Staatssekretär Norbert Barthle (CDU): Weder „Ehe für alle“ noch „Adoption für alle“

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Norbert Barthle (siehe Foto) aus dem Wahlkreis Backnang/Schwäbisch Gmünd ist Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium. Auf Zuschriften zum Thema „Homo-Ehe“ hat der süddeutsche CDU-Politiker folgendermaßen geantwortet:

Norbert Barthle (MdB)

Sie alle haben mich angeschrieben: die einen, um mich zu bewegen, „endlich die gesellschaftlichen Realitäten anzuerkennen und den Weg für die Ehe von Homosexuellen frei zu machen“ – die anderen, um mich zu bitten, mich gegen die vollständige Gleichstellung der Lebenspartnerschaften von homosexuellen Paaren mit einer Ehe auszusprechen.

Ich möchte Ihnen im Folgenden kurz darlegen, wie ich zu dieser Frage stehe.

Um das Wichtigste gleich zu Beginn zu sagen: Für mich ist und bleibt die Ehe die Verbindung von Mann und Frau.

Wer als gleichgeschlechtliches Paar in Deutschland zusammenleben will, hat bereits heute mit der „eingetragenen Lebenspartnerschaft“ die Möglichkeit, sich auf Dauer auch rechtlich zueinander zu bekennen. Wo es noch rechtliche Unterschiede zur Ehe gibt, sollen diese jetzt beseitigt werden; das Kabinett hat erst kürzlich dazu einen Gesetzentwurf vorgelegt.

Dazu stehe ich auch! Wenn wir, z. B. im Steuer-, Sozial-, oder Erbrecht Lebenspartnern die gleichen PflichtenDSC05481 - Kopie auferlegen wie Eheleuten, müssen ihnen auch die gleichen Rechte zustehen. Wir wollen Homosexuelle nicht diskriminieren.

Dazu bedarf es aber nicht der völligen rechtlichen Gleichstellung mit der Ehe. Der Gleichheitsgrundsatz unseres Grundgesetzes verlangt, dass nur Gleiches gleich behandelt werden muss; das ist jedoch hier nicht der Fall.

Die Ehe zwischen Mann und Frau und die Familie stehen nicht ohne Grund unter dem besonderen Schutz des Grundgesetzes. Sie stellen die Keimzelle jedes Staatswesens dar, ohne die eine Gesellschaft keine Zukunft hat.

Damit ignoriere ich nicht die gesellschaftliche Realität; ich weiß, dass es viele Alleinerziehende gibt und Menschen, die ohne Trauschein zusammenleben und dennoch erfolgreich und liebevoll die gemeinsamen Kinder großziehen. Die Politik hat in den letzten Jahren vieles unternommen, um diese Menschen bei ihrer Aufgabe zu unterstützen; auch hier gilt: Wir diskriminieren nicht.

Aber es muss dem Staat erlaubt sein und bleiben, die Ehe als die schon erwähnte „Keimzelle“ besonders zu fördern und zu schützen. Nur aus der Verbindung von Mann und Frau kann neues Lebens entstehen, können Kinder geboren werden. Der Staat darf ein Interesse daran haben, die auf Dauer angelegte Verbindung von Mann und Frau, die Ehe, anders zu behandeln als jede andere Verbindung zwischen sich liebenden Menschen. Man könnte es „positive Diskriminierung“ nennen – und dazu bekenne ich mich ausdrücklich.Couple photo - ADJ

Einige Befürworter der „Ehe für Alle“ fragen provokant, was sich für Heterosexuelle ändern würde, wenn auch Homosexuelle heiraten dürfen, und geben gleich die Antwort: Nichts. Hier könnte man allerdings zurückfragen, was sich für Homosexuelle ändert, wenn man ihre Verbindung statt Lebenspartnerschaft nun Ehe nennt? Die Antwort ist ebenso einfach: nur ein Wort.

Es ist meine Überzeugung, dass ein anderer Gedanke – bislang noch eher selten ausgesprochen – dahintersteckt: Das volle Adoptionsrecht gleichge-schlechtlicher Lebenspartnerschaften. Ist erst die „Ehe für Alle“ Realität, ist die „Adoption für Alle“ der nächste logische Schritt. Damit würde für mich aber eine „rote Linie“ überschritten, die ich nicht mitgehen könnte!

Ich will nicht in Frage stellen, dass Kinder, z.B. aus früheren Beziehungen, auch in einer homosexuellen Beziehung liebevoll und gut behütet aufwachsen, aber bei diesem Thema muss das Kindeswohl der einzig entscheidende Maßstab sein. Und es steht für mich außer Frage, dass ein Kind beim Heranwachsen, wenn es, wie bei der Adoption dazu die Möglichkeit gibt, eine männliche und eine weibliche Bezugsperson im engsten Familienkreis erleben sollte.

