Der „jüdische Witz“ ist eine Auswirkung heiterer Selbstironie

Von Felizitas Küble

Seit Jahrhunderten ist die heitere Selbstkritik bzw. gelassene jüdische Selbstironie als echte Kunst bekannt und zugleich Gegenstand volkskundlicher bzw. wissenschaftlicher Studien. IMG_0744

Diese schelmische Sicht auf sich selbst bzw. auf das eigene Religionsvolk manifestiert sich besonders im sog. „jüdischen Witz“ (natürlich nicht zu verwechseln mit zynischen „Judenwitzen“).

Die im Jahre 2002 verstorbene,  jüdische Soziologin Dr. Salcia Landmann hat darüber ein gründliches Sachbuch veröffentlicht („Der jüdische Witz“), das zum Standardwerk bzw. Klassiker wurde. 

Unser Christoferuswerk stand mit dieser Schweizer Schriftstellerin im guten Kontakt; wir wechselten viele Briefe und tauschten Ansichten und Erfahrungen aus. Auch wenn die Meinungen zuweilen auseinandergingen, war die Korrespondenz stets respektvoll und freundlich.

HIER präsentieren wir nun beispielhaft ein paar jüdische Witze und beginnen „bitterböse“ mit einem „KZ-Witz“; wer ähnliche Witze oder Gags kennt, möge uns diese mitteilen oder einfach per Leserkommentar beisteuern:

Ein SS-Kommandant sagt im KZ zu einem Juden: „Wenn Du errätst, welches meiner beiden Augen aus Glas ist, laß ich dich laufen.“  – Der Jude: „Das linke.“ –  Der SS-Kommandant: „Das ist richtig!  –  Wie hast Du das so schnell erkennen können?“  –  Der Jude: „Es hat mich so menschlich angeschaut.“

Ein alter jiddischsprechender Zirkusmann reist als „einziger jüdischer Seiltänzer der ganzen Welt“ von Städtel zu Städtel und kassiert zwei Taler pro Nase für seine überragenden Künste. Überall wird ein Seil gespannt und die ganze Kille (jüdische Gemeinde) versammelt sich darunter. Das  Manderl klettert zum Seil hinauf, setzt einen Fuß aufs gespannte Seil und fragt: „Nu, wos is, wenn ich abstirze?  – Dann gibt es keinen einzigen jiddischen Seiltänzer mehr auf der Welt. Wollt ihr das?“    –  Die ganze Kille schreit: „Nein, nein!“  – Gehorsam zieht er den Fuß zurück vom Seil, klettert hinunter, steigt in seine Kalesche und ab die Post… IMG_1183

Mosche trifft seinen alten Bekennten Levi in Venedig. Mosche fragt: „Was machst du denn hier!?“  –  Levi antwortet: „Ich bin auf Hochzeitsreise!“  – Mosche fragt: „Und wo ist Deine Frau?“  –  Levi erklärt: „Die muß doch aufs Geschäft aufpassen.“

Ein ungläubiger Jude sitzt in der Synagoge und weint. „Was heult Ihr, obwohl Ihr doch gar nicht an Gott glaubt?“ fragt ihn einer.  „Es gibt zwei Möglichkeiten“, entgegnet der schluchzende Atheist, „entweder bin ich im Unrecht und es gibt Gott wirklich  –  dann hat man schon allen Grund, vor ihm zu klagen und zu weinen. Oder aber ich habe recht und es gibt ihn nicht  –  dann hat man erst recht allen Grund, darüber zu weinen.“

Ein Rabbi sagt zu Gott: „Hilfe, mein Sohn ist Christ geworden, was soll ich bloß tun?“  –  Gott antwortet: „Mach dir nichts draus, mein Sohn ist auch Christ geworden.“  – Darauf der Rabbi: „Und was hast du getan?“ –  Gott: „Ich habe ein neues Testament geschrieben.“

Da lädt der Rabbi den katholischen Pfarrer zu seiner Geburtstagsfeier ein: „Hochwirden, kommen Sie mit ihrer Frau Gemahlin zu meiner Party.“  –  „Aber ehrwürdiger Herr Rabbiner, wir haben doch den Zölibat.“  –  „Kein Problem, Hochwirden, wir haben da engagiert einen Babysitter.“

Ein Rabbi und ein katholischer Priester kommen bei einem gemeinsamen Spaziergang an einem schönen See vorbei. Da es ziemlich heiß ist, haben beide Lust zu schwimmen, aber natürlich keine Badesachen dabei. Nach kurzer Überlegung entscheiden sie sich, dann halt nackig zu schwimmen. Als sie nach einiger Zeit wieder herauskommen, joggt gerade die Jugendgruppe des örtlichen Sportvereins des Weges. Sofort verdeckt der katholische Priester sein Gemächt. Der Rabbi hingegen verdeckt sein Gesicht.  –  Als die Jugendgruppe weitergezogen ist, fragt der Priester den Rabbi: „Warum haben Sie denn Ihr Gesicht bedeckt?“  –  Sagt der Rabbi: „MEINE Schäfchen erkennen mich am Gesicht, nicht am Gemächt.“

Sagt der katholische Pfarrer provozierend-scherzhaft zum Judenrabbi: “Herr Rabbiner, wann kommen Sie ins Pfarrhaus zum Schweinsbraten essen?“  – “Nu, das wird wohl sein an Hochwirdens Hochzeitstag.“ IMG_0758 - Kopie

Ein jüdischer Geschäftsmann klagt: „Seit einem Jahr fahre ich nur noch Verluste ein.“  – Sein Freund:  „Dann mach doch Deinen Laden dicht.“  – „Wie?! Und wovon soll ich dann leben?!“

Wenn man einem Bauern einen Witz erzählt, lacht er dreimal: das erstemal, wenn er den Witz hört, das zweitemal, wenn man ihm den Witz erklärt, das drittemal, wenn er den Witz versteht.
Der Gutsherr lacht zweimal: das erstemal, wenn er den Witz hört, das zweitemal, wenn man ihn erklärt. Verstehen wird er ihn nie...
Der Offizier lacht nur einmal, nämlich wenn man ihm den Witz erzählt. Denn erklären läßt er sich prinzipiell nichts –  und verstehen wird er ihn ohnehin nicht…
Erzählt man aber einem Juden einen Witz, so sagt er: „Den kenn‘ ich schon!“ und gibt einen noch besseren Witz zum Besten.

