Jesus lebt! Christ ist erstanden!

Ostermorgen

Als das Glühn des Morgenrotes
sacht am Himmel aufgezogen,
und die Nachtschatten des Todes
wie im Frühlingswind verflogen,

Frauen ihre Schritte lenkten,
in den Töpfen Spezereien,
zu der Gruft hin des Gehenkten,
den zerschundnen Leib zu weihen.

„Wer wird von des Grabes Felsen“,
die verweinten Augen fragen,
„uns den Stein herunterwälzen“?
Langsam gehn sie voller Zagen.

Doch der Eingang ist schon offen,
abgetan der Stein, der schwere.
Und die Frauen, tief betroffen,
starren in des Grabes Leere.

Nur die Tücher, die ihn deckten,
liegen da, gelegt in Falten.
Plötzlich schauen die Erschreckten
in der Höhle zwei Gestalten,

lichtumstrahlte Osterboten,
Gottes Engel, die sie mahnten:
„Was sucht ihr Den bei den Toten,
der wahrhaftig auferstanden?!

Gehet! Eilet und verkündet
seinen Brüdern das Geschehen!
Jesus Christus überwindet
Tod und höllisches Vergehen!“

Fast wollt´ da ihr Herz zerspringen.
Zitternd bebten Knie und Hände,
Leid und Trauer, sie vergingen
in der ungeheuren Wende.

Ostermorgen! Gottes Handeln,
Einbruch himmlischer Gewalten,
will von Grund auf uns verwandeln
und die Erde neu gestalten!

Wer will da am Grab verweilen
unsrer selbstsüchtigen Sünden?
Laßt uns mit den Frauen eilen,
Osterjubel zu verkünden!

Jesus lebt! Christ ist erstanden!
Hört die Lobgesänge klingen,
wie sie heute allen Landen
Gottes Osterbotschaft bringen.

Siegfried Ernst

Aus dem Bild-und Gedichtband:
„Die Botschaft des Ulmer Münsters an unsere Zeit:
Sprechende Steine, Lebendiges Glas, Vermächtnis aus Holz“


Ostergruß des ernannten Bischofs von Passau, Pater Dr. Stefan Oster

Liebe, verehrte Gläubige aus der Diözese Passau,

die Tage vor Ostern und danach sind aus biblischer und geistlicher Sicht Tage der radikalen Kontraste. Dem Jubel des Palmsonntags beim Einzug in Jerusalem folgt das letzte Abendmahl, der Abschied Jesu von den Jüngern.

Dann folgt der Verrat, folgt das vielstimmige „Kreuzige ihn!“ vermutlich auch von vielen derselben, die ein paar Tage zuvor noch beim Einzug gejubelt hatten.

Es kommt zur grausamen Folter und zum Kreuzestod Jesu, dem die sprachlose Verzweiflung seiner Anhänger folgt, ehe sich am Ostersonntag ungläubiges Staunen allmählich in die Gewissheit hinein verwandelt: Jesus lebt. Hallelujah.

Die Jünger verstehen freilich erst nach und nach, was da passiert ist  –  und sie werden die Auferstehung ihres HERRN  erst ab der Sendung des Geistes an Pfingsten völlig verinnerlicht haben: So sehr, dass diese ehemals feigen Davonläufer und Verzweifelten nun voller Freude und Glaubenskraft weit hinaus in die Welt gehen und sogar für ihren Glauben ihr Leben geben können.

Ich weiß, daß mein Erlöser lebt!

Sie wissen ja: „Mein Erlöser lebt  –  und ich lebe schon mit ihm. Egal, wann und wie mich der biologische Tod ereilen wird.“

Liebe Schwestern und Brüder in der Kirche von Passau, ich durfte am 10. April zusammen mit vielen von Ihnen einen sehr bewegenden und beeindruckenden Empfang in meiner neuen Diözese erleben, in Altötting, bei der Gnadenmutter, und im Passauer Dom.

Wie schön, das lange Warten hat ein Ende. Jetzt gibt es wieder einen Bischof. Freilich hat mich die frohe Stimmung, hat mich die Begeisterung sehr gefreut. Aber ich darf ehrlich sagen, dass sich da auch ein wenig Skepsis mit hinein mischt.