Meine reiflich überlegte Haltung lautet also: Keine „Ehe für Alle“ und keine „Adoption für Alle“.

Quelle: http://www.gemeindenetzwerk.de/?p=12364

 


12 Kommentare on “Staatssekretär Norbert Barthle (CDU): Weder „Ehe für alle“ noch „Adoption für alle“”

  1. zeitschnur sagt:

    Es stünde eine eingehende Besinnung auf das an, was eine katholische Ehe ist.
    Ansätze wie die von Kardinal Müller, man müsse mit den anderen Religionen gemeinsam das „Naturrecht“ neu proklamieren, halte ich für Unsinn – welche Religion hat denn denselben Ehebegriff wie die katholische?

    Damit fängt es schon an – es ist durchaus nicht klar, was Ehe als Naturrechtsbegriff meint außer einer rechtlichen Verbindung zwischen Mann und Frau zum Zweck der Kindererzeugung.
    Damit ist es auch schon zu Ende, das gemeinsame „Naturrecht“.
    Das spezifisch christliche Verständnis ist damit nur am Rande „gestreift“:
    Es ist nämlich überall auf der Welt so ausgeformt, dass einer Verstoßung v.a. der unfruchtbaren, aber auch sonst der unliebsamen Frau nichts im Wege steht, bzw. der Hinzunahme weiterer Nebenfrauen.
    Um von Scheidung und Wiederheirat gar nicht zu reden – das ist überall, nur nicht im katholischen Glauben, erlaubt!

    Dass fast alle anderen Religionen (bis auf Islam und Judentum) ein bereits tradiertes Genderwesen haben, habe ich mit eigenen Augen gesehen – ich bin durch meine Geschwister nämlich mit Asien verschwägert, und weiß, dass in ganz Südasien und Südostasien ein drittes Geschlecht nicht nur angenommen, sondern sogar institutionalisiert und mystisch überhöht ist. Die Entmannung und transsexuelle Veränderung als Eintritt in einen Orden des dritten Geschlechtes ist fester Bestandteil der Hindukutur z.B. Allerdings ist die asiatische Genderei immer eine Wandlung vom Mann zur Frau, nicht umgekehrt.

    Genauso gibt es in Afrika im Zusammenhang mit der Polygamie jedoch die Möglichkeit, dass sich verheiratete Frauen noch einmal gegenseitig heiraten.

    Im „Naturrecht“ herrscht also schon lange oder von Anfang an Genderchaos, wenn auch in einem anderen Gewand, nicht so „demokratisiert“, aber es ist doch nichts anderes.

    Wer genauer hinsieht, entdeckt das Unwesen auch in unserer Kultur – Kastraten, um eine „übergeschlechtliche Stimme“ (eine „himmlische“ Stimme) zu erzeugen, und dies auch gut und gerne von Fürstbischöfen und direkt im Vatikan für die dortigen Chöre gefördert, in denen man keine Frauen ertrug, aber unbedingt deren Stimmen dabeihaben wollte – dann eben von als Kind verschnittenen Männern. All das ist auch eine Spielart des Gendertums. Oder andersherum: der Stadtgründer Karlsruhes hielt sich einen ganzen Harem von Sängerinnen und Schauspielerinnen (die „Tulpenmädchen“ – das Thema christliche Ehe an unseren Höfen sollte man erst gar nicht anrühren, wenn man nicht an unserer ach so christlichen Geschichte irrewerden will) und fand es besonders schick, wenn dieselben sich als Husaren kleideten und mit ihm als gendermaskulines Gefolge ausritten. Die Karlsruher, so heißt es, seien damit lange sehr tolerant umgegangen, selbst die Kirchenmänner – bis irgendwann einem der Kragen platzte und er öffentlich anprangerte, dass das evangelsiche Kirchenoberhaupt – der Markgraf – nicht im permanten Ehebruch und in Hurerei leben könne. Bis dahin hatte der Fürst schon zig Kinder gezeugt, die er alle als seine natürlichen Kinder anerkannte.
    Tja.

    Wenn man erst mal nachgräbt und sich nicht blenden lässt von der bloßen Behauptung, das „naturrecht“ sei doch „schon immer“ so und so gewesen etc. pp., dann entdeckt man, dass durch die erweiterten technischen Möglichkeiten die Transsexualität einfach nur extremer umgesetzt werden kann als früher – und das bricht sich dann auch Bahn.

