Offener Brief einer kath. Ärztin an Weihbischof Anton Losinger zur Organspende

Von Dr. med Regina Breul

Betreff: Interview bei Domradio am 24.2.2015 zur Stellungnahme des Dt. Ethikrates zu Hirntod und Organspende

Hochwürdigster Herr Weihbischof,

am 24.2.2015 gaben sie bei Domradio ein Interview zur Stellungnahme des Ethikrates zu Hirntod und Organspende. In diesem offenen Brief möchte einige Fakten, die Sie falsch oder zumindest ungenau vorgetragen haben, richtig stellen. 62f10dc686
 .
Seit Jahrtausenden ist es klar, wann ein Mensch tot ist. Er ist dann tot, wenn die sicheren Todeszeichen, Totenstarre, Totenflecke und schließlich Zersetzung vorhanden sind. (…)
 .
Allerdings sind die Organe eines solchen Toten nicht mehr zur Transplantation zu gebrauchen. Sieht man den Menschen um seiner selbst willen, so sind das ganz klare Fakten, die keinen Zweifel aufkommen lassen. 
 .
Bis zur Einführung der künstlichen Beatmung kannte man daher nur Tote und Menschen, die aufgrund eines schweren Hirnschadens im Wachkoma waren. Die Menschen im Wachkoma konnten noch selbständig atmen.
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Mit der Einführung der Beatmung gab es noch eine weitere Gruppe von komatösen Patienten, nämlich diejenigen, die nicht mehr selbständig atmen konnten. Für den Zustand dieser künstlich beatmeten, komatösen Patienten wurde der Begriff „Coma dépassé“ gebildet. Diese Menschen galten nach wie vor als Lebende.
 1000.
Ein eventuelles  Abstellen der Beatmung galt als Tötung. Man suchte nach einer Möglichkeit, dies zu umgehen. So wurde u.a. von Prof. Tönnis in Köln der Begriff des cerebralen Todes geprägt. Tönnis hatte seine wissenschaftlichen Erkenntnisse u.a. durch die Fliegerversuche im Dritten Reich gewonnen.
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BILD: Das Buch „Hirntod – Organspende“ mit Dr. Regina Breul als Co-Autorin
 .
Nachdem Prof. Barnaard seine erste Herztransplantation durchgeführt hatte und andere Transplanteure ihm nachfolgten, wurden einige von ihnen vor Gericht gestellt. In Japan wurde ein Transplanteur sogar rechtskräftig verurteilt.
 .
Daraufhin trat die Harvard ad-hoc-Kommission zusammen, um das Coma dépasse´zum neuen Todeskriterium zu machen. Die Organbeschaffung war ein wesentliches Ziel dieser Bemühungen, wie es im Bericht des Ad-hoc-Ausschusses der Havard Medical School zur Untersuchung der Definition des Hirntodes ausdrücklich dargelegt ist.
 .
In Ihrem Interview sagen Sie selbst
“Nichtsdestotrotz braucht man für die Möglichkeit einer postmortalen Organspende natürlich die Festlegung eines Zeitpunktes ab dem eine Explantation eines lebenswichtigen Organes vorgenommen werden darf.“
 .
Sie sehen also auch, dass der Hirntod nur wichtig ist, um den Zeitpunkt der Explantation festzulegen. Dem möglichen „Spender“ nützt diese verbale Regelung nichts. Außerdem steht im Organspendeausweis nach wie vor „nach meinem Tod“. Auch auf die Gefahr hin, dass die Spendenbereitschaft noch weiter zurückgeht, muss dort stehen „nach meinem Hirntod“.
 .
Wie soll der normale Bürger wissen, was der Begriff „Hirntod“ bedeutet, wenn sogar  sie selbst, als Mitglied des Deutschen Ethikrates, nicht oder falsch über diese Fakten informiert sind.
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Sie behaupten:
 „Zur Zeit können wir sagen, die Hirntoddiagnostik ist aus medizinisch naturwissenschaftlicher Sicht die valideste Technik zur Feststellung des Eintritts des Todeszeitpunktes eines Menschen“.
 .
Abgesehen davon, dass die Hirntoddiagnostik keine Technik, sondern eine Methode ist, wissen wir seit geraumer Zeit von Insidern des Transplantationsgeschäftes, dass die Hirntoddiagnostik nicht qualitätsgesichert ist und dass es bei einer Überprüfung von in Kliniken festgestellten Hirntoden, eine Fehlerquote von ca. 30% gab.
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FORTSETZUNG des Schreibens der Münchner Ärztin HIER: http://www.organspende-aufklärung.de/offener-brief-an-weihbischof-losinger/

3 Kommentare on “Offener Brief einer kath. Ärztin an Weihbischof Anton Losinger zur Organspende”

  1. Alex sagt:

    Gesegneten Morgen!

