Gebote und Sakramente des Heils: Kardinal Müller über die Würde und Bürde der Ehe

BUCHBESPRECHUNG von Felizitas Küble aus der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift THEOLOGISCHES (Nr. 4/2015):

Buch-Daten: Die Hoffnung der Familie. Ein Gespräch mit Gerhard Kardinal Müller. 1. Auflage 2015. 80 Seiten, Echter-Verlag (Würzburg), Preis 7,90 €. ISBN-10: 3429038294. – ISBN-13: 978-3429038298.   index

Dieses Interviewbuch mit Kardinal Müller trägt zu Recht den positiv klingenden Titel „Die Hoffnung der Familie“, denn es würdigt die überragende Bedeutung von Ehe und Familie aus der Sicht von „Natur und Gnade“, von Sittengesetz Gottes und Heilswerk Christi zugleich.

Die Ehe, ihre Treue und Unauflöslichkeit ist im christlichen Glauben sogar mehrfach geschützt: zum einen durch das 6. und 9. Gebot, zum anderen durch ihren sakramentalen Charakter. Dadurch gehört die Ehe unter Getauften nicht „nur“ zur Schöpfungsordnung (was bereits einen hohen Rang beinhaltet), sondern zur Erlösungsordnung Christi und der Kirche.

In der aktuellen Debatte über die Frage einer Kommunionzulassung ist überdies das Sakrament des Altares betroffen; insofern geht es dabei um zwei göttliche Gebote und diese beiden christlichen Sakramente.

Das fundierte, aber leicht lesbare Interviewbuch mit den erhellenden Antworten des vatikanischen Glaubenspräfekten Gerhard Müller erschien am 1. März 2015 zur rechten Zeit, denn es eignet sich vorzüglich zur geistig-theologischen Vorbereitung für die Debatten um die römische Familiensynode im kommenden Herbst. Dem ansprechend gestalteten und erschwinglichen Taschenbuch ist daher weiteste Verbreitung zu wünschen.

Die inhaltlich guten, wenngleich mitunter langatmig formulierten Fragen stellte Dr. Carlos Granados, der Direktor des christlich orientierten Madrider Verlags „Bibliotheca de Autores Cristianos“. Das in dem erwähnten Buch dokumentierte Interview mit Kardinal Müller erschien im Vorjahr in Spanien unter dem Titel „La Esperanza de la familia“.  DSC_0199

Frau Dr. Gabriele Stein übersetzte das im Juni 2014 auf spanisch geführte Gespräch in die deutsche Sprache. Der Präfekt der römischen Glaubenskongregation hat es vor der Drucklegung überarbeitet und aktualisiert. Das Buch wurde zudem in einer englischen, französischen, italienischen und portugiesischen Ausgabe veröffentlicht.

Als besonders eindrucksvoll erweist sich dieses Interview mit Kardinal Müller auch deshalb, weil der oberste Glaubenshüter der Kirche sich einerseits mit glasklaren und eindringlichen Worten für die unabänderliche Ehelehre der Kirche einsetzt; es andererseits nicht dabei beläßt, sondern den herausragenden Sinn der christlichen Ehe im Lichte von Natur und Gnade beleuchtet und die hohe Bedeutung der Familie als Hauskirche würdigt.

Zunächst erwähnt der Glaubenspräfekt die Beobachtung, daß in „einigen traditionell christlichen Ländern“ leider der „Glaubenssinn mehr und mehr verlorengeht“. Zudem werde die christliche Religion vielfach auf ein „bloßes Sortiment an Werten, Ideen oder sozialen Aktivitäten reduziert“ (vgl. Seite 8).

Noch deutlicher spricht der Kardinal mit seiner Äußerung, das Glaubensgut dürfe sich keineswegs „in eine politisch korrekte Zivilreligion verwandeln und auf einige Werte reduziert werden, die für den Rest der Gesellschaft erträglich sind. Damit hätten einige ihr ruchloses Ziel erreicht: das Wort Gottes ins Abseits zu drängen, um die gesamte Gesellschaft ideologisch lenken zu können“ (S. 47).