    Ja – was ist eine katholische Ehe?
    Da wäre viel zu präzisieren, neu zu reflektieren.
    Ich befürchte aber, das wird unterbleiben. Auch die Katholiken wollen es gar nicht zu genau wissen… es könnten die Vorurteile auf der anderen Seite ins Wanken kommen.

    Und das gemeine Volk versteht unter „Ehe“ wie im Kreuzworträtsel einfach nur den unspezifischen „Liebesbund“.
    Na denn.

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    • Guten Tag,
      vielen Dank für Ihre Hinweise. Kardinal Müller ging es wohl vor allem deshalb um den Rückgriff auf das Naturrecht, weil damit klargestellt werden soll, daß es auch in anderen Kulturen und Religionen keine homosexuelle Eheschließung gab und gibt – und insofern die Zweigeschlechtlichkeit als in der Schöpfungsordnung verankert angesehen wird (ich halte den Ausdruck Schöpfungsordnung – zumal im religiösen „Dialog“ – für geeigneter als „Naturrecht“; im philosophischen Spektrum mag dies anders sein).
      Was die Kastration betrifft, so hat die Kirche diese in ihrer Lehre auch früher nicht erlaubt. Schon auf dem Konzil von Nizäa 325 n. Chr. wurden Männer, die sich kastriert hatten, nicht zum Priestertum zugelassen. Sowohl das vor- wie das nachkonziliare Kirchenrecht verurteilen die Kastration als Verstümmelung und belegen sie mit Kirchenstrafen. Wenn die Praxis anders als Kirchenrecht und Kirchenlehre verläuft, ist das äußerst traurig und durch nichts zu entschuldigen (schon gar nicht durch den Wunsch nach hellen Knabenstimmen) – dennoch sollte klar sein, daß hier gegen die Lehre gehandelt wurde.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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      • zeitschnur sagt:

        Danke für die Antwort – o ich stimme Ihnen sehr zu!
        Das war mein Schlusspassus: Die Lehre ließe vieles überhaupt nicht zu, was aber ausführlich und lange lange einfach dennoch nicht befolgt wurde – so ganz unterschwellig, untertourig. Da hätte vieles nicht sein dürfen…

        Es wäre wichtig, sich tief hineinzugraben in die Lehre, die ja nicht identisch ist mit theologischen Meinungen oder Gewohnheiten, die vielleicht noch aus der heidnischen Denkweise stammen, auch nicht derer der Väter…
        Aber wie gesagt: der Zeitgeist, auch der fromme Zeitgeist (nicht nur der rein säkulare) ist den meisten wichtiger, als es genauer wissen zu wollen.

        De Kastration wurde verabscheut nach der Lehre – aber dennoch lebte zäh dieser Wahn von der „himmlischen Stimme“ weiter. Erst Pius X. hat dann keine Kastraten mehr in den Kirchenchören erlaubt (In „Tra le sollicitudine“, wobei er sich mit diesem administrativren Schreiben in anderer Hinsicht nicht durchsetzen konnte und vielleicht auch etwas übers Ziel hinausgeschossen war, nicht aber bei Thema Kastraten.). Das ist aber gerade mal gute 100 Jahre her!

        Mir hat allerdings auch mal ein Priester entgegengehalten, Jesus habe doch erwähnt, ohne es zu werten, dass Leute von Menschen oder von sich selbst „verschnitten“ worden seien. Das hatte ich allerdings spontan eher „im übertragenen Sinn“ gedeutet… Der Priester jedoch meinte, das könnte von Jesus auch wörtlich gemeint gewesen sein.

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      • Hallo Frau Küble,

        Bezüglich Ihrer Anmerkung, daß es auch in anderen Kulturen und Religionen keine homosexuelle Eheschließung gegeben habe oder gäbe – hatte „zeitschnur“ nicht etwas anderes geschrieben?

