Neue Methoden der Auseinandersetzung um das Lebensrecht der Ungeborenen

Mathias von Gersdorff

Mitte September wurde in dieser Kolumne gezeigt, wie sich der „Kampf um das Leben“, also die Auseinandersetzungen zwischen Lebensrechtlern und Abtreibungslobby, in den letzten Jahren radikalisiert hat.  Podium5

Diese Auseinandersetzung findet natürlich auch seit Jahren im Internet statt, zuweilen in einer Art und Weise, die noch grotesker ist, als was sich auf den Straßen aufgrund der Angriffe linksradikaler Chaoten abspielt.v

Spitzenreiter in dieser Hinsicht sind die Vereinigten Staaten. Die Abtreibungsbefürworter betreiben zuweilen Propaganda für ihre Position mit makabren Methoden, die man in Deutschland wohl als skandalös oder exhibitionistisch bezeichnen würde.

So ließ die 25jährige Emily Letts im Sommer ihre Abtreibung filmen und auf Youtube hochladen. Das Video zeigt allerdings nicht die Abtreibung an sich, also das Eindringen der Instrumente in den Körper, um das Kind zu töten und dessen Reste zu entfernen, sondern „nur“ ihr eigenes Gesicht.

Im Vorspann erklärt die junge Frau lakonisch, wieso sie das Kind abtreibt: „Ich bin nicht so weit, Kinder zu kriegen.“ –  In der folgenden Einstellung sagt sie lachend, sie würde eine Abtreibung haben. Das Ganze wirkt seltsam unecht, fast surrealistisch. Man fragt sich zwangsläufig, wie man eine solche Situation emotional bewältigen kann, ohne Drogen genommen zu haben.P1020483

Während der Aufnahme des „Eingriffs“ gibt es Einblendungen, in denen Emily Letts erklärt, es gäbe positive „Abtreibungsgeschichten“. Das Video wurde äußerst bekannt und erzeugte eine riesige öffentliche Diskussion.

Auf Video aufgenommene Zeugnisse über eigene Abtreibungen sind auf Youtube zahlreich zu finden. Bei vielen hat man den Eindruck, die Frau käme über ihre Tat nicht hinweg und müsse sich irgendwie aussprechen oder gar rechtfertigen. Dem modernen Zeitgeist entsprechend, demzufolge das Private in der Öffentlichkeit zu geschehen hat, praktizieren sie das in einem Video für Youtube.

Geld für Abtreibung mittels Crowdfunding

Ganz im Stile des Web 2.0 wurde das Facebook-Profil Emily Letts’ zu einer Diskussionsplattform. Wie bei Justin Bieber auch, zog die Frau mit der Zeit vom Web 2.0 zum Mainstream. Massenpublikationen wie Cosmopolitan gaben ihr die Möglichkeit, sich breit über ihre Tat auszulassen. CNN nutzte den Fall, um die Reportage „Can abortion be de-stigmatized?“ zu produzieren. Elle wird gleich 25 Frauen berichten lassen, die Abtreibungen hinter sich haben. iStock_000014086034XSmall

Noch extremer und aus politischer und ideologischer Perspektive auch interessanter ist das etwas unbekanntere Beispiel der 23jährigen Bailey: Sie sammelte auf der Crowdfundigseite „GoFundMe“ Geld, um ihre Abtreibung zu finanzieren.

De facto sind das Spenden an eine private Person, die sich in schriller, brutaler und das persönliche Schicksal einbindenden Form für die Abtreibung einsetzt. Solche Zuwendungen setzen eine hohe Identifikation des Spenders mit dem Empfänger voraus. Die Spende ist somit ein finanzielles Bekenntnis zur Abtreibung; sie ist das finanzielle Pendant zum „Gefällt mir“ oder zum „Teilen“ in Facebook.

Propaganda-Wirkung bringt Nachahmer hervor

Sie brauchte 2.500 US-Dollar, doch als sie 2.100 gesammelt hatte, wurde ihr Profil gelöscht. „GoFundMe“ hätte zu viele Protestschreiben bekommen, und dieses Anliegen sei sowieso nicht im Sinne des Betreibers. Kurz nach dem Fall wurden sogar die Nutzungsbedingungen geändert. media-389705-4

Diese Aktion zog auch die Aufmerksamkeit der Fachpresse auf sich. Der Economist bemerkte zum Rückzieher von „GoFundMe“: „Given the outpouring of financial support Bailey received, there is good reason to believe another platform may be more hospitable towards women who need help paying for an abortion.“

Dieses Vorgehen könnte zu einer Konkurrenz für Abtreibungsorganisationen wie „Planned Parenthood“ (die US-amerikanische Mutterorganisation von Pro Familia) erwachsen.

