Von den Merkwürdigkeiten eines Wunderbildes der „heiligen Familie“

Von Felizitas Küble

Dieses vermeintliche Wunderfoto kam mir bereits öfter in die Hände. Ich sah es auch in etlichen Wohnungen erscheinungsbewegter Katholiken. Obwohl ich einer Bekannten in Münster vor ca. zehn Jahren meine kritischen Einwände nannte, hängt es dort immer noch.  media-433119-2

Es sei dahingestellt, ob dieses Bild einer „übernatürlichen“ (also in Wirklichkeit „unterirdischen“) Quelle entstammt oder lediglich die Fälschung (Fotomontage, Gemälde) eines Zynikers ist, der naive Gläubige gerne hinters Licht führen will.

Dieses Wunderfoto ziert auch die Bände der falschmystischen Botschaften „Die Vorbereitung“ (ein ähnlicher Unsinn wie jene der „Warnung“). Zudem findet man es dort auf deren Internet-Startseite: http://www.dievorbereitung.de/index.html

Auch bei „Warnungs“-Anhängern wird dieses wundersame Bild gerne verbreitet, zB. auf der Fanseite von Herrn Roemer. Interessanterweise taucht er es ganz in eine orange Farbgebung ein  –  und dies wohl nicht ohne Grund: https://ssl.kundenserver.de/jochen-roemer.de/Gottes%20Warnung/images/Die%20Heilige%20Familie.jpg

Zunächst einige Anmerkungen zur äußeren Gestalt des Bildes:

  1. „Maria“ strahlt keine Warmherzigkeit aus, alles wirkt ziemlich „spitz“, auch der Augenausdruck mit Tendenz zum stechenden Blick.
  2. Die Fingerhaltung „Josefs“ ist unnatürlich: Man versuche selbst, die Hand so merkwürdig zu halten  –  das ist allenfalls mit großer Anstrengung möglich. Zudem ist der fünfte Finger viel zu lang.
  1. Das „Christkind“ könnte der Nivea-Werbung der 50er Jahre entstammen. Die Ohren sind zu groß und zu tiefliegend. Das Baby hat eine „Geheimratsecke“, als wäre es 70 Jahre alt: rechts oben fehlt das Haar bis zum Hinterkopf, dafür ist es vorne zu weit in die Stirn hineingewachsen.
  1. Wenn die Sonne scheint (links oben), können nicht zugleich die Sterne funkeln.
  2. Die „Heilige“ Familie kommt direkt aus der Dunkelheit, was freilich  h i e r  –  bei „Licht“ betrachtet  – sehr passend ist. Logisch wäre es an sich, daß der Priester die hl. Messe in einem zumindest halbdunklen Raum feiert (eine Kirche ist kein Sonnenstudio)   –  und die heilige Familie aus einem hellen himmlischen Licht kommt.

6. Das Schlimmste jedoch: das „Jesuskind“ ballt die Faust gegen den Priester bzw. die heilige Hostie.

Soll die wirkliche Bedeutung der hl. Messe verdrängt werden?Kreuzkuppel

Zudem ist das Bild insgesamt theologisch unsinnig, denn die hl. Messe ist keine sakramentale Vergegenwärtigung der heiligen Familie, sondern des Kreuzesopfers Christi.  –  Soll diese Glaubenswahrheit durch einem fromm wirkenden Kitsch unterschwellig verdrängt werden?

Auf der Rückseite eines mir vorliegenden Exemplares dieses Wunderfotos wird die angeblich übernatürliche Entstehung geschildert, ergänzt durch die Aussagen einer ebenso anonymen wie  „begnadeten“ Person:

Jemand habe einen Priester bei einer hl. Wandlung fotografiert, wobei dieses Bild herausgekommen sei. Man erfährt aber nicht, wo die hl. Messe stattfand, w e r  der Fotograf war und w e r  jene „begnadete Person“ ist, die das Bild als wunderbar „bestätigt“ bzw. als himmlische Gnadenquelle verherrlicht.

Zu den Aussagen der „Begnadeten“ sei zudem festgestellt:

1. Diese seltsame „Logik“ dreht sich natürlich im Kreise, wenn eine falschmystische Quelle durch eine andere falschmystische Quelle „bestätigt“ wird.  Das ist etwa so, wie wenn die „Madonna“ von San Damiano versichert, daß die Erscheinungen von Heroldsbach echt seien…Natürlich befürworten sich die verschiedenen Irrgeister gegenseitig!

