Kardinal Pell: Wir wollen Barmherzigkeit nicht ohne die Wahrheit

Zehn Kardinäle haben schon vor der Synode ausführlich Kritik am Startvortrag von Kardinal Walter Kasper über Ehe- und Familienpastoral geäußert, in der Regel in längeren Aufsätzen.

Von diesen zehn Kardinälen nehmen sechs an der derzeitigen Generalversammlung der Bischofssynode in Rom teil: Es sind die Kardinäle Müller, Burke, Caffarra, Pell, Ouellet und Scola.

Gemeinsam ist ihnen wichtig, dass sie konsequent an der kirchlichen Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe festhalten.

Am Donnerstag hielten die Synodenväter eine  –  den Berichten nach bewegte  –  Aussprache über die Ergebnisse ihrer Arbeitsgruppen.

„Radio Vatikan“ fragte den australischen Kurienkardinal George Pell (siehe Foto), wie er diese Aussprache bewertete.

„Aus meiner Sicht war das sehr, sehr ermutigend! Es war eine Atmosphäre des offenen Redens, der Wahrheit, der Vielfalt in der Einheit. Und es war sonnenklar, dass die Lehre der Kirche, die Lehre Jesu absolut fundamental und zentral ist. Natürlich bedeutet das: Barmherzigkeit, aber Barmherzigkeit in der Wahrheit!

Die Dokumente aus den Arbeitsgruppen sind wirklich katholisch im besten Sinn des Wortes. Es gibt Diversität – offensichtlich. Aber da ist auch die radikale Treue zum Evangelium und zu Jesus Christus.“

Forderungen der Kardinäle Burke und Müller wurden erfüllt

Mit einer klaren Mehrheit bei der entsprechenden Abstimmung haben die Synodenväter dafür gesorgt, dass ihre Berichte aus den Arbeitsgruppen noch am Donnerstag in vollem Wortlaut veröffentlicht wurden.

Zuvor hatten Synodenväter, etwa die Kardinäle Müller und Burke, kritisiert, dass die einzelnen Wortmeldungen der Teilnehmer nicht, wie früher üblich, in Zusammenfassungen an die Presse gegeben wurden. 

Die Schlussbotschaft der Synode wird am Samstag veröffentlicht – anders als das Schlussdokument, dessen Übersetzung ein paar Tage brauchen wird.

Quelle: http://de.radiovaticana.va/news/2014/10/17/kardinal_pell:_barmherzigkeit_ja,_aber…/ted-831446
 

Freundschaft erfahren im Trubel der Zeit

Von Pfarrer Dr. Franz Weidemann

Freundschaft… ein Wort, das jeder von uns kennt, das jeder oftmals gehört hat und das jeder so oft wie möglich hören möchte. Doch existiert Freundschaft noch?  – Sind wir, durchs Leben eilend, überhaupt in der Lage, sie zu definieren? Pfarrer Dr. Franz Weidemann

Freilich, wir treffen Bekannte, wir haben verschiedene berufliche Kontakte, wir unterhalten und amüsieren uns, aber freunden wir uns mit jemandem an? 

Wir können helfen, gerührt sein, aber begreifen wir wirklich, worin Freundschaft besteht?

Können wir über jemanden sagen, dass er ein Freund ist, und wichtiger noch: kann das jemand über uns sagen? Haben wir Zeit und Lust, uns darüber Gedanken zu machen?

Menschen wünschen sich Freunde. Sehr oft verwenden sie das Wort „Freundschaft“, um das zwischenmenschliche Verhältnis zu bestimmen. Die Wirklichkeit zeigt jedoch überdeutlich, dass sie sich des Wesens und des Inhalts des Wortes nicht immer bewusst sind.

Sie betrachten die Freundschaft als eine Plattform gemeinsamer Interessen, gegenseitiger Einflussmöglichkeiten und bedeutsamer Beziehungen. Die auf diese Weise gewöhnlich begriffenen zwischenmenschlichen Beziehungen sind einfach Bekanntschaften, die sich durch gegenseitige Solidarität ausdrücken.

Ein Bekannter ist nicht automatisch ein Freund. In manchen Regionen Italiens hat das Wort „Freundschaft“ sogar einen negativen Beigeschmack und wird mit mafiösen Verhaltensweisen in Verbindung gebracht. So hebt der französische Schriftsteller Nicolas Chamfort hervor, dass es im Leben drei Sorten von Freunden gibt: (…) die, die uns lieben, die, denen wir egal sind, und die, die uns hassen“. Scannen0001 (22)

Die Freundschaft ist jedoch ein Bestandteil unseres Alltags. Ohne sie wäre das Leben inhaltslos und mühsam. Mit ihr ist es viel leichter zu leben. Mit jemandem ein freundschaftliches Verhältnis zu haben bedeutet, sich vor ihm zu öffnen und sich geborgen zu fühlen. Es bedeutet auch, ihn näher als andere an sich heranzulassen, ihm eigene Freude und Erfolge, aber auch Probleme, Ängste und Befürchtungen anzuvertrauen.

