„Sterbehilfe“/Euthanasie: Selbstmord darf kein sozial erwünschter Tod werden

Für ein Verbot der Sterbehilfe haben sich christliche Medizin- und Ethikexperten bei einer Fachtagung des Bundesverbandes „Christdemokraten für das Leben“ und der Lebensrechtsorganisation „Aktion Lebensrecht für Alle“ am 19. September in Berlin ausgesprochen.

Die Tagung stand unter dem Thema „Du sollst mich töten.  – Kommt jetzt der ärztlich assistierte Suizid?“. vaccine_2_360_250_s_c1

Die Experten begrüßten die Initiative von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), jede Form des assistierten Suizids unter Strafe zu stellen. Ein Verbot kommerzieller Anbieter reiche nicht aus.

Der Medizinhistoriker Prof. Axel W. Bauer warnte vor der „Illusion des selbstbestimmten Todes“. Schwerkranke Menschen bräuchten fachmännische Hilfe und keinen assistierten Suizid.

In Deutschland gebe es jährlich mindesten 100.000 Suizidversuche, von denen etwa 10.000 zum Tod führten. Insbesondere bei über 65-Jährigen steige die Rate der Selbsttötungen deutlich an. Ein Suizid habe im Durchschnitt Auswirkungen auf sechs bis 23 Personen. Ein „freiwilliger Abgang“ aus dem Leben dürfe nicht zur sozial erwünschten Tugend werden, so Bauer.

Er kritisierte Äußerungen des EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider (Berlin). Dieser hatte bekundet, seiner an Krebs erkrankten Ehefrau notfalls beim Suizid zur Seite zu stehen, auch wenn dies seiner eigenen Überzeugung widerspreche. Das sei ein „Betroffenheitsrührstück, das sich für politische Zwecke instrumentalisieren“ lasse, so Bauer.

Euthanasie hat Niederlande stark verändert

Der niederländische Journalist Gerbert van Loenen berichtete über die Folgen der Legalisierung aktiver Sterbehilfe seit 1984 in seiner Heimat. Seitdem habe sich das Land zutiefst geändert. images

Im Jahr 2010 seien fast 4000 Menschen mittels eines vom Arzt verabreichten tödlichen Medikaments gestorben. Dies entspreche drei Prozent aller Verstorbenen. Daneben gab es etwa 300 Fälle, in denen das Leben von schwerstkranken Patienten beendet worden sei, ohne dass diese das verlangt hatten. Dies wisse man aufgrund anonymer Umfragen unter Ärzten.

Das Land habe die Gelassenheit verloren, zu akzeptieren, dass es auch ein Leben gebe, das einem selbst sinnlos vorkomme. Die Legalisierung aktiver Sterbehilfe habe Entwicklungen in Gang gesetzt, die man nicht vorhergesehen habe. Die Grenze „Du sollst nicht töten“ sei aufgegeben worden. Eine neue Grenze habe man noch nicht gefunden.

Der Professor für Christliche Gesellschaftslehre, Dr. Manfred Spieker, bezeichnete Suizidversuche als einen „Hilfeschrei“. Die Legalisierung des assistierten Suizids sei juristisch und moralisch fragwürdig und führe zur „Selbstentsorgung“ kranker Menschen. Durch eine Legalisierung der Sterbehilfe nehme der Druck auf Kranke zu, sich dem Trend zum „sozialverträglichen Frühableben“ anzuschließen.

Quelle: http://www.idea.de


2 Kommentare on “„Sterbehilfe“/Euthanasie: Selbstmord darf kein sozial erwünschter Tod werden”

  1. Marienzweig sagt:

    Ich kann im Einzelfall verstehen, dass ein unheilbar Erkrankter sich den Tod wünscht, zumal dann, wenn die letzten Wochen und Monate viel seelische Kraft von ihm gefordert haben.
    Ein gläubiger Mensch kann seine Ängste und Schmerzen vertrauensvoll in Gottes Hand geben und sie sogar für andere aufopfern.
    Da aber der Glaube mehr und mehr verschwindet, steht einem derartig Verarmten diese Kraft zur Bewältigung seiner Situation nicht mehr zur Verfügung.
    Da ist es fast zwangsläufig, dass er mit Hilfe von außen dem allem ein Ende setzen möchte und sich dabei frei und selbstbestimmt fühlt.
    Wie arm ist er doch!
    Ich denke, jeder von uns wünscht sich, so lange wie möglich selbständig sein zu könnnen und seinen Lieben einmal nicht mehr als nötig zur Last fallen zu müssen.
    Wirklich schlimm aber ist, als Kranker zunehmend das Gefühl zu bekommen, dass es geradezu seine Pflicht sei, sein Leben zu beenden.
    Aus Rücksichtnahme auf die Angehörigen!
    Wann kommt die Zeit, dass die Gesellschaft die Selbsttötung fordert oder gar verlangt?
    Und zur Freude und zum Wohl derer, die daran verdienen!

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  2. heureka47 sagt:

    „Ein „freiwilliger Abgang“ aus dem Leben dürfe nicht zur sozial erwünschten Tugend werden, so Bauer. „:

    Suizide sind nach meinen Erfahrungen / Erkenntnissen nicht immer „freiwilliger Abgang“, sondern – vermutlich sogar recht oft! – eine vom Betreffenden nicht mehr zu kontrollierende „Zwangshandlung“ in einer schweren / akuten depressiven Krise – in der NICHT mehr der sonst verfügbare Verstand abwägen und nach Hilfsmöglichkeiten Ausschau halten kann.

    In der Bevölkerung mangelt es – heftig – an zutreffender Aufklärung über dieses Risiko und deren – frühzeitige – Prävention / Vermeidungsmöglichkeiten.

    Die Tragik der zivilisierten Gesellschaft besteht darin, daß weder Kirchen noch Wissenschaft noch sonst eine Institution die Wahrheit vermitteln können über die Grundlagen von seelischer und ganzheitlicher Gesundheit!

    Die Wissenschaft / Psychiatrie hat sich schon 2011 gegenüber den „dramatischen“ Zunahmen bei den psychischen Störungen für „machtlos“ erklärt – was ein schrecklicher Irrtum ist. Wir sind NICHT machtlos!
    Grundlegende., wahre, Heilung ist in jedem Einzelfall möglich!
    Die richtige Prävention kann sogar die allermeisten Fälle von konkreter psychischer Erkrankung von vornherein vermeiden…

    Herzlichen Gruß!

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