Dabei gerate das zentrale Anliegen der Kirche aus dem Blick, nämlich die „reale Begegnung mit Jesus Christus unAL-0004d die umfassende Erneuerung des Menschen mit Blick auf die Eschatologie“ (S. 8). Dieser Verweis auf die „letzten Dinge“ ist heute selbst von kirchlicher Seite eher selten zu hören.

Kardinal Müller stellt sodann klar, daß die Ehe ist nach Gottes Willen die „innige und ausschließliche Verbindung zwischen einem einzigen Mann und einer einzigen Frau“ sein solle; die Ehe sei zudem „die Quelle, aus der die Familie hervorgeht und das Kriterium, an dem sie gemessen wird“ (S. 9). Zudem erwähnt er eine Aussage von Papst Franziskus, wonach alle Ehen eine „innere Tendenz“ zur Fruchtbarkeit haben. In den Kindern, so Müller, erfüllt und vollendet sich die Liebe der Eheleute.

Der Autor beklagt, daß die geforderte „unverbrüchliche Treue“ in der Ehe von Jugendlichen vielfach nicht mehr akzeptiert werde: „Die Sexualität verstehen manche Menschen heute als bloßes Vergnügen und nicht als eine großartige Gelegenheit, das Leben im Rahmen einer Gemeinschaft der Liebe zu empfangen und weiterzugeben“ (S. 10).

Als Grundlage für ein „umfassendes Verständnis der Ehe“ nennt der Präfekt die Stichworte Person, Gemeinschaft, Fruchtbarkeit, Verantwortung und Bildung (S. 11). In den Eltern erfahren Kinder „zum allerersten Mal die Liebe Gottes“. So seien unsere Eltern „durch ihre Teilhabe am Priestertum aller Gläubigen priesterliche Repräsentanten“ des Gottvertrauens und der „bedingungslosen Akzeptanz unseres menschlichen Daseins“ (S. 12).

Die Sendung der Ehe: „Selbstverwirklichung durch Selbsthingabe“

Das Kreuzesopfer Christi sei letztlich die Wurzel für die eheliche Treue und Unauflöslichkeit, denn es verdeutliche, daß die Liebe nicht etwa ein „unbestimmtes Gefühl“ sei, sondern vielmehr „Selbstverwirklichung durch Selbsthingabe“ (S. 12).  DSC05485

Dies könne der Mensch aber „nicht aus eigener Kraft verwirklichen“, sondern er bedürfe der Gnade Gottes. Das „wichtigste Ziel“ der nächsten Familiensynode bestehe darin, „dafür zu sorgen, dass die sakramentale Vorstellung von Ehe und Familie wieder klarer zutrage tritt“ (S. 13). Dabei sei es mit Fachbüchern und Fachaufsätzen nicht getan: „Vergessen wir nicht die Zeugniskraft der Ehen, die nicht scheitern!“ (S. 14).

Sodann erwähnt Kardinal Müller die „Realität der Armut“, von welcher der Papst öfter spreche. Hierbei sei an die Scheidungswaisen zu erinnern: „Sie sind vielleicht die Ärmsten dieser Welt“, ja sogar „die Ärmsten der Armen“, denn trotz vieler materiellen Güter fehle ihnen „das Grundlegendste“, nämlich „die Liebe und Fürsorge von Eltern, die sich um ihretwillen selbst verleugnen“ (S.14).

Die „unauflösliche Ehe“ sei anthropologisch von „allergrößtem Wert“, so Müller weiter: „Sie entzieht den Menschen der Willkür und Tyrannei der Gefühle und Gemütszustände…und vor allem schützt sie die Kinder“ (S. 16).

Leider seien Ehe und Familie heute vielfach isoliert und sich selber überlassen, denn „unsere Gesellschaft treibt die individuellen Rechte oft bis zum Exzess“, beklagt Müller: In unverkennbar manipulativer Absicht würden die „egoistischen Verhaltensweisen Einzelner oder kleiner, isolierter Gruppen begünstigt und privilegiert“ (S. 18).