    Man muss zugeben, dass diese Diskussion um den Todeszeitpunkt ziemlich kompliziert
    geworden ist. Das liegt aber nur daran, weil man vom biblischen Glauben abgewichen ist.
    Gewisse Wissenschaftler versuchen, aus Eigeninteresse oder kommerziellen Zwecken
    Präzedenzfälle zu schaffen, die ihre falschen Theorien belegen sollen. Dabei wollen sie
    von vornherein nicht der Wahrheit dienen, sondern eher der Decartschen Leitlinie:

    „Ich denke, also bin ich“. Daher kommt auch die Hirntodtheorie – eine falsche Theorie.

    Gemäß biblischem Glauben ist im Erlöserblut Christi das Leben enthalten. Ebenso ist
    im normalmenschlichen Blut das Leben enthalten, nämlich das menschliche Leben, genauer:
    der Lebenssaft. Woran erkennt man das ganz einfach? Solange das Blut im Menschen
    ist, lebt der Mensch noch. Wenn es vom Herrn zurückgefordert wird beim Tod, dann geht
    der Lebenssaft aus dem Menschen und er kann nicht mehr leben.

    Wir müssen präzisieren: Beim Tod entweicht die Seele und damit das Lebensprinzip des
    Menschen, das nicht sterben kann. Durch das Entweichen des Blutes aus den Adern
    wird für uns materiell angedeutet, was auf der seelischen Ebene passiert:
    Sowohl der materielle Lebenssaft als auch die geistige Seele entweichen aus dem Körper.

    Für die Ärzte muss also das Blut das entscheidende Anzeichen sein: Im Blut ist menschliches
    Leben und dieses Leben fließt aus der Quelle des menschlichen Herzens, wo das Blut
    gebildet und gepumpt wird.

    Der Tod des irdisch menschlichen Lebens (des Leibes) beginnt einzutreten, sobald das
    Herz aufhört, zu schlagen. Dann kann es manchmal noch reanimiert werden, wenn aber
    nicht, dann hört die Blutzirkulation auf, das Blut wird vom Herrn zurückgefordert und die
    Totenstarre tritt ein.

    Vor diesem Hintergrund erledigt sich die Diskussion um eventuelle Transplantationen
    lebenswichtiger Organe, denn solange der Mensch lebt, gilt nur eines:
    Das Leben dieses Menschen aufrecht zu erhalten, wie auch immer es aussehen mag.

    Deswegen lebt ein Komapatient und sobald er an den Apparat angeschlossen ist,
    darf er nicht abgeschaltet werden.

    Hirntod ist kein Tod des ganzen Menschen. Solange auch nur irgendetwas im Menschen
    noch lebt, ist die Seele im Menschen, die ihn belebt und solange gilt es Hochachtung
    vor diesem menschlichen Leben zu haben.

    Nur Einer ist Herr über Schöpfung, Leben und Tod, Der Dreifaltige Gott!
    Alle Gute,
    Alex

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  2. Ulrich Thiem sagt:

    Also, ich habe verfügt, daß ich für eine gewisse Zeit, nämlich solange es aus Sicht meiner Hinterbleibenden sinnvoll ist, künstlich beatmet oder ernährt werden möchte. Da ich, wie ich möglichst deutlich klarlegte, jedoch nicht wochenlang im Koma liegen und nur viertelgesund werden kann oder später nur sehr eingeschränkt leben oder pflegebedürftig sein, erblinden o.ä. möchte, ist es mein ehrlicher Wunsch, einem Menschen meine verwertbaren Körperteile zur Verfügung zu stellen, der damit noch Jahre leben kann. Ob Hirn-oder sonstwas für Tod, das ist mir egal. Der Maßstab ist mein späterer Gesundheitszustand, meine Lebensqualität. Dies ist meine Entscheidung, für die ich mit reichlich 6o alt genug scheine, meine Kinder sind informiert – wer will da diskutieren? Meine Mutter ist 95 und will lieber ein schnelles Ende ohne Schrecken als ein langes Ende mit Schmerzen – wer will da diskutieren? Wir leben momentan in einer Zeit des schön offenen Nachdenkens darüber – laßt doch jedem Menschen seine Meinung! Dies wird unterschiedlich sein, solange der Mensch darüber redet und befindet.