        Noch etwas zu der sexuellen Verstümmelung von Kindern aus religiösen Gründen.
        Auch wenn heute im Umfeld des Christentums das direkte verletzende Angreifen des kindlichen Genitals glücklicherweise nicht mehr erlaubt ist (in benachbarten Kulturen ergreifen Erwachsene das Genital eines männlichen Kindes mit ihrer Hand und schneiden mit einem scharfen Messer Teile davon weg, in einigen Fällen nehmen sie sodann den blutenden Penis in ihren Mund und saugen daran), so setzt sich m. E. diese Verstümmelung strukturell und innerlich fort, indem kirchlicherseits junge Menschen ohne Ansehen der Person dergestalt indoktriniert werden, als dürften sie nie sexuelle Selbstbefriedigung haben. Dies hatte bereits bei vielen Menschen schwerste Folgen mit unberechenbaren Ängsten bis hin zum Psychiatrischen, Entwicklungsstörungen (siehe etwa Eugen Drewermann „Kleriker – Psychogramm eines Ideals“), Selbstbeschädigung, Verdrängung und unreflektierte Weitergabe der qualvollen Zustände an die nächste Generation etc.
        Übrigens fällt mir gerade ein, daß man etwa um 1850 – 1900 (oder noch danach?) herum grausame Apparaturen baute, die man an den Penis von Kinder schnallte, damit sie nicht durch Erektionen, Handlungen und Gefühle „sündig“ oder „schmutzig“ werden könnten.

        Wie verstörend sich all solche Verhaltensweisen auf junge Menschen auswirken können, welche Folgen an Gewalt aller Art dadurch generiert werden – wer weiß es genau?
        Es ist nur der Versuch einer Deutung, eine vorsichtige These, aber könnte man einen der anhaltendsten und grausamsten Konflikte – jenen im Heiligen Land -, nicht auch einmal von dieser Seite her teilweise erklären: Auf beiden Seiten werden Kinder genital verstümmelt.

        Viele Grüße
        Peter Friedrich

        @ Norbert Barthle: „…Hier könnte man allerdings zurückfragen, was sich für Homosexuelle ändert, wenn man ihre Verbindung statt Lebenspartnerschaft nun Ehe nennt? Die Antwort ist ebenso einfach: nur ein Wort. …“ –
        Vor einigen Tagen schrieb hier im Forum ein Teilnehmer mit dem Namen „Chris“, wenn ich mich recht erinnere, und er verwies darauf, daß die Eintragung „Lebenspartnerschaft“ im Personalausweis (oder Reisepass?) in verschiedenen homophoben Ländern für die Betroffenen sehr gefährlich werden könnte. Wenn dem so wäre, müßte Norbert Barthle seine Behauptung relativieren.

        Gruß

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      • Guten Tag,
        Leserin „Zeitschnur“ hat keineswegs behauptet, es habe in anderen Religionen oder antiken Kulturen eine homosexuelle Eheschließung gegeben – bei aller sonstigen Verwirrung, die im alten und neuen Heidentum etc. festzustellen war. Es kann kein Staat, nicht einmal ein Stammesvolk genannt werden, das als solches eine homosexuelle Heirat bzw. Hochzeit kennt.
        Sie neigen in Ihren Wortmeldungen mitunter dazu, verschiedene Sachverhalte in einem Topf zu vermengen, so etwa die Beschneidung einerseits mit Ansichten und Praktiken zur Verhütung der Selbstbefriedigung andererseits. Jene „Apparaturen“ wurden nicht von der Kirche eingeführt, auch nicht von ihr verlangt, sondern sind aus einer überzogenen Angst in bürgerlichen Schichten entstanden. Wenngleich Panik und skurrile Methoden nicht gutgeheißen werden können, ändert dies grundsätzlich nichts daran, daß die Selbstbefriedigung nicht dem Willen Gottes entspricht, der die Sexualität für die Ehe (Festigung der Bindung und der Treue) und für die eheliche Fruchtbarkeit erschuf. „Lustbefriedigung“ ist dabei nicht nur erlaubt, sondern wünschenswert, aber sie ist nicht der Hauptzweck, sondern eine positive Begleiterscheinung von „Liebe und Leben“, Ehe und Familiengründung etc.
        Sodann kommen Sie wirklich auf merkwürdige, mir pseudo-psychologisch erscheinende „Zusammenhänge“, wenn Sie wohl meinen, der Nahostkonflikt habe etwas mit der Beschneidung männlicher Neugeborener zu tun. Sie vergessen dabei eines: Bei den ebenfalls beschnittenen Juden gibt es keine Selbstmordattentäter, von Ausnahmen abgesehen keine Terroristen, insgesamt betrachtet keine religiös motivierte Gewalt. Das Judentum ist keine aggressive Religion, der Islam sehr wohl.
        Zur Homo-Ehe: Wo steht denn im Personalausweis der Familienstand? Ist mir ganz neu. Zudem wäre es für zwei homosexuelle Partner in „homophoben“ (also meist in radikal-islamischen Staaten wie zB. dem Iran!) ohnehin gefährlich, sich aufzuhalten, ob mit oder ohne Einträge in Reisepaß bzw. Ausweis.
        Abschließend sei zur Kastration noch Folgendes klargestellt:
        Nicht im Christentum oder Judentum, sondern in heidnischen Religionen wurde die Kastration mythisch überhöht und glorifiziert, weil man nämlich davon ausging, daß das weibliche Menstruationsblut eine generative Wirkung besitze, man dieses also direkt mit der weiblichen Fruchtbarkeit in Verbindung brachte. Damit nun gleichsam der Mann auch eine „lebensschöpfende“ Kraft erhalte, schien es sinnvoll, daß im Mythos aus dem Kastrationsblut neues Leben hervorgeht, so daß auf diesem Wege auch Götter und mythische Gestalten „fruchtbar“ werden konnten, wenn sie sich selber verstümmelten. Es sei dahingestellt, ob mit jenen Sagen ein angeblicher Übergang vom Göttinen-Kult zur Macht der Götter stattfand (vom religiösen Matriarchat zum Patriarchat). Der archaische Phalluskult könnte mit jenen Mythen zusammenhängen.
        Das Christentum kennt hingegen solche Sagengeschichten um Selbstkastration nicht. Es ist im Vergleich zu allen anderen Religionen ausgesprochen frauenfreundlich. Zwar ist der Sohn Gottes als Mann auf die Welt gekommen, freilich „ohne den Willen des Mannes“, aber nicht ohne das Ja (und nicht ohne den Leib) der Madonna. Natürlich hätte Gott-Vater auch anders handeln können (Christus als fertiges Baby in die Welt setzen), doch unser Erlöser hat durch den Heiligen Geist „Fleisch angenommen“ aus der Jungfrau Maria. So ist die Gottesmutter das höchste und edelste Geschöpf des Ewigen auf dem weiten Erdenrund.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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      • zeitschnur sagt:

