Michael Hesemanns Buch über Fatima

1. Teil der Rezension von Felizitas Küble

Das 330 Seiten starke Sachbuch von Michael Hesemann mit dem Titel „Das Fatima-Geheimnis“ und einem Vorwort von Kardinal Joachim Meisner erschien merkwürdigerweise im esoterischen Kopp-Verlag.

Vielleicht bestehen inhaltliche Überschneidungen zwischen Verlag und Autor wegen der früheren UFO-Schriften Hesemanns (wobei er sich noch im Jahre 2008 öffentlich zu UFO-Überzeugungen bekannte).

Offenbar wurde sein etwas reißerisch aufgemachtes Fatima-Buch nicht schlecht verkauft, denn im Dezember 2009 erreichte es bereits die vierte Auflage.

Der Untertitel deutet an, daß darin außer Fatima auch weitere Privatoffenbarungen thematisiert werden: „Marienerscheinungen, der Papst und die Zukunft der Menschheit.“

Auf S. 89 erklärt der Historiker, sein Buch solle „untersuchen, was damals in Fatima tatsächlich geschah, „sine ira et studio“ (ohne Zorn und Eifer) und ohne Wertung.“

Zweifellos ein hoher Anspruch, dem der Autor nur zum Teil gerecht wurde. Mag das Buch auch ohne Zorn geschrieben sein, so doch nicht ohne Eifer – und schon gar nicht „ohne Wertung“.

Allerdings muß man dem Verfasser zugutehalten, daß er sein Thema stellenweise immerhin differenzierter beleuchtet, als dies sonst in der Fatima-Publizistik üblich ist.

Der „Eifer“ Hesemann nimmt mitunter pathetische Formen an, die das Ereignis Fatima überstark dramatisieren, etwa wenn er davon ausgeht, daß die dortigen Erscheinungen „letztendlich Weltgeschichte machen sollten“ (S. 26) oder wenn er vom Erscheinungsjahr 1917 schreibt, es sei für die drei Seherkinder das Schicksalsjahr geworden „und durch sie das Schicksalsjahr der Menschheit“ (S. 31). Warum nun gleich der „Menschheit“?

Ähnlich heißt es auf S. 13: „Durch Fatima war das große Wunder des 20. Jahrhunderts, die friedliche Öffnung des Eisernen Vorhangs, das Ende des Kalten Krieges, der Fall des atheistischen Kommunimus, erst möglich.“ (S. 13)  Auch wenn, wie der Autor meint, Papst Johannes Paul II. hiervon überzeugt war, so hätte man für diese recht steile These, daß Fatima den Untergang des Kommunismus „erst möglich“ gemacht habe, doch gerne eine einleuchtende Begründung gelesen.

Ebenfalls auf S. 13 schreibt Hesemann zu Fatima: „Keiner himmlischen Manifestation der Neuzeit fühlten sich die Päpste seit Pius XII. so eng verbunden“.  – Diese Behauptung trifft ersichtlich allein auf Johannes Paul II. zu, keineswegs aber allgemein auf „die Päpste seit Pius XII.“.

Es scheint, als ob der Verfasser die Bedeutung des von ihm gewählten Buch-Themas mit solch überzogenen Äußerungen bekräftigen wolle.

Wesentlicher Unterschied zur göttlichen Offenbarung

Auffallend ist, daß er den Ausdruck „Privatoffenbarung“ vermeidet und lieber von „Offenbarung“ oder „Marienoffenbarung“ schreibt. Sein einführender Grundsatzartikel trägt sogar den pauschalen Titel „Die Offenbarung“ (S. 10).P1020947

Die kath. Kirche ordnet aber auch die von ihr anerkannten Erscheinungen als „Privatoffenbarung“ ein, um sie dadurch klar von der göttlichen Offenbarung (auch „öffentliche“ Offenbarung genannt) abzugrenzen. 

