Deutsch-jüdischer Dichter Heinrich Heine: Würde und Bürde des deutschen Idealismus….

Deutschland  –  ein Wintermärchen

Ich ging nach Haus und schlief, als ob
Die Engel gewiegt mich hätten.
Man ruht in deutschen Betten so weich,
Denn das sind Federbetten.

Wie sehnt ich mich oft nach der Süßigkeit
Des vaterländischen Pfühles,
Wenn ich auf harten Matratzen lag,
In der schlaflosen Nacht des Exiles!

Man schläft sehr gut und träumt auch gut
In unseren Federbetten.
Hier fühlt die deutsche Seele sich frei
Von allen Erdenketten.

Sie fühlt sich frei und schwingt sich empor
Zu den höchsten Himmelsräumen.
O deutsche Seele, wie stolz ist dein Flug
In deinen nächtlichen Träumen!

Die Götter erbleichen, wenn du nahst!
Du hast auf deinen Wegen
Gar manches Sternlein ausgeputzt
Mit deinen Flügelschlägen!

Franzosen und Russen gehört das Land,
Das Meer gehört den Briten,
Wir aber besitzen im Luftreich des Traums
Die Herrschaft unbestritten.

Hier üben wir die Hegemonie,
Hier sind wir unzerstückelt;
Die andern Völker haben sich
Auf platter Erde entwickelt.

Heinrich Heine


2 Kommentare on “Deutsch-jüdischer Dichter Heinrich Heine: Würde und Bürde des deutschen Idealismus….”

  1. zeitschnur sagt:

    Naja, auch wenn’s von dem großen Heine ist – der hat alleine schon stilistisch Besseres geschrieben. Reim dich oder ich fress dich… das ist Knittelvers-Poesie.

    „Volksseelen“ gibt es erst seit dem späten 18. Jahrhundert.
    Ob man es glaubt oder nicht, aber im Mittelalter hatte die Individualseele mehr Bedeutung als im romantischen 19. Jahrhundert, das Ritterideale mit Volksseelen-Mystizismus verband.

    Das ist übrigens auch ein falschmystisches Phänomen – diese politische „Volksseelen“-Romantik.

    Die mystische Idee vom „Volkskörper“ und der „Volksseele“ hat denn auch zielsicher die übernationale Ausrichtung der Abendländer auf den „Leib Christi“ abgelöst und nachgeäfft. Da Teile der romantisch angehauchten Zeitgenossen auch noch sehr katholisch waren, konnte sich dieser falsche Glaube auch in den Katholizismus einschleichen. Die Nationalidee war aber von Anfang an deutliche Gegenlehre zu der Konstruktion eines supranationalen heiligen Reiches, in dem die einzelnen Fürsten (nicht „Völker“!) kulturelle, sprachliche und private Parzellen bilden konnten, gipfelnd in der Idee von der „Volkssouveränität“, die auch unserer Demokratie zugrunde liegt, sich aber täglich als fixe idee erweist, auf deren Basis einzelne Politikerinnen mit großem I autoritär ihr Ding durchziehen und das Volk erst gar nicht anhören wollen.

    Da in den alten Monarchien der Fürst ein privater „Herr“ war, der in einem privaten Vertragsverhältnis, wenn auch ungeschrieben, zu den Untertanen stand, tatsächlich eher dem natürlichen familiären bzw. auch einem „Arbeits“-Recht ähnlich, war dem älteren Begriff von „Volk“, „gens“ oder „natio“ jegliche mystische „Verbundenheit“ und Verpflichtung fremd. Es gab ganz nüchtern den persönlichen Landesvater, es gab Individuen, die Familien angehörten und in entsprechenden rechtlichen Verpflichtungen standen. Alles Mystische war auf den Himmel gerichtet – nicht auf die Erde und schon gar nicht auf Menschen! Heute haben wir den abstrakten und zwanghaften „Vater Staat“… und die Neigung, einzelne Starpolitiker zu idolisieren: „das“ Volk huldigt ihnen aus „seiner Seele“ heraus…

    Um eine „Volksseele“ zu kreieren, bedarf es explodierender und manipulierender Medien: das begann im 19 Jh mit einem ausufernden Zeitungswesen, das sich in immer weiteren Massenmedien fortgesetzt hat.

    Was die heutige Realität in Deutschland betrifft, sind Teile der Bevölkerung von einer ganz bestimmten Sichtweise geprägt, die medial flächendeckend vermittelt wird. Das hat weniger mit den heineschen Traumreichen zu tun als mit Indoktrination und dem vielbeschworenen Gutmenschentum, das über alles herumlabert, dabei aber standhaft Faktenwissen verweigert. Wie es neulich ein islamischer Theologe schrieb: Niemand verteidigt in Deutshcland den islam mehr als diejenigen, die überhaupt keinerlei Ahnung vom Islam haben und haben wollen….Anteil haben daran Deutschstämmige ebenso wie Personen „mit Migrationshintergrund“. Diesen labernden Gutmenschen treten andere entgegen, die das Gegenteil labern, sehr oft mit derselben Radikalität und derselben Ignoranz.
    Nur ganz wenige lassen sich von dem, was „im Volk“ virulent ist, weder so noch so nicht beeinflussen und erfassen eine eigenständige und durchdachte Position – und das dürfte überall auf der Welt gleich und nie anders gewesen sein.

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  2. Horst sagt:

    Der Dichter muss auch weniger gute Zeiten, etwa wie die heutigen erlebt haben. Von ihm stammt doch auch das sorgenvolle „Stöhnen“ in seinem Gedicht „Nachtgedanken: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, – Dann bin ich um den Schlaf gebracht“, das längst zu einem „geflügelten Wort“ geworden ist.

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