Warum wollte die Hamas den Krieg?

Von Dr. Daniel Pipes

Politiker beginnen Kriege mit Optimismus bezüglich ihrer Aussichten, aus der Schlacht Gewinne zu ziehen, vermerkt Geoffrey Blainey in seiner meisterlichen Studie The Causes of War (Die Ursachen der Kriege); wäre dem nicht so, würden sie das Kämpfen meiden. Screen-Shot-2014-07-08-at-3.54.46-AM-240x160

Warum provozierte dann die Hamas einen Krieg mit Israel?

Aus dem Nichts heraus begann sie, am 11. Juni Raketen zu schießen, womit sie eine Ruhe zerschlug, die seit November 2012 anhielt.

Das Rätsel dieses Ausbruchs veranlasste David Horovitz, den Herausgeber der Times of Israel, zu der Feststellung, dass die derzeitigen Kämpfe „keinen auch nur annähernd glaubwürdigen Grund“ haben stattzufinden.

Und warum reagierte die israelische Führung minimal, versuchte, den Kampf zu vermeiden?

Das, obwohl beide Seiten wissen, dass Israels Streitkräfte denen der Hamas nicht nur zahlenmäßig, sondern in jeder Beziehung überlegen sind –  geheimdienstlich, in Sachen Kommando und Kontrolle, technologisch, an Feuerkraft, in der Luftraumbeherrschung.

Die Lage hat sich geändert:

Der Ausgang auf dem Schlachtfeld arabisch-israelischer Kriege der letzten 40 Jahre war vorhersehbar; jeder weiß, dass die israelischen Truppen siegen werden. Das läuft eher wie bei Räuber und Gendarm als wie Kriegsführung. Ironischerweise lenkt diese Einseitigkeit die Aufmerksam vom Gewinnen und Verlieren ab, hin auf Moral und Politik.

Israels Feinde provozieren es dazu, dass es Zivilisten tötet, deren Tod ihnen großen Nutzen einbringt.

Die vier Konflikte seit 2006 haben den angeschlagenen Ruf der Hamas in Sachen „Widerstand“ wieder hergestellt, Solidarität an der Heimatfront aufgebaut, Uneinigkeit unter den Arabern wie den Juden Israels geschaffen, Palästinenser und andere Muslime angestachelt Selbstmord-Bomber zu werden, nicht islamistische arabische Führer beschämt, UNO-Resolutionen sichergestellt, die auf Israel eindreschen, Europäer inspiriert harschere Sanktionen gegen Israel zu verhängen, den Gifthahn der internationalen Linken gegen den jüdischen Staat geöffnet und zusätzliche Hilfe aus der Islamischen Republik Iran gebracht. Gaza-rocket-hits-factory-640x477

Der Heilige Gral der politischen Kriegsführung besteht darin, das Mitgefühl der globalen Linken zu gewinnen, indem man sich als Underdog und Opfer darstellt.

(Aus dem Blickwinkel des Historikers, lohnt sich herauszustellen, ist das sehr seltsam: Traditionell versuchen Kombattanten, dem Feind Angst einzuflößen, indem sie sich als Furcht erregend und nicht aufzuhalten darstellen.)

Zu den Taktiken dieser neuen Kriegsführung gehört, dass man eine überzeugend emotionale Darstellung vorweisen kann, Unterstützung berühmter Personen anführt, an das Gewissen appelliert und einfache, aber machtvolle politische Karikaturen zeichnet (Israel-Unterstützer tendieren dazu das sehr gut zu machen, sowohl in der Vergangenheit als auch heute).

Die Palästinenser sind darin noch kreativer und entwickeln die doppelt verlogenen Techniken der „Fauxtografie(gestellte, verfälschende und verfälschte Fotos/Bilder) für Fotografien und „Pallywood“ für Videos.

Die Israelis waren im allgemeinen selbstgefällig, was die Notwendigkeit der  –  wie sie es nennen  –  Hasbara angeht, dem Aussenden de Botschaft; doch in den letzten Jahren ist festzustellen, dass sie sich stärker darauf konzentrieren.

Hügelkuppen, Städte und strategische Straßen spielen in den Bürgerkriegen in Syrien und dem Irak eine äußerst wichtige Rolle, aber die arabisch-israelischen Kriege sind dominiert von Moral, Verhältnismäßigkeit und Gerechtigkeit.

So schrieb ich schon während der Konfrontation von Israel und der Hamas 2006, dass Leitartikel Kugeln und die sozialen Medien die Panzer ersetzt haben. davidstern (2)

Weiter gefasst: Das ist Teil der tief gehenden Veränderung der modernen Kriegsführung, wenn westliche und nicht westliche Kräfte sich bekämpfen, wie bei den von den USA angeführten Kriegen in Afghanistan und dem Irak. In Begriffen von Clausewitz: Die öffentliche Meinung ist der neue Schwerpunkt.

Nachdem dies alles gesagt ist, wie geht es der Hamas damit?

Nicht gut. Ihre Verluste auf dem Schlachtfeld seit dem 8. Juli scheinen höher als erwartet und weltweite Verurteilungen Israels lassen auf sich warten. Selbst die arabischen Medien sind relativ still. Wenn das anhält, könnte die Hamas zu dem Schluss kommen, dass Raketen auf israelische Häuser regnen zu lassen doch keine so furchtbar gute Idee ist.

In der Tat muss sie, damit man sie davon abhalten kann, in ein paar Jahren einen weiteren Angriff zu starten, sowohl den militärischen wie den politischen Krieg verlieren  –  und zwar gewaltig verlieren.

Quelle: National Review Online vom 11. Juli 2014:
http://de.danielpipes.org/14587/warum-will-hamas-krieg
Englischer Originaltext: Why Does Hamas Want War?
Übersetzung: H. Eiteneier
Zum Autor: http://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Pipes
Fotos (1 und 2): Israelische Botschaft in Berlin, 3. Foto: K. Ruprecht

 


One Comment on “Warum wollte die Hamas den Krieg?”

  1. heureka47 sagt:

    Die „normalen“ zivilisierten – entfremdeten – Menschen können die wahren Gründe / Ursachen NICHT erkennen, da diese in DEM Bewußtseinsbereich des / der liegen, die dem typischen „Normalen“ nicht zugänglich sind. Man nennt diesen Bereich deswegen auch das „Unbewußte“ oder „Unter-Bewußtsein“.

    Die wahre Ursache aller Kriege und ähnlicher Ereignisse / Zustände, wie wir sie seit Beginn der „Zivilisation“ kennen, ist die „Krankheit der Gesellschaft“, die „Kollektive Neurose“, das „Übel“, die „Sünde“, die „Abtrennung“ im Bewußtseinsbereich vom göttlichen Bewußtsein, von der Seele.

    Ich nenne diese Krankheit die „Kollektive ZIVILISATIONS-Neurose“.
    Befallen und beeinträchtigt davon sind in zivilisierten Nationen jeweils die großen Mehrheiten…

    Herzlichen Gruß!

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