Einspruch gegen die Verflachung und Verdrängung christlicher Feiertagskultur

Von Peter Helmes

Es ist Freitag, 18. April 2014, ca. 5,50 Uhr. Ich schalte das Radio ein, um nicht die 6-Uhr-Nachrichten im SWR 1 zu verpassen, und höre eine Moderatorin reden. Den Satzanfang hatte ich nicht mitbekommen.

Was ich dann hörte, hätte ich nicht für möglich gehalten. Die Dame sagte nach meiner Erinnerung etwa: „Heute ist Karfreitag, ein schöner Freitag, ein Freitag im Frühling. Da warten wir, besonders die Kinder, auf den Osterhasen…“ DSC_0429 - Kopie

BILD: Dieses Kreuz steht in Uedorf am Rhein in der Inselstraße am Eck eines Grundstücks (Foto: Dr. Bernd F. Pelz)

Dann berichtet sie von einem Dorf in Niedersachsen, das einen Osternamen trägt und sich vor (Kinder-)Post zu Ostern kaum retten kann. Schöne Geschichte! 

Was aber sollte die Anfangsbemerkung: „Heute ist Karfreitag“?

Weiß sie nicht, was Karfreitag bedeutet? Oder will der SWR von diesem außerordentlich bedeutenden Tag für alle Christen ablenken und die Aufmerksamkeit auf die Osterhasen lenken? Kein Wort von der Kreuzigung Christi, kein Wort von der Erlösung der Menschen durch Jesu Tod!

Sind wir schon so weit verweltlicht, daß wir über einen Tag „hinweghoppeln“, der nichts, aber auch gar nichts mit Osterhasen, aber viel mit Glauben zu tun hat?

Mich macht wütend, daß ein Sender, der von den Gebühren vieler zahlender Christen finanziert wird, so verächtlich über den Karfreitag hinweggeht.

Ja, ja, ich höre schon den Hinweis der Verantwortlichen auf die Würdigung dieses Feiertages in den kirchlichen Sendungen des SWR, z. B. das „Wort in den Tag“. Also fünf Minuten für Gott, 1 Stunde für den Osterhasen. Warum hat die SWR-Sprecherin die Erwähnung des Karfreitages zugleich mit dem Osterhasen gekoppelt?  –  Das darf man wohl eher als Blasphemie denn Unterhaltung bezeichnen.

Islam gut  –  und Jesus macht den Osterhasen?

Man könnte natürlich zur Tagesordnung übergehen, wenn´s da nicht den Islam gäbe. In diesem unserem Lande darf man Christus beleidigen, man darf ihn verachten, negieren und Kreuze in öffentlichen Gebäuden verbieten – es bleibt meist ohne Folgen; denn gütige Richter haben jederzeit einen Toleranzspruch auf Lager. 

Und tolerant sind wir ja selbstverständlich: Bei uns darf der Muezzin vom Minarett rufen, und in Mekka dürfen keine Kirchenglocken läuten. Und die BILD am Sonntag macht zu Ostern mit drei Schlagzeilen auf der Titelseite auf: „Auferstehung“, „Sonne“, „Sex“.  –  Wahrlich „Schlag“-Zeilen…

Die Toleranz hat natürlich Grenzen  –  für uns. Es wäre unvorstellbar, wenn in unserem Land, also hier im (einst) christlichen Deutschland, der Prophet oder gar Allah selbst beleidigt würden. Kein Richter würde das durchgehen lassen, weil die political correctness eine scharfe Verurteilung fordert.

Moscheen werden reihenweise neu errichtet, und wir fühlen uns verpflichtet  –  nein, werden verpflichtet, dem Islam immer mehr Raum in unserer Gesellschaft freizuräumen. Der Versuch (spaßeshalber), vor dem Ramadan darauf hinzuweisen, daß am Ende der muslimischen Fastenzeit der muslimische Osterhase komme, wäre wohl lebensgefährlich…

Aus Feiertagen werden zumehmend „Frei-Tage“

Mich macht ebenso wütend, daß wir Deutschen offensichtlich gar nicht schnell genug Abschied von alten, christlichen Feiertagen nehmen können; d. h., die Feiertage als „Frei-Tage“ werden gerne mitgenommen, ihr christlicher Bezug und ihre christlichen Namen aber verschwinden und werden ersetzt durch modischen Sprach-Schnickschnack – damit möglichst bald niemand mehr weiß, warum es diese Feiertage gibt.IMG-20140416-WA0011

