IRAN: Revolutionsgarden zerstören historischen Friedhof der Bahá’í-Minderheit

Einheiten der „Armee der Wächter der Islamischen Revolution“ zerstören den historisch wichtigen Friedhof der Bahá’í-Minderheit in der iranischen Millionenstadt Schiraz.

Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet, hätten die Revolutionsgarden bereits Anfang August damit begonnen, die sterblichen Überreste der dort beerdigten 950 Bahá’í zu exhumieren. IGFM_Logo_blau_R32 G90 B165

Knochen und Leichenteile würden in einem offenen Kanal „zwischengelagert“. Die Bahá’í sind die größte nichtmuslimische Minderheit des Iran.

In Anwesenheit verschiedener iranischer Medienvertreter haben die Revolutionsgarden die Entwicklung der „Arbeiten“ öffentlich gefeiert.

Mit einer flammenden Rede habe der Kommandant der Garden auf dem Grundstück gegen die Bahá’í gehetzt. Mitglieder der örtlichen Bahá’í-Gemeinde baten die lokalen Behörden um Schutz der Grabstätten. Anlass der Zerstörung soll der Plan sein, einen neuen Sportkomplex mit Moschee, Kindergarten und Restaurant in der Stadt zu errichten.

„Abriss des Friedhofs sofort stoppen!“

Hierzu erklärt Martin Lessenthin, Sprecher des IGFM-Vorstands:

„Die Zerstörung des historischen Friedhofs ist ein weiteres Zeichen, der religiösen Intoleranz der im Iran herrschenden Kräfte. Friedhöfe sind schützenswerte Orte. Der Umgang mit einem Ort der letzten Ruhe zeigt viel über die gesellschaftliche Entwicklung. Ein solcher Akt von Vandalismus darf durch die internationale Gemeinschaft nicht hingenommen werden!“.

Die iranischen Behörden hatten bereits früher versucht, den Friedhof einzuebnen. Aufgrund eines internationalen Aufschreis hatten sie die Arbeiten jedoch mehrere Monate lang unterbrochen.

Der Friedhof stammt im Wesentlichen aus den 1920er Jahren. Auf diesem Friedhof sollen viele in den 1980ern hingerichtete Bahá’í beerdigt worden sein. Auch in der iranischen Öffentlichkeit formiert sich massiver Widerspruch gegen diesen Vandalismus.

Hintergrund zu den Bahá’í:
Die Bahá’í sind mit rund 300.000 Gläubigen die größte nichtmuslimische religiöse Minderheit im Iran. Die iranische Regierung und fundamentalistische muslimische Geistliche sprechen den Bahá’í sogar das Existenzrecht ab. Bahá’í sind im Iran Opfer vielfacher Verleumdung, Diskriminierung und Verfolgung. Die Religion der Bahá’í entstand im 19. Jahrhundert auf dem Gebiet des heutigen Iran. Sie versteht sich als Offenbarungsreligion in der Reihe der anderen Weltreligionen. Die Bahá’í lehnen Gewalt, die Scharia und ebenso die Polygamie ab. Die Frauen der Bahá’í haben die gleichen Rechte wie die Männer. Die Bahá’í sind im Iran de facto verboten.

Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)
Martin Lessenthin, Borsigallee 9 in 60388 Frankfurt a. Main
Tel.: 069-420108-11, Fax: 069-420108-33, info@igfm.de, www.menschenrechte.de



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