Drei Lebensretter wurden von Israel als „Gerechte unter den Völkern“ gewürdigt

In der Botschaft des Staates Israel in Berlin fand am Freitag, 24. April 2015, eine Feierstunde zu Ehren von Erika Hutsch statt, die von Yad Vashem posthum als „Gerechte unter den Völkern“ anerkannt wurde.

Erika Hutsch hatte im von Deutschland besetzten Lvov als Journalistin gelebt und dort ihre jüdische Freundin Olga Stavskaya und deren siebenjährigen Sohn Michail ab November 1941 in ihrer Wohnung versteckt und versorgt. Dank ihrer mutigen Hilfe konnten die beiden den Holocaust überleben.

Der Kontakt zwischen den Frauen brach mit dem Wegzug der Retterin kurz vor der Befreiung der Stadt Lvov ab. Später sprach Erika Hutsch nie über ihre lebensrettende Hilfe. Yad Vashem erfuhr davon schließlich durch die Zeugenaussage des geretteten Sohnes Michail.

Dank der Recherchen der Gedenkstätte „Stille Helden“ in Berlin konnten Angehörige von Erika Hutsch gefunden werden. Ihnen überreichte der Gesandte der Botschaft des Staates Israel, Avi Nir-Feldklein, nun in der Feierstunde die Yad Vashem-Medaille und Urkunde.

Am Montag, 27. April 2015, wurden in München drei „Gerechte unter den Völkern“ geehrt. Die Feierstunde richtete die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern in Zusammenarbeit mit Yad Vashem und der Botschaft des Staates Israel aus.

Begrüßt wurden die rund 400 Gäste – darunter waren über 100 Schülerinnen und Schüler – von Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Kultusgemeinde. Der Bayerische Kultusminister, Dr. Ludwig Spaenle, und Hildegard Müller, Vorsitzende des dt. Freundeskreises von Yad Vashem, sprachen Grußworte.

Die Rettungsgeschichten:

Sophie Gasteiger
Im Mai 1943 nahm die Bäuerin Sophie Gasteiger die verfolgte Jüdin Valerie Wolffenstein für einige Wochen auf ihrem Hof in Tinnerting bei Traunstein auf. Sie versteckte sie und versorgte sie auch später in anderen Verstecken mit Lebensmitteln und riskierte dabei ihr Leben und das ihrer Familie. Auch dank der Hilfe von Sophie Gasteiger überlebte Valerie Wolffenstein den Holocaust.  1403634115528

Franz Herda und seine Tochter Vera Manthey
Der Maler Franz Herda und seine Tochter Vera Manthey halfen währen des Holocaust zahlreichen verfolgten Juden, in Verstecken in München und Umgebung und in Berlin zu überleben. Unermüdlich setzten sich die beiden für ihre jüdischen Freunde und Bekannten ein, obwohl ihnen bewusst war, dass sie sich selbst dadurch in große Gefahr brachten. Vera Manthey versteckte unter anderem den 1924 geborenen Münchner Richard Marx über viele Monate in ihrer Wohnung. Nach dem Krieg heirateten die Retterin Vera Manthey und der Gerettete Richard Marx. Und auch Franz Herda heiratete die von ihm gerettete Albertine Gimpel nach dem Krieg.

Der Gesandte für Wirtschaft und Handel des Generalkonsulats des Staates Israel, Mordechai Ish-Shalom, überreichte bei der Feierstunde die Yad Vashem-Medaille und die Urkunde an Sophie Bamberger, die Tochter der „Gerechten“ Sophie Gasteiger. Die Yad Vashem-Medaille und Urkunde für Franz Herda und Vera Manthey nahmen Vertreter aus vier Generationen der Familie entgegen, darunter auch der 90jährige Überlebende Richard Marx.

Yad Vashem ist die nationale Holocaust-Gedenkstätte des Staates Israel in Jerusalem. Sie ist Erinnerungsstätte für die Märtyrer und Helden des Holocaust und gleichzeitig Dokumentations-, Forschungs- und Bildungszentrum. Yad Vashem erinnert auch seit über 50 Jahren im Namen des Staates Israel und des jüdischen Volkes an diejenigen Nicht-Juden, die ihr Leben riskierten, um Juden während des Holocaust zu retten. Ihnen wird der Ehrentitel „Gerechte/r unter den Völkern“ zuerkannt und ihre Namen werden auf der Ehrenwand im Garten der Gerechten unter den Völkern in Yad Vashem in Jerusalem verewigt. Außerdem erhalten sie oder ihre Nachkommen eine Ehrenurkunde und eine Medaille. Bis heute haben 25.685 Menschen aus 51 Ländern diesen Ehrentitel erhalten, darunter 569 Deutsche.

Quelle: Botschaft Israels in Berlin



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