CDU: 70 Jahre und kein bißchen weise

Von Peter Helmes

Die CDU feiert ihren 70. Geburtstag in Berlin. Ich war zum Mitfeiern eingeladen, bin aber nicht hingefahren, obwohl ich seit 56 Jahren Mitglied bin und Jahrzehnte als Funktionär auf allen Ebenen – vom Orts- über Kreis-, Landes- und Bundesverband bis zur christdemokratischen und konservativen Internationale  –  mitarbeiten durfte. peter-helmes-227x300

Ich war mit Begeisterung CDU-Mitglied  – heute nicht mehr. Die Partei hat mir vieles geschenkt, viele schöne Träume z. B. von Frieden, von einem geeinten Europa, von einem freien, sozialverantworteten Markt und vor allem den Traum von der Wiedervereinigung unseres Volkes.

Ich durfte zur Verwirklichung vieler Träume mithelfen, wohl wissend, daß ein Traum sich nicht von heute auf morgen erfüllt, sondern daß man einen langen Atem und einen eisernen Willen dazu benötigt.

Ich zweifle, ob die CDU diesen Willen heute noch hat. Die Deutschen haben 25 Jahre nach der sog. Wiedervereinigung noch immer nicht zueinandergefunden, die ehem. deutschen Ostgebiete haben wir „abgehakt“, Europa ist von einer Einheit meilenweit entfernt, Frieden gibt es nicht, und der Markt unserer „Sozialen Marktwirtschaft“ ist weder sozial noch fre032_29Ai.

Die „Kräfte des Marktes“ sind durch tausende Vorschriften, Verordnungen und Gesetze so eingeschnürt, daß sie sich nicht entfalten können, große Konzerne fressen nahezu unkontrolliert die mittelständischen Unternehmen und nehmen ihnen die Luft zum Atmen. Innovative Kräfte verlassen das Land, weil sie in anderen Staaten freier forschen und entwickeln können. Sprache und Bildung unseres Landes vergammeln und verkommen.

Und ich sehe nicht, wie die CDU heute ihren Anspruch auf das „C“ im Namen noch rechtfertigen kann.

Die Zukunft unserer Nation schaut düster aus. Der bürgerliche Konsens bröckelt, weil wir in einem Trunkenheitstaumel unser Land „für alle“ öffnen, also auch für die Feinde unserer Gesellschaft, die zunehmend den öffentlichen Diskurs erobern. Die großen Kirchen versagen und katzbuckeln vor dem islamischen „Glauben“, der Feuer und Schwert predigt und überall da, wo er herrscht, tiefe Blutspuren gräbt.

Von der Hoffnung zur Zerstörung

70 Jahre CDU heißen für mich  –  und das tut weh: „Von der Hoffnung zur Zerstörung“. An allem hat die CDU einen hohen Anteil. 159481-3x2-teaser296

Und wenn in Bälde unsere abendländische Kultur, unser christlich geprägtes Weltbild zerbrochen ist, darf die CDU stolz verkünden: Wir haben unseren Beitrag dazu geleistet. Wir haben das Erbe unserer Gründerväter verspielt und verraten.

Ich bleibe Mitglied der CDU aus zwei Gründen: Weil ich die Hoffnung auf eine Wende nicht aufgebe, und weil ich dieser Partei zum größten Teil meines Lebens unendlich viel verdanke. Umso schmerzlicher berührt mich ihr heutiger Zustand. Und deshalb fahre ich nicht nach Berlin.

Ich wünsche meiner Partei alles Gute für die Zukunft in der Überzeugung, daß das Gute nur durch ein radikales Umdenken und Umlenken erreicht werden kann. Dazu will ich das einsetzen, was mir an Kraft und Worten nach einem langen politischen Leben noch geblieben ist. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ich bete, daß Gott seine schützende Hand wieder über meine Partei hält und die Prüfung, die er ihr offensichtlich auferlegt hat, beendet.

Unser Autor Peter Helmes war Bundesgeschäftsführer der JU (Jungen Union) und er betreibt die liberal-konservative Webseite www.conservo.wordpress.com


4 Kommentare on “CDU: 70 Jahre und kein bißchen weise”

  1. Reichert sagt:

    Für mich ist Herr Helmes nicht konsequent. Er hält in einer alle Wirklichkeit ausblendenden
    Nibelungentreue zu seiner Partei, obwohl diese spätestens seit Helmut Kohl alle Grundsätze
    vergessend, zu einer nur am Machterhalt interessierten Organisation verkommen ist.
    Ich war selber über vier Jahrzehnte ein leider zu lange unkritisches Mitglied und habe kommunal alles abgesegnet, was vorgegeben wurde. Heute wundere ich mich, daß ich nicht
    schon viel früher aufgewacht bin und mich von meinem Gewissen habe leiten lassen.

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  2. klimaleugner sagt:

    Es gibt leider immer noch ?DU-Wähler, die glauben, eine konservative oder gar eine christliche Partei zu wählen.

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  3. "GsJC" sagt:

    „In memoriam an einen der Gründerväter!“

    Zitat

    Konrad Adenauers letzte Worte: KEIN GRUND ZUM WEINEN

    […]

    Es ist kein trauriges Grab. Nicht der Totenengel ist in den Grabstein gemeißelt, sondern der Auferstandene. Eine heitere Holzbank lädt zum Verweilen, und unter dem Efeu blüht es bunt. Der Alte hat sogar einmal versucht, hier Rosen zu züchten. Ein transzendenter Optimismus ist um dieses Grab. Der es angelegt hat, Konrad Adenauer, muß seinem Herrgott wohl getraut haben.

    Als er im Sterben lag, droben in seinem Haus am Hügel, diesem privaten Kyffhäuser, erkannte er, ehe das Bewußtsein ihm schwand, am Totenbett seine Kinder, und er sah ihre Tränen.

    „Kein Grund zum Weinen“, sagte Konrad Adenauer.

    Es waren seine letzten Worte.

    Zitat Ende

    Quelle
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45293058.html

    Wenn die mir bekannte Überlieferung stimmt, hat Conrad Adenauer bei seinen letzten Worten auf das Kreuz in seinem Sterbezimmer gezeigt. Das war für ihn der wahre Grund, warum es keinen Grund zum weinen gab, wenngleich die Tränen aus Sicht der Angehörigen verständlich sind.

    mfg

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    • Stella Breitner sagt:

      Ach ja, die guten alten Zeiten mit Adenauer…ein wirklicher CHRISTdemokrat! Solche Zeiten würde mich ich mir heute von der Bonzen-haften CDU/CSU mit ihrem sozialdemokratischen Linksruck gerne wieder zurückwünschen. Man sollte glaube ich echt überlegen, künftig die AfD zu wählen… Adenauer war ein wirklich katholischer Mann; er war in seinem Glauben auch sehr authentisch, weil er das nicht an die große Glocke hing (warum auch?!), obwohl es eigentlich jeder wusste. Wie sonst hat er die letzten 10.000 Kriegsgefangenen aus der russischen Kriegsgefangenschaft geholt? Indem er in seiner Hosentasche einen Rosenkranz bei sich trug und viel betete… Hach… welche Politiker beten denn heute noch? Angela Merkel sagte mal in einem Interview, dass sie „ab und zu mal bete“. Tolle evangelische Zonenfrau, die total verwässert zu sein scheint.

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