Die Moderne müsse, „wenn sie gerettet werden will“, von der Familie, die sich als Hauskirche verstehe, erneuert werden: „Ich bin für eine Familienkirche“, betont der Kardinal weiter, der sich sodann kritisch mit der sog. „sexuellen Revolution“ befaßt, denn „hinter diesem Phänomen lauert der Nihilismus“, der Mann und Frau auf ihre „animalischen Instinkte“ reduziere (S. 20). Die „einzige Alternative“ zum Egozentrismus sei ein „Theozentrismus“, denn es gehe zentral um die „ewige Wahrheit über den Menschen in seiner Beziehung zu Gott“ (S. 21).AL-0005

Unter allen menschlichen Gemeinschaftsformen nehme die Ehe eine „einzigartige und herausragende Stellung“ ein, weil sie den Bund Christi mit seiner Kirche widerspiegle; so werde die christliche Ehe zu einem „wirksamen Zeichen, das die heiligmachende Gnade vermittelt“; dadurch sei Gott in der Ehe auf eine „sakramentale, reale, konkrete, sichtbare und greifbare Weise gegenwärtig“ (S. 56).

Zudem verdeutlicht Kardinal Müller die eschatologische Perspektive der christlichen Ehe: „Die sakramentale Ehe ist ein Zeugnis für die Macht der Gnade, die den Mann und die Frau verwandelt und die ganze Kirche darauf vorbereitet, die heilige Stadt, das neue Jerusalem zu sein, die Kirche selbst, die bereit ist „wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat (Offb 21,2)“ (S. 58). Daher sei niemals eine „pragmatische Anpassung“ seitens der Kirche angesagt, sondern vielmehr „prophetische Kühnheit“, um die „Heiligkeit der Ehe zu bezeugen“ (S. 58).

Sakrament der Ehe: Gottes Gnade geht uns voraus

Zum Dauerbrenner der nach einer Scheidung zivilrechtlich verheirateten Katholiken verweist der Glaubenspräfekt genau ins Schwarze treffend auf den Missionsbefehl Christi an die Apostel: „Geht zu allen Völkern […] und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“ (Mt 28,19-20). Dieser Auftrag sei, so Müller, „nichts anderes als eine Definition des Depositum Fidei, des Glaubensgutes, das die Kirche empfangen hat und nicht abändern darf“ (S. 31).

Für das Lehramt sei allein die göttliche Offenbarung verbindlich, nicht etwa diverse Theorien von Theologenseite. Das gelte auch und gerade für die kirchliche Verkündigung über jede gültige und vollzogene sakramentale Ehe: „Die absolute Unauflöslichkeit einer solchen Ehe ist keine bloße Lehre, sondern ein göttliches und somit der Kirche vorgegebenes Dogma“ (S. 32). Wer aber dem „Geist der Welt“ (2 Kor 2,12) entsprechend denke, könne „weder die Heiligkeit noch den sakramentalen Charakter der Ehe begreifen“ (S. 58). 008_Index - Kopie

Entgegen manch oberflächlicher Vorstellungen gehe es hier nicht um irgendeinen „theologischen Disput“, erläutert der Kurienkardinal, sondern vielmehr um die „Treue der Kirche zur Lehre Jesu, der sich in dieser Hinsicht restlos klar ausgedrückt hat“ (S. 34).

Daher könne das Band einer sakramentalen Ehe „auf keinen Fall gelöst“ werden. Hierzu hätten weder der Papst noch irgendeine Bischof die Befugnis, weil dies nicht ihre, sondern „allein Gottes Sache ist“ (S. 37), denn die eheliche Verbindung „besteht und wurzelt in Gott“ (S. 38); sie ist als Sakrament eine „sichtbare Vergegenwärtigung der verwandelnden Gnade“ (S. 38).

Man dürfe die sakramentale Gnade und die göttliche Barmherzigkeit keineswegs gegeneinander ausspielen, weil beides zusammengehöre, erläutert der Glaubenspräfekt: „Gott schenkt uns seine Gnade, damit wir treu sein können. Das ist der eigentliche Sinn der Barmherzigkeit Gottes“ (S. 41). Diese stehe im Zusammenhang mit den Geboten des Ewigen: „Gott gewährt uns in seiner grenzenlosen Barmherzigkeit die Kraft der Gnade, damit wir seine Gebote erfüllen“ (S. 43).

