Judenfeindlichkeit auch unter Intellektuellen und im linken Spektrum

Judenhaß ist keineswegs nur eine Erscheinung in der Unterschicht und bei rechtsextremen Organisationen. Antisemitismus gibt es zunehmend auch bei Intellektuellen. davidstern (2)

Das berichtete der Deutschlandfunk in einem am 20. Juni 2014 ausgestrahlten Beitrag. Darin kommt die Sprachwissenschaftlerin Monika Schwarz-Friesel zu Wort. Sie wertete über zehn Jahre hinweg Zuschriften an den Zentralrat der Juden in Deutschland und die israelische Botschaft aus.

Über die Hälfte der Schreiben stammen von Professoren, Ärzten und Lehrern. So schrieb zB. ein Jura-Professor aus Leipzig: „Die Legitimationsbasis all Ihrer Verbrechen ist wohl die zionistische Idee, ein auserwähltes Volk zu sein.“

Laut Schwarz-Friesel zeichnen sich die Schreiber solcher Briefe dadurch aus, dass sie selbst ihren Antisemitismus vehement leugnen: „Die sagen, ich bin ein Humanist, und ich schreibe nur, weil ich mich um den Weltfrieden sorge.“   –   Wenn sie dann Israel sehr massiv angriffen, sehe man, „dass sie bewusst oder unbewusst auf ganz extreme judenfeindliche alte Stereotype zurückgreifen“.

Der Antisemitismus sei auch auf linker Seite und unter Liberalen verbreitet.

Seit den 60er Jahren arbeite sich ein linksgetönter Antisemitismus an Israel ab, erläuterte der Politikwissenschaftler Martin Kloke  aus Berlin: „Vor 1967 wurden vielfach gerade in linken Kreisen Juden idealisiert, es gab Bühnenstücke, jeder Jude war ein Nathan der Weise, makellos aus den Konzentrationslagern zurückgekehrt.“

Diese Projektion habe sich dann in ihr Gegenteil verkehrt: „Das ist so ähnlich wie bei enttäuschter Liebe, und dann plötzlich schlägt diese Bewunderung in einen ebenso unkritischen Hass und Abneigung um.“

Quelle: http://www.idea.de


7 Kommentare on “Judenfeindlichkeit auch unter Intellektuellen und im linken Spektrum”

  1. Christoph Rebner sagt:

    Wer ist dann in Offenbarung 2,9 und 3,9 gemeint?

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    • Und wer ist im Römerbrief 11,1 – in 11,11 und 11,18 gemeint?

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      • Christoph Rebner sagt:

        Wichtige Hinweise, von Ihnen, Frau Kübele 🙂

        Angesichts der Frage, ob mit der Rettzng „ganz Israel“ von Paulus das alte oder neue Israel gemeint ist, bleibt zur Vorsicht für alle Völker vor G’tt einzutreten, nicht wahr?

        Baruch haBa beShem Adonai!

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      • Guten Tag,
        was meinen Sie denn mit „neuem Israel“? Falls Sie dabei an Kirche bzw. Christenheit denken, so kann diese nicht gemeint sein, da sie bereits an die Rettung durch Christus glaubt. Gemeint ist – wie aus dem Zusammenhang bei Paulus ganz klar wird – die Umkehr der (nichtchristlichen) Juden bzw. von „ganz Israel“ zu Christus.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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  2. Marienzweig sagt:

    Solange sich der Eindruck hält, Kritik an der Politik Israels wäre gleichbedeutend mit Antisemitismus, wird sie -fast zwangsläufig- in den „Untergrund“ verlagert und eine an sich berechtigte Kritik äussert sich dann in diffusen, nicht recht nennbaren Gefühlen und Abwehrhaltungen.
    Kennen wir das doch nicht auch im eigenen seelischen Bereich?
    Was unterdrückt wird, bricht sich anderswo Bahn – in negativen Gefühlen oder gar Krankheiten.
    Kann also Nicht-Kritik im Sinne Israels sein?
    Darf man das Handeln der Politiker dieses Staates nicht kritisieren, so wie man Entscheidungen und Handlungen der Politiker anderer Staaten kritisieren darf oder dürfen sollte?

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    • Guten Tag,
      selbstverständlich darf man Kritik am Staat Israel üben, das ist doch unumstritten. (Abgesehen davon, daß diese Kritik nicht selten von jüdischer Seite kommt.)
      Schauen Sie doch zB. mal in die „Süddeutsche Zeitung“ – und das ist ein linksliberales Blatt: dort wird seit Jahrzehnten nicht etwa nur Sachkritik geübt, sondern ständig gegen Israel gestichelt (Näheres belegt seit Jahren der Blog „Südwatch“.) Auch in den TV-Anstalten kommt Israel meist schlecht weg. Also keine Spur von „darf man nicht“….
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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  3. Bernhard sagt:

    Man muss unterscheiden zwischen Antisemitismus und Antizionismus.

    Nicht jeder, der gegen die Politik des Staates Israel ist, ist automatisch Antisemit. Und nicht jeder, der der jüdischen Religion oder Kultur wohlwollend gegenüber steht, muss unbedingt die Politik Israels gut finden.

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