Diese „Offenbarung Gottes“ ist uns durch die Hl. Schrift und die apostolische Überlieferung bezeugt; sie gehört daher zum verbindlichen Glaubensgut der Kirche, nicht jedoch Privatoffenbarungen, zumal sich diese von der „öffentlichen Offenbarung“ nicht nur graduell, sondern wesentlich unterscheiden.

(Näheres dazu siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2013/10/29/was-bedeutet-die-kirchliche-approbation-einer-privatoffenbarung-genau/)

In puncto Bibelexegese bietet Hesemann mitunter eine eher oberflächliche Schmalspur-Theologie, garniert mit phantasievollen Legenden aus apokryphen „Evangelien“ (z.B. S. 14 und 15), die bekanntlich nicht zum biblischen Kanon zählen.

So verengt er die bekannten Abschnitte aus der Johannes-Apokalypse (Offb. 12,1 ff) über das „große Zeichen am Himmel“ und über die „Frau, mit der Sonne bekleidet…“ auf seine verkürzte Marien-Deutung: „Johannes wußte, dass diese Frau Maria war.“

Die SONNENFRAU ist vor allem die KIRCHE

Selbst unter betont marianischen Theologen   –  erinnert sei zB. an die mariologischen Schriften des Kardinals und Professors Dr. Leo Scheffczyk   –   ist es unbestritten, daß die primäre, die wesentliche Bedeutung des „großen Zeichens“ sich auf die Kirche bezieht  –  genauer: auf das Gottesvolk des Alten und des Neuen Bundes. bildma1

Die selige Jungfrau ist als Mutter des HERRN und als personifizierte Brücke vom Alten zum Neuen Bund natürlich das edelste Glied des Gottesvolkes, die höchstrangige Tochter der Kirche. Insofern bezieht sich die sekundäre, nachrangige Deutung dieser Bibelstelle tatsächlich auf die Gottesmutter.

Der hl. Kirchenvater und bedeutende Bibelexeget Hippolyt von Rom schrieb am Ende des 2. Jahrhunderts in seiner Schrift „De Antichriste“ (Kapitel 61):

„Mit der Frau, die von der Sonne bekleidet ist, meint Johannes  ohne Zweifel die Kirche. Denn sie ist angetan mit dem Logos (Christus), dem vom Vater gezeugten, der heller leuchtet als die Sonne.“

Auch der „Hirte des Hermas“ (verfaßt von Hermas von Rom um 145 n. Chr.), eine der wichtigsten frühchristlichen Schriften, bezieht das „große Zeichen“ auf die Kirche  – und die „12 Sterne“ deutet er auf die 12 Apostel (wie bei den Kirchenlehrern üblich).

Der bekannte mittelalterliche Mönch Rupert von Deutz erläutert ebenfalls: „Die sonnenumkleidete Frau ist das Symbol der Kirche, deren bester Teil die selige Jungfrau Maria ist, durch die glückselige Frucht ihres eigenen Leibes.“

Daß Hesemann diese primäre Kirchen-Auslegung betr. der „Sonnenfrau“ völlig unerwähnt läßt und stattdessen munter mit apokryphen Legenden fortfährt, erlaubt einige Zweifel an seinem mariologischen Kenntnisstand.

Dort, wo es darauf ankäme, Mariens biblisch bezeugte Vorrangstellung angemessen zu betonen, läßt es der Autor hingegen an Sorgfalt fehlen:

So benennt er auf S. 16 den Gruß des Engels wie folgt: „Sei gegrüßt, Begnadete, der Herr ist mir Dir.“  –  Doch was heißt schon „Begnadete“? –  Begnadet sind alle Christen, alle Getauften! 

Ave Maria: „Sei gegrüßt, du Gnadenvolle!“3068

Mag dieser flache Ausdruck so auch in der ökumenischen Einheitsübersetzung zu lesen sein, so haben orthodoxe und sogar evangelische Bibelausgaben an dieser Stelle das Wort „Hochbegnadete“ verwendet.

In bewährten katholischen Übersetzungen (z.B. in jener von P. Konstantin Rösch oder der Keppler-Bibel) wird zu Recht meist das Wort „Gnadenvolle“ verwendet, zuweilen auch „Gnadenreiche“.

