Berliner Polizei zieht ihr Warnvideo zum Taschendiebstahl nach Protesten zurück

Von Michael Leh

Die Berliner Polizei hat ein sehr gutes Kurzvideo zurückgezogen, mit dem in U-Bahnen vor Taschendieben gewarnt wurde. Das rund einminütige Video zeigte Originalaufnahmen von drei Taschendiebstählen aus einer Überwachungskamera.

Interessant zu sehen war insbesondere, wie zwei Täterinnen den Vorgang des Diebstahls mit einem losen Tuch oder Kleidungsstück so abdecken, dass niemand ihre Hände sieht, die nach der Geldbörse des Opfers greifen. f7e56f3557

Wer die lehrreichen Szenen gesehen hat, kann dadurch vielleicht auch eher bemerken, wenn ein Diebstahl in seiner Nähe passiert, das Opfer warnen oder als Zeuge dienen.

Auf dem Video waren die Gesichter zweier Täterinnen und eines Täters  –  dieser stahl einer alten Frau in einem Supermarkt  das Portemonnaie aus ihrer Einkaufstasche  –  unkenntlich gemacht. Man konnte jedoch vom übrigen Aussehen her vermuten, dass es sich bei den Dieben um Ausländer oder Personen mit Migrationshintergrund handelte.

Linkspartei und Türkenlobby führen Polizei am Nasenring vor

Sofort begannen deshalb türkische Verbandsverteter zu zetern. Der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg (TBB) forderte das sofortige Abschalten des Kurzfilms. Die Berliner Polizei stelle damit „Menschen nicht-deutscher Herkunft unter Generalverdacht“, behauptete  Ayse Demir vom TBB.

Eine „klischeehafte Darstellung“ und ein „einseitiges Täterbild“ könnten „nicht hingenommen“ werden, erklärte sie, obzwar es sich auf dem Video um echte Taschendiebe handelte und ausländische Taschendiebe in großer Zahl in Berlin einfallen.

Die Berliner Polizei muss inzwischen schon rumänische Polizisten als Berater und Helfer gegen das Heer von Dieben aus Rumänien einsetzen. Wie der Bund Deutscher Kriminalbeamter erklärte, lag der Anteil Nichtdeutscher unter den ermittelten Tatverdächtigen bei Taschendiebstahl in Berlin im Jahr 2012 bei 74 Prozent.

Doch laut TBB war das Video  „diskriminierend“. Ähnlich äußerte sich Hakan Tas von der Partei „Die Linke“ und Benedikt Lux von den Grünen. Banan Cayram von den Grünen erklärte die „interkulturelle Öffnung“ der Polizei für gescheitert.

Weder vom CDU-Innensenator noch einem CDU-Abgeordneten war etwas zur Unterstützung der Polizei zu hören. Wie diese mitteilte, wird künftig nur noch ein Video gezeigt, in dem deutsche Polizisten die Taschendiebe spielen. „Die Taschendiebe sind jetzt blond“, schrieb die „Berliner Zeitung“ sarkastisch.

Michael Leh ist politischer Journalist und lebt in Berlin

Erstveröffentlichung des Beitrags in der PAZ am 21.12. 2013



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