laizismus – die Pest unserer Zeit

Pius XI. schreibt: „Die Pest unserer Zeit ist der sogenannte Laizismus mit seinen Irrtümern und gottlosen Absichten.“

Dagegen betont er die Bedeutung der Herrschaft Christi, die von jedem Einzelnen anzuerkennen ist, aber auch an Staat und Politik ihren Anspruch stellt. Auch das Zweite Vatikanische Konzil erwähnt die „moralische Pflicht der Menschen und der Gesellschaften gegenüber der wahren Religion und der einzigen Kirche Christi“ (Dekret über die Religionsfreiheit, 1).

Von diesem Ziel sind wir meilenweit entfernt. Denken wir nur an den Entwurf der Verfassung für die Europäische Gemeinschaft, worin die Bedeutung des Glaubens an Gott und das Christentum nicht einmal erwähnt werden.

In China werden die Belange der sogenannten „patriotischen Kirche“ von staatlichen Funktionären geleitet, die den Kontakt mit dem Heiligen Vater unterbinden.

Selbst in einem zivilisierten Staat wie der Schweiz müssen wir erleben  –  so vor einigen Jahren bezüglich der Pfarrei von Röschenz im Bistum Basel  –  wie sich ein staatliches Gericht anmaßt, die inneren Angelegenheit der Kirche zu beurteilen.

CHRISTKÖNIGS-Fest: Jesus ist der HERR

Angesichts dieser betrüblichen Situationen ist es hilfreich, mit Papst Pius XI. und der Liturgie des kommenden Sonntags die Bedeutung Christi des Königs näher zu bedenken. Die Grundlagen der königlichen Herrschaft Christi werden tiefgründig dargelegt in der heutigen Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Kolosser. slider3-640x360

Jesus Christus ist seiner Gottheit nach der ewige Sohn des himmlischen Vaters. In ihm und durch ihn ist alles geschaffen. Seiner Menschheit nach ist er am Kreuz für uns gestorben, um uns mit Gott zu versöhnen. Darum hat Christus, so betont der heilige Paulus, in allem den Vorrang.

Was der Kolosserbrief in seinem grandiosen Christushymnus betont, formuliert auf eine systematischere Weise auch Papst Pius XI. in seiner Christkönigs-Enzyklika. Jesus hat einen absoluten Anspruch auf unser Leben: aufgrund der Gottessohnschaft und aufgrund der Erlösung.

CHRISTUS gebührt der 1. Platz!

Weil er der Mensch gewordene Sohn Gottes ist, gebührt nur ihm der erste Platz in unserem Leben. Gleichzeitig hat er uns durch sein menschliches Leben und Sterben von den Mächten des Bösen befreit und uns dazu berufen, in der Freundschaft mit Gott für immer glücklich zu sein.

Bei staatlichen Vollmachten unterscheiden wir Gesetzgebung, Rechtsprechung und Regierung. Während in einem Staat zu Recht die Gewaltentrennung üblich ist, gehen für Christen alle Gewalten von Christus aus: von ihm stammen die Gesetze, die unser Leben als Christen bestimmen; er wird uns und die gesamte Menschheit einmal dem Gericht unterwerfen; er ist auch der Souverän der Kirche, denn in der Hierarchie von Papst und Bischöfen zeigt sich die Nachfolge der Apostel.

Gottes KIRCHE ist eine CHRISTOKRATIE

„Apostel“ aber heißt nichts anderes als „Gesandter“ Christi, ein Gesandter, in dem Christus selbst sein Heilswerk vergegenwärtigt. Die Kirche ist darum keine Demokratie und auch keine Monarchie, sondern eine Theokratie (eine Gottesherrschaft) oder (genauer) eine „Christokratie“, eine Herrschaft Christi.chrkn

Der Kolosserbrief betont die universale Herrschaft Christi, durch den der gesamte Kosmos geschaffen worden ist. Sein kosmisches Königtum ist freilich gegenwärtig noch verborgen. Diese Verborgenheit zeigt sich sehr deutlich im Evangelium des heutigen Festes. Jesus ist wirklich ein König, der König der Welt, aber sein Königreich greift nicht zu den Mitteln weltlicher Staaten.

