Unionsparteien und vatikanische Synode auf der Suche nach ihrer Identität?

Von Peter Helmes

Eine Reihe hochrangiger Würdenträger kritisieren den Zwischenbericht zur Familiensynode in Rom. Die Kardinäle Raymond Burke und George Pell sowie weitere theologisch konservative Kirchenfürsten haben Teile des Synodendokuments beanstandet.

Innerhalb der Union heißt es zu „Modernisierungsbemühungen“: 032_29A

 „Wir treten für eine Erneuerung der CSU auf christlich-konservativer und marktwirtschaftlicher Basis ein. Unsere Leitbilder sind die Grundsatzpositionen der CSU und das christliche Menschenbild. Unser Bestreben gilt auch der Bewahrung von Gottes Schöpfung.

Wir wollen, daß sich die CSU auf ihre Grundwerte besinnt und die auf dem Christentum fußenden Werte, vor allem in Fragen des Lebensrechts, der Familie und der Würde des Menschen im politischen Alltag umsetzt…“.

Dies ist ein Auszug aus dem „Manifest“ für einen „Konservativen Aufbruch“ in der CSU, der natürlich auch für die CDU gemeint sein könnte.

Im Vatikan und in der Union gärt es

Kein Zweifel, im Vatikan gärt es genauso wie in den beiden Unionsparteien. Im Grunde genommen handelt es sich um die gleichen Symptome einer Virus-Erkrankung des hoch ansteckenden Typs „morbus modernitatis saecularumque“ (vulgo: morbus zeitgeist).

Das Wendefieber grassiert in den Köpfen der Oberen und hat auch schon etliche Füße erreicht. Mählich wird der ganze Körper befallen.

Dies gilt nicht nur für theologische Fragen. Auch die marktwirtschaftliche Orientierung scheint zu fehlen bzw. ist verlorengegangen.

Und auch hier wieder eine verblüffende Ähnlichkeit zwischen Union und Vatikan, genauer: CDU und Papst. Franziskus bricht nicht nur eine Lanze für die Armen, was  durchaus christlich ist, sondern predigt eine „Kirche der Armut“ und erhebt Armut quasi zu einer Tugend. Das aber ist ein gewaltiger Unterschied. Wenn wir alle arm sind, sind wir vielleicht alle gleich. Aber dann gibt´s auch keine Kirchensteuer und der Vatikan hat nichts zu beißen. Ist das die Armut, die der Papst will?

Der Papst und seine Sendung ist universal

Auf den Punkt gebracht: Es gibt keinen „Papst der Armen“, wie es auch keinen „Papst der Reichen“ geben könnte. Der Papst ist universal. Und sollte die römisch-katholische Kirche weiterhin ihrem Anspruch gerecht werden wollen, Kirche für alle zu sein, dürfte sie nie zulassen, Reiche gegen Arme auszuspielen (et vice versa). 

Foto: Radio Vatikan

Foto: Radio Vatikan

Ein Ritt allein gegen die Reichen macht keinen Reichen ärmer und keinen Armen reicher. Wer die, die über Reichtum verfügen, per se diskreditiert, nützt den Armen reichlich wenig. Armut zu predigen, hat noch niemanden reich gemacht.

Der Papst unterliegt – wie viele andere auch – dem immer gleichen Mißverständnis: Wirtschaft funktioniert nur durch Wettbewerb! Das aber bedeutet systembedingt Ungleichheit.

Anders ausgedrückt: Überall da, wo  –  auch aus gutgemeinten Gründen  –  der marktwirtschaftliche Hebel klemmt oder behindert wird, gibt es keinen Fortschritt. Es entstehen eben genau dort Mangel und Elend  –  was in gewissen Staaten (z. B. Nordkorea oder Kuba) auch heute noch besichtigt werden kann.

Man darf aber doch die Frage stellen, wieviel die Kirche von Wirtschaft versteht, wenn Papst Franz schreibt: „Diese Wirtschaft tötet!“  –  Es ist ein Satz aus seinem Lehrschreiben „Evangelii gaudium“.