2. Die „Offenbarung“ der  angeblich Begnadeten kann schon deshalb nicht von „oben“ stammen, weil sie die unzutreffende Ansicht äußert, daß durch ein Bild (noch dazu durch dieses Bild!) direkt Gottes „Gegenwart“ ins Haus komme. Die katholische Kirche hat stets daran festgehalten, daß wir nicht die Bilder (oder Statuen) als solche verehren, sondern die himmlischen Personen, die sie darstellen; es geht also um eine symbolische Bedeutung, keine quasi-sakramentale, sonst wäre dies magisch gedacht bzw. abergläubisch untermalt.

Ein religiöser Andachtsgegenstand wird zu einem Sakramentale, wenn er von einem Geistlichen nach kirchlichem Ritus gesegnet wird. Von einer solchen Weihe bzw. Segnung ist in der Botschaft der „Begnadeten“ aber nicht die Rede.

Somit wird zu einem verstiegenen, tendenziell fetischistischen Bilderkult angeregt, der nicht katholisch ist und mehrfach kirchlich abgelehnt wurde. (Nachzulesen etwa im „Catechismus Romanus“, dem jahrhundertelang verbindlichen Weltkatechismus, zB. auf S. 276 im dritten Teil, 2. Hauptstück.)

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


8 Kommentare on “Von den Merkwürdigkeiten eines Wunderbildes der „heiligen Familie“”

  1. Osterglocke sagt:

    Jetzt hab ich glatt nochmal nach der Faust des Jesuskind geschaut und sie zwar trotz Lupe nicht gesehen.

    In dem Alter ist das „Fäusteln“ aber ganz nornal.

    Im Internet unterhalten sich Mamas, obs bei 2 oder 3jöhrigen nornal ist.

    Die Handhaltung beim Joseph find ich nicht natürlich.

    So, das Jesuskind schläft und das will ich jetzt auch.

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    • Guten Tag,
      ich habe ein großes Bild des „Wunderfotos“ in meinen Unterlagen vergraben, bei dem man die Faust klar erkennt. Sobald ich es wiederfinde, kommt es in diesen Artikel. Es geht nicht darum, ob das „Fäusteln“ bei Kleinkindern normal ist oder nicht, sondern daß sich die Faust gegen den zelebrierenden Priester und damit gegen die hl. Messe richtet.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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      • Dorrotee sagt:

        Ja, ich kann es bestätigen, das Jesuskind macht eine Faust gegen die Hostie und den Priester. Ich selbst hatte dieses Fotobild mal in den Händen. Ebenfalls hält Josef ganz seltsam seine komisch langen Krallenfinger.
        Und alle anderen Merkwürdigkeiten sollten uns Gläubige davon abhalten, dieses Bild in der Wohnung zu haben oder gar an der Wand zum Betrachten.
        Besonders der Quatsch mit der hl. Familie und der Wandlung bei der Messe. Es wird das Opfer am Kreuz vergegenwärtigt.

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    • Osterglocke sagt:

      https://de.m.wikipedia.org/wiki/Antichrist

      Der Name Antichrist wurde die Tage ja auch mal verwendet.

      Ich habe erst mal gegoogelt, wer das ist usw.

      Der Name wird von Johannes verwendet und Johannes geht davon aus, dass der Antichrist damals schon da war.

      Bezüglich des Fotos, dass ich ja auch in dem einen Link mit eingefügt habe. ……

      Maria hat da ja ihr Kind im Arm und die Hand sieht so merkwürdig gespreizt aus.
      Ich habe das mal praktisch ausprobiert, das ist normal so. Da muss man gar kein Baby halten- probierts mal aus.

      Nun hab ich noch ne ganz andere Frage. Hat Papst Johannes Paul II im Jahr 2000
      wirklich der Menge anvertraut, dass er unter dem entsetzlichen Gefühl leide, Gott verloren zu haben. Ich hab das nicht mitbekommen. Mich hätte so eine Aussage ganz schön geschockt, obwohl es ja durchaus eine ganz schön ehrliche Aussage ist. Bevor der Papst so etwas der Menge sagt, hat er da doch vorher schon mit anderen drüber gesprochen.

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      • Guten Tag,
        Johannes schreibt zwar, es seien schon viele „Antichristen“ gekommen, damit meint er Irrlehrer mit einem antichristlichen Geist – aber zugleich spricht das Neue Testament (Christus, Paulus) von „dem“ Antichrist am Ende der Zeiten, der vor der Wiederkunft Christi erscheinen wird.
        Jene angebl. Äußerung von Joh. Paul II. kenne ich nicht. Wobei es im Glauben allerdings nicht auf „Gefühle“ ankommt! Wichtig ist auf menschlicher Seite vielmehr der WILLE zu glauben.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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      • Osterglocke sagt:

        Trotzdem – hätte Johannes Dyba solche Gefühle der Menge kundgetan? Ich kanns mir nicht vorstellen.

