Die Selfie-Sucht nimmt überhand

In den letzten Jahren nahm der Selfie-Wahn rasant zu. Bei Instagram sind über 50 Millionen Aufnahmen mit dem Schlagwort #selfie markiert, 139 Millionen unter #me abgelegt.

Eine Studie in England kam zu dem Ergebnis, dass es sich bei 30 Prozent aller Fotos, die 18- bis 24-Jährige mit ihrem Smartphone machen, um Selbstportäts handelt. DSC07339

Da wundert es kaum, dass „Selfie“ zum Wort des Jahres 2013 gekürt wurde. Doch für manche wird das harmlose Knipsen von Selbstporträts zur gefährlichen Sucht.

Ein britischer Teenager wollte sich umbringen, nachdem es ihm nicht gelang, dass perfekte Selfie von sich zu machen. Der Junge war so besessen von diesem Gedanken, dass er täglich bis zu 200 Selfies von sich schoss. Bei dem Streben nach dem besten Foto verlor der heute 19-Jährige 13 Kilogramm Gewicht, wurde aus der Schule geschmissen und verließ das Haus ganze sechs Monate nicht.

Leider ist dies kein Einzelfall. Der britische Psychiater David Vea erklärt: „Zwei von drei meiner Patienten, die seit dem Auftauchen der Kamerahandys zu mir wegen einer körperdysmorphen Störung (Störung der eigenen Körperwahrnehmung) kommen, haben einen Zwang, ständig neue Selfies von sich zu machen und diese in sozialen Medien hochzuladen.

Der schweizerische Psychotherapeut Felix Hof aus Zürich sagt, er beobachte das Phänomen vermehrt bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen: „Menschen mit dem Bedürfnis, ständig und überall Fotos von sich selbst zu machen, haben ein narzisstisches und autoerotisches Problem. Die Betroffenen wollen ein Ideal erreichen, das unerreichbar ist.“

Weiter erklärt Hof, dass nicht das Foto selbst ausschlaggebend sei, sondern die Reaktion darauf in den sozialen Netzwerken. Den jungen Menschen gehe es primär um Betätigung, sie wollen wissen, wie sie beurteilt werden: „Doch egal, wie viele ‘Likes‘ oder positive Kommentare jemand für sein Selfie bekommt, es ist nie genug, nie zufriedenstellend. Diese daraus folgende Enttäuschung führt zu einer emotionalen und sozialen Verarmung“.

Es handelt sich also um ein Ritual der narzisstischen Selbstvergewisserung als Resultat einer tiefen Selbstverunsicherung.

Quelle: Webseite „Kultur und Medien“ der Frankfurter Aktion „Kinder in Gefahr“

Gemälde: Evita Gründler



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