Aufgrund der starken propagandistischen Wirkung ist davon auszugehen, daß viele Frauen Emily Letts oder Bailey nachahmen werden, bis es zu einer Professionalisierung kommt, etwa wie Justin Biber ab einem bestimmten Bekanntheitsgrad von Usher gecoached wurde.

Mittel der psychologischen Kriegsführung

Diese Form der Propaganda für Abtreibung erinnert an Alices Schwarzers Aktion „Wir haben abgetrieben!“ im Jahr 1971. Dennoch gibt es erhebliche Unterschiede. Alice Schwarzers Aktion stand unter dem großen Motto der Frauenemanzipation. baby_hand_abtreibg_cdl11_a4357ad790

Die Feministinnen argumentierten mit dem Arsenal des marxistischen Klassenkampfes: Frauen seien in einer männerdominierten Welt den Männern völlig untergeordnet, die über ihre Schicksale verfügten, wie sonst nur die Herren über ihre Sklaven. Die Männer hätten sogar Besitz über ihre Körper, und durch eine Schwangerschaft würden sie die Frauen völlig unter ihre Kontrolle bringen.

Im Grunde wurde in der marxistischen Klassenanalyse das Proletariat durch die Frau ersetzt. So entstanden Sprüche wie „Mein Bauch gehört mir“ (und nicht dem Mann). John Lennon formulierte es in „Woman is the nigger of the world“ so: „We make her bear and raise our children.“

Die Bekenntnisse zur Abtreibung im Web 2.0 folgen einem ganz anderen Muster. Man kann behaupten, sie entstammen nicht mehr dem Arsenal des Klassenkampfes, sondern der psychologischen Kriegführung.

Neue Formen der Auseinandersetzung

Auf eine ideologische Rechtfertigung der Entscheidung zugunsten der Abtreibungen wird in den Web-2.0-Beispielen komplett verzichtet. Man argumentiert rein stimmungsmäßig und erwartet gar nicht, eine Diskussion anzuregen.

Es geht ausschließlich um die Bildung von Empathie bzw. Mitgefühl. Damit dies gelingt, wird in krasser Form das persönliche Schicksal der weiten Öffentlichkeit präsentiert – ein Seelen-Striptease. So wirken diese Fälle sehr authentisch, besonders „echt“.  imagesCAHIF86C

Anhand einer Fokussierung auf extreme Einzelfälle und einer grenzenlose Zurschaustellung der psychologischen Aspekte des Konflikts wird wohl die Bildung eines Prototyps angestrebt, der als Leitmodel für die Generationen Y und Z dienen könnte, die in einer poststrukturalistischen Gesellschaft aufgewachsen ist.

Solche Fälle könnten zu Archetypen und damit zu lebendigen Katalysatoren für die Empfindungen der „Digital Natives“ werden.

Die Lebensrechtler müssen sich auf diese neue Form der öffentlichen Auseinandersetzung einstellen, um die jungen Generationen erreichen zu können.

In der Tat versuchen einige US-Lebensrechtler, Gegenstrategien zu entwickeln. So mehren sich die Videos mit emotional vorgetragenen Reuebekenntnissen von Frauen, die ihr Kind abgetrieben haben. Andere berichten in rührender Weise, wie sie das Kind, das sie zunächst abtreiben wollten, trotz großer gesundheitlicher, finanzieller oder sozialer Probleme trotzdem zur Welt brachten.

Für das Leben rocken bis zur Erschöpfung

Vor allem Organisationen mit jungen Aktivisten verbinden vollen persönlichen Einsatz und Kommunikation über die sozialen Netzwerke. Ich nenne zwei recht gegensätzliche Beispiele: „Stand True Pro Life Outreach“ und die „TFP-Student Action“.

