„Mit deinem Erbarmen komm uns entgegen!“

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche:

Psalm 79 (78),5.8.9.11.13

Wie lange noch, HERR? Willst du auf ewig zürnen?
Wie lange noch wird dein Eifer lodern wie Feuer?
Rechne uns die Schuld der Vorfahren nicht an!
Mit deinem Erbarmen komm uns eilends entgegen!
Denn wir sind sehr erniedrigt.

Um der Ehre deines Namens willen
hilf uns, du Gott unsres Heils!
Um deines Namens willen reiß uns heraus
und vergib uns die Sünden!

Das Stöhnen der Gefangenen dringe zu dir.
Befrei die Todgeweihten durch die Kraft deines Armes!
Wir aber, dein Volk, die Schafe deiner Weide,
wollen dir ewig danken,
deinen Ruhm verkünden von Geschlecht zu Geschlecht.


Warum sich das Aussehen der Europäer in den letzten 5000 Jahren veränderte

Die Frage nach den das menschliche Genom seit dem Ende der letzten Eiszeit verändernden Faktoren ist Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Studien.

Jetzt haben Anthropologen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und vom University College London (UCL) gemeinsam mit Archäologen aus Berlin und Kiew mithilfe alter DNA aus Skeletten den Nachweis erbracht, dass auch noch in den letzten 5000 Jahren starke Selektionskräfte auf das menschliche Genom gewirkt haben, die das Erscheinungsbild der Menschen nachhaltig beeinflussten.

Die Ergebnisse der aktuellen Untersuchungen sind soeben im Artikel „Direct evidence for positive selection of skin, hair, and eye pigmentation in Europeans during the last 5,000 years“ in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) erschienen.   Bild in Originalgröße ansehen

BILD: Grabhügel in der Ukraine mit einem 5000 Jahre altem Skelett(Bild in Originalgröße ansehen Foto: Alla V. Nikolova)

Bisher versuchten Anthropologen, derartige Selektionssignale aus bestimmten Strukturen in den Genomen heutiger Europäer abzuleiten. Der neue Ansatz der Mainzer und Londoner Wissenschaftler analysiert alte DNA aus archäologischen Skeletten und vergleicht die prähistorischen Daten in Computersimulationen mit denen heutiger Europäer.

Lassen sich vorgefundene Veränderungen nicht durch die normale, generationenübergreifende Zufallsverteilung von Merkmalen erklären, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass positive Selektion gewirkt hat, dass sich also eine bestimmte Mutation in der Population ausgebreitet hat.

Prähistorische Vorfahren waren dunkler

Sandra Wilde aus der Arbeitsgruppe Palaeogenetik am Institut für Anthropologie der JGU fielen in ihren Untersuchungen unter einer Reihe genetischer Markern immer wieder diejenigen auf, die mit der Pigmentierung von Haut, Haaren und Augen in Zusammenhang stehen. „Dabei waren die prähistorischen Individuen im Durchschnitt dunkler als ihre Nachfahren“, so Wilde, Erstautorin der PNAS-Studie.

„Dies ist besonders bemerkenswert, da die menschliche Evolution über Jahrhunderttausende eigentlich einen dunklen Phänotyp geprägt hatte. Alle unsere frühen Vorfahren waren dunkel.“ Doch das änderte sich, als der Mensch vor etwa 50.000 Jahren begann, die nördliche Hemisphäre zu besiedeln.

„Gerade in Europa finden wir eine sehr hohe Variabilität von Pigmentierung“, ergänzt Co-Autorin Dr. Karola Kirsanow, die ebenfalls in der Mainzer Arbeitsgruppe Palaeogenetik forscht. „Dennoch hatten wir nicht damit gerechnet, dass die Selektion in den letzten Jahrtausenden noch so stark war.“

Gab es eine positive Selektion?

In der Tat sind die Selektionssignale, die die Mainzer Palaeogenetiker und ihre Kollegen vom University College London festgestellt haben, vergleichbar mit denen für Malaria-Resistenz oder Laktasepersistenz und gehören zu den stärksten, die je in menschlichen Genomen festgestellt wurden.