Bei Menschen kann die Stimmung schnell kippen

Es ist wunderschön, wenn Menschen ihrer Freude freien Lauf lassen dürfen, aber diese Freude ist natürlich auch mit hohen Erwartungen verknüpft. Und im Augenblick, in dem diese womöglich nicht erfüllt werden, kann die Stimmung schnell wieder kippen.

Das haben wir alle schon allzu oft erlebt: Wenn Menschen am Anfang vor allem als Projektionsfläche von Erwartungen bejubelt werden, kann die öffentliche Fallhöhe sehr groß sein: Zwischen „Hosianna“ und „Kreuzige ihn!“ standen auch bei Jesus nur ein paar Tage.

Ein paar Tage enttäuschter Erwartungen: ER ist also doch nicht der Messias, der dem von der römischen Besatzungsmacht gemarterten Land endlich die Freiheit bringt. ER ist nur ein erbärmlicher, ohnmächtiger Mann, der sich gefangenen nehmen und am Ende sogar hinrichten lässt – wie der letzte Verbrecher.  ER hat ihre Erwartungen nicht erfüllt.

Der Bischof soll auf Christus verweisen

Liebe Schwestern und Brüder, ein Bischof hat im Grunde vor allem und zuerst auf Christus zu verweisen, ihn bekannt zu machen, ihn erfahrbar zu machen. Er soll durchsichtig werden auf den HERRN in Wort und Tat und in seiner Kraft soll er die Diözese leiten, einigen, heiligen, lehren  –  vor allem: ihr dienen. bischof

Und so soll er in alledem den Glauben stärken. All das ist in zweierlei Hinsicht schwer genug und nahezu unmöglich: Einmal gibt es in mir selbst zu viel an Hindernissen und Schwächen  –  was folglich diese „Durchsichtigkeit“ auf den HERRN bisweilen eher verhindert und verdunkelt.

Zweitens aber ist Christus selbst auch nicht der, der zuerst unsere Erwartungen erfüllt, vor allem nicht die vordergründigen. ER ist Mensch geworden, damit wir alle in einem höheren und tieferen Sinn erlöste, befreite Menschen werden.

Jesus ist die Liebe  –  auch als Wahrheit

In der Messe geschieht Wandlung, das weiß jeder Katholik. Aber diese Wandlung geschieht, damit wir uns wandeln, damit wir neue Menschen werden. Und die Richtung dieser Wandlung ist eben oftmals nicht das, was wir selbst gerne hätten.

Christus ist die Liebe, aber er ist diese Liebe eben auch als Wahrheit  –  für unser Leben und je näher wir ihn an uns heranlassen, zeigt er uns nicht nur die Schönheit, sondern auch die dunklen Wahrheiten unseres eigenen Lebens.

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

Foto: Dr. Bernd Pelz

So ein Hinzeigen kann dann zur Folge haben, dass dann Menschen tatsächlich rufen: „Weg mit ihm“. Es ist dann mit Christus bisweilen ähnlich wie beim Zahnarzt: Der will uns im Grunde nur gut, aber er muss uns doch beim Bohren auch weh tun, damit die Fäulnis aus dem Zahn entfernt erden kann.

Und im Blick auf Christus schreit diejenige Seite in unserer Seele, die immer noch ein wenig Sympathie mit ihrer eigenen Fäulnis hat, ebenfalls gerne: „Weg mit ihm.“

Ich sagte: Christus ist nicht gekommen, unsere vordergründigen Erwartungen zu erfüllen. Aber ER ist gekommen, um uns heil zu machen  –  und je tiefer wir uns auf diesen Weg mit ihm einlassen wollen, desto mehr wird ER uns von innen her heilen, reinigen, wachsen lassen.

Den Tod unseres selbstherrlichen Egos durchleben

Je mehr wir also, geistlich gesprochen, den Weg durch die Bußzeit des Lebens mit ihm gehen, und auch den Tod des selbstherrlichen Egos an manchen Karfreitagen unseres eigenen Lebens nicht überspringen, sondern durchleben und aushalten können, umso mehr werden wir spüren, dass Christus zwar nicht unsere oft so vordergründigen Bedürfnisse und Erwartungen erfüllt, dafür aber jetzt schon die tiefsten Sehnsüchte unseres Lebens stillt: nach Wahrheit und Liebe, nach Schönheit und Freiheit. 

