Der Katholikentag ist Glaubenszeugnis und Kontaktbörse zugleich

Von Felizitas Küble

Meinen ersten Katholikentag erlebte ich als 17-jährige Schülerin gemeinsam mit meiner jüngeren Schwester Anne 1978 in Freiburg. Mir klingt heute noch das begeisternde Lied “Sag Ja zu Jesus” in den Ohren, das Inge Brück dort so schwungvoll gesungen hatte.

Auch der Katholikentag zwei Jahre später in Berlin – im damals noch geteilten Deutschland – war für mich ein eindrucksvolles Erlebnis. Ich habe dort zum Beispiel ein gleichaltriges Mädchen kennen gelernt, mit dem ich heute noch befreundet bin.Plakat

Ende Mai beginnt der 99. Deutsche Katholikentag in Regensburg, danach steht bereits das Hunderter-Jubiläum an.

Den ersten Katholikentag gab es hierzulande im Herbst 1848, wobei er auch als Protestversammlung gegen die Unterdrückung von Katholiken im preußischen Staat fungierte, also schon damals eine gesellschaftskritische Note aufwies.

Diese wenigen Daten zeigen, dass dieses „Volksfest des Glaubens“ schon lange währt –  wobei nicht alles gut ist, nur weil es viele Jahre oder gar Jahrzehnte auf dem Buckel hat. Auch unter Katholiken gehen die Meinungen über den Sinn der Katholikentage auseinander – und das ist völlig o.k. so.

Die Bewertung hängt auch von den Erwartungen ab, die man mit dem Katholikentag verbindet. Wer mit Folklore nichts anfangen kann, wird sich vielleicht am Volksfestcharakter stören.

Anderen ist es zu viel Trubel, sie wünschen mehr Besinnliches. Aber der Katholikentag kann nicht allen Vorstellungen gleichzeitig gerecht werden. Zudem kann man selber kreativ sein. Wer zum Beispiel mehr Stille sucht, kann sie dort auch in Kirchen und Kapellen finden.b1050954 - Kopie

Das diesjährige Leitwort „Mit Christus Brücken bauen“ deutet schon die besondere Bedeutung dieses Glaubensfestivals an.

Tatsächlich ist der Katholikentag eine ideale Kontaktbörse zum lockeren oder auch tiefergehenden Kennenlernen von Mensch zu Mensch, von Christ zu Christ. So entsteht Gemeinschaft  – und oft auch Freundschaft, nicht selten über Landesgrenzen hinweg.

FOTO: Felizitas Küble und Cordula Mohr (Mitte) im Gespräch mit Bischof Algermissen (Fulda) am Infostand des Christoferuswerks während des Katholikentags in Regensburg

Da ich selber an einem Infostand auf der Katholikentagsmeile zugange bin, kann ich vermutlich viele Stimmungen einfangen und erfahre durch Gespräche, was die Menschen dort bewegt, was ihnen inhaltlich oder persönlich auf den Nägeln brennt.

Der Katholikentag baut zudem Brücken vom Kirchenvolk zur Kirchenleitung und umgekehrt, so, dass Bischöfe, Priester und „Laien“ sich näher kennenlernen und gegenseitig (unter)stützen können. Auch die Hirten und Oberhirten können sich von der Lebendigkeit und Glaubensfreude des Kirchenvolkes inspirieren und ermutigen lassen.

Der Katholikentag ist auch deshalb eine sinnvolle „Einrichtung“, weil er die Präsenz von Religion und Kirche im öffentlichen Raum verdeutlicht.

Ich finde es wichtig, dass christliche Themen auch in Medien, Politik und auf der “Straße” diskutiert werden. Als Christen sind wir nicht im Ghetto und wollen uns auch nicht selber abkapseln, nicht in eine “fromme Fluchtburg” nur unter Gleichgesinnten begeben.

Der Glaube ist zweifellos etwas Persönliches  –  und zugleich mehr als nur „Privatsache“. Religiöses Leben wirkt hinein in Staat und Gesellschaft, denn das Christentum und sein biblisches Menschenbild gehört zu den Fundamenten der Kultur in Deutschland und Europa.

