Familiensynode in Rom: Niederlage für die Thesen der Kardinäle Kasper, Marx & Co.

Mathias von Gersdorff

Gestern Abend veröffentlichte der Vatikan den Schlussbericht der Familiensynode, über den am selben Tag abgestimmt wurde. Alle 94 Punkte erhielten die notwendige 2/3- Mehrheit.0653a-bildungsplan-demo-1-2-1448b12b252812529

Diese „Relatio finale“ ist kein lehramtliches Dokument, sondern ein Empfehlungsschreiben der Synodenväter an den Papst. Dieser kann den Text in der Art und Weise verwenden, wie er es für richtig hält. Er könnte den Schlussbericht also auch komplett ignorieren, wovon allerdings nicht auszugehen ist.

Der Text ist sehr lang und komplex. Er behandelt die mannigfaltigen Probleme moderner Familien auf der ganzen Welt. Eine richtige Einschätzung bedarf also einer ruhigen Lektüre und eines sorgfältigen Studiums.

Was die Agenda der „reformerischen“ deutschen Delegation anbelangt, kann jetzt schon gesagt werden, dass die deutsche Vertretung (Kardinal Marx, Erzbischof Koch und Bischof Bode) einen kräftigen Dämpfer erhalten hat.

Wie hier schon mehrfach ausgeführt wurde, gehörte die Delegation der Deutschen Bischofskonferenz klar zum progressistischen Flügel und brachte eine markant liberale Agenda im Gepäck mit nach Rom; sie erreichte aber wenig. Die Vorschläge von Kardinal Walter Kasper wurden im Schlussbericht praktisch nicht berücksichtigt, wenngleich einige Medien das Gegenteil behaupten.

Vor allem enthält das Dokument keine generelle Aussage zur Frage der Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur hl. Kommunion.  Foto T. Schirrmacher

Das wichtigste Ziel der deutschen Seite war von vornherein, eine allgemeine und möglichst liberale Regel in der Frage der Zulassung dieser Personen zu den Sakramenten der Buße und der Eucharistie zu finden.

Doch ob wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zugelassen werden dürfen, ist im Text direkt nicht erwähnt.

Allerdings übernimmt der Schlussbericht den Vorschlag der deutschen Sprachgruppe, den Themenbereich „gescheiterte Ehen“ dem „forum internum“ zu überlassen (§ 84 ff). Das bedeutet, dass diese Betroffenen ihre konkrete Situation mit dem Beichtvater und ggf. mit dem Ortsbischof besprechen sollen.

BILD: Die Kardinäle Müller (Glaubenspräfekt) und Kasper unterhalten sich in der Synoden-Pause (Foto: © Thomas Schirrmacher)

Rein theoretisch  –  das ist der Knackpunkt  –  existiert die Möglichkeit, dass jemand, der fortlaufend in schwerer Sünde lebt, sich subjektiv nicht in dieser Situation sieht. Dann könnten  –  weiter rein theoretisch gesprochen  –  solche Personen eventuell zu den Sakramenten zugelassen werden. Aus der „Relatio finale“ folgt das aber nicht unmittelbar. Das müsste so (hinein-)interpretiert werden.

Diesen Umstand könnten modernistische Bischöfe zum Anlass nehmen, eine sehr liberale Praxis zuzulassen (was vielerorts in Deutschland ohnehin schon der Fall ist). Das wäre allerdings entsprechend der „Relatio finale“ ein klarer Missbrauch des Konzepts „forum internum“.

Es geht also letztendlich um die Auslegung. Es ist davon auszugehen, dass in nächster Zeit manches zu diesem Thema publiziert wird. 

Die Paragraphen, die diesen Sachverhalt behandeln, sind lang, kompliziert und mit vielen Zitaten aus dem Kirchenrecht bespickt. Die Mitglieder des Redaktionskomitees wollten wohl verhindern, dass man ihnen vorwirft, sie hätten eine laxe Disziplin in der Spendung der Sakramente gefördert.

Die Frage der Homosexualität wurde nur am Rande behandelt. Es gab schlichtweg kein entsprechendes Klima, um dieses Thema zu erörtern. 

Wie die deutschen Bischöfe nun reagieren, muss abgewartet werden. Eigentlich können sie gar nichts unternehmen, solange sich der Papst nicht äußert. Auf der Pressekonferenz der deutschen und österreichischen Teilnehmer am 24. Oktober jedenfalls vermittelten Marx, Koch und Bode nicht den Eindruck, dass sie nun auf Biegen und Brechen herumtricksen würden, um doch noch ihre Agenda durchsetzen zu können.

Unser Autor Mathias von Gersdorff ist katholischer Publizist und Buchautor; er leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ in Frankfurt und die Internetseite „Kultur und Medien online“

WEITERER KOMMENTAR aus einer katholischen Frauen-Weblog: http://beiboot-petri.blogspot.de/2015/10/klarstellungen.html


3 Kommentare on “Familiensynode in Rom: Niederlage für die Thesen der Kardinäle Kasper, Marx & Co.”

  1. Erzengel sagt:

    Wir Christen brauchen wieder echte Hirten, die brennen für den Glauben, und die das Evangelium unverfälscht verkünden. Leider folgen viele lieber dem Geplärre des Mainstreams, statt mal mit der Faust auf den Tisch zu hauen und sagen, was Gott von uns will. Wir setzen das Werk des Hl. Bonifatius auf’s Spiel und verraten auch die unzähligen Märtyrer, die für die Lehre Christi ihr Leben gelassen haben. Da kann man nur noch beten:
    ,, Weck die tote Christenheit aus dem Schlaf der Sicherheit, daß sie Deine Stimme hört, sich zu Deinem Wort bekehrt. Erbarm Dich, HERR. “ ( Strophe aus dem Lied ,,Sonne der Gerechtigkeit“ aus dem Gotteslob )

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  2. konerad sagt:

    Vorsicht! Allergrößte Vorsicht!!

    Die Methode erwies sich als erfolgreich, deshalb ist sie schon wieder im Einsatz.
    Wer erinnert sich noch an den Geist des Konzils? Unter diesem „Banner“ wurde das Konzil benutzt, um neue, ganz neue Ideen in die Kirche einzuschleusen. Dabei spielten die Texte des Konzils nur dann eine hilfreiche Rolle, wenn sie ins Schema des Revolutionären paßten.
    Kein Wort steht in den Texten zum Volksaltar, oder der Abschaffung des Latein. Aber beides wurde durchgesetzt, zum „Wohle von Kirche und Gläubigen“.

    Das Wort „Banner“ steht hier für eine von mir nicht faßbare Ideologie.

    Jetzt ist ein neuer Un-Geist im Anflug, der „Geist der Synode“. Keiner in der deutschen Clique ist sich dessen bewußt, daß er im Geist Martin Luthers handelt, der auf DE lastet. (Für das Wort Clique gibt es leider gute Gründe.)

    1517 – Konzil – Synode

    Gott Heiliger Geist, in Deiner Kompetenz liegt die Wahl unseres Obersten Hirten, des Heiligen Vaters. Führe ihn sicher durch die Verwirrung unserer Zeit. Ich bitte dich, erhöre mich.

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  3. Anonymous sagt:

    Der Beichtvater bekommt mehr Autorität.

    Und vor allem ist der Beichtvater besser mit der konkreten Lebenssituation des Betroffenen vertraut. Der Heilige Geist kann wirken und den Betroffenen bzw. dem Beichtvater Lösungen aufzeigen.

    Allgemeine Prinzipien können das nämlich nicht.

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