Papst Benedikt zitiert Lk 1,28 (griechischer Urtext: Chaîre kecharitomene) ebenfalls mit „Freue dich, du Gnadenvolle“, z.B. bei seiner Generalaudienz am 19.12.2012 und in seinen Büchern.

Wenn sich Hesemann mit weiteren Erscheinungen befaßt, die er teils im Schnelltempo durchläuft, führt dies manchmal zu mißverständlichen Darstellungen.

So schreibt er betreff La Salette von der „großen apokalyptischen Botschaft“ (S. 18), welche die beiden Hirtenkinder Melanie und Maximin  empfangen haben wollten. Dies klingt deshalb irreführend, weil jene „apokalyptische“ Botschaft (das sog. „Große Geheimnis“), mit dem Melanie erst Jahrzehnte später herausrückte, kirchlich abgelehnt wurde  –  lediglich die bereits 1846 verkündeten Worte Mariens fanden die Zustimmung des zuständigen Bischofs.

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster

Bestellmöglichkeit, Kurz-Rezensionen und Titelbild-Quelle bei Amazon: http://www.amazon.de/Fatima-Geheimnis-Marienerscheinungen-Papst-Zukunft-Menschheit/dp/3930219441


8 Kommentare on “Michael Hesemanns Buch über Fatima”

  1. Redigierte Version, jetzt nicht vom Mini-Notebook…
    Sehr geehrte Frau Küble,
    mit einigem Erstaunen las ich Ihre “Rezension” meines vor 15 Jahren verfassten Fatima-Buches.
    Um einige Ihrer “Kritikpunkte” richtigzustellen:
    1. Mein Buch sollte bereits im Herbst 2000 im Humboldt-Verlag erscheinen. Als dieser in Konkurs ging, bevor das Buch erschienen war, kaufte der Kopp-Verlag, da ihm das Thema auch für sein Publikum interessant erschien, die Rechte.
    2. Ich habe in Göttingen nicht nur Geschichte, sondern auch Volkskunde studiert. Als Volkskundler habe ich im Doktorandenkolloquium von Prof. R.-W. Brednich moderne Mythen untersucht und wollte über einen modernen Mythos, den UFO-Mythos, promovieren. Mein damaliger fast tödlicher Unfall, gefolgt vom gesundheitsbedingten Vorruhestand meines Beinahe-Doktorvaters, verhinderten dieses Projekt. Natürlich habe ich das teils unter großem Aufwand angesammelte Material damals veröffentlicht, schon um es anderen Volkskundlern zugänglich zu machen. Als man mir daraufhin en Posten als Chefredakteur eines populärwissenschaftlichen Magazins anbot, habe ich angenommen – schon weil dies für einen Volkskundler reizvoll war. Als solcher habe ich, weil die Leserschaft in das Thema vernarrt war, auch über angebliche UFO-Vorfälle berichtet, in der Regel indem ich meine Recherchen dazu schilderte. Seit 1994 arbeitete ich in diesem Thema engstens mit Msgr. Corrado Balducci (+ 2008), einem auf Fragen der Dämonologie spezialisierten römischen Theologen und persönlichen Freund Papst Pauls VI. sowie Berater Johannes Pauls II., zusammen. Zudem war mein (nach wie vor) engster Vertrauter, ein Pater der Glaubenskongregation, in meine Beschäftigung mit diesem Thema “eingeweiht”. Es kann also wirklich nicht behauptet werden, meine damalige Tätigkeit habe im Widerspruch zu meinem katholischen Glauben gestanden. Dass man Erfahrungen, die von soliden Menschen (etwa Piloten, Militärs oder Polizisten) berichtet wurden, nicht völlig von der Hand weisen kann (auch wenn es sich zu 98 % um Fehldeutungen bekannter Himmelsphänomene und bei 2 % wahrscheinlich um Sichtungen militärischer Experimente etwa mit Drohnen handelt), davon war ich freilich noch 2008, ja bin ich selbst heute noch überzeugt. Ich weiß aber auch nicht, was daran ehrenrührig sein soll. Die Geringachtung einer menschlichen Erfahrung ist nicht gerade katholisches Denken.
    3. Die Beschäftigung mit Fatima und die persönliche Begegnung mit dem hl. Johannes Paul II. führte dazu, dass ich im Heiligen Jahr 2000 beschloss, meine bescheidenen Kräfte ganz in den Dienst der Kirche und der Neuevangelisierung zu stellen. Fatima überzeugte mich, dass Gott durch Maria noch heute in die Geschichte eingreift.