Die Autoren sehen hierfür mehrere Erklärungsmöglichkeiten: „Die naheliegendste ist die Anpassung an die verminderte Sonneneinstrahlung im Norden“, so Prof. Mark Thomas vom University College in London, Korrespondenz-Autor der Studie:

„Die meisten Menschen generieren Vitamin D über die Haut infolge von UV-Exposition. In den nördlichen Breiten wäre das mit dunkler Haut aber weniger effizient gewesen. Da die Menschen hier auch weniger Vitamin D mit der Nahrung aufnahmen, war hellere Haut die vielleicht beste Option.

Allerdings erklärt dies nicht die Notwendigkeit einer Veränderung der Haar- und Augenfarbe“, so Wilde. „Es mag aber durchaus sein, dass ein veränderter Phänotyp, also die hellere Haar- und Augenfarbe, als Signal von Gruppenzugehörigkeit gesehen wurde und sich auf die selektive Partnerwahl ausgewirkt hat.“

Diese sog. sexuelle Selektion ist im Tierreich durchaus üblich und war vielleicht auch eine treibende Kraft der Evolution des Menschen in den letzten Jahrtausenden.

„Eigentlich wollten wir die Variabilität im Genom des Menschen durch räumliche und zeitliche Dynamiken von Bevölkerungen, etwa durch Migrationen, erklären. Positive Selektion im engeren Sinne halten wir für eine Ausnahme. Doch fallen immer wieder die Laktasepersistenz, also die Fähigkeit, Milchzucker im Erwachsenenalter verdauen zu können, und die Pigmentierungsgene mit ihren überraschend hohen Selektionsfaktoren auf“, fügt Univ.-Prof. Dr. Joachim Burger, Seniorautor der Studie, hinzu.

„Man darf diese wissenschaftlichen Befunde allerdings nicht so interpretieren, als sei alles, was selektiert ist, auch gut und ausschließlich vorteilhaft. Gerade die durch Partnerwahl hergebrachten Merkmale sind häufig kulturell geprägt und damit eher Geschmackssache denn Anpassung an die Umwelt.“

Die alte DNA wurde aus Skeletten von prähistorischen Populationen in Osteuropa gewonnen. Sie gehören größtenteils der sog. Jamnaja-Kultur an. Diese Kultur kennen Archäologen vor allem aufgrund zahlreicher, meist mit Ocker gefärbter Gräber, die in bzw. unter Grabhügeln angelegt wurden.

Die Bestattungen der Jamnaja-Kultur liegen in der Steppenzone zwischen dem Fluss Ural und den östlichen Karpaten vor und datieren zwischen 5100 und 4400 vor heute.

Quelle (Text/Foto): http://www.uni-mainz.de/presse/59652.php

Kontakt: Dr. Karola Kirsanow,  Arbeitsgruppe Palaeogenetik
Institut für Anthropologie  an der Johannes Gutenberg-Universität  in 55099 Mainz
Tel 06131 39-23472

Offener Brief von Chefarzt Prof. Dr. med. Andreas Zieger zur Causa „Hirntod“

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Gemeinsame Stellungnahme der DGN, DGNC und DGNI vom 5. März 2014 veranlasst mich als Mitglied der DGNC, Hochschullehrer, Kliniker und Experte bei der Anhörung des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages in Bonn Juni 1996 zum Transplantationsgesetz (TPG, 1997) zu folgendem Offenen Brief: Zieger 30 März 2013

Ich stimme Ihnen zu, dass das derzeit (vor der Öffentlichkeit heimlich!) im Nationalen Ethikrat diskutierte Konzept des Non-Heart-Beating-Donors (NHBD) strikt abzulehnen ist. Jedoch hat die Deutsche Transplantationsgesellschaft (DTG) beim damaligen Gesundheitsminister Bahr (FDP) die Einführung dieses Konzepts und seine Evaluation bereits im Mai 2011 schriftlich eingefordert! Das bleibt völlig unerwähnt.