–  Der höchste Feiertag der Christen (Ostern) wird belegt mit Hasen. Kinder freuen sich auf den „Osterhasen“. Aber wer weiß noch, warum wir Ostern feiern?  –  Gründonnerstag und Karfreitag sind eh schon terra incognita  –  und Fronleichnam wird zum „happy cadaver day“. Bei uns ist alles möglich  –  auch daß Respekt und Würde zunehmend verlorengehen, wenn es sich um Christliches handelt.

–  Daß der Weihnachtsmann kommt, wissen alle Kinder. Aber daß der dicke, lustige Mann, der in roten Stiefeln im Schlitten daherkommt,  nichts mit dem Christuskind in der Krippe zu tun hat, weiß niemand mehr. Wahrscheinlich ist er eine Erfindung von Coca-Cola. Die christliche Weihnachtsbotschaft verschwindet hinter Elfen und Weihnachtsmännern.

Aus Nikolaus und Christkind wird der „Weihnachtsmann“, obwohl St. Nikolaus mit Christi Geburt nichts zu tun hat, und X-mas steht für Weihnachten. Wer weiß noch, daß es sich bei St. Nikolaus um einen Bischof gehandelt hat? Wer weiß noch, daß das Christuskind nicht auf die Erde gekommen ist, um Weihnachtsgeschenke zu bringen?

–  Das Pfingstfest gibt es gar nicht mehr, nur noch als willkommenes verlängertes Wochenende mit zwei freien Tagen. Das christliche Pfingsten steht heute eher für Entkoppelung von der abendländischen Kultur. „Hallo Smokey“  –  the holy smokie will arrive.“  

Es ist faszinierend, da ziehen die Linken und politisch Korrekten gegen alles zu Felde, was amerikanisch bzw. „dekadent“ ist, aber übernehmen gleichzeitig gedankenlos und wie besoffen amerikanische Wortschöpfungen. „Okay“ ersetzt „einverstanden / in Ordnung“, „Hallo“ ersetzt „guten Morgen, guten Tag, guten Abend“, und „Grüß Gott“ rufen nur noch ein paar zurückgebliebene Alm-Öhis.

–  Halloween: Wieder so eine Übernahme aus Amerika. Weiß jemand, was das mit uns zu tun hat? Ich warte nur darauf, daß „holy smokey“ (Pfingsten) mit Halloween zusammengelegt wird.

–  Aus dem „Erntedank-Fest“, an dem wir früher Gott für seine Gaben gedankt haben, ist schon längst der „Thanksgiving Day“ geworden, ein Freßtag für alle.

Es handelt sich schlicht um clevere Umsatzideen amerikanischen Ursprungs. Christlich sind alle diese Feste schon lange nicht mehr. Es geht um Kommerz einerseits, aber andererseits auch um den Versuch, die abendländische Kultur vom „Zeitgeist“ abzukoppeln. Und wir Christen sehen wehrlos zu, wie wir verblöden bzw. unsere Kultur verraten!

BVG: Nein zum „Ethik-Unterricht“

Das Bundesverwaltungsgericht (BVG) in Leipzig hat vor wenigen Tagen eine Klage abgewiesen, Schülern in der Grundschule ein verpflichtendes Ethik-Angebot  –  statt Religionsunterricht  –  anzubieten. Im Grundgesetz, so wiesen die Richter hin, sei den Kirchen das Recht zugesprochen, Religionsunterricht an den Schulen zu erteilen. Dagegen hatte eine Atheistin vergeblich geklagt, sie verlor.

Foto: K. Ruprecht

Foto: K. Ruprecht

Und schon kommen die politisch Korrekten, die darauf drängen, den völlig anders organisierten Islam in die gesellschaftliche Verantwortung einzubinden. Und die Mutter des Kindes, in dessen vermeintlichem Interesse sie klagte, meint, sie stehe für ein komplexes gesellschaftliches Problem, das dringend gelöst werden müßte.

