Unionsparteien und vatikanische Synode auf der Suche nach ihrer Identität?

Von Peter Helmes

Eine Reihe hochrangiger Würdenträger kritisieren den Zwischenbericht zur Familiensynode in Rom. Die Kardinäle Raymond Burke und George Pell sowie weitere theologisch konservative Kirchenfürsten haben Teile des Synodendokuments beanstandet.

Innerhalb der Union heißt es zu „Modernisierungsbemühungen“: 032_29A

 „Wir treten für eine Erneuerung der CSU auf christlich-konservativer und marktwirtschaftlicher Basis ein. Unsere Leitbilder sind die Grundsatzpositionen der CSU und das christliche Menschenbild. Unser Bestreben gilt auch der Bewahrung von Gottes Schöpfung.

Wir wollen, daß sich die CSU auf ihre Grundwerte besinnt und die auf dem Christentum fußenden Werte, vor allem in Fragen des Lebensrechts, der Familie und der Würde des Menschen im politischen Alltag umsetzt…“.

Dies ist ein Auszug aus dem „Manifest“ für einen „Konservativen Aufbruch“ in der CSU, der natürlich auch für die CDU gemeint sein könnte.

Im Vatikan und in der Union gärt es

Kein Zweifel, im Vatikan gärt es genauso wie in den beiden Unionsparteien. Im Grunde genommen handelt es sich um die gleichen Symptome einer Virus-Erkrankung des hoch ansteckenden Typs „morbus modernitatis saecularumque“ (vulgo: morbus zeitgeist).

Das Wendefieber grassiert in den Köpfen der Oberen und hat auch schon etliche Füße erreicht. Mählich wird der ganze Körper befallen.

Dies gilt nicht nur für theologische Fragen. Auch die marktwirtschaftliche Orientierung scheint zu fehlen bzw. ist verlorengegangen.

Und auch hier wieder eine verblüffende Ähnlichkeit zwischen Union und Vatikan, genauer: CDU und Papst. Franziskus bricht nicht nur eine Lanze für die Armen, was  durchaus christlich ist, sondern predigt eine „Kirche der Armut“ und erhebt Armut quasi zu einer Tugend. Das aber ist ein gewaltiger Unterschied. Wenn wir alle arm sind, sind wir vielleicht alle gleich. Aber dann gibt´s auch keine Kirchensteuer und der Vatikan hat nichts zu beißen. Ist das die Armut, die der Papst will?

Der Papst und seine Sendung ist universal

Auf den Punkt gebracht: Es gibt keinen „Papst der Armen“, wie es auch keinen „Papst der Reichen“ geben könnte. Der Papst ist universal. Und sollte die römisch-katholische Kirche weiterhin ihrem Anspruch gerecht werden wollen, Kirche für alle zu sein, dürfte sie nie zulassen, Reiche gegen Arme auszuspielen (et vice versa). 

Foto: Radio Vatikan

Foto: Radio Vatikan

Ein Ritt allein gegen die Reichen macht keinen Reichen ärmer und keinen Armen reicher. Wer die, die über Reichtum verfügen, per se diskreditiert, nützt den Armen reichlich wenig. Armut zu predigen, hat noch niemanden reich gemacht.

Der Papst unterliegt – wie viele andere auch – dem immer gleichen Mißverständnis: Wirtschaft funktioniert nur durch Wettbewerb! Das aber bedeutet systembedingt Ungleichheit.

Anders ausgedrückt: Überall da, wo  –  auch aus gutgemeinten Gründen  –  der marktwirtschaftliche Hebel klemmt oder behindert wird, gibt es keinen Fortschritt. Es entstehen eben genau dort Mangel und Elend  –  was in gewissen Staaten (z. B. Nordkorea oder Kuba) auch heute noch besichtigt werden kann.

Man darf aber doch die Frage stellen, wieviel die Kirche von Wirtschaft versteht, wenn Papst Franz schreibt: „Diese Wirtschaft tötet!“  –  Es ist ein Satz aus seinem Lehrschreiben „Evangelii gaudium“.