    4. Meine Darstellung und Wertung der Fatima-Ereignisse wurde dem engsten Vertrauten von Papst Johannes Paul II., Erbischof (heute Kardinal) Stanislaus Dziwisz, vorgelegt. Für das Buch befragte ich auch ausgiebig Bischof (heute: Kardinal) Tarcisio Bertone, der im Auftrag von Papst Johannes Paul II. die Veröffentlichung des Dritten Geheimnisses von Fatima vorbereitet hatte. Msgr. (heute: Erzbischof) Dr. Georg Gänswein übersetzte mein Interview mit ihm und las mein Manuskript. Auch Kardinal Meisner las es, bevor er mir die Erlaubnis gab, seine Preedigt in Fatima als Vorwort zu benutzen.
    5. Dass sich die Vision der Offb. des Johannes in erster Linie auf die Kirche bezieht, stelle ich in meinen Büchern “Maria von Nazareth” und “Jesus in Ägypten” klar. Allerdings ist Maria als Mutter der Kirche auch Symbolfigur der Kirche. Im Kontext der Deutung der Fatima-Ereignisse durch den hl. Johannes Paul II. wird Apg. 12 dann auch dezidiert auf Fatima und die Ereignisse der Gegenwart bezogen.
    6. Geradezu absurd ist, wenn Sie mich dafür kritisieren, dass ich für Zitate aus der hl. Schrift die Einheitsübersetzung benutze. In populären Werken – ich bin kein Theologe und hatte nie vor, ein theologisches Fachbuch zu verfassen – ist das nun mal so üblich! Dass ich mich nicht auf Benedikt XVI. beziehen konnte, liegt bei einem fünf Jahre vor seinem Pontifikatsbeginn verfassten Werk wohl auf der Hand.
    7. Zu Ihren inhaltlichen Kritikpunkten:
    a. Es kann wohl kaum ein Zweifel daran bestehen, dass das Jahr der Oktoberrevolution für die Menschen des 20. Jahrhunderts, das so sehr von den Gräueltaten der atheistischen Regime überschattet war, zum Schicksalsjahr geworden ist.
    b. Pius XII. hat sich als “Fatima-Papst” bezeichnet, Paul VI. pilgerte nach Fatima, Johannes Paul I. war als Kardinal in Fatima, Johannes Paul II. hat seine Bestimmung nach dem Attentat am Fatima-Tag erkannt, Benedikt XVI. hat das Dritte Geheimnis (noch als Präfekt der CDF) kommentiert, Papst Franziskus hat sein ganzes Pontifikat der Gottesmutter von Fatima anvertraut – lediglich Johannes XXIII. waren alle Erscheinungen gleichgültig. Welche himmlische Manifestation der Neuzeit hat denn bitte größere Beachtung bei den Päpsten gefunden?
    c. Und was „meine“ Ihrer Ansicht nach “steile These” von der, wie gesagt, der hl. JP2 überzeugt war, betrifft: Durch das Attentat am Fatima-Tag begriff JP2, dass er der “Fatima-Papst” war – und bereitete die von der Gottesmutter gewünschte Weihe an ihr unbeflecktes Herz vor. Diese wurde 1984 durchgeführt. Innerhalb eines Jahres kam Gorbatschow an die Macht, innerhalb von sieben Jahren war die UdSSR Geschichte. Zufall? Das hieße, die Worte Mariens zu ignorieren, die eben das in Fatima vorausgesagt hatte. Nicht ohne Grund ließ JP2 auf dem Gelände des Heiligtums von Fatima ein Fragment der Berliner Mauer aufstellen. Er pilgerte 1991 explizit nach Fatima, um der Madonna zu danken, „dass Du Völker in die Freiheit geführt hast“. Ich interpretiere ihn also weder falsch noch vertrete ich eine „These“, die nicht im Einklang mit der Deutung dieser Ereignisse durch den heiligen Papst stehen. So vertraute dieser dem italienischen Journalisten Vittorio Messori, der das Interviewbuch „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten“ herausgab, als sein ganz persönliches Resümee der Ereignisse an: „Und was ist über die drei portugiesischen Kinder aus Fatima zu sagen, die unerwartet und kurz vor dem Ausbruch der Oktoberrevolution hörten: ‚Russland wird umkehren’ und ‚Am Ende wird mein Herz triumphieren’…? Sie könnten derartige Aussagen unmöglich erfunden haben. Sie kannten sich weder in der Geschichte noch in der Geographie aus, und noch weniger wussten sie über Sozialbewegungen oder Ideologieentwicklung. Und doch ist genau das eingetreten, was sie angekündigt hatten. Vielleicht ist der Papst auch aus diesem Grund aus einem ‚fernen Land’ gerufen worden; vielleicht hat das Attentat auf dem Petersplatz gerade am 13. Mai 1981, dem Jahrestag der ersten Erscheinung von Fatima, stattfinden müssen, damit alles durchsichtiger und verständlicher würde, damit die Stimme Gottes, die in die Menschengeschichte in ‚Zeichen der Zeit’ spricht, einfacher zu hören und zu verstehen sein würde.“ Nichts anderes behaupte ich.

