Die neue Enzyklika „Laudato si“ beinhaltet eine „Theologie der Schöpfung“

Mathias von Gersdorff

Die neue Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus ist ein langer und komplexer Text, der einen umfangreichen Sachverhalt behandelt. Es geht nämlich nicht nur um die Umwelt, sondern generell um die Schöpfung, die Absichten Gottes mit dieser  –  und wie der Mensch ihr gegenüber steht. Vat_Flagge
Das behandelte Thema ist nicht nur sehr breit gefächert, das Rundschreiben will auch konkrete Empfehlungen geben und einen dezidiert aktuellen Bezug bieten.

All das in einem einzigen Text unterzubringen, ist alles andere als leicht. So gesehen liegt es nahe, dass „Laudato si“ stellenweise schwer verständlich oder sogar widersprüchlich erscheint.

Hier sollen einige allgemeine Bemerkungen vorgetragen werden:

Der Text enthält viele Gedanken aus natur-, sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Studien. Eine davon ist die Theorie, dass die Erderwärmungen insbesondere von der menschlichen Aktivität (Produktion, Heizung, Klimaanlagen usw.) verursacht werden.

Oft wurde angemerkt, dass derartige Aussagen nicht in die Autorität eines Papstes fallen, denn sie betreffen weder Glaube noch Moral. Diese Bemerkung ist richtig. Radio Vatikan

Doch sollte man bedenken, dass ein päpstliches Dokument auch nicht in einem zeitlichen Vakuum entsteht: Aussagen zu Glaube und Moral werden meistens getroffen, weil es wichtige technologische, politische oder ökonomische Veränderungen gab.

So ist es üblich, dass die Päpste in den jährlichen „Botschaften zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel“ auf die Gefahren für die Sittlichkeit hinweisen, die aufgrund der rasanten technologischen Entwicklung der Medientechnologie (Kabel, Internet, Fernsehen usw.) entstehen.

Ungewöhnlich allerdings ist, dass sich ein Papst dermaßen dezidiert auf die Seite einer bestimmten Gruppe von Wissenschaftlern schlägt, denn es gibt unterschiedliche Auffassungen über die Ursachen der Erwärmung. Möglicherweise wurde das Beraterteam zu einseitig ausgewählt.

„Laudato si“ enthält viele Passagen, die so etwas wie eine „Theologie der Schöpfung“ bilden. Für den theologisch interessierten Leser sind diese die wichtigsten, doch auch diejenigen, die am meisten einer weiteren Erklärung bedürfen.

Was heißt zum Beispiel, dass wir alle eine Art „Familie von Geschöpfen“ sind? Was bedeutet konkret, dDr. Pelz.ass wir in den Geschöpfen ihren eigenen Wert erkennen sollten? Dass der Mensch verantwortungsvoll mit der Schöpfung umgehen soll, ist ja nicht neu. Ebenso wenig die Tatsache, dass er gegenüber der Schöpfung eine bewundernde Haltung einnehmen sollte, denn die Geschöpfe spiegeln Eigenschaften Gottes wider.

Selbst der einfachste Mensch wurde von Gott erschaffen mit einer Intention und spiegelt etwas, was absolut in Gott selbst ist. Doch das sind keine besonders neuen Erkenntnisse. Insofern bedarf „Laudatio si“ einer weiteren Auslegung.

Besonders augenfällig ist, dass diese Enzyklika ein neues Selbstbewusstsein des römischen Pontifex dokumentiert: „Laudato si“ spricht mit Autorität ein Thema an, das weltweit von Bedeutung ist. Der Gestus des Textes klingt autoritär und ermahnt die gesamte Menschheit, vor allem Politiker, internationale Organisationen, internationale Konzerne an.

Um ein Dokument mit einem solch rigiden Ton zu finden, der auch politische Beachtung anstrebt, muss man weit in der Geschichte zurückblicken: Während des Dreißigjährigen Krieges wandte sich der Papst an die Könige in dieser Form, denn er hatte die Möglichkeit gesehen, die Christenheit wieder zu einigen. Doch das war eher ein Intermezzo.