        @ Peter Friedrich

        ich verwies darauf, dass in Afrika z.T. im Rahmen komplexer polygamer Beziehungsgefüge auch Frauen einander heiraten können.

        Von einer grundständigen und „monogamen“ Ehe zwischen Homosexuellen hatte ich also nicht gesprochen, wenngleich die Zustände in anderen Kulturen Homosexualität mit einbeziehen in ihre Institutionen.

        Bitte lesen Sie hier genauer nach – das ist ganz informativ und gibt weiterführende Links: https://de.wikipedia.org/wiki/Traditionelle_Eheformen_in_Ghana#Frauenheiraten

        Ansonsten meinte ich, dass Homosexualität und Transsexualität in vielen Kulturen institutionalisiert sind. Das will ich auch gerne präzisieren: IN Indien der Orden der Hijras, der zuweilen auch eine totale Geschlechtsumwandlung vollzieht nach einem längeren Noviziat oder sie wird bereits in der Kindheit vorgenommen: https://de.wikipedia.org/wiki/Hijra

        Ein ähnliches Phänomen kenne ich aus Thailand. Dort werden teilsweise jüngste Söhne systematisch als Frauen aufgebaut oder ausdrücklich homosexuell erzogen. Man nimmt dort an, dass es ein „drittes Geschlecht“ gebe, die „Kathoey“ – s. hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Kathoey – besonders der Abschnitt https://de.wikipedia.org/wiki/Kathoey#Gesellschaftliche_Rolle_und_Akzeptanz

        Die Beschneidung eines Jungen im Islam und im Judentum dagegen bleibt für ihn ohne Folgen – es fehlt ihm einfach ein ganz kleines Stückchen der Vorhaut. Sonst nichts! Keep cool!

        Wesentlich gravierender ist die Verstümmelung der Frau in Afrika, denn dort ist es eine echte folgenschwere Verstümmelung, die mit lebenslangen Infektionen, Schmerzen, der Verstärkung der Geburtsrisiken und der sexuellen Empfindungslosigkeit einhergeht. Dass in Afrika ALLE Religionen diese Genitalverstümmelung der Frau betreiben, leider auch die alten Kirchen, ist ein Verstoß gegen Gottes Schöpfungsordnung, denn niemals hat Gott so etwas Perverses angeordnet.
        Von Ägyptern habe ich schon gehört, dass man diese grausame Verstümmelung deswegen durchführt, weil der mythische Glaube Afrikas davon ausgeht, die sexuelle Kraft und Sensibilität der Frau sei zehnmal so stark wie des Mannes und müsse daher „zurechtgestutzt“ werden – ja: das geschieht alles im Rahmen des „Naturrechtes“, das die Frau mehr oder weniger diskriminiert…

        Der Mann hat wirklich keinen Grund, sich hier leid zu tun, auch nicht in unseren Breiten, denn ihm ist nie etwas passiert und er hat sich selbst abgesegnet, was ihm so passte.