    Mit freundlichen Grüßen, Michael Hesemann

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  2. Sehr geehrte Frau Küble,

    mit einigem Erstaunen las ich Ihre „Rezension“ meines vor 15 Jahren verfassten Fatima-Buches.

    Um einige Ihrer „Kritikpunkte“ richtigzustellen:
    1. Mein Buch sollte bereits im Herbst 2000 im Humboldt-Verlag erscheinen. Als dieser in Konkurs ging, bevor das Buch erschienen war, kaufte der Kopp-Verlag, da ihm das Thema auch für sein Publikum interessant erschien, die Rechte.
    2. Ich habe in Göttingen nicht nur Geschichte, sondern auch Volkskunde studiert. Als Volkskundler habe ich im Doktorandenkolloquium von Prof. R.-W. Brednich moderne Mythen untersucht und wollte über einen modernen Mythos, den UFO-Mythos, promovieren. Mein damaliger fast tödlicher Unfall, gefolgt vom gesundheitsbedingten Vorruhestand meines Beinahe-Doktorvaters, verhinderten dieses Projekt. Natürlich habe ich das teils unter großem Aufwand angesammelte Material damals veröffentlicht, schon um es anderen Volkskundlern zugängig zu machen. Als man mir daraufhin ein populärwissenschaftliches Magazin den Posten als Chefredakteurs anbot, habe ich – schon weil dies für einen Volkskundler reizvoll war. Als solcher habe ich, weil die Leserschaft in das Thema vernarrt war, auch über angebliche UFO-Vorfälle berichtet, in der Regel indem ich meine Recherchen dazu schilderte. Seit 1994 arbeitete ich in diesem Thema engstens mit Msgr. Corrado Balducci, einem auf Fragen der Dämonologie spezialisierten römischen Theologen und persönlichen Freund Papst Pauls VI. sowie Berater Johannes Pauls II. (+ 2008) zusammen. Zudem war mein (nach wie vor) engster Vertrauter, ein Pater der Glaubenskongregation, in meine Beschäftigung mit diesem Thema „eingeweiht“. Es kann also wirklich nicht behauptet werden, meine damalige Tätigkeit habe im Widerspruch zu meinem katholischen Glauben gestanden. Dass man Erfahrungen, die von soliden Menschen (etwa Piloten, Militärs oder Polizisten) berichtet wurden, nicht völlig von der Hand weisen kann (auch wenn es sich zu 98 % um Fehldeutungen bekannter Himmelsphänomene und bei 2 % wahrscheinlich um militärische Experimente etwa mit Drohnen handelt), davon war ich freilich noch 2008, ja selbst heute noch überzeugt. Ich weiß aber auch nicht, was daran ehrenrührig sein soll. Eine Geringachtung einer menschlichen Erfahrung ist nicht gerade katholisches Denken.
    3. Die Beschäftigung mit Fatima und die persönliche Begegnung mit dem hl. Johannes Paul II. führte dazu, dass ich im Heiligen Jahr 2000 beschloss, meine bescheidenen Kräfte ganz in den Dienst der Kirche und der Neuevangelisierung zu stellen. Fatima überzeugte mich, dass Gott durch Maria noch heute in die Geschichte eingreift.