Stellen wir einmal den Fall auf die Füße:
Ethik-Unterricht kann und darf kein Ersatz für Religionsunterricht sein. Das hat das BVG bestätigt. Die Tatsache, daß es Religionsunterricht gebe, heiße nicht, daß es auch Ethik-Unterricht geben müsse.

Der Staat habe weitgehende Gestaltungsfreiheit bei der Einführung von Schulfächern. Die Klägerin war bereits in zwei Vorinstanzen vor dem Freiburger Verwaltungsgericht und dem VGH in Mannheim gescheitert. Das ist gut so! Denn wir wollen einmal die Begriffe klarstellen:

„Ethik“ ist ein Begriff aus dem Griechischen. Er beschreibt das sittliche Verständnis, also „Charakter, Sinnesart“, ist ein Teilgebiet der Philosophie und befaßt sich mit Moral.

Die Ethik  –  und die davon abgeleiteten Disziplinen (z. B. Rechts-, Staats- und Sozialphilosophie)  –  ist also eine „praktische Philosophie“, da sie sich mit dem menschlichen Handeln befaßt (im Gegensatz zur „theoretischen Philosophie“, zu der die Logik, die Erkenntnistheorie und die Metaphysik als klassische Disziplinen gezählt werden).

Mit Religion hat das nur wenig zu tun. Denn da geht es um Glauben bzw. Glaubensvermittlung. Unsere christlichen Wurzeln beschränken sich nicht auf philosophische Erkenntnisse, sondern auf Glaubensgrundsätze.

Wobei wir wieder beim Karfreitags-Osterhasen wären. Der Versuch, Religionsunterricht durch Ethikunterricht zu ersetzen, ist nichts anderes als die Interpretationsfreigabe unserer Werte  –  der Beliebigkeit anheimgestellt. Religion ist aber nicht nur mehr als Metaphysik und theoretische Philosophie, sondern der Glaube an den einen Gott  –  einem gütigen, verzeihenden Gott. Über den Osterhasen mag man philosophieren, über Jesus am Kreuz nicht.

Unser Autor Peter Helmes ist Buchautor, ehem. Bundesgeschäftsführer der JUNGEN UNION und Herausgeber der konservativen Webseite http://www.conservo.wordpress.com


4 Kommentare on “Einspruch gegen die Verflachung und Verdrängung christlicher Feiertagskultur”

  1. Holger Jahndel sagt:

    Die europäischen und historischen Wurzeln von Halloween

    Saarbrücken (Deutschland) – Zunächst hauptsächlich in den USA gefeiert, hat sich vor allem die kommerzialisierte Form des Halloween-Festes in der Nacht des 31. Oktober in den vergangenen Jahren auch in Europa etabliert – sehr zur Freude des Handels und der Medien, dafür aber von selbsternannten Sitten- und Glaubenswächtern kritisiert. Während besonders die Kirchen das angeblich „neue Fest“ als importierten Tribut an Kommerz und Aberglaube verteufeln und gar Konkurrenz für Allerheiligen und den Reformationstag befürchten, sind die wahren Hintergründe von Halloween – wie bei so vielen Jahresfesten – nur wenigen bekannt und tief im europäischen Brauchtum verwurzelt. weiterlesen… “Ich werde nicht die modische Dummheit begehen, alles, was ich nicht erklären kann, als Schwindel abzutun.”

    https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de/die-europaeischen-und-historischen-wurzeln-von-halloween20191029/

    https://www.grenzwissenschaft-aktuell.de/

    Die wahren Wurzeln von Halloween: Von Irland über die USA zurück nach Europa Kategorie: Geniales Wissen | 2019-10-31 Der Handel und auch die Medien freuen sich auf Halloween. In der Nacht des 31. Oktober wird die kommerzialisierte Form von Halloween – hauptsächlich in den USA – gefeiert. Aber auch in Europa hat sich das Phänomen etabliert.

    https://www.epochtimes.de/genial/wissen-genial/wurzeln-halloween-irland-usa-europa-verbreitet-a3048848.html

    Gastkommentar
    Das Christkindlallerlei in Nürnberg
    Wenn also Rituale und Traditionen so gleichgültig und austauschbar sind, warum gibt es dann so viele sinnsuchende Deutsche, die in die entlegensten Regionen der Welt reisen und dort mit tränenfeuchten Augen jahrtausendealten Ritualen beiwohnen? Mehr»

    https://www.epochtimes.de/meinung/gastkommentar/das-christkindlallerlei-in-nuernberg-a3053563.html

    “Ich werde nicht die modische Dummheit begehen, alles, was ich nicht erklären kann, als Schwindel abzutun.”

