Michael Wolffsohn über Theo Sommer: „Wieder ein unmoralischer Moralist“

Steuersache Hoeneß und Sommer: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Prof. Dr. Michael Wolffsohn, prominenter Historiker und Buchautor aus München, befaßte sich am 27. Januar 2014 in einem Artikel auf FOCUS-online mit der Steuerhinterziehung von Theo Sommer, dem ehem. Herausgeber der linksliberalen Wochenzeitung „Die Zeit“.

Foto: http://www.wolffsohn.de/

Keine Frage, beide Personen des öffentlichen Lebens haben Steuern hinterzogen, der Bayern-Präsident ebenso wie der Publizist Sommer, „Edelfeder und Moralprediger“, wie Wolffsohn ihn leicht ironisch benennt.

Zunächst erwähnt der deutschjüdische Geschichtswissenschaftler den Unterschied zwischen dem wochenlang in Medien und Politik breitgetretenen „Fall Hoeneß“ und der weitaus weniger diskutierten Causa Sommer:

„Was unterscheidet sie? Uli Hoeneß hat sich selbst angezeigt, Sommer nicht. Er hat Einnahmen von rund 650.000 Euro nicht versteuert, wie das Finanzamt feststellte. Nun wurde Theo Sommer verurteilt. Einer unserer Top-Moralisten ist also vorbestraft.“

BILD: Prof. Dr. Michael Wolffsohn (Foto: http://www.wolffsohn.de)

Der Autor stellt sodann zutreffend fest: „Keiner regt sich wirklich auf. Ganz anders bei Uli Hoeneß. Über den regte sich die Republik wochenlang auf.“

Zudem weist der Historiker darauf hin, daß Hoeneß  –  anders als Theo Sommer  –  „ungeheuer hohe Beträge für wohltätige Zwecke gespendet und auch von sich aus viel kreativ Gutes für Benachteiligte auf den Weg gebracht“ habe.

„Das Muster ist beklemmend“

Prof. Wolffsohn bezieht grundsätzlich Stellung zu den vielgerühmten Moralisten und vermeintlichen „Edelfedern“ hierzulande:

„Ich habe zunehmend Probleme mit vielen Moralisten unserer Republik. Natürlich kann man nicht alle gleichsetzen. Aber das Muster ist beklemmend. Nehmen wir die Moralisten der Vergangenheitsbewältigung. Was, wie und wie oft haben Günter Grass und viele andere Moral-Superstars „den Deutschen“ vorgeworfen, sich nicht mit ihrer NS-Vergangenheit auseinandergesetzt zu haben. Ja, und dann? Dann der Schock. Nach Jahrzehnten der Beschimpfungen anderer…“

Kein Wunder also, wenn der Blick aufs einfache Volk im Vergleich zu dieser Pseudo-Elite geradezu wohltuend wirkt, wie der Münchner Historiker schildert: 

„Je mehr Fälle ich kenne, desto mehr bewundere ich den „Kleinen Mann“ und die „Kleine Frau“. Ohne viel Tamtam,  leise und fleißig, vollbringen sie ihre Arbeit… Ihre Moral predigen sie in den eigenen vier Wänden oder an Stammtischen. Wahrscheinlich sind sie nicht besser (und auch nicht schlechter) als Millionen andere. Sie haben ihre Stärken und Schwächen, es sind „Menschen wie du und ich“. Sie blasen sich nicht als Helden, gar zu Vorbildern der Nation auf.“

Theo Sommer verharmloste die „DDR“-Diktatur

Der Journalist Michael Leh aus Berlin hat sich sodann auf FOCUS-online unter dem Wolffsohn-Artikel mit dem folgenden informativen Leserkommentar zu Wort gemeldet:imagesCAQES0N8

„Wolffsohn hat völlig recht. Besonders genannt werden muss aber noch, dass Theo Sommer auf üble Weise in der ZEIT die DDR selbst noch kurz vor ihrem Zusammenbruch schöngeschrieben und den Kommunismus verharmlost hat.

