Gibt es ein Rückgaberecht für Babys?

Von Dr. med. Edith Breburda

Ein Ehepaar in Italien, Guiseppe und Aurora Bellandi, haben ihren Arzt angezeigt, der ihre Tochter abtreiben sollte. Das Kind überlebte und nun sollte die Klinik für die Unterhaltskosten aufkommen. Die Eheleute hatten schon einen erwachsenen Sohn. Dr. Breburda

Als man feststellte, dass Elisa trotz Abtreibung noch lebte, war eine Wiederholung der Abtreibung nicht mehr möglich, weil das Kind schon älter als 21 Wochen war. Die Schwangerschaft und Geburt waren sehr problematisch und die Eltern wollten, dass die Ärzte für den materiellen Schaden, den das Kind ihnen bescherte, aufkommen.

„Die Ärzte brachten sie auf die Welt. Sie sollen nun für ihren Unterhalt aufkommen, bis sie 18 Jahre alt ist“, erklärte Vater Guiseppe. Die Eltern bekamen 2008 umgerechnet 120.000 €. Doch damit nicht genug, sieben Jahre später gingen die Eltern vor das Oberste Gericht in Italien. Sie hatten immer noch Schwierigkeiten, für Elisa finanziell aufzukommen.

Elisa war ungewollt. Die Eltern waren der Auffassung, sie hätten ein Recht auf Entschädigung, weil Elisa nur wegen eines Fehlgriffs der Ärzte überlebte. Guiseppe weiß, dass Kinder ein Geschenk Gottes sind. Er ist jedoch der Meinung, dass er ein solches Geschenk nie haben wollte. shutterstock_114300748-140x94

“Weiß denn die Frau nicht, wie sie schwanger wurde? Wenn Leute nicht offen für das Leben sind, aber dennoch sexuellen Vergnügungen nachgehen, kann ein daraus resultierendes Leben nicht als ein Unfall angesehen werden. Und wenn das Kind unbeabsichtigt entstand, muss jemand Schuld an diesem Unglück sein. Und dieser kann dann verklagt werden.

Wenn man der Liebe und Dankbarkeit den Rücken kehrt, sind Anwälte sehr schnell zur Stelle. Als Gott den Eheleuten ein Kind schenkte, wollten sie es so schnell wie möglich zurückgeben, doch als das nicht klappte, wollten sie eine Rückvergütung.

Die Eltern meinen zwar, sie würden ihre Tochter lieben, dennoch vermitteln sie zweierlei Botschaften an ihr Kind: „Liebling, wir haben versucht, Dich umzubringen, nur hat der Arzt dabei versagt und nun meinen wir, dass er deswegen unterhaltspflichtig ist, aber wir lieben Dich trotzdem“, schreibt Mattew Archbold am 14.8.2015 im National Catholic Register (1).

“Wenn Eltern nicht mehr für ihr Kind sorgen und die Verantwortung abgeben wollen, ist die ganze Kultur in images (2)Schwierigkeiten. Dann kann man ungewollte Kinder töten, bevor sie geboren wurden und ihre Organe an die Forschung oder Kosmetikindustrie verkaufen.

Wir sehen in ihnen nicht mehr ein menschliches Wesen. Menschliches Leben hat nur einen Wert, wenn wir die richtige Wahl treffen, es nicht abtreiben zu lassen. Ein Ungeborenes hat keine Rechte, wenngleich uns die Wissenschaft ganz klar sagt, dass es sich um einen Menschen handelt“, erläutert der Jesuit James V. Schall, am 13. August 2015 in seinem Artikel The Madness of Intellectuals (2).

Das Geschäft mit der Fruchtbarkeit

Am meisten trifft es die Kinder, die durch die sogenannte Third-Party-Reproduktion entstehen. Sie haben überhaupt keine Rechte. Um die Anonymität der Spender zu wahren, erfahren die Kinder nichts über Erbkrankheiten oder Gesundheitskrisen ihrer Spender.