        Der wäre doch sicher eher zu Papst Johannes Paul II gegangen, um diesen wieder aufzubauen- so als kleiner Bonifatius.

        Gelesen habe ich das im Buch von Andreas Englisch : Der Kämpfer im Vatikan auf der Seite 119

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  2. Osterglocke sagt:

    http://kath-zdw.ch/maria/bildnisse.html

    Hier hab ich auch dieses Foto sowie noch einige andere gefunden.
    Ist dieses Foto mit der Wolke über Medjugorie eigentlich wirklich echt?
    Ich kann da die gleiche Nase erkennen😊
    Spannend finde ich das Thema zwar schon, aber speziell das Foto mit der Heiligen Familie undauch das mit der Maria mit den roten Fingern sind schon sehr seltsam.
    Dieses Wolkenfoto hat so ne Ähnlichkeit mit dem Gesicht auf dem Grabtuch von Turin.
    Irgendwie kommt mir das wie ne Traumwelt vor, vielleicht ists ja doch echt…
    So ein Wolkenfoto wäre doch mal gut, wenn es echt wäre bzw. das Grabtuch von Turin (falls es echt ist)
    Jesus möchte, dass wir zu ihm eine gute Beziehung haben, sicher ne ganz intensive.

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  3. zeitschnur sagt:

    Das Bild ist künstlerisch betrachtet eher Kitsch!
    Außerdem haben Maria und Josef exakt denselben Gesichtsschnitt, als wäre dasselbe Gesicht am Rechner für zwei „Typen“ vernutzt worden.

    Das mit der „Kälte“ sehe ich nicht, aber die Konstellation der hl. Familie ist, verglichen mit dem traditionellen Bidtypus auf den Kopf gestellt:

    Michelangelo http://images.zeno.org/Kunstwerke/I/big/26V0176a.jpg

    Oder die ursprünglicher „weiteren“ Darstellungen der „heiligen Familie“, bei denen die Frauen im Vordergrund sind und weitere Verwandte, hier Elisabeth und Johannes d.T. von Rafael, Josef aber in der Gruppierung hinsichtlich des Geschehens der Inkarnation immer zurückgesetzt (was eindeutig aus dem NT hervorgeht):

    Oder Martin Schongauer: https://www.heiligenlexikon.de/Fotos/Heilige_Familie2.jpg

    Der traditionelle Bildtypus ist eindeutig auf Maria bzw. das Jesuskind bzw. auch andere Frauen fokussiert. Man muss hier auch die Darstellungen der „Hl. Anna selbdritt“ einbeziehen.

    Hier Lucas Cranach: http://www.oel-bild.de/Bilder/Heilige-Anna-Selbdritt.jpg

    Darstellungen in der „Werkstatt“ des Hl. Josef sind an sich nicht traditionell, sondern erst in den vergangenen 100 Jahren entstanden, also ein eher neumodisches Phänomen.

    Dieses angebliche Erscheinungsbild verzerrt den gesamten traditionellen Bildtypus mit seiner Überbetonung des Josef gegenüber der Gottesmutter, von der sich das Jesuskind sichtlich abwendet, und die man nur abgeschnitten sehen kann.

    Das widerspricht in jeder Hinsicht auch der Lehre der Kirche über die herausragende Bedeutung der Gottesmutterschaft Mariens.

    Während traditionelle Bilder dies immer in der richtigen Konstellation darstellten, sind diesbezgl. mit der Parallelisierung des Hl. Josef und bei Johannes Paul II schließlich gelegentlich sogar die „Überordnung“ Josefs vor Maria die lehrmäßigen „Markierungen“ ins Wanken gekommen – denn so hoch man den hl. Josef achten muss: dieses Geschehen um die Fleischwerdung des Herr ist „frauenlastig“ sowohl in der Bibel erzählt, als auch genauso fast 1900 Jahre tradiert worden. Sie ist sündlos und vorauserlöst und alleine in der begnadeten lage, den Sohn Gottes zu empfangen und zu gebären.

    Es ist eine Tragik besonderer Art, dass man die geistliche Erfüllung des Frauseins auf diese Weise – in der Tat auch das eine Art Genderismus! – so behandelt, als hätte Gott das eigentlich auch eher dem Mann zugesprochen.

    Kein Wunder wendet sich das Jesuskind auf diesem Bild dem Mann zu, von der Frau ab und gegen den Priester schüttelt es die Faust.

    Furchtbar!

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