Ich zitiere aus Sommers Texten aus dem Jahr 1986 über die DDR nur z.B.: „Das Verhältnis zwischen Volk und Obrigkeit ist enstpannter als je zuvor. Die Bürger sehen, dass es vorangeht.“

Und über Honecker: „Die Bürger des anderen Staates bringen ihm fast so etwas wie stille Verehrung entgegen.“ 

Ich habe Sommer schon damals wegen dieser grässlichen Desinformation und Fehlurteile verabscheut und verachtet. Nach der „Wende“ konnte er munter an führender Stelle weiterschreiben. Die Steuerhinterziehung ist für mich nur das Tüpfelchen auf dem i. –  Politisch waren seine Texte schlimmer.“

 

7 Kommentare on “Michael Wolffsohn über Theo Sommer: „Wieder ein unmoralischer Moralist“”

  1. Rebner sagt:

    KKK S. 123: Wahre Seelsorge muß deshalb auch Leibsorge und konkrete Lebenshilfe sein. Sie darf sich nicht nur des Wortes, abstrakter Begriffe und moralischer Prinzipien bedienen, sondern muß Bilder, Symbolik, Lieder in ihren Dienst nehmen, um so den ganzen Menschen anzusprechen und ins Heilsgeschehen einzubeziehen.

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    • heureka47 sagt:

      Der wahrhaft erwachsene Mensch braucht keine – professionelle, akademisch geschulte – Seelsorge, denn er ist wahrhaft HEIL; ist EINS mit dem göttlichen (Bewußt-)Sein, der Liebe / der Heilkraft / dem Frieden. Wer HEIL ist, kann nicht wirklich, nicht häufig oder schwer, „krank“ werden.

      Alle „Krankheiten“ sind nur verschiedene Symptome des NICHT-GEHEILT-Seins, des noch nicht Eins-Seins mit dem göttlichen Sein.

      Und Frau Küble verschließt sich dem „besseren“ Wissen – wie es auch ihre Kirche tut – weil die zivilisierte Gesellschaft insgesamt (von seltenen Ausnahmen abgesehen) unter DER KRANKHEIT leidet und sich der Erkenntnis – auch des Weges der grundlegenden Heilung – verschließt.

      Die „Schriftgelehrten“ halten sich an die „Schrift“ – die sie aber gar nicht wirklich verstehen – leiten daraus ihr Dogma ab und die Menschen akzeptieren das als die Wahrheit.
      Ich nenne das „Mißbrauch“.

      Gottgewollt ist, daß jeder einzelne Mensch die Wahrheit mit eigenem – höheren – Bewußtsein erkenne. Genau das aber bestreitet die Kirche und ergeht sich in krankhaft neurotischer Angst und Abwehr- / Vermeidungshaltung…
      Traurig, aber wahr.
      Aber nicht NUR traurig, sondern auch lehrreich.
      Wer im Geist Gottes lebt, dem „werden alle Dinge zum Besten dienen“, heißt es.
      Und MIR dienen seit vielen Jahren alle Dinge zum Besten.
      Also: Vielen Dank!
      Herzlichen Gruß!

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  2. Lucia sagt:

    Ich empfinde schon seit langem den Journalismus als „oberste Moralinstanz“. Wer kann schon einen „Edelschreiber“ oder die Lynch-Justiz der Boulevard-Presse, die einen VIP-Menschen jagt, wirksam angreifen? Welche Zeitung kann sich das leisten? Journalisten bespitzeln sich wohl kaum gegenseitig; sie finden genügend andere Opfer. Ein bekannter Fußballspieler oder ein Bischof sind viel unverbindlicher und bequemer zu haben. Darauf stürzt sich die Krähen- gesellschaft sofort. Der Angreifer eines bekannten Redakteurs aber dringt normalerweise gar nicht erst bis in die Öffentlichkeit durch. Wer riskiert es denn, ihn zu drucken? Dass es Michael Wolffsohn gelungen ist, diesen Schutz der Kollegialität zu durchbrechen, ist bemerkenswert.

