Carlo Acutis: ein glaubensstarker italienischer Junge auf dem Weg zur Seligsprechung

Von Pfarrer Edmund Dillinger

Wenn wir mit offenen Augen durch unsere Zeit gehen, sehen wir, dass unsere Kirchen immer leerer werden. Besonders Jugendliche fehlen weitgehend in unseren Gottesdiensten.

Die großen Zusammenkünfte beim Weltjugendtag, beim Prayer-Festival oder bei Treffen von „Jugend 2000“ sind zwar erfreuliche Ausnahmen, aber wir müssen erkennen, dass die junge Generation immer mehr den Kontakt zu den Glaubenswahrheiten verliert, die uns allein den Sinn des Lebens lehren. carlo_acutis_la_vita_oltre_il_confine

Wir hören täglich von vielerlei Abwegen bei Jugendlichen: Gewalttaten, Koma-Saufen, Drogenkonsum, Überfälle etc. Immer mehr junge Menschen leiden unter Depressionen oder machen ihrem Leben gewaltsam ein Ende.

In meiner Heimat hatte sich vor kurzem ein 23-Jähriger mit einer Kette an einen Baum gefesselt und sich angezündet. Er wurde total verkohlt gefunden. Er kam mit seinem Leben nicht mehr zurecht.

Besonders gefährlich für unsere Jugendlichen ist das sogenannte „Komasaufen“, das auf einen Mangel an Lebenssinn hinweist.

Die Presse berichtet, dass im Jahre 2012 bundesweit 26.673 Kinder und Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert wurden; täglich sind das etwa 7o Heranwachsende.

Die größte Gruppe der alkoholbedingten Krankenhauspatienten sind die 15 bis 22- jährigen Jugendlichen. Die Zahlen haben sich in den letzten 12 Jahren mehr als verdreifacht. Laut dem aktuellen Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung geben 14% der 12- bis 17-Jährigen an, regelmäßig Alkohol zu trinken.

In Anbetracht dieser Tatsachen müssen wir uns fragen: Was kann hier Abhilfe schaffen?

Der italienische Jugendliche Carlo Acutis ist ein vorbildliches Gegenbeispiel für uns und unsere Jugend, denn er gibt eindrucksvoll Zeugnis davon, wie wir in der Nähe zu Gott ein frohes und glückliches Leben gestalten können, auch wenn Not, Krankheit und vermeintliche Sinnlosigkeit schwer auf uns lasten.

Carlo Acutis war das Kind italienischer Eltern, die in London arbeiteten. Er wurde dort 1991 geboren und getauft, aber schon einige Monate später zogen seine Eltern wieder zurück nach Mailand.

Carlo Acutis starb im Alter von 15 Jahren an einer schweren Leukämie. Bei allen, die ihn kannten, hat er eine große Bewunderung erweckt, denn er hat in seinem kurzen Leben ein wirklich authentisches Zeugnis christlichen Lebenswandels hinterlassen. Sayn-Abteikirche-DSC_0195-2

Für seine Kameraden, seine Mitschüler, aber auch für seine Lehrer war er ein bewundernswerter Mensch. Seine tägliche Lebensführung war geprägt von einer großen Liebe zu Christus, der besonders im Sakrament der Eucharistie unter uns gegenwärtig ist.

Carlo betete täglich  –  für einen Jugendlichen unserer heutigen Zeit fast ein Wunder  –  den Rosenkranz und besuchte die heilige Messe. Er pflegte eine besondere Verehrung zur Gottesmutter Maria. Das alles hat ihn zu einem Jugendlichen geformt, der von den Menschen seiner Umgebung geliebt und geschätzt wurde.

In Rom habe ich in vielen Kirchen das Bild und eine kurze Lebensbeschreibung von Carlo gefunden. Beim Lesen der kurzen Notizen und beim Betrachten seines Bildes habe ich eine solche Begeisterung über einen beispielhaften Jugendlichen empfunden, dass ich den Entschluss fasste, ihn auch in Deutschland in den neuen geistlichen Jugendbewegungen  bekannt zu machen.

Ich schrieb an seine Mutter in Mailand von meinem Vorhaben und sie schickte mir ein Buch über das Leben von Carlos. Bis jetzt sind drei Bücher über ihn erschienen, aber nur in italienischer Sprache.

Seine Eltern sind Andreas und Antonia Acutis, eine zutiefst christliche Familie. Am 18. Mai wurde er in der Kirche „Our Lady of Dolo011_7Aurs“ in London getauft, die der Madonna von Fatima geweiht ist. Dies scheint die große Verehrung vorauszunehmen, die der Junge zum makellosen Herzens Mariens entwickelte.

Im September 1991 kehrte die Familie aus wirtschaftlichen Gründen nach Italien zurück und wohnte in Mailand. Der heranwachsende Junge war sehr begabt für Informatik, so dass sowohl Freunde wie auch Informatik-Ingenieure ihn schon in jungen Jahren als Genie in diesem Fachbereich betrachteten.