Seine Herrschaft wird ausgebreitet durch die Kraft der göttlichen Liebe, versinnbildlicht im Heiligsten Herzen Jesu. Darum ist die Aufschrift INRI, „Jesus Nazarenus Rex Judaeorum“, an das Kreuz geheftet, das dem ersten Anschein nach gerade für das Scheitern Christi steht. Auch der Weg der Kirche in dieser Welt hat teil an diesem scheinbaren Scheitern.

Die Kirche ist nicht kaputtzukriegen

Durch die gesamte Geschichte hindurch ist die Gemeinschaft der Kirche immer wieder verfolgt und an den Rand gedrängt worden. Und doch haben kein Hitler, kein Stalin und keine Freimaurerloge es geschafft, die Kirche auszulöschen. Sie können es auch gar nicht, denn Christus hat verheißen: „Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen!“ (Mt 16)

Sie können es nicht, denn der gekreuzigte Christus ist von den Toten auferstanden, und die Macht des Auferstandenen wirkt auf vielfache Weise in der gesamten Geschichte.

Das Christkönigsfest hat ganz konkrete Folgen für unser Leben. Wenn wir feststellen, dass Güte, Wahrheit und Gerechtigkeit an den Rand gedrängt werden, dann dürfen wir deshalb nicht verzweifeln und verbittern. Das letzte Wort hat Christus der König.

Darum wollen auch wir Güte, Wahrheit und Gerechtigkeit leben, selbst wenn wir damit in dieser Welt Nachteile in Kauf nehmen. Wir bekennen uns zu Christus dem König, wenn wir ihn in allen Dingen an die erste Stelle setzen, nicht nur im inneren Herzenskämmerlein, sondern auch in der Öffentlichkeit.

Wenn wir in diesem Leben seine Königsherrschaft anerkennen, werden auch wir einmal wie der reuige Schächer im Evangelium die verheißungsvollen Worte hören: „Amen, ich sage dir, heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“.

Erstveröffentlichung dieses Beitrags in der kath. TAGESPOST: http://www.die-tagespost.de/glaubensforum/sonntagslesung/art473,147622

Unser Artikel vom März 2012 über den CHRISTIADA-Film: siehe HIER


Syrien: Aufständische Gruppen schließen sich zur Islamisten-Front zusammen

Orthodoxer Patriarch warnt Westen vor weiterer Rebellen-Unterstützung

Insgesamt sieben oppositionelle Rebellengruppen gaben am gestrigen 22. November in einer offiziellen Verlautbarung die Bildung einer gemeinsamen Islamischen Front bekannt, deren Ziel die Gründung eines „islamischen Staates“ in Syrien ist.

Der Zusammenschluss findet in einer Phase statt, in der die Regierungsarmee unter Präsident Assad insbesondere bei den Gefechten in der Umgebung von Damaskus und Aleppo die Oberhand gewinnen konnte.  syrien

In den vergangenen Monaten hatten zahlreiche Vorfälle auf eine Spaltung und auf Uneinigkeit in den Reihen der gegen das Regime kämpfenden islamistischen Gruppen hingewiesen.

“Die Islamische Front”, heißt es in der Verlautbarung, “ist eine unabhängige soziale und militärische Kraft, deren Ziel es ist, das Regime unter Präsident Bashar Assad zu stürzen und es durch einen gerechten islamischen Staat zu ersetzen… Alle Kämpfer, Medien und humanitäre Organisationen der einzelnen Gruppen werden sich im Verlauf einer dreimonatigen Übergangszeit zusammenschließen”.

Bei den Gruppen handelt es sich u.a. um die Liwa al-Tawid-Brigaden (Sympathisanten der Muslimbrüder) und Ahrar al-Sham (Salafisten). 

“Diese Gruppen”, erklärte der griechisch-melkitische Patriarch von Antiochien, Gregorios III. Laham gegenüber dem Fidesdienst, „verfolgen dieselbe Logik, auch wenn sie untere einander gespaltet und zerstritten sind. Diese Logik hat nichts mit Demokratie und Freiheit zu tun.