Wenn wir den Weg mit ihm in Treue gehen, das heißt, auch in den Phasen dagegen halten, wenn etwas in uns am liebsten rufen würde: „Weg mit ihm“, dann werden wir immer tiefer ergriffen von dem Wunder und der Freude unseres österlichen Glaubens. Wir bekommen den tiefsten Sinn geschenkt, den die Welt zu geben hat: IHN selbst, den Auferstandenen.

Quelle: http://www.bistum-passau.de/aktuelle-meldungen/17/4/2014/ostergruss-von-pater-dr-stefan-oster-sdb

Hier können Sie den Ostergruß anhören:
http://www.bistum-passau.de/podcasts/17/04/2014/ostergruss-von-pater-dr-stefan-oster-sdb

Jahrestag der Entführung: Schicksal der zwei syrischen Erzbischöfe unvergessen

Die beiden vor einem Jahr in Syrien entführten Erzbischöfe Mor Gregorios Y. Ibrahim und Boulos Yazigi sind weiterhin verschollen. Dazu erklärt die menschenrechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Erika Steinbach (siehe Foto):

„Zum Jahrestag der Entführung des syrisch-orthodoxen Erzbischofs von Aleppo, Mor Gregorios Y. Ibrahim, und des griechisch-orthodoxen Erzbischofs von Aleppo und Iskenderun, Boulos Yazigi, fordern wir die Entführer nachdrücklich auf, die beiden hohen kirchlichen Würdenträger unverzüglich freizulassen.

E. Steinbach

Bisher sind leider alle Bemühungen zur Freilassung der beiden Metropoliten ergebnislos geblieben.

Wir werden das Schicksal dieser Botschafter des interreligiösen Dialogs und der Versöhnung niemals vergessen und uns weiterhin mit Nachdruck für ihre Freiheit einsetzen.

Gerade im Licht der Osterbotschaft wäre ihre sofortige Freilassung für die Christen in Aleppo und Syrien – aber auch für die Christen und Minderheiten im ganzen Nahen Osten  –  ein wichtiges Signal der Zuversicht und der Hoffnung.

Vor diesem Hintergrund hat auch der Bundesverband der Aramäer in Deutschland noch einmal besonders an die Versöhnungsbotschaft der Roadmap für den Frieden in Syrien erinnert, die Mor Gregorios Ibrahim im Juli 2012 veröffentlichte.

Mit diesem Aufruf zu Versöhnungsappell hat er den Weg zu einer Beendigung der Gewalt, der Bewahrung des einmaligen pluralistischen Gefüges der syrischen Gesellschaft und der nationalen Einheit Syriens aufgezeigt.“


Einspruch gegen die Verflachung und Verdrängung christlicher Feiertagskultur

Von Peter Helmes

Es ist Freitag, 18. April 2014, ca. 5,50 Uhr. Ich schalte das Radio ein, um nicht die 6-Uhr-Nachrichten im SWR 1 zu verpassen, und höre eine Moderatorin reden. Den Satzanfang hatte ich nicht mitbekommen.

Was ich dann hörte, hätte ich nicht für möglich gehalten. Die Dame sagte nach meiner Erinnerung etwa: „Heute ist Karfreitag, ein schöner Freitag, ein Freitag im Frühling. Da warten wir, besonders die Kinder, auf den Osterhasen…“ DSC_0429 - Kopie

BILD: Dieses Kreuz steht in Uedorf am Rhein in der Inselstraße am Eck eines Grundstücks (Foto: Dr. Bernd F. Pelz)

Dann berichtet sie von einem Dorf in Niedersachsen, das einen Osternamen trägt und sich vor (Kinder-)Post zu Ostern kaum retten kann. Schöne Geschichte! 

Was aber sollte die Anfangsbemerkung: „Heute ist Karfreitag“?

Weiß sie nicht, was Karfreitag bedeutet? Oder will der SWR von diesem außerordentlich bedeutenden Tag für alle Christen ablenken und die Aufmerksamkeit auf die Osterhasen lenken? Kein Wort von der Kreuzigung Christi, kein Wort von der Erlösung der Menschen durch Jesu Tod!

Sind wir schon so weit verweltlicht, daß wir über einen Tag „hinweghoppeln“, der nichts, aber auch gar nichts mit Osterhasen, aber viel mit Glauben zu tun hat?

Mich macht wütend, daß ein Sender, der von den Gebühren vieler zahlender Christen finanziert wird, so verächtlich über den Karfreitag hinweggeht.