Diese Ausrüstung mit der Gnade Gottes sei kein fernes Ideal, betont Kardinal Müller, sondern könne in jeder christlichen Ehe erfahrbar werden: „Jedes Ehepaar, das Gott in die Mitte seines Ehelebens stellt, entdeckt mit freudigem Staunen, dass seine Liebe von Tag zu Tag mehr Nahrung findet und gedeiht“ (S. 59).

Insofern beobachte er mit einem „gewissen Erstaunen“, wie das Barmherzigkeits-Argument vielfach instrumentalisiert werde, um die Zulassung von geschiedenen und zivilrechtlich „Wiederverheirateten“ zu den Sakramenten „zu erzwingen“: „Die gesamte sakramentale Ordnung ist ja ein Werk der göttlichen Barmherzigkeit; sie kann also nicht unter Berufung auf eben dieses Prinzip, das sie trägt, aufgehoben werden“ (S. 42).

Außerdem gehe aus der Heiligen Schrift klar hervor, daß neben der Barmherzigkeit auch Heiligkeit und Gerechtigkeit zum „Geheimnis Gottes“ gehören (S. 43).

Keine Trennung von Lehre und Leben: „Christus ist der HERR“

Auf die Interview-Frage, ob denn womöglich die Lehre und die pastorale Praxis „in verschiedene Richtungen laufen“ könnten, antwortet Kardinal Müller mit Hinweis auf Joh 14,6, wonach Christus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist: „Das Leben von der Lehre zu trennen hieße, Christus als den Sohn Gottes von Christus als dem Erlöser trennen zu wollen….Wir können nicht auf doktrineller Ebene bekennen, dass Christus der Herr ist – und dann nicht seinen Willen tun“ (S. 46).cropped-ZIM_5640

Jesus sei nicht gekommen, so Müller, „damit sich die Gemüter beruhigen und im Grunde alles so bleibt, wie es war: Er ist gekommen, um die „herrschende Ordnung“ zu verändern“ (S. 47), weshalb ein echtes christliches Leben so „anspruchsvoll“ sei, denn es erlaube keine „bequemen Kompromisse“ zwischen der Offenbarung Gottes und den Vorstellungen der Welt: „Man kann nicht morgens zur Kirche und abends ins Bordell gehen“ (S. 48).

Der Mensch gerate in eine „ausweglose Sackgasse“, wenn er sich ohne göttliche Gnade erziehen wolle, zumal wenn die „Sexualität einen beinahe schon götzenhaften Rang einnimmt“. Daher müsse der Mensch erkennen, daß er für das „Höchste, für die Unendlichkeit geschaffen sei“, um sein Leben wieder „im Licht der Gnade“ zu sehen (S. 63). Deshalb gelte das Leitwort: „Der wahre Humanismus ist theozentrisch“ (S. 69).

Glaubenspräfekt Müller betont, daß wir nicht ohne die „gesunde Lehre“ (vgl. Tit 2,1) das Heil erlangen können (S. 47). Er formuliert eine Art katholischen Imperativ, wonach die Ordnungen der Liturgie, des Betens, des Glaubensbekenntnisses und des Lebens in der Nachfolge Christi untrennbar zusammengehören: „Lex orandi est lex credendi est lex vivendi“ (S. 46).

Auf die Frage, ob die Kirche gemäß einem Wort von Papst Franziskus eine Art „Feldlazarett“ sei, in dem Wunden geheilt werden, antwortet Kardinal Müller, dieses Bild sei zwar „sehr eindrücklich“, doch könne man es nicht auf die gesamte kirchliche Wirklichkeit anwenden: „Die Kirche an sich ist kein Sanatorium“ (S. 64).