Ein evangelischer Pastor, ein katholischer Priester und ein Rabbi sind auf einem Boot auf dem See Genezareth. Es ist unglaublich heiß. Da steht der Pastor auf, läuft über den See und kommt mit drei Flaschen Limonade zurück. Kurze Zeit später erhebt sich der Priester, läuft über das Wasser und kommt ebenfalls mit drei Flaschen zurück. „Was die können, kann ich auch“, denkt sich der Rabbi, springt aus dem Boot und versinkt im See.
Da meint der Pastor: „Wir hätten ihm vielleicht sagen sollen, wo die Steine sind.“  –  Antwortet der Priester: „Welche Steine?“

Ein Rebbe (Rabbi) geht am Sabbat spazieren und sieht eine Geldbörse auf der Erde liegen. Ihn überkommen aber starke Zweifel, ob er mit dem Aufheben schon gegen die Sabbatruhe verstößt. Plötzlich fällt er auf die Knie und ruft laut aus: Danke, oh HERR, für dieses Wunder. Ringsum ist Sabbat, aber an dieser Stelle ist schon Montag.“

Ein Flugzeug befindet sich in Absturzgefahr. Vier mächtige Personen sind an Bord: Netanjahu, Obama, Ahmadinedjad und Bill Gates. Das Flugzeug muß leichter werden, jeder Passagier muß sich von einem Gepäckstück trennen. Obama beginnt damit: „Weg mit dem IPod. Steve Jobs ist tot. Soll er es mit ins Grab nehmen, wir haben genug davon“  –  und schmeißt es aus der Luke.   –  Bill Gates sagt: „Weg mit den alten Win95-CDs. Wir brauchen die nicht mehr und haben genug davon!“  –  und wirft sie aus dem Fenster.   –  Der dritte Passagier, Irans Diktator Ahmadinedjad, erklärt grimmig: „Weg mit den verfluchten Zionisten, wir haben genug von denen“  –  und schmeißt Netanjahu aus der Luke.

Zwei Juden treffen sich am Sabbat (Schabbes) auf der Kurpromenade in Karlsbad: IMG_1093
„Cohn, ich hab’ gehört, du bist geworden ein Ungläubiger?“
„Ja.“
„Sag: Glaubst du noch an Gott?“
„Nu, laß uns reden von was anderem.“
Die beiden begegnen einander wieder am Sonntag.
„Cohn, es hat mir keine Ruh’ gelassen die ganze Nacht: Glaubst du noch an Gott?“
„Nein.“
„Nu, das hättest du nebbich schon antworten können gestern.“
„Bist du meschugge?! Am Schabbes?!“ 

Ein Jude geht ins Fleischergeschäft und zeigt geradewegs auf einen Schinken: „Ich möchte gern diesen Fisch dort!“  –  Der Metzger entgegnet: „Das ist doch ein Schinken!“ –  Der Jude antwortet: „Interessiert mich nicht, wie der Fisch heißt.“

Gott beschließt, eine neue Sintflut zu schicken, und informiert die Abgesandten der drei Religionen: „Genug ist genug! In drei Tagen ist es vorbei mit der Menschheit!“ – Der Papst nach der Rückkehr zu seinen Schäflein: „Hüllt euch in Sack und Asche und tut Buße; das Ende naht.“ – Der evangelische Bischof: „Uns bleibt nur noch das inbrünstige Bitten um Gnade; damit Gott uns erhöre und das furchtbare Schicksal abwende.“ – Der Oberrabbiner: „Juden, wir haben noch 72 Stunden Zeit, um zu lernen, wie man unter Wasser lebt.“

Der kleine David ist eine Niete in Mathe. Seine Eltern versuchen alles: Bücher, Nachhilfestunden, Quizkarten, Legokastenspiele, aber nichts hilft. Dann rät ihnen jemand, es mit einer katholische Schule zu versuchen: „Die Nonnen dort sind streng!“, sagen sie.  David wird dorthin eingeschult. Schon am ersten Tag läuft er daheim schnurstracks in sein Zimmer und büffelt. Gleich nach dem Essen flitzt er wieder nach oben und vergräbt sich noch mehr in seine Schulbücher. Die Eltern sind perplex über solch nie gekannten Eifer, der zudem wochenlang anhält. Am Tag der Notenverteilung kommt David nach Hause, legt das Zeugnis auf den Tisch und geht auf sein Zimmer. Seine Mutter freut sich: David hat in Mathematik eine für ihn sensationelle „Zwei“ erhalten. –  Sie läuft in sein Zimmer hinauf, schlingt die Arme um ihn und fragt: „David, mein Liebling, wie ist das denn möglich?  – Waren es die Nonnen?“  –  „Nein“, antwortet er Knabe: „Am ersten Tag, als ich in der Schule in jedem Klassenraum einen Mann sah, der an ein Pluszeichen genagelt war, wußte ich, daß die Nonnen  keinen Spaß verstehen!“

Fotos: Konrad Ruprecht



Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s