Einen dermaßen universellen politischen Anspruch findet man systematisch bei den Päpsten der cluniazensischen Reformbewegung ab Gregor VII. bis etwa Innozenz III. Wie kein anderer dominierte letzterer die Weltpolitik. Ob Franziskus einen solchen Rang erhält, bleibt abzuwarten.

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ und die Webseite „Kultur und Medien online“

Fotos: Radio Vatikan,  Archiv


6 Kommentare on “Die neue Enzyklika „Laudato si“ beinhaltet eine „Theologie der Schöpfung“”

  1. Armin sagt:

    Weicht der Papst nur deshalb ins weltliche aus, weil ihm das geistige egal ist? Es gibt vor allen glaubensmäßig viel, viel dringenderes, um das sich der Papst sofort und unverzüglich kümmern sollte, siehe die innerkirchliche Werbung für den Ehebruch, aktive Homosexualität und andere Irrlehren (Medjugorje); dies sind Themen, die zu allererst geklärt werden müssen. Denn die Kirche soll die unsterblichen Seelen zu Gott dem Herrn führen, aber wie es scheint, ist es eine größere Sünde, die Umwelt zu verschmutzen, als Werbung für (himmelschreiende) Sünden zu machen.

    Gottes und Mariens Segen auf allen Wegen

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    • Anonym sagt:

      Die Kirche braucht keine Lehre, sondern Bibelverständnis und aktive Jüngerschaft! Und zwar Menschen, die am Wort Gottes drann sind und das auch praktizieren.

      „So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. (Paulus in 1 Kolosser, 3)“.

      Nur so werden Menschen für das Reich Gottes gewonnen, wenn Menschen die Herrlichkeit Gottes in diese Welt spiegeln.

      Mit frommer Lehre wird sich das kaum erreichen lassen.

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    • Osterglocke sagt:

      Ihr seid aber fleißig, wenn Ihr alle die 108 Seiten gelesen habt 👀

      Gestern hab ich angefangen und bin gerade auf Seite 5.

      Was ich bisher gelesen habe, war nicht schlecht.

      Da ja quasi das ganze Leben ein Gottesdienst sein sollte 😇
      darf doch ein Papst auch über das Leben schreiben.

      Bis ich die 108 Seiten gelesen und verstanden habe, ist das Thema wohl nicht mehr aktuell.

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  2. Stefan1 sagt:

    Zum Kommentar von @Reichert würde ich anfügen, dass er bedenken soll, dass auch die Gegner der Klimaerwärmung als einer der Folge des menschlichen Tuns Daten nachweislich gefälscht haben. Auf Gutachten von schadensverursachenden Industriezweigen, die für ein günstiges Resultat sehr viel Geld bezahlt haben, haben die wenigsten Menschen vertrauen und wahrscheinlich nicht mal die Auftraggeber selbst, wenn sie ihr Gewissen erkennen.

    Der Kommentar von Mathias von Gersdorff ist einigermassen fair. Sehr aufschlussreich und interessant ist der Artikel unter folgendem Link zu diesem Thema:

    http://de.radiovaticana.va/news/2015/06/18/schellnhuber_enzyklika_auf_der_h%C3%B6he_der_zeit/1152366

    Der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber (bekennender Agnostiker) sagt im Radio Vatikan, dass dieses Dokument „State of the Art“ der Wissenschaft ist und in der Sache Klimaerwärmung eine überwältigende Einigkeit in der Wissenschaft besteht. Nur wenige Wissenschaftler (im Vergleich) reden wider besseres Wissens dagegen.

    Das Dokument von Papst Franziskus finde ich ausgezeichnet und tiefsinnig. Die Folgerung, dass die Zerstörung unser lebensstützenden Systeme, der Natur und eine himmelschreiende Ungerechtigkeit und Ungleichheit zwischen den Menschen ist, auch als Sünde gegen die Schöpfung (Patriarch Bartholomäus, Ziff. 8) der Verantwortlichen zählt, ist eine mutige und eindrückliche Warnung:

    Zitat
    »Dass Menschen die biologische Vielfalt in der göttlichen Schöpfung zerstören; dass Menschen die Unversehrtheit der Erde zerstören, indem sie Klimawandel verursachen, indem sie die Erde von ihren natürlichen Wäldern entblößen oder ihre Feuchtgebiete zerstören; dass Menschen anderen Menschen Schaden zufügen und sie krank machen, indem sie die Gewässer der Erde, ihren Boden und ihre Luft mit giftigen Substanzen verschmutzen – all das sind Sünden.«15 Denn »ein Verbrechen gegen die Natur zu begehen, ist eine Sünde gegen uns selbst und eine Sünde gegen Gott.«
    Zitat Ende

    Der arme Teile der Weltbevölkerung wird vom Fortschritt ausgeklammert und leidet gleichzeitig am stärksten unter den Folgen des Klimawandels.