Die ausländischen Kräfte sollten diese nicht länger unterstützen und mit Waffen versorgen, wenn sie wirkliche wollen, dass die Verhandlungen im Rahmen von Genf2 zu positiven Ergebnissen für die Zukunft des syrischen Volkes führen.”

Quelle: vatikanischer Fidesdienst


Freiburg: „Romkritische“ Priester-Initiative ruft Bischöfe zum Ungehorsam auf

Von Andreas Gehrmann

Wie aus vertraulicher Quelle erfahren, ist kürzlich eine Erklärung zur sog. „Freiburger Handreichung“ fertiggestellt worden. In diesem Schreiben begrüßen die Initiatoren ‚Memorandum-Priester- und Diakone Erzdiözese Freiburg‘ diese  –   gegen die Lehre der römisch-katholischen Kirche verstoßende  –  Handreichung ausdrücklich.  

Foto: Dr. Bernd F. PelzGedankt wird in diesem Schreiben zudem „unserem Bischof R. Zollitsch“: „Viele Betroffene sowie Seelsorgerinnen und Seelsorger“ hätten die Handreichung als ein „ermutigendes Zeichen mit Erleichterung aufgenommen“.

All jene Erz-/Bischöfe, Priester, Diakone und Laien, welche in Treue zur Kirche stehen und denen selbstverständlich eine gute pastorale Seelsorge der Betroffenen im kirchlichen Sinne am Herzen liegt, lässt man an dieser Stelle eiskalt unter den Tisch fallen.

So drückt man den Äußerungen des Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, vom 13. November im L’Osservatore Romano auch noch sein Bedauern aus, da sie nicht „einem dialogischen und communialen Verständnis von Kirche in der Welt von heute“ entsprächen.

Zum krönenden Abschluss der Erklärung werden „alle deutschen Bischöfe“ zum Ungehorsam aufgerufen: Es bestünde kein Grund, „hinter die … Perspektiven dieser Handreichung zurückzugehen“. 

Man solle „mit Entschiedenheit dem Anliegen weiterhin Rechnung tragen, das Papst Benedikt XVI. beim VII. Weltfamilientreffen in Mailand äußerte, als er den Geschiedenen in seiner Predigt zurief: Ich ermutige euch, mit euren Gemeinden verbunden zu bleiben, und wünsche mir zugleich, dass die Diözesen geeignete Initiativen ergreifen, um euch aufzunehmen und Nähe zu vermitteln.“

Liebe Freiburger Initiatoren, die Worte Benedikts XVI. gelten heute gewiss genauso wie gestern, aber die Sakramente der Kirche sind und bleiben unverhandelbar. Benedikt XVI. hätte niemals eine Initiative gewünscht, welche im Gegensatz zur Lehre der römisch-katholischen Kirche steht  –  allein der Gedanke daran ist absurd  – schließlich sprach er von „geeigneten“ Initiativen und nicht von Rebellion gegen Rom.

Quelle: http://www.kathnews.de/folgt-nun-offene-rebellion-gegen-rom-freiburger-initiative-ruft-deutsche-bischoefe-zum-ungehorsam-auf

Foto: Dr. Bernd F. Pelz


Künstliche Befruchtung und gentechnische „Perfektionierung“ des Embryo auf Abwegen

Mathias von Gersdorff

Kritik an der Entwicklung der Biotechnik kommt normalerweise entweder von Lebensrechtlern oder aus der Öko-Bewegung. Die einen meinen, die neuen Techniken führen zur Selektion, die anderen zu einer totalen Unterwerfung des Menschen unter die Gesetze des Marktes: der Mensch würde zunehmend zu einer Ware, zu einem reinen Produktionsfaktor reduziert werden, der hierfür optimiert wird.

M. von Gersdorff

Mathias von Gersdorff

Die Argumentation beider Gruppen ist gar nicht so verschieden, doch sie kommen kaum zusammen, weil die Linken befürchten, das sog. Selbstbestimmungsrecht der Frau könnte eingeschränkt werden, falls das Lebensrechtsthema in diesem Zusammenhang angesprochen wird.

