Humanistische Kritik an Äußerungen des Evolutionsbiologen Richard Dawkins

Von Dennis Riehle

Die Humanistische Alternative Bodensee (HABO) hat empört auf den Aufruf des Atheisten Richard Dawkins reagiert, der sich in einer Diskussion im Nachrichtendienst „Twitter“ dafür ausgesprochen hat, ungeborene Kinder mit „Trisomie 21“ („Down-Syndrom“) abzutreibenRiehle, Dennis_5.

Nach Ansicht des Professors könnten von diesen Kindern „keine gesteigerten Fähigkeiten“ erwartet werden.

„Treiben Sie ab und machen Sie einen neuen Versuch. Es wäre unmoralisch, es zur Welt zu bringen, wenn Sie die Wahl haben“, wird Dawkins zitiert.

Der Sprecher der HABO, Dennis Riehle, kritisiert diese Aussage massiv:

„Bei viel Verständnis für so manch kluge Forderung und weise Position des Richard Dawkins, diese Ausführungen sind für mich inakzeptabel – und diese Definition von ‚Moral‘ oder ‚Ethik‘ kann und darf kein Konsens werden“, appelliert Riehle auch an andere säkulare Kreise.

„Derartige Meinungen entsprechen nicht dem humanistischen Weltbild, das ich als zweifelnder oder gar atheistischer Mensch vertrete. Und ich bin überzeugt, dass ich damit auch unter Kollegen nicht alleine bin“.  

Der Evolutionsbiologe Dawkins sieht in seiner „Forderung“, wie er sie bezeichnet, keine Ausnahme, sondern „die Norm“.

Immerhin würden bereits die meisten Föten in Europa und Amerika abgetrieben, wenn ein „Down-Syndrom‘ festgestellt werde.

Dawkins beharrt in diesem Zusammenhang darauf, dass er mit seiner Wortwahl den „Fötus“ anspreche. Er wende sich hingegen ab von einem Standpunkt, wonach „ein Mensch“ mit diesem Syndrom „vor Jahren hätte abgetrieben werden sollen“. baby

Dawkins erinnerte auch an die Möglichkeit, mit diversen Tests heutzutage bereits in der frühen Schwangerschaft das Vorliegen der Behinderung „Trisomie 21“ feststellen zu können.

Zuletzt hatte in Deutschland die Konstanzer Firma „LifeCodexx“ für Aufsehen gesorgt, deren neuartiges Untersuchungsverfahren genau dieses „Down-Syndrom“ pränatal erkennen kann.

„Ansichten jenseits des Humanismus“

Für Riehle spielt die Frage nach der Formulierung keine Rolle:

„Ich verstehe, dass Dawkins den Fötus noch nicht als lebensfähiges Individuum anerkennen will. Mit seiner Forderung urteilt er aber in besonderer Weise über die Position der Behinderung. Sie ist für ihn offenkundig ausreichend, um über Wertigkeit von Leben zu urteilen.

Und natürlich kommt er dabei dann auch nicht umhin, die Folgerung zuzulassen, wonach für ihn Menschen mit ‚Down-Syndrom‘ nicht ‚gesteigert fähig‘ sind. Mit Humanismus hat solch eine Ansicht für mich überhaupt nichts zu tun“.

Der HABO-Sprecher, der selbst an einer genetisch bedingten Erkrankung leidet, schreibt weiter: media-389705-4

„Selbst wenn Dawkins das nicht hören möchte, aber aus seiner Haltung wird für mich unweigerlich klar, dass er behinderte Menschen nicht als lebenswert anerkennt.

Denn selbstverständlich ist es keine hypothetische Frage, was mit denjenigen Behinderten wäre, die heute auf der Welt sind, wenn man schon vor Jahrzehnten das ‚Down-Syndrom‘ oder Anderes hätte vorgeburtlich diagnostizieren können  –  und die Eltern auf Aussagen wie die von Dawkins eingegangen wären. Es ist eine Frage, die heute wohl gleich beantwortet würde, wie damals auch – und sie führt letztlich zur Selektion“.