Seine Interessen richteten sich auf Computer-Programmierung, Filmmontagen und Webseiten. Durch seine schwere Krankheit, die er in großem Gottvertrauen ertrug, starb er am 12. Oktober 2oo6 in Monza und wurde auf dem Friedhof in Assisi begraben.

Natürlich fragen sich viele Menschen, wieso der liebende Gott einen solchen Jugendlichen so früh sterben lässt. Aber in seinem kurzen Leben –  so schreibt der Verfasser des Lebenszeugnisses von Carlo –  ist er für uns zu einem „Strahl der Sonne“ geworden. Seit seinem Tod kommen täglich Zeugnisse von Menschen aus aller Welt, die von seinem Lebensbeispiel begeistert sind und es nachzuahmen versuchen.

Dieser gläubige Junge aus dem Bistum Mailand war glaubensstark und großherzig, denn kurz vor seinem Tod opferte er alle Schmerzen seiner Krankheit fürbittend für den Papst und die ganze Kirche auf. abtei-ettal-startseite_01

Er wurde von der vatikanischen Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen zum „Diener Gottes“ ernannt. Im Jahre 2012 hat der Erzbischof von Mailand das Verfahren zur Seligsprechung eingeleitet. Man kann diesem „Diener Gottes“ im Gebet Anliegen vortragen und um seine Fürsprache bitten.

Gebetserhörungen melde man an die Postulatorin beim Generalvikariat des Erzbistums Mailand:

Dr. Francesca Consolini (Ufficio delle Cause dei Santi della Diocesi di Milano) Piazza Duomo 16, I – 20122 Milano Italia.

Kontakt kann man auch aufnehmen über einen religiösen Verein in Mailand, der sich um die Bekanntmachung seines vorbildlichen Lebens kümmert: Associazione Amici di Carlo Acutis, Via Ariosto 21, I- 20145 Milano (Italia).
Man kann auch in deutscher Sprache dorthin schreiben.

Mit folgendem Gebet kann man die Fürbitte von Carlo Acutis erflehen:

Allmächtiger Gott, unsere heutige Jugend hat es schwer, den christlichen Glauben in der Öffentlichkeit zu leben. In dem Jugendlichen Carlo Acutis hast Du uns ein Vorbild gegeben, wie wir im Vertrauen auf deine Hilfe Zeugnis von deiner Gegenwart vor unseren Freunden ablegen und so zur Verkündigung Deiner Frohen Botschaft beitragen können.
Führe uns zur gläubigen Anbetung der Eucharistie, zur aktiven Mitfeier des hl. Messopfers, zur liebenden Verehrung der Gottesmutter Maria und zur Befolgung Deiner Gebote. Lass uns so auf die Fürsprache des Dieners Carlo Acutis den wahren Sinn unseres Lebens finden. Amen.

Beim Autor dieses Artikels kann ein Gebetsbildchen mit dem Fürbitt-Gebet angefordert werden:
Pfarrer Edmund Dillinger, Saarbrücker-Straße 18 in 66299 Friedrichsthal

Quelle des Buchtitels: http://www.francescoocchetta.it/wordpress/?p=43

 


9 Kommentare on “Carlo Acutis: ein glaubensstarker italienischer Junge auf dem Weg zur Seligsprechung”

  1. marienverehrer sagt:

    Wenn ich die Biographien von heiligmäßigen und selig- und heiliggesprochenen Kindern und Jugendlichen lese, bin ich zutiefst ergriffen, und mein Glaube wird gestärkt. Da gibt es disbezüglich wunderbare Bücher vom Freundeskreis Maria Goretti: „Gottes Kinder“ Bd. 1 – 6. Die kann ich jedem nur empfehlen. Ich lese darin regelmäßig, vor allem, wenn ich merke, dass ich aus der Bahn komme; diese Berichte bringen mich zurück in die Bahn und festigen mich im Glauben und führen mich tiefer in ihn hinein.

    Herzliche Grüße
    Stefan

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  2. Marienzweig sagt:

    Wie sehr kann Carlo Acutis uns ein Vorbild im Glauben und persönlichen Verhalten sein!

    Wir Erwachsenen, die wir oft herumjammern und klagen -manchmal wegen Nichtigkeiten- zeigen uns häufig nicht so reif, wie es dieser Junge ganz offensichtlich war.

    Danke für diesen Bericht über Carlo, der ein heiligmäßiges Leben führte!
    Und irgendwie empfinde ich dieses Glaubens-Zeugnis eines mit 15 Jahren verstorbenen Jungen – dazu am gestrigen Tag veröffentlicht – im Grunde genau so wichtig wie die Heiligsprechung zweier Päpste.
    Leider habe ich das gestern nicht gelesen und bedaure das im Nachhinein.
    Ich werde diesen Bericht weiterverlinken!