Hoffentlich läßt sich Franziskus dadurch aber nicht von der Erkenntnis ablenken, daß Kapitalismus in der Form der Sozialen Marktwirtschaft kein Teufelswerk, sondern im christlichen Sinne geradezu geboten ist.  Die Frage heute also lautet eben nicht mehr: „Kapitalismus oder Sozialismus?“, sondern: „Welchen Kapitalismus wollen wir?“  –  Oder kennt der Papst vielleicht einen „sozialen Sozialismus“? (Wobei ein solcher in der Wirtschaftsgeschichte ohne Beispiel sein dürfte.)

Das, was ich in den vorstehenden Absätzen zum Bereich „Kirche und Kapitalismus“  geschrieben habe, klingt beim „Konservativen Aufbruch“ frappierend ähnlich:

„Die Führungsgremien der CDU und der CSU haben die Wahlergebnisse der vergangenen Jahre weitestgehend falsch interpretiert und setzen den Kurs der Ausgrenzung konservativer und wirtschaftsliberaler Positionen in vielen wichtigen Themenfeldern leider unbeirrt fort.(…)

Vor genau dieser Entwicklung haben wir seit Jahren – leider vergeblich – gewarnt (…). Marienstatt-DSC_0111-3

Unser Leitbild ist die Soziale Marktwirtschaft im Sinne Ludwig Erhards. Sein Programm einer freien Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung wurzelt in zeitlos konservativen Tugenden: Für diese Tugenden  –  Fleiß, Leistung, Sparsamkeit, Verantwortungsbereitschaft, Zuverlässigkeit, Einsatzfreude und Hilfsbereitschaft  –  treten wir ein.“

Die sich dagegen wehren, stehen recht(s) hilflos daneben. Beklemmt müssen sie zuschauen, wie ein Organ nach dem anderen befallen wird und fault. Ihre Mahnungen will (fast) niemand hören – weder die von bedeutenden Kardinälen und Bischöfen auf der einen, noch die Kritik aktiver Unionsmitglieder besonders aus der jüngeren Nachfolgegeneration auf der anderen Seite.

Der polnische Erzbischof Stanisław Gądecki kritisierte „zweideutige“ Formulierungen und moniert sogar Spuren einer “ehefeindlichen Ideologie” in dem umstrittenen Synodenbericht.

Lesen wir richtig: „Ehefeindliche Ideologie“?  –  Das kennen wir doch aus den Diskussionen in den Unionsparteien! Welch´ eine Parallele!

Ehe und Familie spielen in der Union nur noch eine Papierrolle, und die katholische Kirche sieht da wohl den gleichen Handlungs- und Nachholbedarf.

Der Präfekt des obersten vatikanischen Gerichts (Apostolische Signatur) stellte erneut fest, daß die Zulassung von geschieden0018 “Wiederverheirateten” zum Tisch des HERRN mit der Unauflöslichkeit der Ehe unvereinbar sei. Statt also “unnütze Diskussionen” zu führen, möge die Kirche lieber katholischen Familien in aller Welt helfen, “die sich trotz aller Schwierigkeiten nicht von dem lösen wollen, was das Evangelium sie lehrt.”

Vatikan und Union auf der Suche nach ihrer eigenen Identität? Ja! Aber beide könnten sich ohne fremde Hilfe besinnen, wenn sie sich endlich  wieder auf ihre Grundwerte besännen.

Der Kirche hülfe ein Blick ins Evangelium. Und der Union könnte ein Blick ins Gründungsmanifest des „Konservativen Aufbruchs“ Richtschnur sein:

„Die Institutionen „Ehe und Familie“ sind die wichtigsten Grundlagen unseres Gesellschaftsmodells. Auch das Leitbild „Vater, Mutter, Kind“ ist kein Auslaufmodell, sondern der elementare Grundpfeiler unserer Gesellschaft! Jetzt und in Zukunft!