Die fundamentalen Rechte, zu wissen, wer die Eltern oder Geschwister sind, werden ihnen immer noch vorenthalten, obwohl bereits 2001 eine Studie im Journal Human Reproduktion darauf hinwies, dass Kinder ihre biologischen Eltern kennen sollten.
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Die Gesundheitsrisiken, welche Frauen auf sich nehmen, um eine Third-Party-Reproduktion zu ermöglichen, wurden bisher kaum adressiert. Wie oft hören wir von jungen Studentinnen, die dem Angebot auf Geld und der Aussicht anderen Frauen zum Kind zu verhelfen, nicht widerstehen.

So manipulierte die Fertility Industrie auch Maggie. Ihre Geschichte wurde in dem neuem Film, Maggie’s story, von CBC, einer US-Organisation, die bioethische Themen behandelt, dargestellt. Man sagte ihr, sie sei eine Auserwählte: sie sei Teil eines Teams, einer Familie. Sie fühlte sich schuldig, wenn sie Unfruchtbaren nicht zum Kind verhilft.

So etwas kann passieren, weil es keine Vorschriften oder Gesetze im Fruchtbarkeitsgewerbe der USA gibt. Damit wurde Amerika ein beliebtes Ziel für den Fertility-Tourismus. „Die Frauen bieten sich freiwillig an und werden nicht gezwungen“, erklärt die American Society for Reproductive Medicine und die Society for Assisted Reproductive Technologies.

Es besteht keine nationale Registrierung für Frauen, die ihre Eizellen verkaufen oder ihre Gebärmutter vermieten. Nachdem die Frau ihre Dienste als Eizellen-Lieferant oder Gestations-Carrier beendet hat, wird nicht mehr an sie gedacht. Auch wenn sie auf lange Zeit unter den gesundheitlichen Folgen ihres Dienstes zu leiden hat.

Es gibt keine einzige Studie über Langzeiteffekte, die eine Eizellspenderin oder Leihmutter erleiden könnte. Das macht es unmöglich, Informationen an Frauen, die willig sind, diese Dienste zu tun, weiterzugeben (Weiterführende Literatur: E. Breburda; Reproduktiver Freiheit, free for what? ISBN-10: 0692447261, ISBN-13: 978-0692447260) .luitgard5

„Die hochprofitable Fertilitätsindustrie hat ihre Geheimnisse, die sie nicht aufdeckt. Sie ignoriert lieber die Gesundheitsrisiken, welche die Kommerzialisierung der Erschaffung eines menschlichen Lebens mit sich bringt.

Man braucht Gameten. Die Gewinnung von Eizellen erweist sich als besonders schwierig, da man anstatt der üblichen einen Eizelle im Monat bis zu einem Dutzend gewinnen will. Dafür muss die Eizellspenderin eine sehr schmerzhafte, gesundheitsgefährdende Prozedur über sich ergehen lassen (siehe dazu auch: E. Breburda; Verheissungen der neuesten Biotechnolgien, ISBN-10: 3717111728, ISBN-13: 978-3717111726).

Die Frau, die das Kind austragen will, setzt sich ebenfalls einer schmerzhaften und gefährlichen Behandlung aus. Die Liste der Kurzzeitbeschwerden ist lang und kann zu Unfruchtbarkeit oder Tod führen.

Der Film „Eggsploitation: Maggie’s Story“ des Centrums für Bioethics and Culture gibt uns einen Einblick was geschah, als Maggie sich zehnmal einer Eizellenextraktion unterzog. Sie hatte plötzlich einen Knoten in der Brust. Der wurde von der Fertilitätsinstitution nicht ernst genommen. marsch_2013_photo_dv_447_m

Erst als sie später ihren eigenen Hausarzt aufsuchte, diagnostizierte er Brustkrebs im vierten Stadium, mit Metastasen in der Lunge und in den Knochen. Keiner in ihrer Familie hatte vor ihr diese Krankheit. Diese Art von Krebs sieht man eigentlich nur bei Frauen nach ihren Wechseljahren oder bei Frauen, die drei oder mehr Kinder hatten.