„Abtreibung behinderter Kinder inakzeptabel“

Der Evolutionsbiologe könne nach Riehles Einschätzung nicht erwarten, dass Eltern oder ihre behinderten Kinder die komplexe philosophische Abstraktion verstehen könnten, die der Professor mit seinen feinsinnigen Differenzierungen in der Formulierung bezwecke.

„Dawkins darf selbstredend seine Überzeugung kundtun. Es ist für mich aber unverantwortlich, Eltern derart ins Gewissen zu reden. Für sie muss es ein Schlag ins Gesicht sein, das Absprechen von jeglicher Würde“. PICT0133

Nach Einschätzung des HABO-Sprechers ist das schon länger bekannte, aber selten so deutlich wie jetzt zutage getretene Verständnis der Evolution nach Dawkins in sich nur schwer nachvollziehbar:

„Bedeutet Evolution für den Forscher, dass er in die Machenschaften der Natur  –  wenn es schon kein Gott ist, der erschafft und lenkt  –  nach Belieben eingreifen kann? Und sind Behinderungen damit lediglich ein ‚Unfall‘, dessen Folgen der Mensch mittlerweile zu verhindern imstande ist?.

Mit seinen Einlassungen bedient Dawkins in wunderbarer Weise Vorurteile, mit denen Lebensrechtler die Ideologie verschiedener Atheisten, die in den letzten Jahren auf sich aufmerksam gemacht haben, verurteilen. Ich weiß nicht, ob er seiner eigenen Klientel damit einen Gefallen getan hat.

Denn das Leben allein im Hinblick auf ‚gesteigerte Fähigkeiten‘ zu bewerten, mag evolutionsbiologisch richtig sein. Letztendlich führt eine solche Argumentation aber direkt zur gefürchteten Perfektion des Menschen, die zumindest ist nicht will“, erklärt Riehle.

„Denn während viele der Ideen Dawkins‘ mittlerweile mehrheitsfähig sind, dürfte es solch eine Forderung hoffentlich nie werden“, so der HABO-Sprecher abschließend.

Dennis Riehle, Sprecher
Humanistische Alternative Bodensee (HABO)
Martin-Schleyer-Str. 27 in 78465 Konstanz
www.humanisten-bodensee.de
sprecher@humanisten-bodensee.de 

 

 


4 Kommentare on “Humanistische Kritik an Äußerungen des Evolutionsbiologen Richard Dawkins”

  1. Marienzweig sagt:

    Es würde mich interessieren, ob Richard Dawkins je einmal näheren Kontakt mit einem Down-Syndrom-Kind hatte.
    Würde er sich -wenn er menschlich dazu überhaupt in der Lage ist- einmal ein solches Kind anschauen, wirklich innerlich Kontakt mit ihm aufnehmen, mit ihm sprechen – hätte er dann immer noch die Kaltschnäuzigkeit, zu denken oder gar zu sagen: „Menschen wie du sollten nicht leben dürfen, Ihr seid des Lebens nicht wert.“?
    Würde er dem Kind zu verstehen geben: „Die Norm ist wichtiger als du!“?

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    • heureka47 sagt:

      Um einen Menschen – mit dem erkennenden Bewußtsein – wahrhaft ERKENNEN (= göttlich lieben) zu können, muß man selbst in diesem Bewußtsein SEIN = leben. Dieses „höhere“ Bewußtsein ist die göttliche Geist-Seele, die jeder Mensch ist – ungeachtet, ob er sich dessen bewußt ist oder nicht.
      Nur diese Geist-Seele kann die anderen Geist-Seelen (Menschen) als solche erkennen.

      Ein inzwischen sehr groß gewordener Teil der Menschheit, die „zivilisierte Gesellschaft“, lebt aber als Erwachsene nicht – wie es sein soll(te) – im „höheren Bewußtsein“, sondern ist fixiert in einer neurotischen Störung auf das typische Kindheits-Bewußtsein, das „Niedere Selbst“ / „Ego“, das „grobstoffliche“, materie-orientierte, Bewußtsein.