    Und auch von mir verspätete Geburtstagsgrüße!
    Gottes Segen für Sie persönlich und Ihre so wichtige Arbeit, Menschen abseits der üblichen Meldungen zu informieren!

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    • Guten Tag
      und danke für das Weiterverlinken von Prälat Dillingers Bericht über diesen großherzigen Jungen. Sicher freuen wir uns über große Päpste, aber auch „die Kleinen“ können groß sein im Himmelreich – und es ist gut, daß die Kirche neben Prominenten immer wieder auch „unscheinbare“ Menschen zur Ehre der Altäre erhebt und uns als Vorbild und Fürsprecher empfiehlt.
      Danke für Ihre freundliche Gratulation, die natürlich noch lange nicht „verspätet“ ist; vielleicht kennen Sie den katholischen Spruch zur Beschwichtigung bei späten Glückwünschen: „In der Oktav ist auch ganz brav!“, also hat man sogar 8 Tage lang Zeit!
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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  3. Osterglocke sagt:

    Ich finde das Verhalten dieses Jungen vorbildlich.

    Am heutigen Tag jedoch steht die Heiligsprechung von zwei Päpsten im Mittelpunkt.

    Papst Franziskus und Papst Benedikt gemeinsam. Habe ich damals beim berühmten Betbild bereits gesagt, dass dies vor Benedikts Tod nicht sein LETZTER Auftritt war.

    Für mich gabs noch ein Highlight. ERZBISCHOF DYBA WAR IM FERNSEHEN ZU SEHEN,
    ALS ER NEBEN Papst Johannes Paul II stand- nur für ne kurze Weile, aber wer aufgepasst hat, der hats gesehen.

    In 20 Minuten beginnt ein anderes Highlight.

    HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH zum Geburtstag.

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    • Guten Tag,
      danke für Ihre Glückwünsche zum Wiegenfest. Die Medien waren gestern voll von den beiden Heiligsprechungen in Rom, so daß eine Berichterstattung unsererseits sich erübrigte, hingegen das vorbildliche Leben dieses Heranwachsenden für die meisten Leser neu sein dürfte. Von Erzbischof Dyba haben wir hier ein Foto, wo er fröhlich lachend neben Papst Johannes Paul II. steht, der sichtlich auch gut gelaunt war.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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      • Osterglocke sagt:

        Hallo Frau Küble,

        so gesehen haben Sie Recht.

        Die Ferien sind nun vorbei und unsere Kommunionfeier auch. Jetzt habe ich auch wieder mehr Ruhe zum Lesen.

        Ich habe auch irgendwo ein Foto von Erzbischof Dyba, also ein ganz echtes Foto.

        Berühmt ist er und berüchtigt für seine erzkonservativen Ansichten. SO wird er vorgestellt an seinem Grab von einer Dame, die die Touristen durch den Dom führt.

        Meiner Meinung nach war er doch gar nicht so einseitig, er war doch ein offener Mensch.

        Tag für Tag kommen Touristen vorbei und sie bekommen ein Bild von ihm aufgedrückt,
        je nach dem wer die Führung macht.

        Worte über ihn können am Grab verloren werden, ob wahr oder falsch.

        Menschen, die eventuell falsche Worte am Grab „ablegen“ interessieren niemand,
        aber sollte man doch tatsächlich schöne Blumen ablegen wollen, wird das gleich als
        Dyba-Anbetung“ interpretiert , eigentlich unfair.

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      • Guten Tag,
        Erzbischof Dyba war zwar bekannt für seinen Mut, katholische Standpunkte unbeirrbar zu vertreten, weswegen er natürlich auch Gegner hatte, aber statt einer wohlwollenden Würdigung des Verstorbenen davon zu sprechen, noch dazu im Rahmen einer offiziellen „Domführung“ (!), er sei „berüchtigt“ für „erzkonservative“ Ansichten gewesen, ist zumindest stillos und unangemessen, wenn nicht sogar dreist (je nach genauem Wortlaut). Vielleicht schreiben Sie ans bischöfliche Ordinariat, ob diese Art einer Domführung in Sachen Erzbischof Dyba die Zustimmung des Bischofs findet. Sie können ja erwähnen, daß die Qualität der Domführungen unterschiedlich sei, aber eben mitunter auch solche despektierlichen Töne vorkämen.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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      • Osterglocke sagt:

        Ich habs ja ein einziges Mal auch nur gehört, aber der eine Satz wurde wirklich so gesagt und ich gehe mal davon aus, dass es verschiedene Führungen gibt, es gibt ja ne Reihe von Personen, die den Dom und wohl auch die Stadt zeigen.

        ICH BIN IN DEN Dom, da steht die Gruppe in der Johanneskapelle. Ich bin dann zu dem Schriftenstand und war etwas neugierig und wollte mal wissen, ob der Name Dyba erwähnt wird und dann kam dieser eine Satz.

        ICH DACHTE MIR DAMALS NUR, dass die FRAU ihn wohl nie selbst erlebt hat.

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