Hoffentlich läßt sich Franziskus dadurch aber nicht von der Erkenntnis ablenken, daß Kapitalismus in der Form der Sozialen Marktwirtschaft kein Teufelswerk, sondern im christlichen Sinne geradezu geboten ist.  Die Frage heute also lautet eben nicht mehr: „Kapitalismus oder Sozialismus?“, sondern: „Welchen Kapitalismus wollen wir?“  –  Oder kennt der Papst vielleicht einen „sozialen Sozialismus“? (Wobei ein solcher in der Wirtschaftsgeschichte ohne Beispiel sein dürfte.)

Das, was ich in den vorstehenden Absätzen zum Bereich „Kirche und Kapitalismus“  geschrieben habe, klingt beim „Konservativen Aufbruch“ frappierend ähnlich:

„Die Führungsgremien der CDU und der CSU haben die Wahlergebnisse der vergangenen Jahre weitestgehend falsch interpretiert und setzen den Kurs der Ausgrenzung konservativer und wirtschaftsliberaler Positionen in vielen wichtigen Themenfeldern leider unbeirrt fort.(…)

Vor genau dieser Entwicklung haben wir seit Jahren – leider vergeblich – gewarnt (…). Marienstatt-DSC_0111-3

Unser Leitbild ist die Soziale Marktwirtschaft im Sinne Ludwig Erhards. Sein Programm einer freien Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung wurzelt in zeitlos konservativen Tugenden: Für diese Tugenden  –  Fleiß, Leistung, Sparsamkeit, Verantwortungsbereitschaft, Zuverlässigkeit, Einsatzfreude und Hilfsbereitschaft  –  treten wir ein.“

Die sich dagegen wehren, stehen recht(s) hilflos daneben. Beklemmt müssen sie zuschauen, wie ein Organ nach dem anderen befallen wird und fault. Ihre Mahnungen will (fast) niemand hören – weder die von bedeutenden Kardinälen und Bischöfen auf der einen, noch die Kritik aktiver Unionsmitglieder besonders aus der jüngeren Nachfolgegeneration auf der anderen Seite.

Der polnische Erzbischof Stanisław Gądecki kritisierte „zweideutige“ Formulierungen und moniert sogar Spuren einer “ehefeindlichen Ideologie” in dem umstrittenen Synodenbericht.

Lesen wir richtig: „Ehefeindliche Ideologie“?  –  Das kennen wir doch aus den Diskussionen in den Unionsparteien! Welch´ eine Parallele!

Ehe und Familie spielen in der Union nur noch eine Papierrolle, und die katholische Kirche sieht da wohl den gleichen Handlungs- und Nachholbedarf.

Der Präfekt des obersten vatikanischen Gerichts (Apostolische Signatur) stellte erneut fest, daß die Zulassung von geschieden0018 “Wiederverheirateten” zum Tisch des HERRN mit der Unauflöslichkeit der Ehe unvereinbar sei. Statt also “unnütze Diskussionen” zu führen, möge die Kirche lieber katholischen Familien in aller Welt helfen, “die sich trotz aller Schwierigkeiten nicht von dem lösen wollen, was das Evangelium sie lehrt.”

Vatikan und Union auf der Suche nach ihrer eigenen Identität? Ja! Aber beide könnten sich ohne fremde Hilfe besinnen, wenn sie sich endlich  wieder auf ihre Grundwerte besännen.

Der Kirche hülfe ein Blick ins Evangelium. Und der Union könnte ein Blick ins Gründungsmanifest des „Konservativen Aufbruchs“ Richtschnur sein:

„Die Institutionen „Ehe und Familie“ sind die wichtigsten Grundlagen unseres Gesellschaftsmodells. Auch das Leitbild „Vater, Mutter, Kind“ ist kein Auslaufmodell, sondern der elementare Grundpfeiler unserer Gesellschaft! Jetzt und in Zukunft!