    4. Meine Darstellung und Wertung der Fatima-Ereignisse wurde dem engsten Vertrauten von Papst Johannes Paul II., Erbischof (heute Kardinal) Stanislaus Dziwisz vorgelegt. Für das Buch befragte ich auch ausgiebig Bischof (heute: Kardinal) Tarcisio Bertone, der im Auftrag von Papst Johannes Paul II. die Veröffentlichung des Dritten Geheimnisses von Fatima vorbereitet hat. Msgr. (heute: Erzbischof) Dr. Georg Gänswein übersetzte mein Interview mit ihm und las mein Manuskript. Auch Kardinal Meisner las es, bevor er mir die Erlaubnis gab, sein Vorwort zu benutzen.
    5. Dass die Vision der Offb. des Johannes in erster Linie auf die Kirche bezieht, stelle ich in meinen Büchern „Maria von Nazareth“ und „Jesus in Ägypten“ klar. Allerdings ist Maria als Mutter der Kirche auch Symbolfigur der Kirche. Im Kontext der Deutung der Fatima-Ereignisse durch den hl. Johannes Paul II. allerdings wird Apg. 12 dezidiert auf Fatima und die Ereignisse der Gegenwart bezogen.
    6. Geradezu absurd ist, wenn Sie mich dafür kritisieren, dass ich für Zitate aus der hl. Schrift die Einheitsübersetzung benutze. In populären Werken – ich bin kein Theologe und hatte nie vor, ein theologisches Fachbuch zu verfassen – ist das nun mal so üblich! Dass ich mich nicht auf Benedikt XVI. beziehen konnte, liegt bei einem fünf Jahre vor seinem Pontifikatsbeginn verfassten Werk wohl durchaus nachvollziehbar.
    7. Zu Ihren inhaltlichen Kritikpunkten:
    a. Es kann wohl kaum ein Zweifel daran bestehen, dass das Jahr der Oktoberrevolution für die Menschen des 20. Jahrhunderts, das so sehr von den Gräueltaten der atheistischen Regime überschattet war, zum Schicksalsjahr geworden ist.
    b. Pius XII. hat sich als „Fatima-Papst“ bezeichnet, Paul VI. pilgerte nach Fatima, Johannes Paul II. war als Kardinal in Fatima, Johannes Paul II. hat seine Bestimmung nach dem Attentat am Fatima-Tag erkannt, Benedikt XVI. hat das Dritte Geheimnis (noch als Präfekt der CDF) kommentiert, Papst Franziskus hat sein ganzes Pontifikat der Gottesmutter von Fatima anvertraut – lediglich Johannes XXIII. waren alle Erscheinungen gleichgültig. Aber welche himmlische Manifestation der Neuzeit hat größere Beachtung bei den Päpsten gefunden?
    c. Und was meine Ihrer Ansicht nach „steile These“ von der, wie gesagt, der hl. JP2 überzeugt war, betrifft: Durch das Attentat am Fatima-Tag begriff JP2, dass er der „Fatima-Papst“ war – und bereitete die von der Gottesmutter gewünschte Weihe an ihr unbeflecktes Herz vor. Diese wurde 1984 durchgeführt. Innerhalb eines Jahres kam Gorbatschow an die Macht, innerhalb von sieben Jahren war die UdSSR Geschichte. Zufall? Das hieße, die Worte Mariens zu ignorieren, die eben das in Fatima vorausgesagt. Nicht ohne Grund ließ JP2 auf dem Gelände des Heiligtums von Fatima ein Fragment der Berliner Mauer aufstellen. Ja er pilgerte 1991 explizit nach Fatima, um der Madonna zu danken, „dass Du Völker in die Freiheit geführt hast“.