        Herr Drewermann züchtet das Jammerlappentum. Mag sein, dass es dem Mann nicht gefällt, wenn er eingeschränkt wird und nicht gerade tun kann, was ihm passt, vor allem im Bereich der Sexualität (dass die Frau das nicht durfte setzte man stillschweigend sowieso voraus).

        Es schaudert mich als Frau vor diesem Mann, der einfach nur eines will: seinen Willen durchdrücken und dabei möglichst viele als Unterpfand mitreißen, die er dem Heiligen Gott unter die Nase reiben will.

        Das Mannsein beginnt erst dann, wenn ein Mann bereit ist zu sagen: Nicht mein, sondern dein Wille gilt, o Gott!
        Aber dieses Gegreine vom armen Würstchen, das nicht sexen darf und daran zerbricht, steht letztendlich hinter der Gewaltsamkeit, die er sich der Frau gegenüber immer erlaubt hat – alles musste ihm zu willen sein, sonst verkraftete er das Leben nicht.
        Vielleicht suchen Sie auch einmal da den Grund für diverse Gewalteskalationen…

        Dass Jesus als Mann ins Fleisch kommen musste, kann man da auch andersherum sehen – er jedenfalls hat etwas anderes vorgelebt, auch den Verzicht, nicht bloß auf das bisschen Sex, sondern auf seine Gottheit – er entäußerte sich dessen insofern, als er Fleisch wurde und litt.

        ER ist das Vorbild des echten und wahren Mannes. Drewermann aber widersteht IHM ins Gesicht, und das ist antichristlich.

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      • Guten Tag,
        zum Naturrecht sei erwähnt, daß man darunter weder in der katholischen Kirche noch in der klassischen Philosophie diverse altertümliche Bräuche oder absonderliche Rituale aus dem Heidentum versteht, sondern jene Grundlagen der Sittlichkeit, die der Mensch aufgrund seines Gewissens „natürlich“ erkennen kann (also auch ohne ausdrückliche Belehrung über die Zehn Gebote etc). Paulus schreibt, auch den Heiden sei das Grundgesetz Gottes „ins Herz geschrieben“, weshalb sie sich nicht ohne weiteres von jeder moralischen Verantwortung freisprechen können.
        Wie bereits erwähnt, halte ich in manchen Themenfeldern den Ausdruck „Schöpfungsordnung“ für geeigneter; er zeigt nämlich gerade auch beim Thema Klitorisverstümmelung, daß derartige archaische Praktiken der Schöpfungsordnung doch gerade ins Handwerk pfuschen wollen, daher gegen das wohlverstandene Naturrecht bzw. gegen das natürliche Sittengesetz gerichtet sind.
        Sicherlich ist der „gefallene Mensch“ (die menschliche Natur nach dem Sündenfall) nicht etwa insgesamt in Ordnung, daher ist sie ja erlösungsbedürftig. Aber gewisse Grundprinzipien der Sittlichkeit kann auch der nichtchristliche (und nichtjüdische) Mensch erkennen: wohlgemerkt: er „kann“ erkennen – das heißt nicht, daß er es in jedem Fall auch tut.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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      • Hallo Frau Küble,

        Für heute erstmal dieses: Bin bei meinen Recherchen auf dem Weg zu einem für mich zufriedenstellenden Aufgeklärtsein angesichts dieses ganzen Themenkomplex auf einen Artikel gestossen, der anscheinend auf eine ungewöhnliche Detailkenntnis hindeutet. Vielfach scheint man mir doch sehr aneinandervorbeizureden, der Leserbrief von Kim Schicklang in der Stuttgarter Zeitung vom 21.06.2015 unter dem Titel „Proteste begleiten „Demo für alle““ differenziert in einer für mich dankbaren Weise. Möglicherweise müßte man sich noch viel öfter zusammensetzen, um sich gegenseitig besser verstehen zu lernen. Jedenfalls erscheint es mir alles andere als förderlich der Menschenwürde, auf Menschen, die sich nicht einem bipolaren Geschlechterschema zuordnen lassen, den Begriff „gaga“ zu verwenden. Auch müßte man doch erstmal der Tatsache nachgehen, daß es offensichtlich Menschen gibt, die noch nichteinmal selber wissen, daß sie mitnichten ihrem scheinbar klar zuordnungsbaren Geschlecht entsprechen. So las ich vor einiger Zeit einen Zeitungsartikel über einen 70jährigen Familienvater mit mehreren Kindern und Enkelkindern, bei dem anläßlich eines operativen Eingriffs ziemlich ausgeprägte weibliche Unterleibsorgane gefunden wurden.
        Hier jetzt der Leserbrief:

