Selbsthilfegruppe warnt vor erheblichen Nebenwirkungen der „Pille danach“

Nach der Aufhebung der Rezeptpflicht für die sog. „Pille danach“ schlägt die Selbsthilfegruppe für psychische Erkrankungen im Landkreis Konstanz Alarm:

Wie ihr Leiter, Dennis Riehle, berichtet, haben sich schon mehrere Frauen bei ihm media-389705-4gemeldet, die nach der Einnahme der Tablette über starke depressive Verstimmungen klagten.  

„Diese Folge der ‚Pille danach‘ wird häufig vollkommen unterschätzt“, meint Riehle, der bereits zu Zeiten der Verschreibungspflicht für das Präparat zahlreiche Anfragen besorgter Nutzer der Pille erhielt, die von schweren psychischen Auswirkungen nach der Einnahme erzählten. Inwieweit eine kausale Verbindung zwischen den Symptomen und der Pille in den beobachtete Fällen bestanden, ist letztlich unklar. Allerdings ist bekannt, dass die Pille derartige Nebenwirkungen haben kann.

„Mir persönlich ist es total unverständlich, wie solch ein Medikament nun als apothekenpflichtige Ware frei verkäuflich ist. Die Konsequenzen für das hormonelle Gleichgewicht, das nicht unwesentlichen Einfluss auf die seelische Verfassung der Patienten haben kann, müssen den Anwenderinnen aus meiner Sicht unmissverständlich deutlich gemacht werden – und das am besten von einem Arzt, der sich Zeit für die Beratung nimmt“, so der Gruppenleiter, der zahlreiche Frauen in psychiatrische und ärztliche Betreuung verwies, nachdem die Ausmaße ihrer möglicherweise in unmittelbarem Zusammenhang mit der Einnahme der Pille stehenden, plötzlich auftauchenden Depressionen dramatisch waren. Scannen0001 (22)

„Das sind in der Regel Frauen, die gefestigt waren und solch einen Zustand der tiefsten Verzweiflung kaum kennen“, beschreibt er die Eindrücke aus den Kontakten.

Allerdings beschränkt Riehle diese Nebenwirkung nicht allein auf die biochemischen Prozesse im Körper:

„Den Frauen, die oftmals überhastet und in Not zu diesem nun einfach erhältlichen Medikament greifen, wird erst im Nachhinein bewusst, welche Tatsachen sie mit der Verwendung der Pille geschaffen haben. Das ist nicht nur der Versuch, einen möglichen ‚One-Night-Stand‘ vergessen zu machen, sondern die Verhinderung neuen Lebens, das Unmöglichmachen einer Schwangerschaft. Deshalb dürften nicht wenige Anwenderinnen der Pille in ähnliche seelische Konflikte geraten wie nach einer Abtreibung“, schätzt der Gruppenleiter ein.

Riehle spricht sich aber nicht pauschal gegen die Pille aus, deren Verwendung nach seiner Meinung in einzelnen Ausnahmesituationen durch eine gründliche Abwägung auch moralisch legitim sein kann. In den häufigsten Fällen müssten die Frauen jedoch die Verantwortung nach dem Geschlechtsverkehr tragen. Und immerhin dürfte das meist ja  auch zu einem ganz freudigen Anlass  –  „der Schaffung neuen Lebens“  –  führen, wie Riehle erinnert.  

Deshalb stünden nun die Apotheker in besonderer Pflicht, denn sie müssten dafür sorgen, dass beim Kauf der „Pille danach“ zumindest ein Hinweis an die betroffenen Frauen zu den Nebenwirkungen weitergegeben wird. Ein Ersatz für ein ärztliches Gespräch, das ja auch seelsorgerlichen Charakter haben könne, sei das laut Riehle zwar nicht.

„Im Augenblick müssen wir aber die demokratische Entscheidung der Politik zur Kenntnis nehmen, wenngleich ich sie in keinster Weise befürworten kann“, so der Gruppenleiter nochmals in einer deutlichen Abschlusserklärung.

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