Die Kirche ist kein emotionaler „Event“ und eine Synode keine kitschige Seifenoper

Mathias von Gersdorff

In den letzten Tagen der in Rom laufenden Familiensynode mehrten sich Stimmen aus dem progressistischen Lager, die erklärten, das Wichtigste am Ganzen seien nicht unbedingt die Texte, die am Ende veröffentlicht werden, sondern vielmehr das Ereignis an sich.  0653a-bildungsplan-demo-1-2-1448b12b252812529

In der Tat: Aus dem Linkskatholizismus ist seit längerem zu hören, die Synode sei nicht das Ende, sondern der Anfang eines Prozesses, der schließlich die Kirche tiefgreifend verändern könne.

Diese „Reform“ solle nicht bloß anhand einer Debatte rund um inhaltliche Themen geschehen, sondern durch die Einführung eines Stils, den einige Modernisten als „synodalen Stil“ oder „synodalen Prozess“ bezeichnen.

Während der vatikanischen Synode konnte man bereits einige Beispiele dieses neuen Stils kosten.

Besondere mediale Aufmerksamkeit erhielt der Fall einer Kommunion, in der ein Kind seinem Stiefvater (einem wiederverheirateten Geschiedene) einen Teil der Hostie gab. Medien, aber auch etliche Kirchenleute, zeigten sich zu Tränen gerührt  –  ein Sieg des Sentimentalismus über Glaube und Vernunft.

Wer diese Methode bis zur Perfektion beherrscht, ist der Wiener Kardinal Christoph Schönborn (siehe Foto). Er plädiert offen für die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion. Doch nicht nur das: Auch außereheliche Partnerschaften sollen eine neue Bewertung durch die Kirche erfahren, denn in ihnen „sei auch Gutes vorhanden“. SCHÖNBORN Foto von Josef Failer

Nach Kardinals Schönborns Auffassung sind diese Partnerschaften Vorstufen zur sakramentalen Ehe und müssen deshalb entsprechend gewürdigt werden.

Seine Ansichten hat der Erzbischof von Wien in Interviews mehrmals verteidigt. Zuletzt geschah dies in einem Gespräch mit Andrea Tornielli für „Vatican Insider“, einem Internetportal, das der italienischen „Stampa“ gehört und sich auf kirchliche Nachrichten spezialisiert hat.

Kardinal Schönborns Taktik besteht im Aufzählen vieler Einzelfälle
– von gescheiterten Ehen,
– von alleinerziehenden Müttern, die einen geschiedenen Mann heirateten,
– von Zivilehen zwischen Geschiedenen, aus denen Kinder hervorgingen.

Eine Leserschaft, deren Emotionalität anhand von Fernsehserien, Soap-Operas und Ähnlichem geprägt wurde, wird von Kardinal Schönborns Aufzählung gerührt sein und ihm gerne recht geben: Ja, diese Partnerschaften sind doch prima!

Doch was der Wiener Kardinal in Wahrheit vorschlägt, ist eine Anpassung der katholischen Lehre an die emotionale Welt rührseliger Vorabend-Serien.

Braucht man eine solche Kirche?

Die Progressisten meinen: Ja! Sie glauben tatsächlich, dass eine Kirche, die sich nicht mehr am Lehramt, sondern an der Jugendpostille „Bravo“, an Serien wie „Gute Zeiten – schlechte Zeiten“ und an sonstigem Kitsch orientiert, zukunftsfähig sei.P1020947 - Kopie

Offensichtlich irren sie sich. Welcher wirklich seriös denkende Mensch wird sich schon für eine Kirche interessieren, die sich auf ein solch niedriges, rein gefühlsorientiertes Niveau herablässt?

Nein, die wirklich aufrichtig suchenden Menschen sehnen sich nach etwas ganz anderem  –  und zwar nach einer Kirche, die unbeirrbar die Wahrheit in ihrer Ganzheit verkündet, egal, wie hart dies zu scheinen mag. Die Menschen sehnen sich nach einer prinzipientreuen und hierarchischen Kirche, die auch in der Lage ist, unangenehme Wahrheiten zu verkündigen. Kurz: Eine Kirche, die sagt, dass nur im Kreuz Christi das Heil zu finden ist.

Notwendig sind allein solche guten Hirten, die den Mut aufbringen, gegen den Widerstand der Welt für eine solch konsequente Kirche einzustehen.

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ in Frankfurt und veröffentlicht seine kirchenpolitischen und zeit(geist)kritischen Beiträge hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.it/

Fotos: M.v. Gersdorff, J. Failer, Archiv


4 Kommentare on “Die Kirche ist kein emotionaler „Event“ und eine Synode keine kitschige Seifenoper”

  1. Anonymous sagt:

    Der Autor hat die Worte und das Handeln Jesus offensichtlich nicht begriffen.

    Jesus hat Nächstenliebe und Barmherzigkeit gepredigt.

    Die Einstellung Jesus zu den Religionswächtern seiner Zeit können wir in der Bibel gut nachlesen.

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    • Ute sagt:

      Jesus hat primär Gottesliebe, Nächstenliebe und Halten der Gebote gepredigt!
      Die Gebote stammen aus der Barmherzigkeit Gottes und gleichen den Verkehrsregeln, die ja auch irgendwie lästig sind, aber dennoch notwendig, man denke nur, wenn es keine Vorfahrtsregeln gäbe!
      Barmherzigkeit bedeutet wörtlich, ein Herz für die Misere haben, bedeutet, dem Mensch da raus helfen wollen, nicht ihn in der Misere zu lassen.
      Davon mal abgesehen können wir die Kirche mit einem Restaurant vergleichen.
      Es ist nichts komischer wie einer, der beim Italiener nach Stäbchen fragt, will heißen, wer keinen Bock aufs 6. Gebot hat, der muss ja nicht katholisch sein.

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      • Anonymous sagt:

        „Nur durch ihn können wir die rettende Botschaft verkünden, den neuen Bund, den Gott mit uns Menschen geschlossen hat. Wir verkünden nicht länger die Herrschaft des geschriebenen Gesetzes, sondern das neue Leben durch Gottes Geist. Denn der Buchstabe tötet, Gottes Geist aber schenkt Leben.“ 2Kor 3,6

        Wir dürfen die Worte Jesu nicht aus dem Kontext herausnehmen und allgemeine Formeln daraus ableiten. Paulus überlässt die Herschaft deshalb nicht dem geschriebenen Gesetz, sondern stellt sein Leben unter das Wirken und Reden des Heiligen Geistes.

        Einen Menschen aus der Misere herausholen bedeutet, dass man dessen ganz konkrete Lebenssituation betrachtet. Allgemeine Formeln und Prinzipien helfen da nicht weiter.

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      • Ute sagt:

        Selbiger Jesus sagt aber auch: «Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird gross sein im Himmelreich» und was die Scheidung angeht, macht selbiger Jesus das, was die Fachleute Thoraverschärfung nennen.
        Die Sache ist einfach die, dass Gerechtigkeit und Barmherzigkeit k e i n Widerspruch sind, sondern zusammengehören, auch und weil Christus gekommen ist, die 10 Gebote überhaupt erfüllen zu können.

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