Das Journal of Child Psychology and Psychiatry publizierte im Juni 2013 eine Studie (3), die feststellte, dass die mütterlichen Bindungen an das Ungeborene prägend sind. Die Frage bleibt, welche Beziehungen eine Leihmutter zu ihrem Auftragskind aufbaut. Fehlt diese gestationale Verbindung, ist das problematisch für das Kind. Die biologische Verbindung zwischen Mutter und Kind während der Schwangerschaft ist unweigerlich intim. Eine Leihmutter schadet so gesehen auch den Eltern.

Eine andere Studie aus dem Jahr 2013, die in Reproductive BioMedicine erschienen ist, untersuchte 108 Paare, die eine Leihmutter für ihr Kind hatten. 50% der Paare bedauerten diesen Schritt wegen der oben genannten Gründe.

Annie Murphy Paul schreibt in ihrem Buch „Origins: How the Nine Months before Birth Shape the Rest of our Lives“ (4):

“Während der letzten 20 Jahre haben Wissenschaftler damit begonnen, zu erforschen, welchen Effekt die Zeit, die wir in der Gebärmutter verbringen, auf unser ganzes Leben hat. Unsere Gesundheit, unsere Intelligenz und unser Temperament werden bereits vorgeburtlich beeinflusst.

Frauen, die z.B. die Attacke auf das World Trade Center am 11. September 2001 miterlebten, gaben an ihre Kinder die Effekte einer Posttraumatischen Stress Disorder weiter.“ (siehe auch: E. Breburda: Globale Chemisierung, vernichten wir uns selbst. ISBN-10: 0615926657, ISBN-13: 978-0615926650).

Weiter heißt es: „Eine Schwangere ist demzufolge nicht diejenige, die dem Ungeborenen schadet, sondern die es positiv beeinflusst. Dieser Mechanismus ist viel wirksamer, als wir bisher annahmen (5).“

Unsere Autorin Dr. med. Edith Breburda ist Bioethik-Expertin und Veterinär-Medizinerin (Tierärztin); sie lebt in den USA (Bundesstaat Wisconsin).

Weiterführende Literatur, Bücher von Dr. Edith Breburda: http://scivias-publisher.blogspot.com/p/blog-page.html

Buch-Neuerscheinung vom Juni 2015: https://charismatismus.wordpress.com/2015/06/20/neuerscheinungbuch-empfehlung-reproduktive-freiheit-von-dr-edith-breburda/


2 Kommentare on “Gibt es ein Rückgaberecht für Babys?”

  1. Reichert sagt:

    Ein durch Gewalt gezeugtes Kind ist ebenso ein Mensch wie ein durch einen Liebesakt gezeugtes Baby. Sie würden sicherlich auch nicht beipflichten, wenn ich sagen würde, nur ein auf natürliche Weise gezeugtes Kind genieße uneingeschränke Menschenwürde.
    Ihr Schöpfer ist auch der Schöpfer jedes Kindes und dessenLebensrecht kann nicht davon abhängen, unter welchen Umständen sich Ei und Samenzelle vereinigt haben. Da kein Kind Besitz seiner Mutter ist, sondern mit der Verschmelzung zugleich die uneingeschränkte Menschenwürde verbunden ist, ist es ein Gottesfrevel, dieses originäre Recht mit irgendwelchen Umständen außer Kraft zu setzen.

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  2. Adolf Breitmeier sagt:

    Ich bin gegen Abtreibung, weil man mit dem heutigen Kenntnisstand eine ungewollte Schwangerschaft verhindern kann. Ich halte das für eine gute Möglichkeit, eine gute Familienplanung durchzuführen. Wenn aber ein Kind gezeugt ist, hat es ein Recht auf Leben. Ist die Zeugung durch Gewalt wie Vergewaltigung geschehen oder ist der Fötus krank, sollte man eine Abtreibung vornehmen dürfen. Ein ungeliebtes Kind oder ein Kind mit Behinderung aufzuziehen, kann ungeahnte seelische Komplikationen bedeuten. Sobald ein ,,Untermieter“ im Bauch strampelt oder sich entwickelt, gehört der Bauch beiden, der werdenden Mutter und dem werdenden Kind. Und es ist wunderbar, Kinder zu haben, oft anstrengend – aber dennoch wunderbar.

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