    C. G. Jung, Psychiater u. Begründer der analytischen Psychologie

    Politik » Deutschland
    Eva Herman im Interview: Das „Kollektive Mobbing“ von unbequemen Menschen
    Epoch Times11. März 2019 Aktualisiert: 11. März 2019 10:25
    Wie funktioniert „Kollektives Mobbing“? Der Soziologe Peter Mersch untersucht einen der größten Skandale der Nachkriegsgeschichte – den Fall Eva Herman.

    https://www.epochtimes.de/politik/deutschland/eva-herman-im-interview-das-kollektive-mobbing-von-unbequemen-menschen-a2819718.html

    https://www.epochtimes.de/

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  2. Anonymous sagt:

    Kann man sich eine Beerdigung oder eine Hochzeit vorstellen, bei der außer dem Pfarrer niemand das VU mitspricht?
    Ich schon, habe das mehrfach erlebt, in durchaus christlichen Landen.
    Es ist richtig daß das Christentum weltweit eine schlimme Situation erlebt – vor dem Hintergrund seiner Bedeutung in früheren Zeiten (, die aber auch nicht so wirklich christlich in unserm heutigen Sinne waren).
    Aber so, wie wir einen Wechsel von dem einen zu einem ganz anderen Papst erleben, wie Ökumene mal einen Aufschwung erlebt, um bald danach wieder zurückzugehen, wie es in einer Familie, einer Gemeinde usw. für eine gewisse Zeit mal bergauf oder eben -ab geht, kommt es darauf an, zu akzeptieren, daß jeder Wechsel normal ist.
    Würde, global gesehen, das friedlich orientierte Christentum einem aggressiv orientierten Islam nichts Wirksames gegenüberstellen können – wie würde sich die Welt wohl entwickeln?
    Was haben wir Christen in der Hand, was können wir der Verweltlichung gegenüberstellen außer unserem eigenen Tun, Handeln, Bekennen?…

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    • heureka47 sagt:

      WAHRE Christen leben in der Freiheit von Angst und können ALLES annehmen, was ist. Das ermöglicht die „Kraft aus der Höhe“, die reine, bedingungslose – göttliche – Liebe. Im Bewußtsein dieser Kraft lebt der WAHRE Christ, der authentische Nachfolger „in Christi“, im Christus-Sein / -Bewußtsein.

      Wahre Christen leben in der Überzeugung, daß alles, was nicht in Harmonie mit dem höchsten Prinzip ist, vergehen wird. Wenn es Menschen sind, werden solche Menschen letztlich aussterben. „Kain“-Menschen werden aussterben aufgrund der Verneinung der Lebens-Energie, die von den alten nordischen Völkern „Od“ genannt wurde. Und aus diesen Wurzeln stammen auch die Wörter T-OD und N-OD. Ins „Land Nod“ muß Kain nach dem Brudermord ziehen – in die Seelen-Not.

      Und „Christen“, die keine wahren Christen sind, werden ebenfalls aussterben.
      Und ich habe den Eindruck, die meisten „Christen“ sind keine WAHREN Christen, sondern „Kain“-Menschen. NOCH jedenfalls. Die grundlegende Heilung von dieser Krankheit ist jederzeit und in jedem Einzelfall möglich. Man muß halt nur die Heilungsbedürftigkeit erkennen. Wie Jesus verschiedentlich ausdrücklich fragt: „Willst du geheilt werden?“

      Die eindeutige Antwort darauf kann nur geben (und geheilt werden), wer sich zuvor als bedürftig erkennt.

      Herzlichen Gruß!

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  3. Heidi Rätz sagt:

    So wahr dargelegt, vielen Dank für diesen Artikel. Ich vermisse den Protest und die Stellungnahme der Kirchen zu dieser Verflachung, Verweltlichung des ehem. christlichen Abendlandes. Genau in dieses Vakuum stößt der aggressive Islam vor – und die Christen schlafen – leider nicht den Schlaf des Gerechten…

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