Im irdischen Leben könnten keineswegs alle Verletzungen geheilt werden. Erst am Ende werde Gott „alle Tränen von ihren Augen abwischen“, zitiert Müller die Johannes-Offenbarung 21,4 (S. 65).DSC06228

An anderer Stelle weist er ebenfalls darauf hin, daß sich das letzte Ziel unseres Lebens erst in der Ewigkeit erfüllen werde: „Der Kommunismus und der zügellose Kapitalismus haben dem echten, himmlischen Paradies, nach dem sich jeder Christ sehnt, die Aussicht auf ein irdisches Paradies gegenübergestellt.“ (S. 69). Doch der Christ betreibe gleichwohl keine Jenseitsvertröstung, im Gegenteil: Gerade wegen seiner Ausrichtung auf das ewige Ziel könne er seine Pflichten für den Nächsten und die Welt „vollverantwortlich annehmen“ (S. 70).

Der Kardinal kommt sodann auf die „schwere Krise“ zu sprechen, in welcher sich die „sakramentale Idee“ befindet (S. 54). Auch Ehe und Familie leiden darunter, wobei der Autor ausdrücklich den negativen Einfluß „der Ideologie des Wohlstands und des Hedonismus“ erwähnt (S. 53). Um aus dieser „Fallgrube“ herauszukommen, müssen wir, so Müller, „das Offensichtliche wieder laut aussprechen“, zB. folgendes:

„Alle christlichen Eheleute sollten sich froh dazu bekennen, dass Kinder selbst in den kompliziertesten Situationen niemals eine Last oder Belastung, sondern ein vertrauensvoller Lebensentwurf und eine unerschöpfliche Quelle der Freude sind, die uns aber erst im Himmel voll offenbar werden wird“ (S. 54).

Kardinal Müller macht sich angesichts der „Orientierungslosigkeit“ unserer Jugend, der hohen Scheidungsraten und sinkenden Geburtenzahlen aber keinerlei Illusionen über den – wie er glasklar sagt – „Zusammenbruch der westlichen Gesellschaft“:

„Was ist das für eine Zukunft, die wir für die kommenden Generationen aufbauen? Es droht ein völliges Scheitern. (…) Wir müssen einen anderen Kurs einschlagen! Die Lehre der Kirche über die Familie ist genau das Heilmittel, das wir brauchen, um eine mögliche angekündigte Katastrophe zu verhindern“ (S. 60)

Felizitas Küble leitet hauptamtlich den KOMM-MIT-Verlag und ehrenamtlich das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Müller-Fotos: Bistum Regensburg


Dialogprozeß: Bischof Rudolf Voderholzer bemängelt die Würzburger Abschlußerklärung

Mutlose innerkirchliche „Nabelschau“ vermeiden

Zehn Delegierte des Bistums Regensburg haben am Freitag und Samstag am Abschlußtreffen des Dialogprozesses der katholischen Kirche in Würzburg teilgenommen, darunter die Vorsitzende des Diözesankomitees, Michaela Halter und Bischof Rudolf Voderholzer (siehe Foto). borMedia1840101

Das zur Debatte und Abstimmung vorgelegte Abschlusspapier geht dem Regensburger Diözesanbischof nicht weit genug:

„Das Dokument bleibt in einer Nabelschau stecken, die einer ausgeprägten Innenperspektive geschuldet ist. Es fehlt die Begeisterung der Frohen Botschaft, deren Bekenner sie hinaustragen sollen in alle Welt.“

Stattdessen herrsche ein mutloser Grundton vor, der „mich an die niedergeschlagene Stimmung der ersten Christen in den drei Tagen zwischen Kreuzestod und Auferstehung erinnert.

Bischof Voderholzer: „Natürlich ist die innere Umkehr der Christen immer notwendig. Aber deshalb müssen wir doch nicht das Licht des Glaubens unter den Scheffel stellen.“

Die Kirche ist kein Debattierclub

Bischof Voderholzer kommt die Freude am Glauben zu kurz: „Hoffnungsvolle und glaubensstarke Christen wirken in die Gesellschaft hinein und sind Salz der Erde, so wie es das Zweite Vatikanische Konzil betont. Wenn man weite Teile des  Abschlussdokuments liest, könnte man meinen, die Kirche sei ein Debattierclub und erschöpfe sich in Sitzungen.