    Gefällt mir

    • "GsJC" sagt:

      „So einfach ist das nicht!“

      Zitat U. Thiem
      Also, ich habe verfügt, daß ich für eine gewisse Zeit, nämlich solange es aus Sicht meiner Hinterbleibenden sinnvoll ist, künstlich beatmet oder ernährt werden möchte.
      Zitat Ende

      Haben Sie auch verfügt, wer von Ihren Angehörigen nach einer „gewissen Zeit“ den Stecker ziehen – bzw. das Beatmungsgerät abschalten darf?

      Und Sie kennen die Zweifel und Bedenken von Angehörigen, wenn es in der Praxis dazu kommen sollte, die Entscheidung zu treffen, um die lebenserhaltenden Maßnahmen zu beenden?

      Was vorher so schön einvernehmlich besprochen wurde – sieht in der Praxis ganz anders aus! Immer auch vorausgesetzt, der Arzt würde den „sinnvollen“ Vorstellungen Ihrer Angehörigen zustimmen, was er mit Sicherheit nicht tun wird!

      Sollten Sie – wie von Ihnen geschrieben – die „sinnvolle“ Entscheidung den Hinterbliebenen (!) überlassen haben, ist das schon Ihr erster Fehler. Geben Sie eine diesbezügliche Entscheidungsvollmacht nur einem (!) Angehörigen, dann über weiterführende bzw. erneute lebenserhaltende Maßnahmen mit dem Arzt (!) zu entscheiden.

      Aber auch für diese Einzelperson wird die Entscheidung nicht einfach sein, da sie sich vor allen anderen noch hoffnungsvollen Angehörigen ggf. immer dafür verantworten und rechtfertigen muss. Es wird auch nicht einfacher, wenn Sie einen medizinisch fachkundigen Angehörigen kennen, dem Sie diese Aufgabe übertragen wollen. Es wird dann eher noch schwieriger, weil der medizinisch fachkundige Angehörige eine längere Zeit der künstlichen Beatmung und Ernährung nicht als Belastung wahrnimmt.

      Zitat
      meine Kinder sind informiert – wer will da diskutieren?
      Zitat Ende

      Ihre Kinder werden diskutieren, da sie sich nicht sicher sein werden und können, ob und welche medizinische Maßnahme nicht nach Wochen der künstlichen Beatmung und Ernährung noch Erfolg verspricht.

      Ihre Kinder werden in ihrer Unsicherheit immer den Arzt fragen und da der Arzt nicht der „liebe Gott“ ist, wird er ihren Kindern nie genau sagen können, welchen Verlauf die Krankheit nimmt.

      Und rechnen Sie immer damit, dass Sie selbst, nachdem die künstliche Beatmung abgestellt wurde – auch mit einem Hirnschaden noch weiterleben können.

      Zitat
      Meine Mutter ist 95 und will lieber ein schnelles Ende ohne Schrecken als ein langes Ende mit Schmerzen – wer will da diskutieren?
      Zitat Ende

      Sie selber werden „diskutieren“, wenn Sie Ihre Mutter röchelnd im Schlafzimmer hören und werden dann den Notarzt anrufen, weil Sie mit einer solchen Sterbesituation nicht umgehen können, zumal Sie die Ursache nicht kennen.

      Oder werden Sie das gewünschte „schnelle Ende ohne Schrecken“ Ihre Mutter in aller Ruhe mit ansehen, wenn sie plötzlich beim sonntäglich familiären Kaffeekranz blau wird und Schaum vor dem Mund hat?
      Sie werden es nicht ertragen und den Notarzt rufen. Und wozu werden Sie den Notarzt rufen? Damit er Ihrer Mutter hilft. Und was wird der Notarzt tun? Er wird Ihre Mutter künstlich beatmen und ggf. versuchen sie wiederzubeleben. Und damit beginnt genau das, was Sie doch nicht wollten und vorher so sicher besprochen hatten!

      mfg

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