Man sollte jedoch nicht verkennen, dass man nur Freunde betrügt und verkauft. Einen Freund gewinnt man daher erst nach einer Bewährungsprobe.

Diese Warnung ist das Hauptmotiv in dem alttestamentlichen Buch der Weisheit von Sirach (6,5-17). Er erinnert an die Notwendigkeit, einen Freund gewissenhaft auszuwählen, denn es gebe den einen Freund, der „je nach der Zeit“ da sei, einen anderen, der „zum Feind [wird], unter Schmähungen deckt er den Streit mit dir auf“, und einen weiteren, der „als Gast am Tisch“ in schwierigen Momenten nicht durchhält.

Was ist also das Wesen einer Freundschaft? Eine Freundschaft ist die schönste Form der menschlichen Liebe. Oder anders gesagt: Freundschaft ist die reife Form der Liebe. Freundschaft gehört zu den wichtigsten Werten, die von der Macht des menschlichen Geistes zeugen.

Dieser Wert erlebt heutzutage  –  ähnlich wie viele andere  –  eine Krise und wird immer mehr entwertet. Man sollte sich also bewusst machen, nach welchen Gesetzen die Freundschaft folgt, damit das menschliche Leben einen strahlenden Glanz erhält.

Eine Voraussetzung der Freundschaft ist Aufrichtigkeit. Sie beruht auf Wahrheit und hängt mit Vertrauen zusammen. Daher gehört nicht Schmeicheln und Bejahen zu ihrem Wesen, sondern gegenseitige Hilfe, gegenseitiges Ermahnen und Beraten.

Die Wahrheit anzuerkennen ist der Schlüssel zum gegenseitigen Verständnis, und nur dort, wo die Wahrheit geehrt wird, kann Vertrauen entstehen. So wird die Wahrheit zur gegenseitigen Aufrichtigkeit und Weltoffenheit. 02a1c5407f

Die Freundschaft ist ein Wert, der keine Beurteilung voraussetzt; er lässt es auch nicht zu, sie auszuprobieren, denn man muss die Freundschaft erst schließen, bevor man sie überprüfen kann. Die beste Prüfungsform ist die Zeit. Cicero rät deshalb dazu, „starke, selbstbewusste und vernünftige Menschen auszusuchen“, denn nur auf solche kann man bauen und nur solche können treu bleiben.

Epiktet dagegen nennt drei Arten von Menschen: Drohnen, Wespen und Bienen. Die Drohnen bestehen aus den Schmeichlern, die nichts tun, sondern das Gut anderer Menschen vergeuden. Zu den Wespen zählt er unzugängliche, eifersüchtige, nicht gern gebende Menschen, die letztlich nutzlos sind. Die Gemeinschaft der Bienen bilden ehrliche Leute, die von der Arbeit der eigenen Hände leben, tüchtige, freundliche Menschen, die für das Wohl der Freundschaft sorgen, verständnisvoll und  –  wenn nötig  –  kampfbereit sind.

Wenn man echte Freundschaft finden will, so lohnt es sich, auf Bienen zu setzen und sich von Drohnen und Wespen zu befreien.

In der Freundschaft ist es sehr wichtig, Zeit für sie zu haben und sie zu pflegen. Das Leben ist so konstruiert, dass jeder nur für solche Werte und Menschen Zeit findet, die ihm am teuersten sind. Der Mangel an Zeit zeugt nur davon, dass die Freundschaft nicht das Wichtigste ist und sie zu pflegen eine Belastung ist. ???????

Man sollte sich dessen bewusst sein, dass die größten Feinde der Freundschaft und Liebe die Erschöpfung und der tägliche Stress sind. Der daraus resultierende Zeitmangel führt dazu, dass die Freundschaft abstirbt. Wenn es dem Menschen auf die Freundschaft ankommt, so muss er für das Zusammenkommen Zeit finden, denn so findet er zur Erholung und die Erholung erfüllt sich im Zusammenkommen mit dem anderen.