Der Regensburger Bischof sieht die Aufgabe der Kirche darin, sich im Dialog den Herausforderungen der Zeit zuzuwenden und mitten in der Welt Zeugnis abzulegen für Christus. Das Papier allerdings erwecke den Eindruck, man misstraue dem eigenen Salz und lasse es lieber verklumpen.

Der Regensburger Bischof fragte: „Welches Bild geben wir vor der Welt ab, wenn es nicht von Hoffnung getragen ist? Wenn uns die Hoffnung fehlt, dann müssen wir beten: Herr, schenke uns die Kraft, Zeugnis abzulegen für Dich.“

Gefragt seien heute Christen, die für ihre Berufung dankbar sind. Zu dem Papier sagte Dr. Voderholzer abschließend: „Mir scheint, dass hinter dem Doppelpunkt am Schluss des Dokumentes ein großes Fragezeichen steht.“

Quelle: Bistum Regensburg


Sachsen: Widerstand gegen neuen evang.-konservativen Landesbischof Rentzing

Innerhalb der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens formiert sich Widerstand gegen die Haltung des künftigen Landesbischofs Dr. Carsten Rentzin zu gelebter Homosexualität. polskaweb

Der Pfarrer der Leipziger Bethlehem-Gemeinde, Christoph Maier, hat auf der Online-Petitionsplattform openPetition.de ein Begehren gestartet mit dem Titel „Ja zur Amtseinführung, aber…“.  – Darin heißt es: „Pfarrerinnen und Pfarrer, Gemeindeglieder und kirchlich Interessierte sagen Ja zum neuen sächsischen Landesbischof Dr. Carsten Rentzing.“

Aber in vielen Punkten stehe man für eine andere Kirche als die, welche der 47-jährige promovierte Theologe und vierfache Familienvater bisher repräsentiere: „Wir stehen für eine Kirche, die den barmherzigen Gott in der Mitte der Heiligen Schrift erkennt und diese nicht als ‚Richterin’ und ‚Norm’ zu einem Regelwerk erstarren lässt.“ 

Hintergrund sind Äußerungen Rentzings, wonach gelebte Homosexualität nicht dem Willen Gottes entspricht. In einem Interview mit der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA hatte er seine Ablehnung des Zusammenlebens homosexueller Partner im Pfarrhaus bekräftigt.

Zugleich hatte er jedoch betont, zu der geltenden sächsischen Regelung zu stehen. Die sächsische Kirchenleitung hatte 2012 beschlossen, das Pfarrhaus in seelsorgerlich begründeten Einzelfällen und bei Zustimmung von Superintendent und Kirchenvorstand für Schwule oder Lesben zu öffnen.

Rentzing war Ende Mai 2015 zum Nachfolger von Landesbischof Jochen Bohl gewählt worden. 

Quelle und vollständiger Text hier: http://www.idea.de/frei-kirchen/detail/streit-um-homosexualitaet-in-sachsen-petition-widerspricht-bischof-91884.html


Dr. Frauke Petry (AfD): Merkels Asylpolitik überfordert Städte und Kommunen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat gegenüber der „Rheinischen Post“ geäußert: „Das Grundrecht auf Asyl für politisch Verfolgte kennt keine Obergrenze. Das gilt auch für die Flüchtlinge, die aus der Hölle eines Bürgerkrieges zu uns kommen.“   –  Dazu erklärt die Bundesvorsitzende der AfD, Dr. Frauke Petry (siehe Foto):

„Das ist eine Einladung an sämtliche Bürgerkriegsflüchtlinge der Welt, nach Deutschland zu kommen. Bei aktuell 60 Millionen Bürgerkriegsflüchtlingen weltweit ist es völlig unverantwortlich, die derzeitige Völkerwanderung nach Deutschland noch weiter anzuheizen. AfD-Petry

Mit dieser Politik riskiert Merkel, dass die Kommunen der Flut von Asylbewerbern nicht mehr Herr werden und die Aufnahme- und Hilfsbereitschaft der Bürger kippt.