Unsere Initiative wird alles daran setzten, dass die CSU „Ehe und Familie“ weiterhin schützt und fördert! So wie es der Art. 6 GG vorsieht. Wir sprechen uns strikt dagegen aus, dass die sinnlose, ideologische und unwissenschaftliche „Gender-Mainstreaming“-„Forschung“ weiterhin staatlich gefördert wird…“

Was der „Konservative Aufbruch“ da schreibt, klingt wie eine Mahnung an Union und Kirche! Es ist höchste Zeit für eine Wende, aber eine andere als jene im Vatikan und bei der Union. Die Wende muß heißen: Zurück zu unseren abendländischen Werten.

Unser Autor Peter Helmes ist politischer Publizist, ehem. Bundesgeschäftsführer der JU (Jungen Union) und er betreibt die liberal-konservative Webseite www.conservo.wordpress.com

 


3 Kommentare on “Unionsparteien und vatikanische Synode auf der Suche nach ihrer Identität?”

  1. Anonym sagt:

    „Wer die, die über Reichtum verfügen, per se diskreditiert, nützt den Armen reichlich wenig.“

    Jesus hat aber eine klare Position zur Habsucht:

    „Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.“ Mt. 6,22

    „Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird einem anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“

    Reichtum ist praktizierte Habsucht.

    Marktwirtschaft basiert auf dem Prinzip Egoismus. Gerade von dieser Haltung will uns Jesus befreien.

    Die Marktwirtschaft steht kurz vor dem Ende, weil soziale Ungerechtigkeit an allen Ecken dieser Welt aufbricht. Auf der einen Seite die Dagobert Ducks (Milliardäre) und auf der anderen Seite Flüchtlinge und andere notleidende Menschen, welche zumeist nicht mehr als die Kleidung besitzen, die diese am Körper tragen.

    Der Wohlstand ist ungerecht verteilt. Deshalb kann ich die kritischen Worte zum Reichtum von Papst Franziskus sehr gut nachvollziehen.

    Und die Wahrheit muss verkündigt werden. Auch wenn ein Politiker, wie Herr Helmes, hieran Anstoß nimmt.

    Die Politik kann Menschen nicht verändern. Aber der Glaube an Jesus Christus und Gebet können das.

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    • Stefan1 sagt:

      Klar und deutlich; Danke für diese aufweckenden Worte. Wenn die Menschen der Habsucht und dem Egoismus verfallen sind, dann spielt das wirtschaftliche Systeme wahrlich keine Rolle mehr. Das gilt insbesondere, wenn Mechanismen und Regeln zum Schutz des Schwächeren ausgeschaltet werden.

      In beängstigten Ausmass sind im Osten wie im Westen zunehmend menschenverachtende Auswüchse in Politik und Wirtschaft sichtbar, die – wie sie sagen – das Ende anzeigen, auch weil das unmöglich den Segen Gottes haben kann, eher seinen gerechten Zorn. Selbst Unternehmer, die sich noch im christlichen Sinne verhalten, kommen zunehmend unter Druck.

      Auf der einen Seite hofieren Politik und Wirtschaft den Papst, wenn er in Uno, Universitäten und vor dem Bundestag ins Gewissen spricht und schmeicheln ihm im wohlwollenden Applaus und auf der anderen Seite gibt es scheinbar keine reale Möglichkeit der massvollen Einschränkung für Weltkonzerne, Forschung und Wissenschaft. Kritische Stimmen gegen den uferlosen Wettbewerb werden gleich als naiv, dumm und kindisch abgetan.

      Den unbändigen Durst nach uneingeschränkter Forschung und Wirtschaftsgebaren (Embryonen, GEN-Technik, Euthanasie, noch grausamere Vernichtungswaffen, Gemeinschaft zerstörerische Finanzprodukte, pornografisch, satanisch und ideologisch unterwanderte Internet-, Medien- und Filmindustrie, Tausende lebensunnötige Produkte des Genusses und Verblödung des Menschen und der Kinder) dürfen keine mahnende Worte der dafür mitverantwortlichen Wirtschaft entgegen gehalten werden. Bei Widerspruch wird darauf verwiesen wie einfältig und lächerlich es ist etwas anders als die uneingeschränkte „Marktwirtschaft“ zu wollen und wie viele Arbeitsstellen verloren gehen, wenn Markt, Forschung und Entwicklung beschränkt, behindert oder auch nur gehemmt werden. Da auch Mittelstandsunternehmer Abhängigkeiten haben und oft zusammen mit der Politik in Geiselhaft der Weltkonzerte stehen, schweigen auch diejenigen mit christlicher Grundhaltung oft verschämt.