Eine echte Freundschaft ähnelt  –  wie Professor Edward Staniek hervorhebt  –  dem Flug der Adler: Man kann sie nicht mit Gewalt zusammenbinden, denn ihr gemeinsamer Flug basiert auf der Kraft der ausgebreiteten Flügel in der Freiheit endlosen Weite. Die Adler beschäftigen sich nicht mit dem Fliegenfangen, sondern gemeinsam streben sie zur Sonne und sind verbunden durch das in ihren Herzen liegende Vertrauen. Darum muss eine Freundschaft, die leben möchte, ein Gesicht haben.

Die Freundschaft hat noch einen weiteren Namen  –  Loyalität. Loyal sein bedeutet, in der Freundschaft sein, selbst wenn der Freund nicht da ist, und nach seinen Sachen zu schauen. Loyal sein bedeutet, sich –   während der Abwesenheit des Freundes  –  so gegenüber den Menschen zu verhalten, dass man sich nicht schämen muss, wenn der Freund wieder auftaucht.

Je länger die Freundschaft dauert, umso stärker wird ein illoyales Verhalten verpönt. In der Freundschaft leben heißt, sie ausdrücken zu können, ihr bei aller Schüchternheit sein Herz zu öffnen und, wenn nötig, für sie zu kämpfen. Ansonsten ist sie bedroht.

Man muss aus den Fehlern anderer lernen, denn eine wahre Freundschaft ist wie die Gesundheit: wir lernen sie schätzen, wenn wir sie verlieren.

Während einer seiner Vorlesungen sprach der polnische Theologe und Philosoph Józef Tischner über zwei Arten von Menschen: diejenigen, mit denen man den Rosenkranz beten, und diejenigen, mit denen man Pferde stehlen kann. Wald-DSC_0989

Er empfahl, dass man lieber mit denen Freundschaft schließen solle, mit denen man Pferde stehlen kann, denn mit denen könne man auch den Rosenkranz beten. Mit eingebildeten Menschen, die zu keiner Freundschaft fähig sind, kann man höchstens  –  und das auch nicht immer  –  nur das erste tun.

Die Freundschaft leben und in der Freundschaft leben bedeutet, seine Umwelt positiv zu gestalten, die bei den Menschen den Glauben und die Hoffnung auf ein größeres Wohl erweckt und die Überzeugung entstehen lässt, dass nicht alles endgültig verloren ist und die Niederlage von gestern sich in den Sieg von morgen umwandeln lässt.

Es ist daher wichtig, welchen Menschen wir zu unserem Freund machen und welchem Umfeld wir zugehören, denn wir werden selbst so wie diejenigen, mit denen wir verkehren.

Es lohnt sich also, Hoffnung zu haben, denn“  –  wie der polnische Dichter Słowacki in Anhelli schreibt  –  „die Hoffnung geht von Euch auf die nächsten Generationen über, aber wenn sie in Euch stirbt, werden die nächsten Generationen aus toten Menschen bestehen.“

Freunde kommen und Freunde gehen, doch nur die wahren Freunde bleiben ein Leben lang  –  sagt das Sprichwort!

Vergessen wir nicht, dass auch Gott uns seine Freundschaft in Jesus Christus anbietet. Dieses Angebot sollte ein jeder von uns annehmen, denn diese Freundschaft dauert ein Leben lang, ja sie geht sogar über den Tod hinaus.

Unser Autor Pfarrer Dr. Franz Weidemann (siehe Foto oben) ist als Priester in Dortmund (Erzbistum Paderborn) tätig

Gemälde: Evita Gründler


„Alle haben mich im Stich gelassen, doch der HERR stand mir zur Seite“

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: 2 Tim 4,10-17b:

Mein Sohn! Demas hat mich aus Liebe zu dieser Welt verlassen und ist nach Thessalonich gegangen; Kreszenz ging nach Galatien, Titus nach Dalmatien.  Herz-Jesu_01

Nur Lukas ist noch bei mir. Bring Markus mit, denn er wird mir ein guter Helfer sein.  Tychikus habe ich nach Ephesus geschickt.

Wenn du kommst, bring den Mantel mit, den ich in Troas bei Karpus gelassen habe, auch die Bücher, vor allem die Pergamente.

Alexander, der Schmied, hat mir viel Böses getan; der Herr wird ihm vergelten, wie es seine Taten verdienen.  Nimm auch du dich vor ihm in Acht, denn er hat unsere Lehre heftig bekämpft.

Bei meiner ersten Verteidigung ist niemand für mich eingetreten; alle haben mich im Stich gelassen. Möge es ihnen nicht angerechnet werden.
Aber der HERR stand mir zur Seite und gab mir Kraft, damit durch mich die Verkündigung vollendet wird und alle Heiden sie hören; und so wurde ich dem Rachen des Löwen entrissen.