Ja, ja, ich höre schon den Hinweis der Verantwortlichen auf die Würdigung dieses Feiertages in den kirchlichen Sendungen des SWR, z. B. das „Wort in den Tag“. Also fünf Minuten für Gott, 1 Stunde für den Osterhasen. Warum hat die SWR-Sprecherin die Erwähnung des Karfreitages zugleich mit dem Osterhasen gekoppelt?  –  Das darf man wohl eher als Blasphemie denn Unterhaltung bezeichnen.

Islam gut  –  und Jesus macht den Osterhasen?

Man könnte natürlich zur Tagesordnung übergehen, wenn´s da nicht den Islam gäbe. In diesem unserem Lande darf man Christus beleidigen, man darf ihn verachten, negieren und Kreuze in öffentlichen Gebäuden verbieten – es bleibt meist ohne Folgen; denn gütige Richter haben jederzeit einen Toleranzspruch auf Lager. 

Und tolerant sind wir ja selbstverständlich: Bei uns darf der Muezzin vom Minarett rufen, und in Mekka dürfen keine Kirchenglocken läuten. Und die BILD am Sonntag macht zu Ostern mit drei Schlagzeilen auf der Titelseite auf: „Auferstehung“, „Sonne“, „Sex“.  –  Wahrlich „Schlag“-Zeilen…

Die Toleranz hat natürlich Grenzen  –  für uns. Es wäre unvorstellbar, wenn in unserem Land, also hier im (einst) christlichen Deutschland, der Prophet oder gar Allah selbst beleidigt würden. Kein Richter würde das durchgehen lassen, weil die political correctness eine scharfe Verurteilung fordert.

Moscheen werden reihenweise neu errichtet, und wir fühlen uns verpflichtet  –  nein, werden verpflichtet, dem Islam immer mehr Raum in unserer Gesellschaft freizuräumen. Der Versuch (spaßeshalber), vor dem Ramadan darauf hinzuweisen, daß am Ende der muslimischen Fastenzeit der muslimische Osterhase komme, wäre wohl lebensgefährlich…

Aus Feiertagen werden zumehmend „Frei-Tage“

Mich macht ebenso wütend, daß wir Deutschen offensichtlich gar nicht schnell genug Abschied von alten, christlichen Feiertagen nehmen können; d. h., die Feiertage als „Frei-Tage“ werden gerne mitgenommen, ihr christlicher Bezug und ihre christlichen Namen aber verschwinden und werden ersetzt durch modischen Sprach-Schnickschnack – damit möglichst bald niemand mehr weiß, warum es diese Feiertage gibt.IMG-20140416-WA0011

–  Der höchste Feiertag der Christen (Ostern) wird belegt mit Hasen. Kinder freuen sich auf den „Osterhasen“. Aber wer weiß noch, warum wir Ostern feiern?  –  Gründonnerstag und Karfreitag sind eh schon terra incognita  –  und Fronleichnam wird zum „happy cadaver day“. Bei uns ist alles möglich  –  auch daß Respekt und Würde zunehmend verlorengehen, wenn es sich um Christliches handelt.

–  Daß der Weihnachtsmann kommt, wissen alle Kinder. Aber daß der dicke, lustige Mann, der in roten Stiefeln im Schlitten daherkommt,  nichts mit dem Christuskind in der Krippe zu tun hat, weiß niemand mehr. Wahrscheinlich ist er eine Erfindung von Coca-Cola. Die christliche Weihnachtsbotschaft verschwindet hinter Elfen und Weihnachtsmännern.

Aus Nikolaus und Christkind wird der „Weihnachtsmann“, obwohl St. Nikolaus mit Christi Geburt nichts zu tun hat, und X-mas steht für Weihnachten. Wer weiß noch, daß es sich bei St. Nikolaus um einen Bischof gehandelt hat? Wer weiß noch, daß das Christuskind nicht auf die Erde gekommen ist, um Weihnachtsgeschenke zu bringen?

–  Das Pfingstfest gibt es gar nicht mehr, nur noch als willkommenes verlängertes Wochenende mit zwei freien Tagen. Das christliche Pfingsten steht heute eher für Entkoppelung von der abendländischen Kultur. „Hallo Smokey“  –  the holy smokie will arrive.“  

Es ist faszinierend, da ziehen die Linken und politisch Korrekten gegen alles zu Felde, was amerikanisch bzw. „dekadent“ ist, aber übernehmen gleichzeitig gedankenlos und wie besoffen amerikanische Wortschöpfungen. „Okay“ ersetzt „einverstanden / in Ordnung“, „Hallo“ ersetzt „guten Morgen, guten Tag, guten Abend“, und „Grüß Gott“ rufen nur noch ein paar zurückgebliebene Alm-Öhis.