Unbeantwortet bleibt ferner die Aussage, dass die NHBD „ein höheres Risiko an Fehldiagnosen in sich birgt“: Welche Art von „Fehldiagnosen“ ist damit gemeint?

Ich stimme Ihnen zu, dass an der Diagnose des Hirntodes mindestens ein Neurologe oder Neurochirurg beteiligt sein sollte. Die von der Süddeutschen Zeitung am 18.2.2014 und 4.3.2014 veröffentlichen Berichte sind nur die Spitze eines (z.T. international publizierten) Eisbergs an fehlerhafter Hirntoddiagnostik (vgl. Neurology, 1998)! Sehr zum Nachteil des Vertrauens in der Bevölkeruing und des Anliegens der Organverpflanzung.

Unter den „Voraussetzungen“, die zur Feststellung eines Hirntod-Syndroms vorliegen müssen, wird in der Stellungnahme der Atemstillstand (Apnoe-Test) nicht erwähnt. Warum? Ist doch der Apnoe-Test die „dritte Säule“ neben dem „areagiblen tiefsten Koma“ und dem „Erloschensein aller Schutz (Hirnstamm)reflexe“. Warum wird der Apnoe-Test verschwiegen. Etwa, weil er „gefährlich“ ist (Coimbra 1999, 2005)?

Das sog. Nulllinien-EEG ist zwar im TPG als zusätzliches apparatives diagnostisches Hilfskriterium genannt; das Kriterium selber ist aber durch d62f10dc686en Nachweis von sog. subkortikalen (hippokampalen) Nu-Komplexen (Tiefenelektroden, im narkotischen Koma) neuerdings erschüttert.

Ein Oberflächen-EEG, wie es als Zusatzdiagnostik vorgesehen ist, kann also prinzipiell vorhandene Restaktivitäten im absterbenden Gehirn (methodisch) nicht erfassen, wie die entsprechenden Autoren dies in Ihrem Beitrag auch folgerichtig problematisieren: PLoS One. 2013 Sep 18;8(9):e75257. doi: 10.1371/journal.pone.0075257. eCollection 2013. Human brain activity patterns beyond the isoelectric line of extreme deep coma. Kroeger D1, Florea B, Amzica F.

Ferner wird in der Stellungnahme gesagt, dass die Überprüfung der Funktionsfähigkeit des Gehirns immer dann indiziert ist, wenn die gesamte Hirnfunktion irreversibel ausgefallen ist. Warum? Wozu? Weshalb? Um bei Erreichen des „point of no return“ die Beatmungstherapie zu beenden, d.h. das Gerät abzustellen? Warum wird das nicht (bzw. erst später, in einem anderen Zusammenhang) gesagt?

Bei aller Zustimmung meinerseits zum höchst problematischen NHBC-Konzept („Neues Herztodkonzept“) sind in der Stellungnahme folgende Hinweise zu vermissen:

die NHBD verstößt gegen die im TPG festgeschriebene Tote-Spender-Regel (Dead Donor Rule, DDR)! Diese Regel stellt eine ethische und gesetzliche Grundregel für die Akzeptanz des Hirntodkonzepts dar. Was bedeutet es, wenn dies in der Stellungnahme verschwiegen wird?

Die NBHD setzt das Hirntodkonzept als Kriterium für den Zeitpunkt zur Entscheidung der Organentnahme außer Kraft! Kriterium ist dann allein die willkürliche Setzung der Dauer der EKG-Nulllinie in Minuten! Immerhin hat dies bereits 2011 die DTG gefordert! Das TPG hält dies für ungesetzlich! Warum wird dies nicht in der Stellungnahme aufgegriffen?

Medizinisch wichtig ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass das Herz (aufgrund seiner relativen Autonomie) sich noch bis 20 Minuten (experimentell) nach einem Stillstand von selbst reanimieren kann (Ardell & Armour 1994: Neurocardiology), während das Gehirn bzw. die Person dann schon „bewusstlos“ ist.