Erstveröffentlichung dieses Artikels als Debattenbeitrag am 28. Mai auf dem Weblog „Woran glauben“ des Bayerischen Rundfunks: http://blog.br.de/woran-glauben/2014/05/28/riesenhappening-katholikentag-was-haltet-ihr-davon/


Der klassische „Römische Katechismus“ und seine Verteidigung der Juden

Argumentation gegen Vorurteile vor über 400 Jahren

In und außerhalb der kath. Kirche ist kaum bekannt, dass die fatale antijüdische Kollektivschuld-These nicht etwa erst 1965 (2. Vatikanum) durch die Erklärung “Nostra aetate” verworfen wurde.

Vielmehr wurde diesem verhängnisvollen Vorurteil fast genau 400 Jahre zuvor bereits eine klare Absage erteilt: im Catechismus Romanus, dem sog. „Römischen Katechismus“.   davidstern (2)

Dieser kirchenamtliche Katechismus von 1566 war bis zur Einführung des neuen Weltkatechismus 1992 jahrhundertelang  d i e  offizielle Leitplanke für alle anderen Katechismen auf nationaler oder diözesaner Ebene.

Auch im neuen Weltkatechismus wird häufig auf den Catechismus Romanus bezug genommen. Dieser Leit-Katechismus entstand nach einem Beschluss des Konzils von Trient, mit dem die kath. Kirche auf die Herausforderung durch die „Reformation“ reagierte.

Der hl. Papst Pius V. beauftragte nach dem Trienter Konzil den angesehenen Kardinal Karl Borromäus (später ebenfalls heiliggesprochen), die Redaktionsarbeiten für den Catechismus Romanus zu vollenden. Das Werk wurde ein „großer Wurf“ und gehört zu den verbindlichen Dokumenten des kirchlichen Lehramts.

Was lehrt nun der „Römische Katechismus“ über das Thema „Wer ist Schuld an der Kreuzigung Jesu Christi?“

Er stellt nüchtern und selbstkritisch fest: in erster Linie tragen jene Christen die Schuld daran, die sich in Sünden und Lastern wälzen. Im ersten Teil orientiert sich der Katechismus am „Credo“.

Im 5. Hauptstück wird die Credo-Aussage „Gekreuzigt unter Pontius Pilatus“ erläutert. Im 11. Kapitel heißt es  dort: 1403634115528

„Wenn also einer fragt, was der Grund war, warum der Sohn Gottes das bitterste Leiden übernahm, so wird er erkennen, daß es außer der Erbschuld der ersten Eltern (Adam und Eva) vor allem die Laster und Sünden waren, welche die Menschen begangen haben und bis zum Ende der Zeiten begehen werden….Es müssen dieser Schuld (am Tod Christi) alle als teilhaftig angesehen werden, welche öfters in Sünden fallen…. Jene, die sich in Schandtaten und Lastern wälzen, kreuzigen ihn von neuem.

Und dieser Frevel wiegt bei uns Christen viel schwerer, als er es bei Juden gewesen ist, weil die Juden nach dem Zeugnis des Apostels Paulus „den Herrn der Herrlichkeit niemals gekreuzigt hätten, wenn sie ihn erkannt hätten“. – Wir legen aber das Bekenntnis ab, ihn zu kennen und verleugnen ihn dennoch durch unsere Werke und legen so gewissermaßen gewaltsam Hand an ihn.“

Der Blick der Katholiken wird also von der weitverbreiteten Vorwurfs-Haltung gegenüber Juden „umgelenkt“ in die eigene Richtung, so dass der Finger nicht mehr in erster Linie auf Juden zeigte, sondern auf die Christen selbst.

