München: Büste des katholischen Journalisten und NS-Opfers Fritz Gerlich enthüllt

Rund 200 Interessierte, Forscher und Verehrer des von den Nazis ermordeten Journalisten Fritz Gerlich aus ganz Bayern waren gekommen, als in der Nähe des Münchner Königsplatzes eine bronzene Gerlich-Büste des Regensburger Bildhauers Andreas Prucker enthüllt wurde. 150619_Gerlich Büste 2

Prucker hatte zuvor anlässlich des Katholikentags 2014 die Büste aus Stein gemeißelt.

Ein zweiter Abguss der Büste wird demnächst auch im Regensburger Westen in der Gerlichstraße einen angemessenen Platz finden. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hatte sich dafür eingesetzt und die Kosten persönlich übernommen.

„Es gab in Bayern wohl nur wenige Journalisten, die den Nationalsozialismus mit dem gleichen Scharfsinn und mit der gleichen Konsequenz, mit der gleichen Kompromisslosigkeit und Zivilcourage bekämpft haben wie Fritz Gerlich“, sagte Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) im Hansa-Haus des katholischen KKV, der das Denkmal gestiftet hat.

In seiner Ansprache zitierte Bischof Rudolf Voderholzer den Schriftsteller Erich Kästner, demzufolge sich Diktaturen nur vor ihrer Machtübernahme bekämpfen ließen.

Genau dies habe Gerlich mit seinen frühen Warnungen vor den Nazis seit 1930 versucht, leider erfolglos. 150619_Gerlich Büste 1

Im Licht dieser Überlegungen werde die besondere Bedeutung von Fritz Gerlich deutlich. Mit seiner Wochenzeitung „Der gerade Weg“ habe er versucht, vor dem heraufziehenden Nationalsozialismus zu warnen, ehe er an der Macht war, so Bischof Voderholzer.

Nachdem es jahrzehntelang still um Gerlich gewesen sei, habe nun eine „Welle der Anerkennung und Hochschätzung eine ganze Reihe von Journalisten erfasst“, was ihn, so der Bischof, ungemein freue.

In München, wo seine Büste nun stehe, habe sie einen würdigen Platz gefunden, erklärte der Oberhirte aus Regensburg: „Am Rande seines Nachhauseweges in die Richard-Wagner-Straße, schaut er hinüber zum neuen NS-Doku-Zentrum, in dem er präsent ist als einer derjenigen, die das Unheil vorausgesehen hatten und zu verhindern suchten.“

Beim anschließenden Festakt, an dem rund 150 Gäste teilnahmen referierte der Speyerer Historiker Rudolf Morsey zum Thema „Fritz Gerlich, das Geld und die Wirtschaft – ein neues Kapitel aus der Forschung“.

Gemeinsam mit Bischof Voderholzer gab es noch einen kleinen Spaziergang zum Wohnhaus von Gerlich, das nur wenige hundert Meter von dem neuen Denkmal entfernt liegt. Dort erinnert seit 1983 eine Tafel an den frühen NS-Gegner.

Quelle: Bistum Regensburg

Fotos: KKV Hansa München, Ralf Gerard

 


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