FDP kritisiert geplante eCall-Pflicht für Autos: “Big-Brother als Beifahrer?”

Das Europa-Parlament hat heute einen Vorschlag angenommen, nach dem alle neuen Fahrzeugtypen ab Herbst 2015 verpflichtend mit einem eCall-System ausgestattet sein müssen.meissner-hirsch-220x157

FDP-Innenexpertin Nadja Hirsch (siehe Foto) beanstandet vor allem die Unbesonnenheit der Abgeordneten in Sachen Datenschutz:

“Ob das persönliche Sicherheitsbedürfnis oder das Recht auf Privatsphäre überwiegen, sollte allein die Entscheidung des Fahrers sein. Daher hat FDP dafür gekämpft, dass die eCall-Funktion nur optional ist und ausgeschaltet werden kann. Wir können nicht einerseits im Rahmen der öffentlichen Diskussion und Datenschutzreform mehr Datenschutzrechte für den Bürger verlangen, um ihn dann bei eCall dieser Rechte wieder zu berauben.”

Auch Gesine MEIßNER, verkehrspolitische Sprecherin der Liberalen Fraktion im Europa-Parlament, kritisiert diesen Beschluß:

„Wie bei allen neuen Vorschlägen steckt der Teufel häufig im Detail: Durch eCall-Systeme sollen im Falle eines Unfalls automatisch Positionsdaten und Fahrtrichtung an die Notrufzentrale übermittelt werden. Die Nutzung von moderner Technologie für mehr Sicherheit im Straßenverkehr ist grundsätzlich zu begrüßen.

Eine rote Linie ist für mich aber dann überschritten, wenn diese Daten theoretisch auch genutzt werden können, um Bewegungsprofile von allen Autofahrern zu erstellen. Wichtig für die FDP war deshalb, dass Autofahrer die Freiheit haben müssen, das eCall-System manuell auszuschalten Diese Wahlfreiheit wäre unkompliziert möglich gewesen – die Mehrheit des Parlaments hat sich heute aber für den gläsernen Autofahrer entschieden.“

 


2 Kommentare on “FDP kritisiert geplante eCall-Pflicht für Autos: “Big-Brother als Beifahrer?””

  1. Marienzweig sagt:

    Von allen Argumenten mal abgesehen, die Nadja Hirsch und Gesine Meißner berechtigterweise vorbringen – kann der Einsatz eines solchen unsichtbaren „Mitfahrers“ überhaupt und generell erlaubt sein?
    Der Mensch der Zukunft soll seiner Autonomie beraubt werden.
    Über zahlreiche Schritte gewöhnt man ihn bereits jetzt daran.
    Können wir uns das gefallen lassen?

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    • Ulrike sagt:

      Bei so viel Rundumüberwachung müßten ja Lügen und Heimlichkeiten überhaupt keine Chance mehr haben.

      FREIHEIT ist doch denke ich das höchste Gut des Menschen und dann engt er sich durch solche Entscheidungen selbst ein, das verstehe ich nicht.

      Fachleute können herausbekommen, wo ich letzte Woche Dienstag um 20.25 Uhr war
      – dazu muß man dann also nicht mal mehr sein Handy dabeihaben.

      Kann dann das Finanzamt erkennen, wie weit der Weg zur Arbeit tatsächlich ist (Fahrtkosten)?
      Kann die Versicherung erkennen, ob man den direkten Weg zur Arbeit gefahren ist (falls mal was passiert) ?

      Man muß ja wirklich aufpassen, dass man nicht mal irgendwann unter Verfolgungswahn leiden wird.

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