Die offensichtlich judenfreundliche Haltung des Römischen Katechismus wird auch an anderer Stelle erkennbar: So heißt es Dritten Teil (1. Hauptstück, 11. und 12. Abschnitt) in einer Aufforderung an die Pfarrer:

„Obwohl dieses Gesetz des Moses vom Herrn auf dem Berge den Juden gegeben wurde, ist es gleichwohl von sehr großem Nutzen für alle Menschen – jene Worte Gottes also, welche durch Moses als Diener und Dolmetscher den Hebräern verkündigt wurden.“

Sodann werden die Priester angehalten,polskaweb

„die Geschichte des israelitischen Volkes, welche voller Geheimnisse ist, sorgfältig zu erklären…Der Pfarrer wird zuerst erzählen, daß Gott aus allen Völkern, welche unter dem Himmel sind, eines auserkoren hat, das seinen Ursprung von Abraham herleitet.“

Dies wird kurz darauf noch einmal eingeschärft:

„Der Pfarrer hat vor allem das zu verkünden: daß aus allen Völkern nur eines von Gott erwählt worden ist, welches er „sein Volk“ nennt und welchem er sich zu erkennen gab und zur Verehrung vorstellte. Nicht als ob es die übrigen Völker an Gerechtigkeit oder Zahl überboten hätte, sondern weil es Gott eben so gefiel, lieber ein kleines und armes Volk zu vermehren und zu bereichern, damit seine Macht und Güte bei allen umso bekannter und herrlicher sein würde.“

Nachdem der Katechismus erklärte, dass der Ewige die Israeliten als „sein Volk“ bezeichnete, wird weiter erläutert, dass sich der Schöpfer den Hebräern auch als „ihr Gott“ zu erkennen gab:

„Da es also mit jenen Israeliten so bestellt war, so verband Gott sich mit ihnen und liebte sie, so daß er sich – obwohl Herr des Himmels und der Erde – nicht schämte, „ihr Gott“ zu heißen, um dadurch die übrigen Völker zur Nachahmung anzuregen, damit sich alle Menschen, wenn sie das Glück der Israeliten schauen, der Verehrung des wahren Gottes zuwenden.“

Hieraus wird erkennbar, dass der Römische Katechismus bereits vor 400 Jahren ein faires, ja wohlwollendes Bild des biblischen Volkes und seiner Erwählung verkündete und Gottes Verheißungen für die Israeliten würdigte.

Zugleich wurden Kollektivschuld-Vorstellungen gegen Juden abgelehnt und der Blick auf das Versagen jener Christen gelenkt, die Christus durch Laster und Schandtaten „von neuem kreuzigen“


Neue Monats-Botschaft von Medjugorje erneut seltsam

Die Monatsbotschaft  an die „Seherin“ Marija vom 25. Mai 2014 lautet wieder einmal etwas merkwürdig:

„Liebe Kinder! Betet und seid euch bewusst, dass ihr ohne Gott Staub seid. Deshalb, wendet eure Gedanken und euer Herz Gott und dem Gebet zu. Vertraut in Seine Liebe. Im Geist Gottes seid ihr, meine lieben Kinder, alle aufgerufen Zeugen zu sein.

Ihr seid wertvoll und ich rufe euch, meine lieben Kinder, zur Heiligkeit, zum ewigen Leben, auf. Deshalb, seid euch bewusst, dass dieses Leben vergänglich ist. Ich liebe euch und rufe euch zu einem neuen Leben der Bekehrung auf. Danke, dass ihr meinem Ruf gefolgt seid!“media-372515-2

Wir sollen uns also klarmachen, dass wir „ohne Gott Staub sind“, heisst es diesmal. Dies ist freilich theologischer und auch logischer Unfug, mag er sich auch fromm anhören:

Wir Menschen sind bereits auf Erden Geschöpfe aus Leib und Seele, also keineswegs nur Staub. Selbst der menschliche Leib, der Staub ist und zum Staub zurückkehrt (wobei es insoweit keinen Unterschied zwischen Gottgläubigen und Ungläubigen gibt), ist zur einstigen Auferstehung berufen.

Sodann heisst es, dass wir unser Herz Gott und dem Gebet zuwenden sollen. Natürlich gehört das Gebet zum Christenleben. Aber warum werden in den Medju-Botschaften so selten die Gebote Gottes erwähnt? Das Gebet allein macht nicht selig, Christus fordert uns auch eindringlich dazu auf, die göttlichen Gebote einzuhalten.

Zudem wirkt es seltsam, wenn die „lieben Kinder“  nach 33 Jahren „Erscheinungen“  immer noch zur Bekehrung aufgerufen werden…