Unsere Initiative wird alles daran setzten, dass die CSU „Ehe und Familie“ weiterhin schützt und fördert! So wie es der Art. 6 GG vorsieht. Wir sprechen uns strikt dagegen aus, dass die sinnlose, ideologische und unwissenschaftliche „Gender-Mainstreaming“-„Forschung“ weiterhin staatlich gefördert wird…“

Was der „Konservative Aufbruch“ da schreibt, klingt wie eine Mahnung an Union und Kirche! Es ist höchste Zeit für eine Wende, aber eine andere als jene im Vatikan und bei der Union. Die Wende muß heißen: Zurück zu unseren abendländischen Werten.

Unser Autor Peter Helmes ist politischer Publizist, ehem. Bundesgeschäftsführer der JU (Jungen Union) und er betreibt die liberal-konservative Webseite www.conservo.wordpress.com

 


Kuba: Sechs Jahre Knast für Rapper

Der bekannte Rapper und Bürgerrechtler Angel Arzuaga  – genannt „El Crítico“ („Der Kritische“)  –  ist im kommunistisch regierten Kuba zu einer sechsjährigen Haftstrafe wegen angeblichen „Angriffs auf die Staatssicherheit“ verurteilt worden. Notizblock-Stacheldraht-klein_d5cbbd6dfa

Alexánder Rodríguez, ebenfalls Mitglied der oppositionellen „Patriotischen Union Kubas“ (UNPACU), wurde im selben Prozess zu fünf Jahren Haft verurteilt, der Regimekritiker Rudisnei Villavicencio Figueredo zu vier Jahren.

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) verzeichnet einen besorgniserregenden Anstieg der langjährigen Haftstrafen für Bürgerrechtler auf Kuba.

Angel Yunier ist Koordinator der UNPACU und wurde am 26. März 2013 nach einem Angriff auf sein Haus willkürlich festgenommen. Er verbüßt seine Haftstrafe derzeit im Provinzgefängnis von Granma „Las Mangas“. Am 23. Februar 2014 wurde er von zehn Gefängnisaufsehern misshandelt, weil er auf ein Bettlaken „Libertad“ (Freiheit) geschrieben hatte, um gegen seine willkürliche Inhaftierung zu protestieren. Lessenthin-Martin-IGFM-100

IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin (siehe Foto) erklärt hierzu:

„Das Castro-Regime verletzt damit klar das fundamentale Menschenrecht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Die Europäische Union sollte ihren Worten nun Taten folgen lassen und ihre Verhandlungen über ein Kooperationsabkommen mit Kuba im Juni 2015 an eine Verbesserung der Menschenrechtslage und die Freilassung aller politischen Gefangenen knüpfen.“

Nach Angabe der IGFM forderte die kubanische Staatsanwaltschaft am 3. Oktober 2014 eine fünfjährige Haftstrafe für den Demokratieaktiven Ciro A. Casanova.

Am 21. Oktober 2014 sollen die „Dame in Weiß“ Sonia Garro und ihr Ehemann Ramón Gonzalez mittels einer fingierten Anklage zu zehn bzw. vierzehn Jahren Haft verurteilt werden.

Weitere Infos zur Menschenrechtslage in Kuba: http://www.igfm.de/kuba

Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)
Borsigallee 9 in 60388 Frankfurt a. Main
Tel.: 069-420108-11, Fax: 069-420108-33, info@igfm.de, www.menschenrechte.de

Betroffenen-Initiative fordert: Sexualkunde darf kein Einfallstor für Pädos sein!

Pressemeldung des Opferschutzverbandes „netzwerkB“:

NetzwerkB fordert eine kritische, transparente und differenzierte Diskussion in Politik und Gesellschaft über Inhalte, Möglichkeiten und vor allem auch wieder über die Grenzen des Sexualkundeunterrichtes in den Schulen. IMG_1061

Ein Unterricht, der Kinder und Jugendliche weit über ihre eigene natürliche Phase ihrer jeweiligen Entwicklung hinaus mit erwachsener Sexualität konfrontiert, ist kaum zu unterscheiden von sexualisierter Gewalt.