    Mit frdl. Grüßen
    Michael Hesemann

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    • marienverehrer sagt:

      Es sollte ausdrücklich erwähnt werden, dass Sr. Lucia 1929 in Tuy gesagt wurde, dass die Weihe Russlands an das Unbefleckte Herz Mariens durch den Papst und alle Bischöfe der Welt die Bekehrung Russlands zur Folge haben würde. Dazu sind 2 Punkte anzumerken:

      Diese Weihe Russlands hat bislang nie stattgefunden, da (a) nicht, wie gefordert, alle Bischöfe bei der Weihe von 1984 oder sonst wann mitgemacht haben, und (b) Russland sich bis heute nicht bekehrt hat. Es hat sich zwar von einem Übel zum anderen gewandelt, aber nicht bekehrt!

      Die Weihe wurde auf jeden Fall nicht vorgenommen, erstens weil Russland nicht als einziger geforderter „Gegenstand“ der Weihe war, und zweitens weil nicht alle Bischöfe mitgemacht haben.

      Vielleicht sollte man es mal, gerade jetzt in dieser Krise mit Russland, einfach mal richtig versuchen.

      Freundliche Grüße
      Stjepan

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      • Guten Tag,
        aus der Tatsache, daß sich Rußland bislang nicht bekehrt hat, kann man nicht automatisch schließen, daß der Weiheakt nicht stattfand. Es besteht auch noch die Möglichkeit, daß Sr. Lucia jene Vision nicht richtig verstanden oder mit eigenen Vorstellungen vermischt hat. Immerhin sind auch kirchlich approvierte Privatoffenbarungen nicht verbindlich und erst recht nicht unfehlbar. Rein formal ist festzustellen, daß Sr. Lucia sich brieflich – laut Vatikan-Verlautbarung – am 8. November 1989 offenbar so äußerte, daß der diesbezügliche Wunsch Mariens erfüllt worden sei. Papst Johannes Paul II. habe die Weihe 1984 quasi in geistlicher Gemeinschaft mit den Bischöfen vorgenommen, heißt es auf der Webseite der Glaubenskongregation: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20000626_message-fatima_ge.html
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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      • marienverehrer sagt:

        Antwort auf Frau Kübles Antwort vom 28.März:

        Tja, dann ist das ja ein Beweis mehr, dass „Fatima“ nicht echt ist, weil ja laut den offiziellen Botschaften Russland sich hätte bekehren müssen, im Falle der Weihe, wie sie offiziell gefordert wurde. Russland hat sich bis heute nicht bekehrt.

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  3. Judith sagt:

    Das Fundament des katholischen Glauben ist also : Fatima, Amsterdam, Garabandal usw…
    Die Katholiken sollen an „Maria“ glauben.

    Warum ist es so geworden?

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    • Guten Tag,
      „Privatoffenbarungen“ sind eben n i c h t das „Fundament“ das katholischen Glaubens, auch nicht die wenigen, kirchlich anerkannten Erscheinungen wie Fatima, an die kein Katholik glauben muß. Die Approbation (Genehmigung) einer Privatoffenbarung durch die Kirche bedeutet lediglich, daß es den Katholiken „gestattet“ (!) ist, an sie zu glauben. Von „Fundament“ und „soll“ kann keine Rede sein.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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    • Anonymous sagt:

      Weil es so IST!!!

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