Das Finanzvermögen ist weltweit dreimal schneller gewachsen wie das Sozialprodukt

Von Dr. Bernd F. Pelz

Wie ich bereits 2007 in meinem Buch „Manager im Würgegriff“ geschrieben haben, hat sich die Finanzwirtschaft von der Realwirtschaft entkoppelt. Die Geschwindigkeit der Entkopplung nimmt weiter zu: euros

Kam 1980 auf ein weltweites Sozialprodukt von rund 10 Billionen USD ein Finanzvermögen von etwa 12 Billionen USD, waren es 2010 etwa 214 Billionen US-Dollar bei einem weltweiten Sozialprodukt von gut 63 Billionen US-Dollar.

Da diese Zahlen die Vermögen der Schattenbanken nur ungenügend reflektieren, ist das reale Finanzvermögen noch deutlich höher  –  und bis heute auch noch gestiegen. Das Finanzvermögen ist also mehr als dreimal so schnell gewachsen wie das Sozialprodukt. Anders gesagt: heute steht einem Finanzvermögen von wenigstens 150 Billionen USD keine realwirtschaftliche Deckung gegenüber.

Konsequenzen:

  • Alle großen Finanzinstitute und Staatsfonds sind bemüht, möglichst inflationsunabhängige Güter der realen Welt zu ergattern. Der Kampf ist in vollem Gange.
  • Die Feuerkraft der Zentralbanken ist nicht mehr groß genug, um die um die Welt ziehenden Finanzvermögen im Zaum zu halten. Zudem fördert die Geldschwemme der Zentralbanken die Vermehrung der Finanzvermögen.
  • Die Volatilität auf den Finanzmärkten steigt weiter mit entsprechenden Auswirkungen auf die Realwirtschaft.
  • Die Wertentwicklung von Immobilien oder risikoreichen Anlageformen wie Aktien und Unternehmensanleihen entfernt sich von ihrem vernünftigen Niveau.
  • Die Finanzwelt stützt das Mantra der Politik für ein ungebremstes Wachstum zur Bekämpfung der Armut und um mit der Bevölkerungsentwicklung Schritt zu halten. Ökologische Fragen geraten an den Rand oder werden ausgeblendet.
  • Vermeiden Sie unnötige und riskante finanzielle Transaktionen. Schonen Sie Ihre Liquidität.

2 Kommentare on “Das Finanzvermögen ist weltweit dreimal schneller gewachsen wie das Sozialprodukt”

  1. Die Theorie von Dr. Pelz muß kritisch hinterfragt werden. Denn das aufgeblasene Finanzvermögen kommt durch aufgeblähte Aktienbewertungen zustande, die nur sehr bedingt realen Werten entsprechen. Durch das tägliche Auf- und Ab an den Börsen werden tagtäglich -zig Milliarden geschaffen oder zerplatzen, ohne daß Otto Normalo davon in seinem Tagesablauf irgendwie betroffen ist, mal von sehr wenigen Ausnahmen angesehen. So zum Beispiel der Zusammenbruch der Ölpreise. Gut für Otto Normalo beim Tanken. Wenn er allerdings er als Sparer oder seine Lebensversicherung Ölaktien in Depot hatten, dann hat er das Nachsehen. Oder etwa der Kurs von Apple: Kämen alle Aktionäre gleichzeitig auf die Idee ihre Papiere zu verkaufen, dann würde der Kurs ins Bodenlose stürzen und ein paar hundert Milliarden wären einfach weg. Ein anderes Beispiel, um den Mechanismus zu verdeutlichen: Nehmen wir an, in den Museen und Privatsammlungen der Welt gibt es, sagen wir mal, 1000 Picassos. Nun wird auf irgendeiner Auktion ein Picasso erstmals zum Spitzenpreis von 80 Mio statt vorher 50 Mio verkauft. Damit steigt die Bewertung aller anderen Picassos und hunderte Millionen an Werten wären aus dem Nichts geschaffen. Bis dann so ein Bild mal nicht den erhofften Preis erzielt. Dann geht es wieder abwärts. Natürlich gibt es Leute, die an so einem Mechanismus Geld verdienen. Das sind erfolgreiche Spekulanten. Und es gibt Leute und Institute, die mit ihren Spekulationen Pech haben und Geld verlieren. Wie etwa unsere Landesbanken, Commerzbank, KfW, Stadtkämmerer usw., zumeist auf Kosten der Steuerzahler. Das ist der eigentliche Skandal.

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