Zu Recht kritisiert der Unionsfraktionsvize Hans-Peter Friedrich Merkels Aussage als ‚eine beispielslose politische Fehlleistung‘. Unkontrolliert strömen derzeit Asylbewerber nach Deutschland, die nicht einmal mehr registriert werden können. Zu Recht warnt Friedrich deshalb auch vor IS-Terroristen und islamistischen Schläfern.

Außerdem wird der Unmut unserer europäischen Partner über diesen deutschen Alleingang und Gesetzesbruch immer größer. Der britische Politologe Anthony Glees bezeichnete Deutschland sogar als ‚Hippie-Staat‘ der ‚nur von Gefühlen geleitet wird‘.

Deutschland kann nicht Asylbewerber weltweit anlocken und Sie dann per Quote auf die europäischen Nachbarländer verteilen. Diese Aushöhlung ihrer nationalen Souveränität werden sich unsere EU-Partner nicht gefallen lassen. Hier zeigt sich, dass es für eine politische Union in Europa keine Mehrheit gibt und die EU dringend auf ihre Kernkompetenzen reduziert werden muss.“


MARIA ist im Himmel auch Fürsprecherin für ihre eigenen Landsleute

Von Felizitas Küble

Es gibt in der kirchlichen Tradition den alten lateinischen Spruch: „De Maria nunquam satis“ – Über Maria kann gar nicht genug gesagt werden.

Tatsächlich ist die Mutter des HERRN ein unerschöpfliches Thema für Theologie, Kunst, Dichtung, Exegese, Musik – und erst recht für die Volksfrömmigkeit. Advocata

Was aber im Laufe der Kirchengeschichte zu kurz gekommen ist und selbst in heutiger Zeit allenfalls beiläufig bedacht wird:

Daß Maria, die dem jüdischen Volke entstammt, im Himmel sicherlich besonders für ihre „Landsleute“ betet und bittet, also Fürsprache einlegt, damit das Volk Israel ihren Sohn als Messias der Juden und Heil der Welt erkennt. 

Es liegt nahe, daß die vielfältigen Leiden der Juden durch die Jahrhunderte der Madonna nicht gleichgültig sein können. Wie sehr sie sich mit der Geschichte der Israeliten verbunden fühlt, zeigt zum Beispiel ihr Magnificat, der im Lukasevangelium bezeugte Lobgesang der Gottesmutter.

Dort betont sie besonders das Heilswirken des Ewigen an ihrem Volk, den Israeliten des Alten Bundes:

„ER nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,              

das ER unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.“

Maria ist selber in ihrer Person die entscheidende Brücke vom Alten zum Neuen Bund, denn sie gehört beiden „Bündnissen“ zugleich an; ihr Magnificat belegt, wie stark sie von den Gebeten, den Psalmen, überhaupt dem Alten Testament geprägt ist; ihr Danklied atmet die Sprache der Propheten Israels, stimmt ein in ihr begeistertes Lob auf die Größe und Herrlichkeit Gottes.

Die Mutter des HERRN sehnt sich leidenschaftlich nach dem Reich Gottes, nach „seiner Gerechtigkeit“, durchaus auch nach einer Umkehr irdischer Verhältnisse durch Gottes wunderbare Taten („ER vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten…“).P1020947

Doch die größte Tat des Höchsten ist die Menschwerdung seines Sohnes in der Jungfrau Maria. In ihrem Magnificat kündigt die Gottesmutter bereits an, daß sie aufgrund ihrer Erwählung durch den Höchsten in Zukunft seliggepriesen wird („…siehe, von nun an werden  mich seligspreisen alle Geschlechter…“).

Maria, das jüdische Mädchen, die Mutter aus Israel, ist eine „Tochter Zion“ – und als solche betet sie vor dem Thron des Höchsten für die Christenheit, für die Kirche, aber nicht zuletzt auch für ihr eigenes jüdisches Volk.