„Stand True Pro Life Outreach“ wird geleitet von Bryan Kemper, einer schillernden Figur voller Piercings und Tätowierungen. Diese Attribute sind noch aus seiner Zeit, als er „Rock for Life“ gründete und leitete. „Rock for Life“ trägt Trikots in der Öffentlichkeit, in denen ein Fötus E-Gitarre spielt. Irgendwann konvertierte er zum katholischen Glauben und gründete „Stand True“. images (2)

In beiden Gruppen waren vorwiegend junge Menschen aktiv, die sich Tag und Nacht im ganzen Land in allen möglichen Aktionen bis zur Erschöpfung für die Ungeborenen einsetzten. Diese Intensität erleichtert die Bildung einer Fangemeinde. Das äußere Auftreten dieser beiden Gruppen ist alles andere als konservativ. In Deutschland würden sie zumindest äußerlich als „Autonome“ eingestuft werden.

Betont unangepaßt gegenüber dem Zeitgeist tritt die „TFP-Student Action“, die Jugendorganisation der „American Society for the Defense of Tradition, Familiy and Property“, auf. Sie gehören dem katholisch-konservativen Milieu an. Sie tragen Blazer und Krawatte und scheuen auch nicht davor zurück, an den linkesten Universitäten für das Recht auf Leben einzutreten. Nicht selten werden sie von linken Abtreibungsbefürwortern tätlich angegriffen.

Online-Kampagne pro Gedenktag für die Ungeborenen

Die Fangemeinden beider Gruppen können die Aktionen fast zeitgleich durch Twitter, Facebook, Instagramm usw. verfolgen.

Deutschland ist noch nicht so weit. Hier gibt es zwar auch Gruppen, die sich sehr intensiv auf der Straße für die Ungeborenen einsetzen, wie etwa die „Helfer für Gottes kostbare Kinder“, die die Gehsteigberatungen organisieren, doch sie haben noch nicht so richtig den Weg ins Internet gefunden.

Doch auch bei uns tut sich etwas in dieser Hinsicht. So schreiben die Autoren Eike Sanders, Ulli Jentsch und Felix Hansen im soeben erschienenen, ultralinken Buch „Organisierter Lebensschutz – christlicher Fundamentalismus und Antifeminismus“ zum Online-Aktivismus in Deutschland:

„In manchen Fällen werden die SympathisantInnen der Bewegung aufgefordert, an Online-Kampagnen, E-Mail-Aktionen oder Petitionen teilzunehmen. Besonders aktiv in dem Feld ist die Aktion SOS Leben der DVCK, sie sammelt u.a. Unterschriften für die Einführung eines ‘Gedenktages für die ungeborenen Kinder’.“

Mit der Zeit wird es dazu aus Deutschland sicherlich noch viel mehr zu berichten geben.

Unser Autor Mathias v. Gersdorff ist Leiter der Frankfurter Aktion „Kinder in Gefahr“ und des Webmagazins „Kultur und Medien online“

Erstveröffentlichung des Beitrags in der Wochenzeitung „Junge Freiheit“


Venezuela: Oppositionsführer droht Haftstrafe

Dem seit Februar inhaftierten venezolanischen Oppositionsführer und Demokratieaktivisten Leopoldo López steht eine Verurteilung in einem hochumstrittenen Prozess unmittelbar bevor. Das berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). IGFM_Logo_blau_R32 G90 B165

Die UNO-Arbeitsgruppe für willkürliche Verhaftungen (WGAD) hat am 20. Oktober die venezolanische Regierung aufgefordert López umgehend freizulassen. Seine Festnahme stellt eine „willkürliche Inhaftierung“ dar, urteilten die Mitglieder der fünfköpfigen UNO-Arbeitsgruppe.

Nach Angaben der IGFM ist eine große Zahl von Venezolanern davon überzeugt, dass Präsident Nicolás Maduro persönlich die Inhaftierung und Anklage wegen angeblichem Mord, Brandstiftung und Terrorismus initiiert habe. Bis heute wurden keinerlei Beweise vorgelegt.

„Hinter der demokratischen Fassade der venezolanischen Regierung verbirgt sich ein Regime, dass jede Opposition verfolgt und nicht davor zurückschreckt, selbst international bekannte Oppositionspolitiker und Menschenrechtler willkürlich gefangen zu halten“, erklärt IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin.

Im Zuge der Proteste gegen die venezolanische Regierung sind seit der Verhaftung von Leopoldo López im Februar mehr als 40 Demokratieaktive und Protestler durch die Polizei getötet worden.

Die venezolanische Regierung wies indessen die Forderung nach Transparenz und Rechtsstaatlichkeit als „Einmischung“ in innere Angelegenheiten zurück. Die IGFM kritisierte diese Anschuldigung als „durchsichtiges Ausweichmanöver“.