      Was hilft da? Das man so tut als gehe es einfach nicht ohne Ungleichheit (Reiche vs. Arme)? Wie das Peter Helmes uns radikal aufzeigen möchte! Ist das wirklich die Haltung, die ein Papst und damit die katholische Kirche haben soll? Oder will Peter Helmes den Papst und die kath. Kirche einfach zum Schweigen bringen, weil der einfältige Papst die Wirtschaft einfach missversteht?

      Ja, es wird nicht mehr lange dauern und die kath. Kirche wird schweigen, weil sie verfolgt wird und weil ganz klar wird, dass die Lobbyisten die „Marktwirtschaft“ bis zum letzten Atemzug, auch gegen das Evangelium, verteidigen können.

      Der nächste „Fortschritt“ könnte sein, dass unwertes Leben (Kranke, Alte, Leistungsunfähige und Behinderte) sich selber töten können oder von einfühlsamen Betreuer dazu ‚geholfen‘ werden. Die Konzerne werden gerne entsprechende „humane Medizin“ produzieren, weil sie ein grosses Geschäft wittern. Alle müssen oder wollen fleissig und mit viel Einsatz mitmachen, die Forschung, die Krankenkassen, die Lebensversicherer, die Spitäler, Alters- und Behindertenheime, die Transportunternehmer, die Apotheken, die Psychologen, die Politik (inkl. CSU), die Gerichte, die Bestatter, die Verpackungsindustrie usw. – schlicht ein Riesengeschäft mit vielen Arbeitsplätze. Dieser Wettbewerb zugunsten der Leistungsfähigen bringt mehr Geld für den hedonischen Genuss. Davon profitieren dann die Reichen, Gesunden, Fleissigen und Leistungsfähigen, weil u.a. weniger Krankenkassenprämien, Renten und Arbeitslosenprämien zu bezahlen wären! Keine Minute zweifle ich daran, dass mit grösstem Leistungseinsatz Europa dafür einen Wirtschaftsaufschwung erreichen könnte, der die freie, soziale Marktwirtschaft und den ‚gesunden‘ Wettbewerb für Jahrzehnte rechtfertigen könnte, wie das die Abtreibungspille auch tat.

      Wo stehen dann die von Peter Helmes gelobten Konservativen? Wollen Sie diesen „Fortschritt“? Oder sind das die „gutgemeinten Gründe“, die man (wie bei der Abtreibungspille) dem christlichen Glauben opfern muss, weil die Wirtschaft nur von der Ungleichheit leben kann?

      Der Papst unterliegt gerade diesem Missverständnis nicht, doch die Aussage von Peter Helmes bekommt dann ohne Zweifel eine zynische Wirklichkeit (Zitat):

      Der Papst unterliegt – wie viele andere auch – dem immer gleichen Mißverständnis: Wirtschaft funktioniert nur durch Wettbewerb! Das aber bedeutet systembedingt Ungleichheit.

      Anders ausgedrückt: Überall da, wo – auch aus gutgemeinten Gründen – der marktwirtschaftliche Hebel klemmt oder behindert wird, gibt es keinen Fortschritt.

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  2. Stefan1 sagt:

    Man muss nicht viel von Wirtschaft verstehen um zu begreifen, was Papst Franziskus mit dem Ausspruch „Diese Wirtschaft tötet!“ meint. Dort wo Ausbeutung der Menschen geschieht und Familien nicht mehr genug verdienen um sich selbst über die Runden zu bringen, fängt das an, was mit dieser Aussage gemeint ist.

    Das politische System dabei ist völlig sekundär.

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