Leider gibt es in der Kirchengeschichte nur wenige Zeugnisse, die sich positiv mit diesem Thema befaßt haben. Ein bemerkenswertes Beispiel aus dem 12. Jahrhundert ist der britische Augustiner-Chorherr Wilhelm von Newburgh aus Yorkshire. In seiner marianischen Auslegung des Hohelieds schreibt er:

„Und wir sollen wissen, daß die Verdienste der barmherzigen Mutter auch dem Volk Israel zum Heil verhelfen. Denn wie eindringlich, glaubst du, bittet sie wohl täglich ihren allmächtigen Sohn für ihr Volk?  131223-stern-von-bethlehem_b87bfae72c

Denke daran, mein Sohn, spricht sie, daß du das Fleisch, in dem und durch das du das Heil der Welt gewirkt hat, von ihnen genommen hast – und daß sie, deren Fleisches du dich nicht geschämt hast, an deinen geistlichen Gütern teilhaben müssen. Denn sie hätten als erste erlöst werden sollen, weil das Heil aus ihnen kommt.“

(Quelle: Explanatio sacri Epithalamii in Matrem Sponsi, S. 152, hrsg. von J. C. Gormann, Fribourg 1960)

Pater Alanus von Lille, der sog. „Doctor universalis“, der ebenfalls im 12. Jahrhundert wirkte, brachte die Gottesmutter direkt mit der Synagoge in Verbindung, also mit dem jüdischen Gotteshaus. Er bezeichnete die Synagoge als die „Mutter der Jungfrau Maria“, denn sie stamme ebenso wie Christus von der Synagoge bzw. sie sei geistig-geistlich aus dem Glauben Israels hervorgegangen. Auch er lehrte eine marianische Auslegung des alttestamentlichen „Hohelieds der Liebe“.

Marienbild aus den Fäden des AT gewoben

Papst Benedikt schrieb 1977, als er noch Erzbischof von München war, ein Marienbuch mit dem vielsagenden Titel „Die Tochter Zion“. RadioVatikan

Darin  verdeutlicht er zugleich die besondere Sendung der Frau in der Heilsgeschichte: sie ist keine Priesterin, weder im Alten noch im Neuen Bund, doch ihre Bedeutung ist nicht zu unterschätzen. Hierzu heißt es in dem erwähnten Buch:

Die großen Rettergestalten Esther und Judith verkörpern die unzerstörbare seelische Kraft Israels, das nicht nach Art der Weltmächte auftrumpfen kann – und gerade so die Mächtigen zu besiegen weiß. Die Frau als Retterin ist die Verkörperung der Hoffnung Israels. Bezeichnend ist, daß immer schon die Frau zwar nicht als Priesterin, aber als Prophetin und Richterin-Retterin im Denken und Glauben Israels erscheint.“

Zugleich betont der Autor, daß „das Marienbild des Neuen Testaments ganz aus den Fäden des Alten Testaments gewoben ist, um das Geheimnis Marias auszusagen. Wo die Einheit von Altem und Neuem Testament zerfällt, geht der Raum einer gesunden Mariologie verloren.“

 

MAGNIFICAT: Der Lobgesang Marias (Lk 1,46-55)

Meine Seele preist die Größe des HERRN,

und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.

Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat ER geschaut.

Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.

Denn der Allmächtige hat Großes an mir getan,

und sein Name ist heilig.

ER erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht

über alle, die ihn fürchten.

ER vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:

ER zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind.

ER stürzt die Mächtigen vom Thron

und erhöht die Niedrigen.

Die Hungernden beschenkt ER mit seinen Gaben

und lässt die Reichen leer ausgehen.

ER nimmt sich seines Knechtes Israel an

und denkt an sein Erbarmen,              

das ER unseren Vätern verheißen hat,

Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

 

 


Ehre sei dem König der Ewigkeit!

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: 1 Tim 1,15-17:

Das Wort ist glaubwürdig und wert, dass man es beherzigt: Christus Jesus ist in die Welt gekommen, um die Sünder zu retten. Von ihnen bin ich der Erste. chrkn

Aber ich habe Erbarmen gefunden, damit Christus Jesus an mir als Erstem seine ganze Langmut beweisen konnte, zum Vorbild für alle, die in Zukunft an ihn glauben, um das ewige Leben zu erlangen.

Dem König der Ewigkeit, dem unvergänglichen, unsichtbaren, einzigen Gott, sei Ehre und Herrlichkeit in alle Ewigkeit. Amen.