Pater Klaus Mertes SJ und seine eigene „Instrumentalisierung“ der Mißbrauchsdebatte

Wer mißbraucht das Mißbrauchsthema für fremde Zwecke?

Mitte September 2013 berichtete Radio Vatikan, daß der in der Medienwelt als „Aufklärer“ vielgerühmte Jesuitenpater Klaus Mertes die kritische Debatte um frühere Skandale und pädosexuelle Forderungen bei den Grünen kritisiert.

Und warum gefiel dem katholischen Geistlichen diese  – immerhin seit Jahrzehnten überfällige  –  Aufklärung und Kontroverse nicht?

Der heutige Leiter der Jesuitenschule Sankt Blasien im Schwarzwald wandte sich wie folgt gegen die Thematisierung der grünen Vergangenheit im Wahlkampf:

„Mich ekelt jede Form der Instrumentalisierung dieses Themas und jede damit verbundene Selbstgerechtigkeit schlicht an.“

Pater Mertes hat damit die grüne Partei massiv in Schutz genommen, obwohl es sich bei jener Debatte um eine  – auch durch wissenschaftliche Archiv-Forschung fundierte  –  Sachauseinandersetzung handelte, die von Opferschutzverbänden ausdrücklich begrüßt wurde, zB. von „NetzwerkB“, einem der größten Interessensverbände von Betroffenen sexuellen Mißbrauchs.

BILD: Unser Buch-Tip: „Die missbrauchte Republik“

Da sich der Jesuit so vehement gegen jede „Instrumentalisierung“ der Mißbrauchsthemas wendet, hätte man gerne gewußt, warum gerade er kürzlich genau diese Debatte (die durch unqualifizierte UNO-Attacken gegen die Kirche erneut angeheizt wurde) zum Anlaß nahm, um Erzbischof Gerhard L. Müller wüst zu attackieren und den Präfekten der Glaubenskongregation in einem geradezu flegelhaften Ton zum Rücktritt aufzufordern.

NÄHERES dazu siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2014/02/07/feldzug-gegen-rom-pater-klaus-mertes-sj-attackiert-glaubensprafekt-gerhard-l-muller/

Während es sich bei der Debatte um die grüne Pädosex-Phase der 80er Jahre im wesentlichen um eine SACH-Auseinandersetzung handelte, die P. Mertes aber gleichwohl ekelhaft findet, hat er selber die aktuelle Mißbrauchs-Diskussion dazu vereinnahmt, um sogar eine PERSON anzugreifen, noch dazu einen besonders engen Mitarbeiter des Papstes, nämlich Kurien-Erzbischof Gerhard L. Müller.

Auszeichnung durch die SPD

Erinnern wir uns aber, daß P. Mertes vor ca 2 Jahren für seine „Aufklärungsarbeit“ mit dem Gustav-Heinemann-Bürgerpreises der SPD ausgezeichnet wurde. Angesichts der antikirchlichen Ausfälle des Jesuiten ist diese Ehrung nicht weiter erstaunlich.

Nach dem Ausbruch der Medienwelle in puncto Mißbrauch ließ sich der Berliner Ordenszweig laut einer dpa-Meldung übrigens Folgendes einfallen:

“Für Aschermittwochabend haben die Jesuiten anlässlich der Missbrauchsfälle in ihren Gymnasien zu einem Gebet in die Kirche Maria Regina Martyrum in Berlin-Plötzensee eingeladen. «Wir möchten in stillem Gebet vor Gott und der Öffentlichkeit unsere Scham und Trauer ausdrücken über die Schuld einzelner Jesuiten und die Katastrophe des institutionellen Wegsehens.”

Man beachte: Hinsichtlich des eigenen Ordens wurde durchaus zu Recht betont, daß es sich um die Schuld “einzelner” Jesuiten handelt;  doch dann ist von der “Katastrophe” des “institutionellen” (!) Wegsehens die Rede  –  eine Anschuldigung, die sich gegen die Kirche als solche richtet, nicht nur gegen einzelne Kirchenvertreter.

Schadenfreude über „anhaltenden Tsunami“

Drei Monate nach seiner “Enthüllungs”-Aktion konnte man in einer Meldung von “Radio Vatikan” am 4.4.2010 erfahren, wie sehr sich Pater Mertes offenbar über den Tsunami  freute, der über die Kirche hereinbrach:

“Der Direktor des Berliner Canisius-Kollegs, der Jesuit Klaus Mertes, ist beeindruckt von der anhaltenden Intensität der Debatte über den Missbrauch durch katholische Priester.

In einem Gastbeitrag für den Berliner „Tagesspiegel am Sonntag“ schreibt Mertes (…),  er könne zwar noch nicht ermessen, wie groß die Lawine sei, die über die Kirche hinwegfege, doch es beeindrucke ihn, „die Kraft, die das Wort der Opfer hat“. Es habe eine Lawine zum Rollen gebracht und halte sie am Rollen.