Wir meinen zudem, es darf nicht sein, dass von Sexualpädagogen verfasste Werke an Schulen zugelassen werden, die sich nicht nachdrücklich distanzieren von zweifelhaften Pädagogen wie z.B. einem Helmut Kentler: „Anfang der siebziger Jahre ließ er verwahrloste Jugendliche bei vorbestraften Päderasten unterbringen.“ (FAZ, 14.10. 2014)

„Schamgrenzen von Kindern und Jugendlichen nicht aufbrechen“

Eine zu frühe Konfrontation mit sexuellen Praktiken, Methoden und evtl. späteren Bedürfnissen verletzt die Kinder in ihrer zu schützenden natürlichen Entwicklung und öffnet zudem Pädokriminellen Tür und Tor.

„Das ist brandgefährlich“, sagte auch die Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin Christina Hennen von der Vereinigung Deutscher Psychotherapeuten gegenüber der FAZ.

Eine solche Sexualpädagogik sei der Versuch, die Schamgrenzen von Kindern und Jugendlichen aufzubrechen. Pädagogen, welche die Abhängigkeit der Schüler ausnutzen, könnten so Gehorsam erzwingen. „Die Kinder werden hier gezielt verwirrt. Dabei brauchen sie gerade in der Persönlichkeitsreifung natürlich Toleranz, aber auch Eindeutigkeit und Strukturen.“

Unter dem Vorzeichen von „Gender“ komme hier zurück, was schon in der Kinderladenbewegung und der Reformpädagogik als übergriffig erkannt wurde. (FAZ 14.10.2014)

Quelle und Fortsetzung der Meldung hier: http://netzwerkb.org/2014/10/17/sexualkundeunterricht-als-einfallstor-fur-padokriminelle/

Kontaktdaten:
netzwerkB – Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V.
Telefon: 04503 892782  
presse@netzwerkb.org
www.netzwerkB.org

„Patientenautonomie“: Bischof Voderholzer für eine „Kultur des Wohlwollens“

Am vergangenen Mittwoch (15. Oktober) sprach Bischof Rudolf Voderholzer (siehe Foto) über die Bedeutung der Selbstbestimmung von Patienten  – einem Schlüsselprinzip der modernen Medizin.  borMedia1840101

Der Vortrag fand im Rahmen der „Regensburger Gespräche zur Medizinethik“ im Großen Hörsaal des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Regensburg statt.

Was bedeutet „wahre“ Patientenautonomie und was sind ihre Voraussetzungen? Wo muss die Autonomie des Patienten gestärkt werden und wo gibt es – möglicherweise – Grenzen?

Keine „Autonomie“ um jeden Preis

Anhand dieser Fragen und herausgestellt an den Beispielen der vorgeburtlichen Diagnostik und der in der Gesellschaft viel diskutierten Möglichkeit von assistertem Selbstmord unterschied Bischof Rudolf zwischen einem (auch durch Vordenker der Aufklärung geteilten) Autonomieverständnis, das den Menschen dazu befähigen solle, das sittlich Richtige zu tun, und einem Autonomieverständnis „um jeden Preis“, wodurch das Recht zur selbstbestimmten Entscheidung isoliert und verabsolutiert wird.

Hierzu entgegnete der Regensburger Oberhirte, dass der Mensch nicht nur ein autonomes, sondern auch ein soziales Wesen sei, welches einerseits selber Verpflichtungen gegenüber der Gemeinschaft habe, umgekehrt aber auch Hilfe und Beistand von dieser erfahren solle – vor allem in Zeiten von Krankheit und Not.

Ebensowenig wie ein Patient sich in absoluter Selbstermächtigung ergehen könne, dürfe eine Gesellschaft Druck auf hochbetagte oder auch (erb)kranke und behinderte Menschen ausüben und ihnen suggerieren, dass sie eine „Last“ darstellten.

Druck auf Schwangere, die ein behindertes Kind erwarten

Diesem Druck können Menschen ausgesetzt sein, wenn diese sich beispielsweise dafür entscheiden, ein (erwartbar) erbkrankes oder behindertes Kind zur Welt zu bringen (und es nicht abzutreiben) oder, wenn diese älter und krank sind und es ein Recht auf assistierten Selbstmord gäbe, sie sich fragen lassen müssten, warum sie dieses „Angebot“ nicht annähmen. nodbild

Letztlich geht es laut Bischof Voderholzer auch um die grundsätzliche Frage, in welcher Art von Gesellschaft man leben wolle.