Venezuela habe völkerrechtlich bindende Menschenrechtsverträge ratifiziert. Die übrigen Vertragsstaaten, wie z.B. Deutschland, hätten „jedes Recht und die moralische Pflicht“ die Vertragserfüllung auch bei den übrigen Vertragsstaaten einzufordern, so die IGFM weiter.


Offizielle Webseite zum 50. Jubiläumsjahr „Deutschland und Israel“ jetzt online

Die offizielle gemeinsame Website der Außenministerien Israels und Deutschlands, die das Jubiläumsjahr anlässlich des 50. Jahrestages der Aufnahme diplomatischer Beziehungen im Jahr 2015 begleiten wird, ist nun online geschaltet.

Die Website findet sich unter www.israel50deutschland.org und ist in drei Sprachen (Deutsch – Hebräisch – Englisch) aufrufbar.

Die Besucher finden dort viele Hintergrundinfos zu den israelisch-deutschen Beziehungen und zum Jubiläumsjahr, einen bebilderten Zeitstrahl und einem interaktiven Eventkalender für 2015.

Die Website wird laufend aktualisiert und soll so die zahlreichen Veranstaltungen in Deutschland und in Israel begleiten.

Schon heute können Veranstalter, die einen Beitrag zum Jubiläum leisten, ihre Projekte und Events eintragen und die Beiträge nachträglich durch Videos und Links anreichern.

Im Eventkalender werden in den nächsten Monaten zunehmend Ankündigungen von Kulturveranstaltungen wie Lesungen, Konzerten, Ausstellungen, Tanz- und Filmfestivals zu finden sein, aber auch von Messen, Seminaren, Vorträgen, Konferenzen, Workshops, Jugendbegegnungen und Austauschprojekte aus verschiedenen Bereichen. QV3XTtGudzX4TtwzwBLBdA

Dazu kommen Berichte über offizielle Begegnungen wie die Regierungskonsultationen und Staatsbesuche, sowie gemeinsame Projekte Deutschlands und Israels  –  das offizielle Logo und die bilaterale Website sind erst der Anfang. Folgen wird beispielsweise eine gemeinsame Sonderbriefmarke anlässlich des Jubiläums.

Auf der Website begrüßen die beiden Außenminister, Dr. Frank-Walter Steinmeier und Avigdor Lieberman die Besucher.

Gemeinsam hoffen beide Minister auf ein inspirierendes Jubiläumsjahr und bereichernde Begegnungen zwischen Israelis und Deutschen, die die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern, Institutionen und Organisationen festigenden und ausbauen.

Im Rahmen des Empfangs zum Tag der Deutschen Einheit in der Residenz des deutschen Botschafters in Israel, Botschafter Andreas Michaelis, wurde die Seite in Anwesenheit von Staatspräsident Reuven Rivlin und Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier vorgestellt.

Bereits im Mai dieses Jahres war als offizieller Hashtag für das Jubiläumsjahr #IL50D vorgestellt worden.

Den Bericht des Auswärtigen Amtes zur Auftaktveranstaltung finden Sie hier.

Zur Homepage »

Quelle: Botschaft des Staates Israel


Das vierte Gebot und seine Verheißung

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Eph 6,1-9:

Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern, wie es vor dem HERRN recht ist. Ehre deinen Vater und deine Mutter: Dies ist ein Hauptgebot  –   und ihm folgt die Verheißung: Damit es dir wohl ergehe und du lange lebest auf Erden. polskaweb

Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern erzieht sie in der Zucht und Weisung des HERRN!

Ihr Sklaven, gehorcht euren irdischen Herren mit Furcht und Zittern und mit aufrichtigem Herzen, als wäre es Christus.
Arbeitet nicht nur, um euch bei den Menschen einzuschmeicheln und ihnen zu gefallen, sondern erfüllt als Sklaven Christi von Herzen den Willen Gottes! Dient freudig, als dientet ihr dem HERRN und nicht den Menschen.

Denn ihr wisst, dass jeder, der etwas Gutes tut, es vom HERRN zurückerhalten wird, ob er ein Sklave ist oder ein freier Mann.

Ihr Herren, handelt in gleicher Weise gegen eure Sklaven! Droht ihnen nicht! Denn ihr wisst, dass ihr im Himmel einen gemeinsamen HRRN habt. Bei IHM gibt es kein Ansehen der Person.