Schließlich ist die Feststellung des Hirntod-Syndroms als der „Tod des Individuums“, wie in der Stellungnahme weiterhin behauptet, vor dem Hintergrund der naturwissenschaftlichen Widerlegung der entscheidenden Begründung des Hirntodkonzepts, nämlich, dass das Gehirn nicht alle Lebensfunktion integriert und steuert, nicht länger aufrecht zu halten (vgl. Shewmon 1998, 2004, 2012 in Berlin zum „chronic brain death“, Müller 2010; Rehder 2010; Verheijde et al 2009; Birnbacher 2007).

Die permanente Ignoranz gegenüber diesen wissenschaftlichen Nachweisen ist unerträglich und hat ein kritisches (psychologisches) Widerstandspotenzial in der aufgeklärten Öffentlichkeit geschaffen, welches von der DSO, der BÄK, der BgZA und den Fachgesellschaften nicht ausgeräumt worden ist, sondern verstärkt zu Abwehrbewegungen, Kritik und aufklärerischen Gegenaktionen provoziert.

Allein in Norddeutschland bin ich in vergangenen 5 Jahren zu zahlreichen Veranstaltungen mit vielen hundert Besuchern eingeladen worden, mit steigender Tendenz: http://www.a-zieger.de/vortraege.php

Solange die DSO, die BÄK, die BGzA und die Fachgesellschaften es nicht verstehen, ohne irreführende (verharmlosende und Falsch-)Informationen gegenüber der interessierten aufgeklärten Bürgerschaft und Bevölkerung wahrheitsgetreu, unverfälscht, transparent und psychologisch nachvollziehbar verständlich zu vermitteln, wird der Abwärtstrend in der Organspendebereitschaft zunehmen – auch wenn der Organspendeskanadal dann vergessen sein wird – es geht um existenzielle Grundfragen und hochsensible verletzte Grundbedürfnisse.

Es geht um ein integriertes Menschenbild. Andernfalls wird die vielbeschworenen „Autonomie“ der getäuschten und desillusionierten Bürgerinnen und Bürger, die sich einer Organspende „als Bürgerpflicht“ widersetzen (Maio 2013), immer deutlicher sichtbar.

Mit freundlichen Grüssen

Prof. Dr. med. Andreas Zieger
Evangelisches Krankenhaus Oldenburg
Chefarzt der Klinik für Neurorehabilitation
Abt. für Schwerst-Schädel-Hirngeschädigte
Früh- und Weiterführende Rehabilitation / Wachkomazentrum
Steinweg 13-17
D-26122 Oldenburg
Tel: +49/441/236-402 / Fax: +49/441/236-715
Dr.andreas.zieger@evangelischeskrankenhaus.de
www.a-zieger.de

2. Foto: HMK


„Uns aber steht die Schamröte im Gesicht…“

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Daniel 9,4-10:

Ich betete zum Herrn, meinem Gott, legte ein Bekenntnis ab und sprach: HERR, du großer und Ehrfurcht erregender Gott, du bewahrst denen, die dich lieben und deine Gebote halten, deinen Bund und deine Gnade.  0018

Wir haben gesündigt und Unrecht getan, wir sind treulos gewesen und haben uns gegen dich empört; von deinen Geboten und Gesetzen sind wir abgewichen. Wir haben nicht auf deine Diener, die Propheten, gehört, die in deinem Namen zu unseren Königen und Vorstehern, zu unseren Vätern und zu allen Bürgern des Landes geredet haben.

Du, HERR, bist im Recht; uns aber steht bis heute die Schamröte im Gesicht, den Leuten von Juda, den Einwohnern Jerusalems und allen Israeliten, seien sie nah oder fern in all den Ländern, wohin du sie verstoßen hast; denn sie haben dir die Treue gebrochen.

Ja, HERR, uns steht die Schamröte im Gesicht, unseren Königen, Oberen und Vätern; denn wir haben uns gegen dich versündigt.  Aber der HERR, unser Gott, schenkt Erbarmen und Vergebung.

Ja, wir haben uns gegen ihn empört. Wir haben nicht auf die Stimme des HERRN, unseres Gottes, gehört und seine Befehle nicht befolgt, die ER uns durch seine Diener, die Propheten, gegeben hat.

Foto: Felizitas Küble