Die Enzyklika „Evangelium Vitae“ von Johannes Paul II. zitierend, stellte er den Grundwiderspruch einer Gesellschaft heraus, die sich zwar Werten wie Menschenwürde, Gerechtigkeit und Frieden verschreibe, gleichzeitig jedoch Missachtung und Verletzung menschlichen Lebens dulde, vor allem wenn es sich hierbei um schwaches oder ausgegrenztes Menschenleben handelt.

Er plädierte deshalb am Schluss seines Vortrags für eine intensivierte „Kultur der Achtsamkeit“ gegenüber der seelischen und existentiellen Not der Mitmenschen und stellte dem „Prinzip der Autonomie“ das „Prinzip des Wohlwollens“ zur Seite.

Nur so könne der Mensch auch in seiner Abhängigkeit, Bedürftigkeit und Verletztlichkeit wahrgenommen und über Methoden nachgedacht werden, die ihn nach besten Kräften schützen.

Stichwort „Regensburger Gespräche zur Medizinethik“:
Bischof Dr. Rudolf Voderholzer ist der bereits vierte Referent in dieser Vortragsreihe, die 2011 vom Ethikkomitees des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder mit einem Vortrag des Bioethikers Professor Giovanni Maio (Uni Freiburg) initiiert worden ist. Weitere Redner zu medizinethischen Themen waren in der Vergangenheit der Journalist und Jurist Professor Heribert Prantl

Quelle: http://www.bistum-regensburg.de


Grün-roter Bildungsplan im „Ländle“: Die Proteste gehen in eine neue Phase

Mathias von Gersdorff

Mit der rigorosen Ablehnung der Petition Gabriel Stängles „Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens“ und dem Entschluß des Petitionsteams, sich an den Straßendemonstrationen zu beteiligen bzw. eigene Proteste via Post oder E-Mail zu organisieren, geht die Auseinandersetzung zwischen Gegnern des Bildungsplans und der grün-roten Landesregierung unter Führung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann in eine völlig neue Phase.  Bildungsplan-Demo-1.2.1448b

Zur Erinnerung: Nachdem der Mannheimer Morgen letztes Jahr über die Absicht der grün-roten Landesregierung berichtete, in einem neuen Bildungsplan ab dem ersten Grundschuljahr fächerübergreifend die Lerneinheit „Akzeptanz Sexueller Vielfalt“ einzuführen, initiierte der Realschullehrer Gabriel Stängle eine Petition gegen diesen Bildungsplan.

Daraufhin begann gegen ihn und sein Team eine wahre Rufmordkampagne. Viele Medien und Politiker versuchten mit Hetzparolen, die Petition und ihre Unterstützer öffentlich zu diffamieren.

Professionell organisierte Proteste auf breiter Basis

Doch die Schlammschlacht war erfolglos: Gabriel Stängle schaffte es, etwa 192.000 Unterschriften zu sammeln, die Ende Januar beim Petitionsausschuß eingereicht wurden.

Die Bildungsplan-Gegner wählten zwei Strategien, um ihr Ziel zu erreichen, daß die „Akzeptanz Sexueller Vielfalt“ aus dem Bildungsplan entfernt wird:

Gabriel Stängles Team und diverse Kirchen und Organisationen, die ihn unterstützt hatten, wählten den Weg der Verhandlungen. Eine zweite Gruppe, zunächst angeführt von Hans Christian und Natalie Fromm, riefen ab Anfang Februar zu Demonstrationen auf dem Stuttgarter Schloßplatz auf.044a

Die Diffamierungskampagne richtete sich in den Folgemonaten vor allem gegen diese zweite Gruppe:

„Homophober Schloßplatzmob“ war eine der Bezeichnungen der Demonstranten, die sich nur unter massivem Polizeischutz bewegen konnten. Zur dritten Demonstration im April 2014 rief ein großes Aktionsbündnis auf.

Die immer professioneller werdenden Proteste wurden von einer breiten zivilgesellschaftlichen Basis getragen, die friedlich und zivilisiert ihr Ziel verfolgte. Die Befürworter des Bildungsplanes hatten dagegen nichts zu bieten außer Haßtiraden und linksradikale Chaoten, die stets bereit waren, Störungen und Blockaden zu organisieren.