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    • Frank Becher sagt:

      Dass sich die „Medienkrähen“ gegenseitig schönen, gibt es schon lange, z. B. Im Fall des Rauschgiftschmugglers Rudolf Augstein 1979, über den äußerst dünn berichtet wurde

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  3. Marienzweig sagt:

    Warum das gleiche oder ähnlich einzuordnende Vergehen bei Person a wochen- und monatelang die Schlagzeilen bestimmt und bei Person b kaum kommentiert wird – darüber habe ich schon oft nachgedacht.
    Wer hat die Macht und übt Einfluss aus, wer bestimmt die Themenauswahl?
    Und warum ordnen sich alle anderen Medien diesem Konzept unter?
    Hat man eine Zeitung und ihre Bewertung über ein bestimmtes Vorkommnis gelesen, kann man sich in der Regel die Lektüre der übrigen schenken.
    Meistens ist es doch so:
    Viele Zeitungen = eine (mehr oder weniger übereinstimmende) Meinung!

    Mein Kompliment an die ZEIT und ihre Wortschöpfer:
    Der beschönigende Ausdruck „Steuerverkürzung“ der wohl für ihren einstigen Herausgeber zu diesem Zweck erfunden wurde, ist ausserordentlich „kreativ“.
    Auf solch einen Begriff muss man erst einmal kommen.
    Allein diese Verwendung zeigt schon die manipulativen Möglichkeiten der Sprache, zielgerichtet eingesetzt.

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  4. Bernhard sagt:

    Ob „verabscheut und verachtet“ einer „guten Katholikin“ würdig ist, will ich hier nicht diskutieren.

    Ansonsten muss ich sagen: Ich weiß nicht genau, worauf der Artikel abzielt. Viele Leute haben Steuern hinterzogen, bekannte und unbekannte. Und dass bei bekannten mehr darüber geschrieben wird, ist klar. Und für den zitierten „Mann auf der Straße“ war Uli Hoeneß definitiv bekannter als ein Professor Wolfssohn. Deswegen weiß ich nicht genau, woher die Aufregung rührt.

    Man mag Steuerhinterziehung als schwerwiegende moralische Verfehlung ansehen. Irgendwelche individuelle Schuld im Zusammenhang mit der Nazi-Herrschaft mag leichter oder schwerer gewesen sein. Dass ein Steuerhinterzieher sich aber nicht zur Naziherrschaft äußern dürfte, erscheint mir aber etwas an den Haaren herbeigezogen.

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    • Guten Tag,
      der abschließend zitierte Leserkommentar stammt nicht von einer „guten Katholikin“ (auch nicht von mir, falls Sie mich damit meinen), sondern vom Journalisten Michael Leh. Der Text ist informativ, die Zitate sind korrekt, die Ausdrucksweise ist Sache des Autors.
      Der Vergleich der „Aufregung“ wird hier nicht zwischen Hoeneß und Wolffsohn geführt, sondern zwischen Hoeneß und dem ZEIT-Herausgeber Sommer, der seit vielen Jahrzehnten allgemein bekannt ist (Prof. Wolffsohn ist übrigens auch nicht gerade unbekannt).
      Zudem geht es nicht darum, daß Steuerhinterzieher sich nicht zur Nazi-Herrschaft äußern dürfen, sondern daß sie sich nicht ständig als oberste Moralinstanz aufspielen sollen, wie das gerade die ZEIT mir ihrem Herrn Sommer so gerne tut und getan hat.
      Dazu kommt übrigens, daß Sommer jetzt so tut, als sei bei ihm alles nur aus „Dussligkeit“ (!) geschehen und daß er zudem die fällige Nachzahlung auch noch als große Opfertat hinstellt: „Ich habe aber inzwischen die gesamte Steuerschuld abgetragen, und zwar unter Inkaufnahme großer Opfer für meine Altersversorgung und die meiner Frau.“ (Theo Sommer am 18. Januar 2014 im Gespräch mit dem „Hamburger Abendblatt“.)
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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