Alle Versuche der Angesprochenen, sich der Wucht der Lawine zu entziehen, führt der Berliner Jesuit aus, erwiesen sich als ohnmächtig. Im Gegenteil, sie verstärkten die Lawine.“

Die schadenfrohe Genugtuung darüber, daß die eigene antikirchliche Strategie voll aufgegangen war, ist hier unüberhörbar.

Dabei ist klar, daß es Mißbrauchsfälle wie Vertuschungsvorgänge innerhalb der Kirche gab und gibt  – und daß dies alles aufgeklärt werden mußte und weiter muß.

Ebenso klar ist aber, daß die “Aktion Aufdeckung” für Pater Mertens offenbar eine taktische Flucht nach vorne war  – frei nach der Devise: Lieber darüber selber die Kontrolle behalten, bevor es andere tun.

Zudem zielte die Initiative besonders darauf ab, seine Kirchenkritik wirksam an den Mann und die Medien zu bringen und seinen modernistischen “Reformen” (z.B. Abschaffung des Zölibats, Einführung des Frauenpriestertums, Ja zur Homosexualität) durch das öffentliche Mißbrauchsgetöse mehr Gehör zu verschaffen.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

ERGÄNZENDER BEITRAG: https://charismatismus.wordpress.com/2014/02/07/feldzug-gegen-rom-pater-klaus-mertes-sj-attackiert-glaubensprafekt-gerhard-l-muller/


3 Kommentare on “Pater Klaus Mertes SJ und seine eigene „Instrumentalisierung“ der Mißbrauchsdebatte”

  1. Anonymous sagt:

    Ein Mensch, der es gewagt hat, sich gegen eine solche große Gemeinschaft wie die katholische Kirche zu stellen, der sich gegen Bekannte und Freunde des eigenen Umfeldes wandte, welches zweifellos aus einem Großteil Jesuiten und Katholiken besteht, gebührt Dank und Respekt für ein solch mutiges Auftreten in der Öffentlichkeit zur Aufklärung der unvorstellbar grausamen Missbrauchsfälle.
    Ihn zu beschuldigen, dies aus Egoismus, Minderwertigkeitsgefühlen oder der Profilierungssucht getan zu haben, halte ich schlichtweg für eine engstirnige und nicht begründete Aussage.
    „Die schadenfrohe Genugtuung darüber, daß die eigene antikirchliche Strategie voll aufgegangen war, ist hier unüberhörbar.“
    Diese schadenfrohe Genugtuung wäre mir sehr neu und lässt mich verwundert und bestürzt den Kopf schütteln!
    Egal, aus welcher Motivation heraus er an die Öffentlichkeit ging, ist es das Wichtigste, dass er es getan hat.
    Krampfhaft alles zu kritisieren, was sich gegen die katholische Kirche richtet, ist unreflektiert und scheint einem kindlich naiven Glauben nahe.
    Vielleicht sollten Sie beide sich noch einmal Gedanken zu diesem Thema und ihrem Urteilsvermögen machen.
    Nur ein „Dipl.-Psych. Dr.“-Titel erhebt einen noch nicht zu Gott – dies sei zum Schluss noch anbemerkt.
    Grüße,
    praktizierende Katholikin, tätig in Jugendarbeit und einer ehemaligen Missbrauchsschule

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  2. Anonymous sagt:

    Liebe Frau Felizitas Küble,ich bewundere Ihr schnelles und gezieltes Reagieren auf die sich mehrenden Vorgänge und gezielt aggressiven Aussagen, die sich „selbstherrlich“ gegen fundamentale Wahrheiten unseres katholischen Glaubens und gegen Personen unserer Kirche richten, welche diese Wahrheiten standhaft vertreten.
    Psychologisch beurteilt scheint Pater Klaus Mertens SJ entweder aus Minderwertigkeitsgefühlen oder aus Profilierungssucht heraus sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Damit macht er sich und seinem Orden nun wirklich keinen Gefallen, offensichtlich aber nicht wissend, was er mit seinen Aussagen in der Mißbrauchsdebatte in der Öffentlichkeit anrichtet.
    Freundliche Grüße!
    Univ.-Prof. Dipl.-Psych. Dr. Reinhold Ortner

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    • Egon Dammann sagt:

      Gerade psychologisch wird die Aufklärung von Pater Mertes gegen Unterdrückung, Unterwerfungsritual so bedeutsam, weil die katholische Kirche Tiefenpsychologie nicht kennt oder ignoriert. Warum fordert die Kirche im Ritual von Jedem beim Abendmahl, gegen die Liebe Jesu, seine Unwürde zu bekennen? Selbst die Jünger fragten Jesus für die Strafe von Blindheit:“Wer hat gesündigt, er oder seine Eltern?“ Mein Appell zu Barmherzigkeit, begründet mit der Tiefenpsychologie >>Glaubwürdigkeit und Menschenwürde<< (Luther-Verlag) findet in der Amtskirche kein Gehör oder Ablehnung. Bischof Genn schrieb mir, es werde wohl keine Litugiereform geben, obwohl ich von den schlimmen Folgen bleibender Traumaschäden spreche.
      Egon Damman

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