Grün-Rot zeigt Verachtung für den Bürger

Insgesamt entstand so ein enormer und permanenter Druck auf die grün-rote Landesregierung. Ende April entschloß sich Ministerpräsident Kretschmann, die Einführung des Bildungsplanes um ein Jahr zu verschieben. Zudem versprach er inhaltliche Änderungen, ohne konkret zu werden.

Bis zum 8. Oktober war es nun still geworden um das Thema. An diesem Tag lehnte der grün-rot dominierte Petitionsausschuß Stängles Petition ab  – und dies ohne Begründung! Eine ungeheure Manifestation von Arroganz und Verachtung für die Interessen der Bürger.

Wenige Tage danach rief das Team um Stängle die Unterstützer der Petition dazu auf, sich an der „Demo für alle“ am 19. Oktober zu beteiligen. Auch bat er sie, sich schriftlich an die Landtagsabgeordneten zu wenden.

Und die CDU?  –  Schaut sie zu?

Welches könnte das mittelfristige Szenario der Auseinandersetzung zwischen Bildungsplan-Gegnern und grün-roter Landesregierung sein?

Der wichtigste Termin in der Zukunft ist die Landtagswahl im Frühjahr 2016. Das bedeutet, daß der neue Bildungsplan noch in dieser Legislaturperiode fertig sein muß, damit er im Schuljahr 2016/2017 eingeführt werden kann. Grün-Rot scheint entschlossen zu sein, einen Bildungsplan ganz im Sinne der Gender-Theorie einführen zu wollen. Die Mehrheit dafür hätten sie. stuttgart 005a

Sollten die regierende Koalition diesen Weg wählen, so ist entscheidend, wie sich die CDU zum neuen Bildungsplan positionieren wird: Wird sie ihn im Falle einer Machtübernahme rückgängig machen oder nicht? Das ist die entscheidende Frage.

Die Christdemokraten waren nicht über den „Bildungsplan 2015“ begeistert, doch richtig bekämpfen wollten sie ihn auch nicht. Lediglich Peter Hauck, CDU-Fraktionsvorsitzender im Landtag, sprach sich scharf gegen das grün-rote Projekt aus (übrigens auch der FDP-Fraktionsvorsitzende Hans-Ulrich Rülke).

Die CDU in Baden-Württemberg muß noch einen Spitzenkandidaten wählen. Thomas Strobl, neben Guido Wolf einer der beiden Kandidaten, spricht sich aus für „Akzeptanz“, also für Gender in den Schulen, wenngleich nicht so rabiat wie Kretschmann und sein Bildungsminister Andreas Stoch.

Schulpolitik gegen den Willen der Eltern ist nicht möglich

Besonders wichtig für den Verlauf der weiteren Debatte wird sein, wie die Eltern vor Ort, also in den Schulen, auf die Absichten der Landesregierung reagieren.

In Hessen sorgen Eltern mit Schulkindern seit Jahrzehnten dafür, daß die Schulpolitik relativ konservativ ist, obwohl das Bundesland eher liberal gesinnt ist. Hessen zeigt: Es ist nicht möglich, Schulpolitik gegen den Willen der Eltern durchzuziehen.

Eine Partei, die sich darauf einläßt, riskiert, eine dauerhafte Polemik zu entfachen, die sie nicht kontrollieren oder steuern kann. Deshalb sind selbst die Grünen in Hessen vorsichtig mit allzu ideologisch gefärbten Parolen in der Schulpolitik.

Sollte sich ein ähnlicher Widerstand in Baden-Württemberg bilden, hätten Kretschamnn und Stoch keine Chance, einen Bildungsplan nach der Gender-Ideologie durchzusetzen  – und auf eine Wiederwahl noch viel weniger.

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet dieFrankfurter Aktion „Kinder in Gefahr“ und betreibt das Web-Magazin „Kultur und Medien online“

Erstveröffentlichung des Beitrags in der Wochenzeitung „Junge Freiheit“

 


Katholische Ehelehre auf dem Prüfstand: Laßt euch nicht verwirren!