Die ideologischen Scheuklappen sind auf linker Seite derart groß, daß die Geschlechtsselektion per Abtreibung (weltweit werden viel mehr Mädchen als Jungen abgetrieben) zwar kritisiert, die Abtreibung als solche aber verteidigt wird.

Hin und wieder einmal gibt es auch in den Mainstream-Medien kritische Töne zur Entwicklung in der Biotechnik, doch auch hier will man nicht sehen, daß es sich im Kern um ein Lebensrechtsthema handelt und die Liberalisierung der Abtreibung im Ursprung der Verdinglichung des Menschenlebens steht.

Ziel: ein „fehlerfreies“ Kind

Ein Beispiel hiervon ist der informative Essay von Melanie Mühl  –  Autorin des Buches „Die Patchwork-Lüge“  –  unter dem Titel „Wir optimieren uns zu Tode“ im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 6. November.

Dort weist sie hin auf die Gefahren des technologischen Fortschritts in der Medizintechnik und benutzt dazu Beispiele der letzten Monate. Melanie Mühl präsentiert nicht nur Überlegungen über die neuen Techniken an solche, sondern auch darüber, wie die Gesellschaft sich hierauf eingestellt hat und sie akzeptiert.

Anhand folgender Beispiele wird der Frage nachgegangen, wohin uns die Biotechnik führt:

Die britische „Human Fertilisation and Embryology Authority“ (HFEA), die Aufsichtsbehörde für künstliche Befruchtungen, unternahm eine Bürgerumfrage, um festzustellen, ob man Eingriffe in die Keimzellen eines Embryos akzeptieren würde, um Vererbung von tödlichen Krankheiten zu verhindern.

Künstliche Befruchtung mit drei Gen-„Eltern“

Die Umfrage zeigte eine breite Zustimmung zur Korrektur von Gendefekten. Das Verfahren, um das es ging, ist nicht ganz ohne, denn im elterlichen Erbgut werden Mitochondrien eines Dritten implantiert. Das Kind hätte also gentechnisch gesehen drei Eltern. Das Gesundheitsministerium gab daraufhin bekannt, daß es diese Technik gutheiße und unterstütze, so die FAZ.   biomedcinprogrammet_65

Der Aufsatz berichtet ebenfalls von der Geburt von Connor Levy, der in einem Labor „hergestellt“ worden ist, bevor er in eine Gebärmutter eingepflanzt wurde. Doch davor wurde intensiv sein Erbgut decodiert und untersucht, so daß man umfassend über seine Chromosomen Bescheid wußte.

Die Methode heißt „Next generation sequencing“ und wird inzwischen regelmäßig bei Retortenkindern angewandt. Connor Levy war das erste Kind, bei dem man diese Technik gezielt zum Auffinden von Anomalien angewendet hat. Ziel war also, ein „fehlerfreies“ Kind herzustellen.

Selektion nach Erbgut-Analysen

Das dritte Beispiel: Die Firma 23andMe aus Kalifornien bietet Erbgutanalysen für 99 Dollar an. Sie verschickt dafür weltweit „DNA-Kits“. Damit können Eltern sich die Wahrscheinlichkeit von sechs Merkmalen errechnen lassen: Augenfarbe, Laktoseintoleranz, Muskelstärke, Ohrenschmalzkonsistenz, die Fähigkeit, bitter zu schmecken, und die Ausprägung der Hautröte nach Alkoholkonsum. 

Die Firma legt einen Fragebogen bei, in welchem Wünsche wie „Ich bevorzuge ein Kind mit einem geringen Risiko für …“ angegeben werden können. Pränatale Tests dieser Art führen unweigerlich zur Tötung von Kindern, die nicht den gesellschaftlichen Normen entsprechen, also zu Selektion.

Die Biotechnik entwickelt sich nicht nur rasant schnell, sie wird auch immer erschwinglicher. Die komplette Entschlüsselung des menschlichen Genoms kostete im Jahr 2003 ungefähr drei Milliarden Dollar. Heute muß man für eine komplette Genomentschlüsselung etwa 15.000 Euro ausgeben. Doch hart wird am Tausend-Dollar-Genom gearbeitet. Ist das erstmal erreicht, dann ist die flächendeckende Untersuchung in Sicht, etwa wie heute die Ultraschalluntersuchung und sonstige pränatale Diagnostik.