      Ich denke, Dawkins gehört zu diesen innerlich (seelisch) „Abgetrennten“ und lebt also nicht im wahren Erwachsenen-Bewußtsein, dem „Christus“(-Bewußtsein), und hat keine Wahrnehmung für die Menschen als Seelen.

      Diese weit verbreitete „Abtrennung“ ist eine sehr alte Krankheit: Mindestens 10.000 Jahre, wenn nicht sogar ca. 60.000 Jahre alt. Moses beschreibt sie: Zum einen im Denken, Leben und Verhalten der Ägypter; zum anderen im „Tanz um das Goldene Kalb“. Denn sein Volk ist durch das Leben bei den Ägyptern mit dieser Krankheit “ infiziert“ worden.

      Die Bibel insgesamt ist ein Buch der HEILUNG und beschreibt verschiedene Aspekte der Krankheit, aber auch die Entstehung und das Wirken des grundlegende heilenden Bewußtseins, das in JEDEM Menschen als Potenzial vorhanden ist: (Der) Christus.

      Herzlichen Gruß!

      Wolfgang Heuer

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  2. heureka47 sagt:

    „Es ist euch gesagt, was gut ist.“

    Warum / wozu wir auf der Welt sind, ist dem wahrhaft erwachsenen Menschen völlig klar.

    Im wahren Erwachsenen-Bewußtsein, dem „Christus“(-Bewußtsein), erkennt der Mensch das höchste Prinzip des Seins und ist durch die „Kraft aus der Höhe“, über die er dort gebietet, auch fähig, es anzuerkennen und praktisch zu leben, zu verwirklichen.

    JEDER Mensch ist bedingungslos geliebtes KIND GOTTES und gebietet als WAHRER Erwachsener über diese Kraft.

    „Symptome“ sind ZEICHEN, die deutungsfähig bzw. -bedürftig sind. Es gibt aber nicht nur Symptome von „Krankheit“, sondern auch von – wahrer, höherer – Gesundheit; „höher“ als „(mehrheits-)normal“ in der zivilisierten Gesellschaft.

    Mir ist während meines ehrenamtlichen Engagements in der Selbsthilfebewegung „Psychiatrie-Erfahrener“, also Menschen mit „psychischen Störungen / Erkrankungen“ bzw. OHNE solche, aber mit Erfahrung einer irrtümlichen „Psychiatrisierung“ (!), klar geworden, daß es Menschen gibt, die durch Psychiater als „psychisch gestört / krank“ diagnostiziert werden, obwohl in Wahrheit bei den betreffenden Personen KEINE Störung vorliegt, sondern – im Gegenteil – diese übermehr / größere – „evolutionäre“ – Gesundheit verfügen als die „normalen“ Psychiater.

    Derlei Fehleinschätzungen wie im Feld der Psychiatrie dürften sich auch in anderen wissenschaftlich-medizinischen (FAch-)Bereichen ereignen. Die Ursache ist das unnatürlich begrenzte einseitig-materielle Weltbild der Wissenschaft und Medizin aufgrund der – durchaus bekannten – „Entfremdung“ der großen Mehrheit der Menschen der zivilisierten Gesellschaft – auch die „Kollektive Neurose“ genannt.
    Das wahre Ausmaß, die große Tragweite und akute – „dunkle“ – Bedrohung aus der „KollektivenZIVILISATIONS-Neurose“ (wie ich sie nenne) können wiederum die allermeisten Wissenschaftler (incl. der Soziologen) ähnlich wie die große Mehrheit der Bürger allgemein nicht erkennen.

    Die große Mehrheit der Menschen der zivilisierten Gesellschaft ist durch die – meist unbewußte – Neurose auf die eine oder andere Weise folglich UNBEWUSST beeinträchtigt. Weil die Symptome MEHRHEITS-normal sind, also der Mehrheit nicht als Symptome auffallen.