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Die Bischofsversammlung in Rom hat nach der ersten Sitzungswoche keine Schlagzeilen und wenig neuen Stoff für das „Konzil der Medien“ geliefert. Also wird das Feuer durch Leserbriefe und neu aufgewärmte Behauptungen am Köcheln gehalten. zeitungen

Artikelüberschriften in Zeitungen wie „Die Kirche könnte, wenn sie nur wollte“ (Augsburger Allgemeine Zeitung, 14.10.14), „Kardinal glaubt an Öffnung der Kirche“ (AZ, 11./12.10.14) oder „Die Lehre ist nicht in Stein gemeißelt“ (AZ, 11./12.10.14) zeigen die Richtung an.

Im Kern geht es immer wieder um die Zulassung geschiedener Wiederverheirateter zur Kommunion. Das ist das zentrale Thema.

Auf die Frage des Interviewers: „Warum ist das Thema der wiederverheirateten Geschiedenen so wichtig?“ antwortete Kardinal Kasper: „Das ist ein Schlüsselthema, mit dem man auch andere schwierige Situationen aufschließen kann“ (AZ, 11./12.10.14).  –  In der Tat! Würde die Kirche ihre Lehre über das Ehesakrament ändern, wäre sie nicht mehr die Katholische Kirche.

Um die angestrebte Änderung zu erreichen, praktizieren Medien unterschiedliche Strategien. Eine davon ist die Einschüchterung: Die Kirche habe sich „ins Abseits manövriert“, sie „wird nicht mehr ernst genommen und die Gläubigen laufen ihr davon“, „die Amtskirche ist weit weg vom Alltag der Gläubigen“… DSC05485

Eine andere Strategie vernebelt die Begriffe. Die kirchliche Ehelehre wird dann zur „Ideologie“, zum hehren „Ideal“, zur „reinen Lehre“ zur „Doktrin“ zum seelenlosen „Prinzip“.

Dabei ist völlig klar, worum es wirklich geht, nämlich um die Treue zum Wort Jesu: „Was Gott verbunden hat, darf der Mensch nicht trennen“. Diese Wahrheit soll zur Disposition gestellt werden. Dann wäre die Katholische Kirche auch dort, wo die vielen christlichen Gemeinschaften rangieren, die das Evangelium der Zeit anpassen.

Die emotionale Strategie versucht, die Lehre mit „Barmherzigkeit“ auszuhebeln. Interessant ist dabei, dass nicht nach dem Ehepartner, der an der Ehe festhalten will oder nach der Befindlichkeit der Scheidungswaisen gefragt wird.

Ein weiteres Tabu ist eine Wiederaussöhnung der Ehepartner. Stattdessen versucht man, Reue und Umkehr zu pervertieren. So heißt es in einem Artikel der AZ (14.10.14):

„Und folgt es nicht einer Idealvorstellung, wiederverheiratete Geschiedene wieder zur Kommunion zuzulassen, wenn sie sich danach sehnen und/oder das Scheitern ihrer ersten Ehe bereuen?  – Reue und Umkehr sowie Vergebung der Sünden sind schließlich zentrale Bestandteile des Glaubens“.

Um schließlich die Frage der geschiedenen Wiederverheirateten in ihrem quantitativen Gewicht ins Feld zu führen, wird auf die hohe Zahl von Ehescheidungen und Wiederverheiratung hingewiesen.

Von daher war es wichtig, dass Kardinal Brandmüller dieses Problem wieder vom Kopf auf die Füße gestellt hat: „Nur ein Prozent der praktizierenden Katholiken gehören zu dieser Personengruppe“ erklärte er in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“ und fügte hinzu.

„Diese Menschen bräuchten pastorale Begleitung; Das bedeute jedoch nicht, eine Zulassung zur Eucharistie, ‚denn ihre Lebensentscheidung steht in dauerndem Widerspruch zum Wort Jesu‘“.

Unser Autor Prof. Dr. Hubert Gindert ist Herausgeber der Zeitschrift „Der FELS“ und Vorsitzender des Dachverbandes „Forum deutscher Katholiken“