    Die Enzyklika “Laudato si” findet sich hier:

    http://w2.vatican.va/content/francesco/de/encyclicals/documents/papa-francesco_20150524_enciclica-laudato-si.html

    Das Gebet am Ende der Enzyklika ist ergreifend und gleichsam poetisch (Zitat):

    Zitat (auszugsweise)
    Gebet für unsere Erde

    Allmächtiger Gott,
    der du in der Weite des Alls gegenwärtig bist
    und im kleinsten deiner Geschöpfe,
    der du alles, was existiert,
    mit deiner Zärtlichkeit umschließt,
    gieße uns die Kraft deiner Liebe ein,
    damit wir das Leben und die Schönheit hüten.
    Überflute uns mit Frieden,
    damit wir als Brüder und Schwestern leben
    und niemandem schaden.
    Gott der Armen,
    hilf uns,
    die Verlassenen und Vergessenen dieser Erde,
    die so wertvoll sind in deinen Augen,
    zu retten.
    Heile unser Leben,
    damit wir Beschützer der Welt sind
    und nicht Räuber,
    damit wir Schönheit säen
    und nicht Verseuchung und Zerstörung.
    Rühre die Herzen derer an,
    die nur Gewinn suchen
    auf Kosten der Armen und der Erde.
    Lehre uns,
    den Wert von allen Dingen zu entdecken
    und voll Bewunderung zu betrachten;
    zu erkennen, dass wir zutiefst verbunden sind
    mit allen Geschöpfen
    auf unserem Weg zu deinem unendlichen Licht.
    Danke, dass du alle Tage bei uns bist.
    Ermutige uns bitte in unserem Kampf
    für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.
    (…)
    Zitat Ende

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  3. Reichert sagt:

    Daß der Papst mit Prof. Schellhuber den Leiter eines Institutes, daß die menschengemachte Klimaveränderung vertritt, auch noch in ein vatikanisches wissenschaftliches Gremium beruft, während die Gegenseite meines Wissens nicht einmal angehört wurde, spricht für eine sehr bedenkliche e i n s e i t i g e Parteinahme.
    Daß die Klimaforscher erst vor einem guten Jahr einräumen mußten, daß man Daten gefälscht hatte und die ganzen „Voraussagen“ auf Annahmen beruhen, die nach w i r k l i c h wissenschaftlichen Kriterien nicht hieb- und stichfest sind, fällt bewußt? unter den Tisch.
    Mir mißfällt auch, daß Franziskus, wie leider auch sein Vorgänger Benedikt XVI, einer Weltregierung das Wort redet. Das zeugt auch wieder einmal davon, daß er offensichtlich nicht die unheilvolle Rolle der UNO und in ihrem Gefolge der EU zur Kenntnis nimmt, die a l l e seitherigen Werte eines w i r k l i c h zukunftsförderden Zusammenlebens a l l e r Menschen durch gegen Gottes Gebote gerichtete Gesetze eliminieren wollen. Gender-Mainstreaming sei in diesem Zusammenhang nur als ein Beispiel erwähnt, wie weit die Dekadenz und die Pervesionen bereits fortgeschritten sind.
    Wenn Gott und seine Botschaft in der Gesellschaft keine Rolle mehr spielen, weil fast alle Bischöfe zu Mietlingen geworden sind (siehe aktuell „Familien“-Bischof H. Koch), dann besorgt man das Geschäft des Durcheinanderbringers, der a u c h h e u t e noch, mit viel subtileren Methoden als früher, nur das eine Ziel kennt: Möglichst viele Menschen in die Hölle zu führen.

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