        „Fehler im Artikel: Und schon wieder zeigt sich, wie wichtig Aufklärung ist. Denn der Absatz… „Im Bildungsplan 2016 soll die Akzeptanz auch sexueller Vielfalt festgeschrieben werden; im Aktionsplan sind etliche Schritte aufgeführt, um die Gleichstellung von homo-, bi-, inter- und transsexuellen Menschen mit Heterosexuellen zu erreichen.“ … ist falsch. Inter- wie Transsexualität haben mit der sexuellen Orientierung eines Menschen nichts zu tun, sondern betreffen andere Bereiche geschlechtlicher Vielfalt. Bei Intersexualität geht es um Körpermerkmale, die sich uneindeutig entwickelt haben (jeder Mensch ist als Embyro zuerst zwittrig. Die geschlechtlichen Merkmale entwickeln sich erst in der Schwangerschaft aus.) oder aber um Varationen der Chromosomen (z.B. xx-xy-Mosaike, etc.). Bei Transsexualität handelt es sich um eine Abweichung körperlicher Merkmale vom eigenen Geschlecht (wenn Frauen einen vermännlichten Körper haben beispielsweise, dann sind diese Merkmale „transsexuell“, da sie ja vom eigenen Geschlecht abweichen). So zu tun, als ginge es darum, dass hier eine Gleichstellung mit heterosexuellen Menschen erreicht werden soll, ist deswegen nicht ganz richtig, da es auch transsexuelle, aber auch intersexuelle Menschen gibt (und das sind auch nicht wenige), die heterosexuell sind. Das macht dann auch die Angriffe dieser erz-konservativen und rechten Menschen besonders absurd und gefährlich. Sie arbeiten mit falschen Behauptungen und stellen sich sogar gegen die Biologie, indem sie trans- und intersexuelle Menschen einfach mal das Existenzrecht aberkennen wollen. Wie menschenverachtend muss jemand drauf sein, der nicht in der Lage ist, die biologische geschlechtliche Vielfalt nicht anerkennen zu wollen? Ich bin darüber sehr entsetzt. Wenn Menschen andere Menschen anlügen, um Menschen als nicht-existent zu erklären, dann ist das schäbig.“

        Noch gerade wegen des Beitrags von Leserin „zeitschnur“, sie hatte geschrieben: „…Genauso gibt es in Afrika im Zusammenhang mit der Polygamie jedoch die Möglichkeit, dass sich verheiratete Frauen noch einmal gegenseitig heiraten. …“.
        In diesem Zusammenhang verstand ich nicht Ihre Ausführung: „… Kardinal Müller ging es wohl vor allem deshalb um den Rückgriff auf das Naturrecht, weil damit klargestellt werden soll, daß es auch in anderen Kulturen und Religionen keine homosexuelle Eheschließung gab und gibt…“

        Mit freundlichen Grüßen
        Peter Friedrich

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      • Hier hat sich jetzt einiges zeitlich überschnitten.

        @“zeitschnur“:
        Wie sehr kann je nach menschlichen Gegebenheiten ein Schlag ins Gesicht, eine Ohrfeige, ja, je nach Situation, schon ein falsches Wort zur falschen Zeit eine kaum wiedergutzumachende Verletzung bedeuten. Die mögliche seelische Tiefenwirkung eines Aktes, bei dem einem Kind zwangsweise der Unterleib entblößt wird, der Penis mit der Hand ergriffen und sodann mit einem Messer ein Stück davon abgeschnitten wird, eventuell noch der angeschnittene blutende Penis vom ausführenden Erwachsenen in den Mund genommen und daran gesaugt wird, diese Wirkung möchte ich mir lieber nicht weiter vergegenwärtigen.

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      • zeitschnur sagt:

        Für mich ist allerdings oft nicht klar, wie genau dem natürlichen Menschen die Ordnungen ins Herz geschrieben sind – gerade beim Thema Ehe ist es auffallend, dass wirklich nur die katholische Kirche den Ehebegriff hat, den wir auch für „natürlich“ halten – vielleicht bin ich da durch meine vielen Erfahrungen in einer internationalen Familie etwas gebranntes Kind, denn ich habe die schauerlichsten und schmerzlichsten Dinge gesehen. Sie passieren hier auch, aber nicht auch noch durch die Normen erlaubt, dort sind sie nämlich „normal“…
        Hinzu kommt, dass die Ehe gezeichnet ist von den in Gen. 3 genannten Sündenstrafen, bzw. das Verhältnis der Geschlechter teilweise verdorben wurde durch die Sünde, also schwer erkennbar ist, was „Schöpfungsordnung“ und was Unordnung ist, die aus der Logik der Sünde resultiert.