    Der m.E. größte Faktor dabei ist die „Latente Angst“, wie das Rainer Taéni um 1970 in seinem gleichnamigen Buch geschrieben hat. Und Angst ist Symptom für Mangel an spritueller Energie (Liebe, Frieden, Freude, Heilkraft, „Lebens-Energie“, „Kraft aus der Höhe“, usw.).
    Offene ebenso wie unterschwellige Angst verursacht Verspannung(en) und diese wieder (weiteren) Mangel an der o.g. Energie.

    „ANGST essen Seele auf“ (Roman / Film) spricht eine wichtige Wahrheit aus.

    Angst „frißt“ spirituelle Energie und ist damit die tiefere Ursache im Grunde aller psychischen und psychosomatischen Störungen / Erkrankungen. Angst ist „Stress“ – und der Zusammenhang zwischen Stress und psychischen Störungen / Erkrankungen ist auch der Wissenschaft / Schulmedizin schon eine Weile klar. Nur den Wirkmechanismus – über die spirituelle Energie – kann die Wissenschaft aufgrund ihres begrenzten Weltbildes nicht erkennen/ erklären.

    Im Gefolge der „latenten Angst“ wirken in den betroffenen Bevölkerungen (der gesamten zivilisierten Gesellschaft, ausgenommen die wenigen Fälle grundlegender Heilung und die wenigen restlichen „Natur-Völker“) AUCH latente Depression, latente Aggression, latente Schizophrenie und Latenz-Formen diverser anderer Störungen, die nicht als solche Störungen erkannt / anerkannt werden – sondern in der „Normalverteilung“ untergehen.

    Andererseits spricht die Berufsgruppe der Psychiater und Psychotherapeuten usw. schon seit vielen Jahren von – z.T. „dramatisch“ genannten – Zunahmen im Bereich der psychischen und psychosomatischen Störungen. Etwa 40% der Bevölkerungen hätten „behandlungswürdige psychisch verursachte Störungen“ heißt es, aber nur ein kleiner Teil der Menschen sei / ginge in Behandlung.

    Die Einschätzung einer – wie ich glaube: – Minderheit von Fachleuten geht davon aus, daß die große Mehrheit ALLER „Krankheiten“ in der Gesellschaft in Wahrheit / hauptsächlich psychisch bedingt ist. Darunter auch KREBS.

    Wären wir, die zivilisierte Gesellschaft, nicht so krank, würden wir auch die Wahrheiten unserer höheren Bewußtseins-Ebene, des göttlichen Bewußtseins im Menschen – besser – wahrnehmen und erkennen, was GUT ist.

    Die vielen „Krankheiten“ in der zivilisierten Gesellschaft sind im Grunde nur – viele! – verschiedene Symptome der EINEN, grundlegenden, Krankheit, der „Kollektiven Zivilisations-Neurose“ (KZN). Das ist noch immer die gleiche / selbe Krankheit, die schon seit über 10.000 Jahren durch die „Hochkulturen“ der Geschichte zieht und sie alle in den jeweiligen Untergang getrieben hat.
    JETZT haben wir eine „globale Hochkultur“ und auch diese befindet sich – unter der Einwirkung der exponentiell wachsenden KZN – im Untergangsprozeß und es droht das AUSSTERBEN.

    Die KZN ist in jedem Einzelfall grundlegend heilbar. Die KRAFT („aus der Höhe“) dazu ist in jedem Menschen als Potenzial vorhanden. Den IMPULS zur Heilung muß jeder selbst geben!

    Herzlichen Gruß!

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  3. Anonymous sagt:

    Dawkins ist nur konsequent in seinem atheistischen Feldzug. Ich bin mir nicht sicher, ob es etwas helfen würde, für ihn zu beten. So ruft er öffentlich dazu auf, sich über Christen lustig zu machen. Eine sehr kluge Antwort hierauf gibt der evangelikale Apologet Ravi Zacharias hier:

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