Horrorvision: Natürliche Empfängnis immer seltener

Aufgrund dieser Informationen und der Tatsache, daß westliche Frauen immer später Kinder haben wollen – wenn überhaupt –, geht die Autorin davon aus, daß sich die In-Vitro-Fertilisation und die Fortpflanzung überhaupt drastisch ändern werden.

Diese Behauptung wird mit den Meinungen von Hank Greely, Professor in Standford, untermauert. Er ist überzeugt, daß es bald sicherer sein wird, ein gesundes Kind mit den gewünschten Eigenschaften und zu einem bestimmten Termin in einem Labor herzustellen, als auf natürlichem Wege.

Charles Kingsland, Klinikdirektor des Hewitt Fertility Centre in Liverpool, erwartet, daß es bald nicht nur Samen-, sondern auch Eizellenbanken geben wird. Auf diese Weise könnte man sich für ein Kind auch in einem späten Alter entscheiden, ohne sich Sorgen um seine Gesundheit machen zu müssen.

In-Vitro-Fertilisation ist ohne Tötung von Embryonen de facto so gut wie nicht durchführbar. Und die Präimplantationsdiagnostik wurde eigens dafür entwickelt, um die Gesundheit der in die Gebärmutter zu implantierenden Embryonen zu untersuchen und sie gegebenenfalls zu töten. Diese Tatsache wird allerdings im FAZ-Artikel mit keiner Silbe angesprochen.

Kontrolle in einer durchökonomisierten Welt

Melanie Mühl hinterfragt, ob die sich abzeichnenden Perspektiven nicht nur dem technologischen Fortschritt geschuldet sind, sondern auch den Werten und Prinzipien, die in der modernen Gesellschaft angesagt sind:

Gemälde: Evita Gründler

Gemälde: Evita Gründler

„Ist nicht in Wahrheit die sterile Methode in einer durchökonomisierten Welt, in der Erwartungen an die Erfolgsbiographien des Kindes groß sind, viel zeitgemäßer als die natürliche? Befriedigt sie nicht unser Bedürfnis nach Kontrolle? Und vor allem nach Risikominimierung? Und ist die Vorstellung nicht faszinierend, von vornherein zu wissen, daß alles nach Plan laufen wird?“

Diese Fragestellungen sind angebracht: Die Haltung zum menschlichen Leben; zum Lebensrecht; zum Recht, in das Leben anderer hineinzuwerkeln. Das alles hängt von der Weltanschauung ab. Diese erhält ihre konkrete Gestaltung wiederum von den philosophischen, moralischen und religiösen Maximen, nach denen man sich ausrichtet.

Wer die ganze Verantwortung für die oben beschriebene Entwicklung allein dem Technologiefortschritt zuschiebt, macht es sich zu einfach.

Störanfälliges System Mensch“

Die Biotechnik entwickelt sich nicht in einem gesetzlosen Raum. Selbst in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien  –  diese beiden Länder bilden die Avantgarde in Sachen Medizintechnik  –  ist nicht alles erlaubt, was im Labor möglich ist.

In Deutschland ist aufgrund des Embryonenschutzgesetzes die Gesetzeslage noch restriktiver. Doch Melanie Mühl übersieht nicht, daß die Affinität zwischen den existierenden Gesetzen und den Ansichten der gesellschaftlichen Mehrheit immer schwächer wird:

„Das ändert allerdings nichts daran, daß der Blick auf das störanfällige System Mensch gnadenloser wird. Gleichzeitig schwindet der Platz für Normabweichungen wie Behinderungen weiter.“

Spätestens an dieser Stelle hätte Mühl einsehen müssen, daß der eigentliche Dammbruch, der den Menschen zunehmend zu einem verfügbaren Objekt macht, die Liberalisierung der Abtreibung war. In Deutschland dürfen Föten mit Behinderungen bis unmittelbar vor der natürlichen Geburt abgetrieben werden (Spätabtreibungen)  –  ein offensichtlicher Fall von Diskriminierung.

kleber der katholischen kirche rettet menschenbaby christoferuswerk Der Dammbruch war die Abtreibung

Diese Tatsache führt heute zu Selektion und zum Tod von über 90 Prozent der Föten mit Down-Syndrom. Dabei hat Deutschland die UN-Behindertenkonvention unterschrieben, will sich also für die Inklusion von Menschen mit Behinderungen einsetzen.

