FAZ-Polemik von Liane Bednarz bietet Zerrbild von Konservativen und „Rechtspopulisten“

Von Dennis Riehle

Hätte sich hinter dem Autor ein Mann verborgen, wäre ich davon ausgegangen, dass er in diesem Artikel seinen Testosteronspiegel abbauen wollte: Riehle, Dennis_5

Selten habe ich einen derartigen Rundumschlag voller Anschuldigungen, Pauschalisierungen und Panikmache gelesen   –  der Beitrag „Konservative Christen – Die Radikalen“ der Juristin Liane Bednarz vom 1. Februar 2016 in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/putin-orban-und-afd-rechte-christen-finden-politische-heimat-14043650.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2) hat es nicht nur in sich.

Er ist Ausdruck tiefgehenden Populismus‘  –  also dessen, was die selbsternannte Kennerin der Szene um AfD und die „Neue Rechte“ auch in einem weiteren Interview mit „t-online“ (http://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/id_76857796/afd-breitet-sich-aus-haben-laengst-problem-mit-radikalen-christen-.html) eigentlich so umfassend leidenschaftlich zu kritisieren versuchte.

Mit Wertungen spart Bednarz nicht, im Gegenteil. Dabei ist sie in der Auswahl ihrer Attribute allerdings nicht sonderlich einfallsreich. Alles, was im Zweifel nicht in ihr Weltbild zu passen scheint, ist im Bedarfsfalle populistisch, radikal oder extrem.

Die Autorin pflegt selber ein Feindbild

Und dabei täuscht der Titel im FAZ-Beitrag darüber hinweg, dass ein Feindbild, welches Bednarz ihren auserwählten Gegnern anzulasten vermag, auch bei ihr existiert – allerdings ein anderes, als man es erwarten könnte: Denn nicht allein die „konservativen Christen“ sind es, die sich die Juristin vorknöpft. Auch die „säkularen und atheistischen Rechtspopulisten“ müssen herhalten – denn sie unterscheiden sich ja nicht zu den religiösen, wie Bednarz attestiert.

Wie eine Aufreihung liest sich auch die Liste der Persönlichkeiten, die die 1974 geborene Autorin im Sammelbecken verortet, das AfD und „Pegida“ die nötige Nahrung und geistliche Grundlage liefert: Facebook-Zitat-Stein

Anerkannte Journalisten finden sich in Bednarz‘ Repertoire der geistigen Brandstifter  –  ebenso wie eine Vielzahl an Medien, die die offenbare „Parallelwelt“ widerzuspiegeln scheinen, in der Evangelikale und Katholiken gleichermaßen leben. Von Kissler über Matussek bis Hahne, Kuby und Kelle – von „Idea“ zu „Medrum“ und „Junge Freiheit“.

Frau Bednarz versucht krampfhaft, Netzwerke offenzulegen, deren Skandalisierung mir bislang unverständlich geblieben ist. Denn dass weltanschauliche und religiöse Gruppierungen schon seit jeher mit der Politik in Verbindung stehen, ist nichts Neues. Lobbyismus nennt man das – und den gibt es auch in Wirtschaft, Kultur oder Wissenschaft. Man mag ihn für ein demokratisches System als störend brandmarken, dann aber bitte auch fair!

Denn Einflüsse gibt es überall und an allen Orten, zunächst ist das nichts Verwerfliches. Dass politische Strömungen auch Religionen und Weltanschauungen eine Stimme geben, ist dabei ebenso unaufgeregt zu respektieren wie die Tatsache, dass Bednarz mit ihren Ausführungen leider genau die Vorwürfe bestätigt, welche die „Kreise“ der Extremen und Radikalen offenbar zurecht erheben:

Auch Kritik an der Kanzlerin wird diffamiert

Meinungsfreiheit unerwünscht, so unterstellt sie den katholischen und evangelikalen Christen eine entsprechende Haltung, die Bednarz aber eigens vorzuleben anstrebt, wenn es um die Redefreiheit für die von ihr als Autoritäre eingestuften Islam-, Homosexuellen- und Feminismus-Feinde geht.