–  Halloween: Wieder so eine Übernahme aus Amerika. Weiß jemand, was das mit uns zu tun hat? Ich warte nur darauf, daß „holy smokey“ (Pfingsten) mit Halloween zusammengelegt wird.

–  Aus dem „Erntedank-Fest“, an dem wir früher Gott für seine Gaben gedankt haben, ist schon längst der „Thanksgiving Day“ geworden, ein Freßtag für alle.

Es handelt sich schlicht um clevere Umsatzideen amerikanischen Ursprungs. Christlich sind alle diese Feste schon lange nicht mehr. Es geht um Kommerz einerseits, aber andererseits auch um den Versuch, die abendländische Kultur vom „Zeitgeist“ abzukoppeln. Und wir Christen sehen wehrlos zu, wie wir verblöden bzw. unsere Kultur verraten!

BVG: Nein zum „Ethik-Unterricht“

Das Bundesverwaltungsgericht (BVG) in Leipzig hat vor wenigen Tagen eine Klage abgewiesen, Schülern in der Grundschule ein verpflichtendes Ethik-Angebot  –  statt Religionsunterricht  –  anzubieten. Im Grundgesetz, so wiesen die Richter hin, sei den Kirchen das Recht zugesprochen, Religionsunterricht an den Schulen zu erteilen. Dagegen hatte eine Atheistin vergeblich geklagt, sie verlor.

Foto: K. Ruprecht

Foto: K. Ruprecht

Und schon kommen die politisch Korrekten, die darauf drängen, den völlig anders organisierten Islam in die gesellschaftliche Verantwortung einzubinden. Und die Mutter des Kindes, in dessen vermeintlichem Interesse sie klagte, meint, sie stehe für ein komplexes gesellschaftliches Problem, das dringend gelöst werden müßte.

Stellen wir einmal den Fall auf die Füße:
Ethik-Unterricht kann und darf kein Ersatz für Religionsunterricht sein. Das hat das BVG bestätigt. Die Tatsache, daß es Religionsunterricht gebe, heiße nicht, daß es auch Ethik-Unterricht geben müsse.

Der Staat habe weitgehende Gestaltungsfreiheit bei der Einführung von Schulfächern. Die Klägerin war bereits in zwei Vorinstanzen vor dem Freiburger Verwaltungsgericht und dem VGH in Mannheim gescheitert. Das ist gut so! Denn wir wollen einmal die Begriffe klarstellen:

„Ethik“ ist ein Begriff aus dem Griechischen. Er beschreibt das sittliche Verständnis, also „Charakter, Sinnesart“, ist ein Teilgebiet der Philosophie und befaßt sich mit Moral.

Die Ethik  –  und die davon abgeleiteten Disziplinen (z. B. Rechts-, Staats- und Sozialphilosophie)  –  ist also eine „praktische Philosophie“, da sie sich mit dem menschlichen Handeln befaßt (im Gegensatz zur „theoretischen Philosophie“, zu der die Logik, die Erkenntnistheorie und die Metaphysik als klassische Disziplinen gezählt werden).

Mit Religion hat das nur wenig zu tun. Denn da geht es um Glauben bzw. Glaubensvermittlung. Unsere christlichen Wurzeln beschränken sich nicht auf philosophische Erkenntnisse, sondern auf Glaubensgrundsätze.

Wobei wir wieder beim Karfreitags-Osterhasen wären. Der Versuch, Religionsunterricht durch Ethikunterricht zu ersetzen, ist nichts anderes als die Interpretationsfreigabe unserer Werte  –  der Beliebigkeit anheimgestellt. Religion ist aber nicht nur mehr als Metaphysik und theoretische Philosophie, sondern der Glaube an den einen Gott  –  einem gütigen, verzeihenden Gott. Über den Osterhasen mag man philosophieren, über Jesus am Kreuz nicht.

Unser Autor Peter Helmes ist Buchautor, ehem. Bundesgeschäftsführer der JUNGEN UNION und Herausgeber der konservativen Webseite http://www.conservo.wordpress.com