Melanie Mühl kommentiert: „Tatsächlich aber läuft die Integration behinderter Menschen alles andere als gut, vor allem an Schulen und auf dem Arbeitsmarkt.“  – Sie hätte schreiben sollen: Behinderte Kinder dürfen bis zum neunten Monat ganz legal abgetrieben werden. Schade, daß die Autorin nicht den Mut hatte, auf die deutsche Abtreibungsregelung hinzuweisen.

Film „Gattaca“ über gentechnische „Optimierung“

In ihrer Schlußbewertung beschreibt sie eine Szene aus dem Film „Gattaca“ aus dem Jahr 1997, worin ein Elternpaar mit einem Genetiker diskutiert, ob man bei der „Herstellung“ des Kindes nicht manches dem Zufall überlassen könnte.

Im Film wird eine Gesellschaft gezeigt, in der genetisch optimierte Menschen über diejenigen herrschen, die auf natürliche Weise auf die Welt gekommen sind. Der Genetiker erklärt den Eltern: „Dieses Kind ist das Beste von Ihnen. Sie können tausendmal natürlich empfangen und nie ein solches Ergebnis erzielen.“

Melanie Mühl schließt mit der Frage: „Und was ist, wenn das Beste doch nicht gut genug ist?“

Die Autorin will nicht die letzten Konsequenzen sehen, denn anstatt diese Frage zu stellen, hätte sie auch schildern können, was heute schon Realität ist:

Weil die Pränataldiagnostik zur Feststellung von Krankheiten bei Ungeborenen unsicher ist und deshalb „erwünschte“ gesunde Kinder abgetrieben und „unerwünschte“ kranke Kinder trotzdem geboren werden, ist es in den Niederlanden nun möglich, Kinder (noch in sehr speziellen Fällen) auch unmittelbar nach der natürlichen Geburt zu töten.

Einfache Logik: Nur nach der Geburt kann man mit Sicherheit den Gesundheitszustand des Kindes erfahren. Der Tod vor oder nach der Geburt derjenigen, die den Qualitätsstandards nicht genügen, ist schon Realität. Dies wahrhaben zu wollen, fällt offenbar schwer.#

Mathias von Gersdorff ist kath. Publizist und Leiter der Frankfurter Aktion „Kinder in Gefahr“

Erstveröffentlichung des Beitrags in der Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT


Der HERR ist doch kein Gott der Toten, sondern der Lebenden!

Heutige liturgische Evangelienlesung der kath. Kirche:Lk 20,27-40:

In jener Zeit kamen einige von den Sadduzäern, die die Auferstehung leugnen, zu Jesus und fragten ihn:

Meister, Moses hat uns vorgeschrieben: Wenn ein Mann, der einen Bruder hat, stirbt und eine Frau hinterläßt, ohne Kinder zu haben, dann soll sein Bruder die Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen verschaffen. 

Dr. Bernd F. PelzNun lebten einmal sieben Brüder. Der erste nahm sich eine Frau, starb aber kinderlos.Da nahm sie der zweite, danach der dritte – und ebenso die anderen bis zum siebten; sie alle hinterließen keine Kinder, als sie starben.Schließlich starb auch die Frau. Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt.

Da sprach Jesus zu ihnen: Nur in dieser Welt heiraten die Menschen. Die aber, die Gott für würdig hält, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, werden dann nicht mehr heiraten. Sie können auch nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich und durch die Auferstehung zu Söhnen Gottes geworden sind.

Daß aber die Toten auferstehen, hat schon Moses in der Geschichte vom Dornbusch angedeutet, worin er den HERRN als den „Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs“ bezeichnet. ER ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn sind alle lebendig.

Da sagten einige Schriftgelehrte: Meister, du hast gut geantwortet.  –  Und man wagte nicht mehr, ihn etwas zu fragen.

Foto: Dr. Bernd F. Pelz