Da mäkelt sie an legitimer Kritik an der Bundeskanzlerin, hält wohl Gegenreden zum CDU-Innenpolitiker Bosbach für unzulässig und zeigt sich irritiert darüber, dass sich nicht alle in Deutschland der Abwertung von „Pegida“ anschließen möchten.

Doch wie steht es nun um diese armen Seelen, die Christen, die nach Ansicht von Bednarz auf „Abwege“ gelangten? Sie wisse es auch nicht, erkenne aber, dass AfD und Parteien in andere europäischen Ländern mithilfe dieses Rückhalts der radikalisierten Gläubigen wohl in die Parlamente einziehen dürften. Auch das wäre ein demokratischer Vorgang, Frau Bednarz – und vielleicht liegt es auch an Ihnen, dass dieser Aufwind zustande kam.

Denn wer in einem seitenlangen Artikel nicht mehr schafft, als für einen freiheitlichen Rechtsstaat gültige Selbstverständlichkeiten aufzuzeigen und sich damit abmüht, Aufmerksamkeit zu erhaschen und Lob der „Gutmenschen“ einzufahren, der wird es auch schwer haben, seine Thesen über eine „konzertierte“ Gegenbewegung innerhalb der deutschen Gesellschaft mit Belegen zu unterfüttern.

Nicht jeder laute Aufschrei ist es wert, auch gehört zu werden – weder beim“ ultrakonservativen Milieu“, aber eben auch nicht bei angeblichen „AfD“-Expert*innen…

Dennis Riehle, Martin-Schleyer-Str. 27 in 78465 Konstanz

Webpräsenzen: www.Dennis-Riehle.de
www.dennis-riehle-blog.de
 

 


2 Kommentare on “FAZ-Polemik von Liane Bednarz bietet Zerrbild von Konservativen und „Rechtspopulisten“”

  1. Schlag nach bei Orwell: Kritik an der Regierungsdoktrin oder auch nur ein In-Erwägung-Ziehen von anderen Gedanken wird „geächtet“. Das Nachplappern von Regierungsphrasen gilt als „mutig“, Kritik ist „Hetze“. Frieden ist Krieg – Krieg ist Frieden… Wenn der weltanschaulich neutrale Rechtsstaat der Vergangenheit angehört und im Massenzuzug Fremder das entstehende „neue Deutschland“ von Frau Göring-Eckardt als pseudo-sakrales Pfingsterlebnis beschworen wird (https://www.youtube.com/watch?v=iTkvD4d152c), wird die Ablehnung der sich bildenden Zivilreligion des Staatswesens durch glaubenstreue Katholiken allerdings – konsequent zu Ende gedacht – staatsgefährdend.

    Das Ziel der Einschüchterung ist offensichtlich: Kritik an der herrschenden Doktrin soll bereits im Ansatz vermieden werden. Wenn es mal brenzlig wird und regierungskritische Gedanken kommen, soll der „mündige“ und kritische Gutdenker seinen Gedankenstrom sofort umlenken. Am Besten seinen ganzen “Mut“ zusammennehmen und buchstäblich sprechen, ohne zu denken, also wie eine Ente schnattern (1984: Quaksprech), dann wird alles doppelplusgut… Gesinnungsjustizminister Maas läßt beispielsweise unbotmäßige Juristen schon einmal wissen: Über den richtigen Weg dürfe zwar gestritten werden, jedoch sei dabei Augenmaß nötig; jeder müsse sich der Verantwortung für seine Thesen und Worte bewusst bleiben: „Auch ein juristischer Diskurs kann entgleiten und zur geistigen Brandstiftung beitragen.“(http://www.metropolico.org/2016/01/31/justizminister-maas-verbittet-sich-kritik/).
    Und wer „1984“ gelesen hat, „Zwiedenken“ und die Vermeidung von „Gedankenverbrechen“ kennt, der weiß sehr gut, was er damit meint…

    Gefällt mir


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