Hardheim: Benimmregeln für die Neuankömmlinge sorgen für Schlagzeilen

Von Peter Helmes

Selbsternannte Gutmenschen sind empört. Und sie ziehen alle bekannten  –  und reichlich abgedroschenen  –  Register aus der Tasche wie z. B. „rassistische Tendenzen“.peter-helmes-227x300

Der Auslöser ihres Aufbegehrens ist die Aktion eines baden-württembergischen Bürgermeisters, der den Neuankömmlingen seiner Heimatgemeinde einen Willkommensbrief mit klaren Worten schrieb.

Wer einmal in einem Stadtviertel mit hohem Flüchtlingsanteil oder gar in einem Flüchtlingsheim unangemeldet zu Besuch war, kennt bisweilen solche Erscheinungen: Müll, Essensreste, Klogang-Reste usw., alles durcheinander und meist auf dem Boden verteilt.

Die Presseagentur „dpa“ berichtete über am 8. Oktober über die Vorgänge in Hardheim, verzichtet aber dabei nicht auf Tritte in die Kniekehle des couragierten Bürgermeisters:

„Hardheim: Umstrittener Knigge für Flüchtlinge sorgt für Empörung. Bürgermeister Volker Rohm (Freie Wähler) schreibt Asylsuchenden genau vor, wie sie sich in Hardheim zu verhalten haben.

„Deutschland ist ein sauberes Land und das soll es bleiben!“: In der kleinen Gemeinde Hardheim im Norden von Baden-Württemberg soll alles so bleiben, wie es ist – und nicht durch Asylsuchende in Unordnung geraten. Doch seitdem die beschauliche 4600-Seelen-Gemeinde rund tausend Flüchtlinge aufgenommen hat, ist die kleine heile Welt gestört.

Für Bürgermeister Rohm Grund genug, einen Verhaltenskodex an die Fremden zu verteilen. „Liebe fremde Frau! Lieber fremder Mann!“, beginnt das Schreiben, über das die Flüchtlinge laut Gemeinde in verschiedenen Landessprachen informiert wurden. „Viele von Ihnen haben Schreckliches durchgemacht. Krieg, Lebensgefahr, eine gefährliche Flucht durch die halbe Welt“, heißt es zunächst noch ganz einfühlsam. pc_pi

Doch rasch ändert sich der Ton, und es folgen schulmeisterliche Belehrungen: „Deutschland ist ein sauberes Land und das soll es bleiben!“. Wenn man öffentliche Toiletten benutze, „ist es hier zu Lande üblich, diese sauber zu hinterlassen. Unsere Notdurft verrichten wir ausschließlich auf Toiletten, nicht in Gärten und Parks, auch nicht an Hecken und hinter Büschen.“

Die Benimmregeln sorgen deutschlandweit für Schlagzeilen. Die Internetseite der Gemeinde bricht zusammen, das Telefon im Rathaus steht nicht mehr still. Bürgermeister Rohm kommt mit Interviews nicht mehr hinterher. Dabei kann er die Aufregung um seine Verhaltensvorschriften gar nicht verstehen.

Und deshalb verteidigt das Gemeindeoberhaupt die umstrittenen Benimmregeln. „Der Leitfaden ist nicht als Schikane gedacht, sondern soll das Zusammenleben zwischen Asylbewerbern und Bevölkerung erleichtern“, gibt sich Rohm naiv. „Wir wollen die Asylbewerber damit nicht zu guten Deutschen machen.“

Bei den Verhaltensregeln handle es sich um Empfehlungen nach Beschwerden, die überwiegend von Bürgern an das Rathaus herangetragen worden seien.“

Angelika von Loeper, Vorsitzende des Flüchtlingsrats Baden-Württemberg, sieht das anders: Zettel zu verteilen, in denen Vorurteile aneinandergereiht würden, trage keineswegs dazu bei, die Ängste der Bürger abzubauen. „Ich halte das für einen falschen Ansatz und hochproblematisch“, sagt sie. „Das nährt meiner Ansicht nach rassistische Tendenzen.“ 

Doch nicht alle teilen die kritische Auffassung: „Wenn Flüchtlinge nach Deutschland kommen, müssen sie sich an unsere Regeln halten. Hardheim sollte ein Beispiel für ganz Baden-Württemberg sein“, sagt der Bundestagsabgeordnete und Bezirksvorsitzender der CDU Württemberg-Hohenzollern, Thomas Bareiß. „Wir brauchen jetzt klare und unmissverständliche Integrationsregeln, der Vorstoß der Gemeinde Hardheim ist richtig.“



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