Aramäer wollen Rückgabe des Klosters Mor Gabriel und Minderheitenrechte in der Türkei

Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland hat den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan aufgefordert, enteigneten Grundbesitz an das syrisch-orthodoxe Kloster Mor Gabriel im Tur Abdin im Südosten des Landes zurückzugeben.

Anlaß ist ein Besuch Erdogans in Berlin. In der Türkei finden im März Kommunalwahlen statt. Auch 1,5 Millionen in Deutschland lebende Türken sind wahlberechtigt. IMG_4794

Im September 2013 hatte Erdogan in Aussicht gestellt, die Enteignung zurückzunehmen. Er wolle „ein Unrecht beseitigen“. 2011 hatte ein Gerichtshof in Ankara dem Staat große Teile des klösterlichen Grundbesitzes übertragen.

Mor Gabriel ist das wichtigste syrisch-orthodoxe Kloster in der Türkei. In dem Gebiet leben noch etwa 3000 Aramäisch sprechende syrisch-orthodoxe Christen.

Erdogan hat Ankündigungen nicht umgesetzt

Wie der Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir, erklärte, hat Erdogan auf seine Ankündigung vom September bisher keine Taten folgen lassen: „Die Klosterleitung und die aramäische Gemeinschaft weltweit warten weiter auf die Umsetzung.“

Man fordere die Rückgabe sämtlicher enteigneter Klosterländereien. Die Aramäer seien in der Türkei nicht als Minderheit anerkannt und könnten auch „das elementare Menschenrecht der Religionsfreiheit“ nicht ausüben.

Demir rief Erdogan zu einer neuen, glaubwürdigen Minderheitenpolitik auf. Nötig sei „eine neue Verfassung, in der auch die offizielle Anerkennung der Aramäer als Minderheit verankert ist“.

Das Kloster Mor Gabriel wurde im Jahr 397 gegründet und ist eines der ältesten Klöster der Christenheit. Aus dem Tur Abdin sind in den vergangenen Jahrzehnten mehr als 300.000 syrisch-orthodoxe Christen nach Europa geflohen, um Verfolgung und Ermordung durch Türken und Kurden zu entgehen. 

Quelle: http://www.idea.de


One Comment on “Aramäer wollen Rückgabe des Klosters Mor Gabriel und Minderheitenrechte in der Türkei”

  1. Bernhard sagt:

    Wenn die Türkei in die EU will, muss sie ihre Minderheitenpolitik ändern. Das ist ganz klar. Solche Zustände wären in der EU nicht haltbar.

    Das Problem ist nur: Viele Leute (mich eingeschlossen) wollen nicht, dass die Türkei in die EU kommt. Dann kann man schlecht Bedingungen stellen, wenn man sein Versprechen nicht halten will. Wenn man aber von vornherein klar macht, dass man die Türkei nicht in der EU haben will, hat man auch wenig Handhabe, um Druck auszuüben. Ein Dilemma…

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