        Wenn jemand dann in einer bereits sündhaft verzerrten Vorstellung erzogen wird – ob er das dann wirklich noch „besser wüsste“?
        Ich glaube es fast nicht – auch ich habe vieles so genau nicht gewusst. Erst als ich katholisch wurde, wurde ich damit vertraut gemacht.

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      • @ „zeitschnur“:
        „…Herr Drewermann…Jammerlappentum…Aber dieses Gegreine vom armen Würstchen, das nicht sexen darf und daran zerbricht, steht letztendlich hinter der Gewaltsamkeit, die er sich der Frau gegenüber immer erlaubt hat – alles musste ihm zu willen sein, sonst verkraftete er das Leben nicht. …“ –

        An dieser Stelle fällt mir die Herstellung irgendeines Zusammenhanges schwer. Herr Drewermann stünde in Verbindung mit männlicher sexueller Gewalt gegen Frauen?

        ?

        Wie auch immer.
        Wir können bei Herrn Drewermann lernen, daß ein Mensch nicht mehr derselbe ist, nachdem er eine Begegnung der Zärtlichkeit, der Güte, der Wertschätzung erfahren hat. Immer und immer wieder die Erfahrung von sich verschenkender Herzenswärme zu machen ist die einzige Chance für unser aller menschlicher Existenz. Dies zu verwirklichen würde unsere ganze Kraft und Zeit kosten.
        Ich habe die intensive Erfahrung gemacht, daß Menschen boshaft waren, verrückte Sachen redeten und andeuteten, rebellisch bis zur Häßlichkeit wurden, bewußt Regeln brechend, mit der Drohung von Selbstmord, nichts half mehr (sollte man sich wirklich damit zufrieden geben, einen solchen Menschen in eine Anstalt oder ein Gefängnis zu stecken, auf daß der Gerechtigkeit Genüge geschähe? Wirklich?) – und dann dieses Wunder, wenn sie sich verstanden und wertgeschätzt fühlten, wenn sie vielleicht in den Arm genommen wurden oder immer und immer wieder sanft über die Stirn gestreichelt, ein Wunder, welchen neuen Menschen man vor sich hatte, wenn dem Schrei nach Liebe gelauscht worden war, wenn man ihm entgegenging.
        Wir alle verzehren uns bis zum Wahnsinnigwerden nach einem Gegenüber, das uns Wertschätzung schenkt, bedingungslos, für unsere bloße Existenz. Wir alle sind irgendwann irgendwie dieser arme und absolut bedürftige Mensch.

        Wir sollten anfangen, uns offen unter die Augen zu treten. Wer kommt mit?

        Ich selbst bin letztlich nur ein winselndes, hilfloses Bündel, nackt, frierend, verrückt und boshaft vor Angst, entbehre ich denn dem Erleben von liebendem Angenommensein, empfangen möglichst durch eine liebende menschliche Person und darüberhinaus der liebenden Gegenüberhaftigkeit als solcher.

        Gruß

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    • zeitschnur sagt:

      @ Peter Friedrich

      Zwar will ich falsches Verhalten nicht verharmlosen – aber es gibt auch eine Vergebung und die Möglichkeit, das nicht allzu nah an sich heranzulassen…
      Ein seelisch gesunder Mensch wird sehen, dass er sich bestimmte Verletzungen nicht auch noch selbst zusätzlich „antut“, sondern von ihnen loskommt.

      Ich muss nicht zerbrechen, bloß weil ein anderer das will. das meinte ich mit „Jammerlappentum“ – eine Mentalität, die den Menschen in seinem Glück und in seiner Integrität abhängig macht davon, dass andere sich richtig verhalten. Er sieht sich immer als Opfer, als armer Kerl, dem man was vorenthalten hat, den man verletzt hat etc.

      Davon ist aber ein Kind des himmlischen Vaters nicht abhängig.

      Was das Sexen betrifft: Ein Mann, der das Selbstbild hat, er müsse sexen dürfen, in welcher Form auch immer, weil er sonst unglücklich würde, der hat damit eine Entscheidung auch zur Gewalt getroffen. Er deklariert für sich ein Recht auf sexuelle Erfüllung. Aber dieses Recht haben wir nicht, denn wir sind dabei nicht alleine zu betrachten.

      Die Juden jedenfalls beschneiden so nicht, wie Sie es beschreiben.

      Wer macht das so, wie Sie es beschreiben?

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