Kardinal Müller will „Botschaften“ und charismatische Phänomene kritisch prüfen

Am vergangenen Dienstag teilte das vatikanische Presseamt mit, daß Kardinal Gerhard Müller am 14. Juni 2016 ein Schreiben an die Bischöfe der katholischen Weltkirche richten wird, in dem er sich vor allem über Privatoffenbarungen sowie charismatische Bewegungen und Phänomene äußere und Richtlinien für ihre Beurteilunge vorlege.

Dabei geht es Medienberichten zufolge vor allem um das Verhältnis von Amt und Charisma, von kirchlicher Hierarchie und „charismatischen Gaben“.Scannen0008

Das angekündigte Dokument der Glaubenskongregation trägt den lateinischen Titel Iuvenescit Ecclesia („Die Kirche verjüngt sich“).

Wie die französische Tageszeitung „La Croix“ schreibt, will die wichtigste vatikanische Kongregation in Zukunft charismatische Gruppierungen stärker beaufsichtigen und Privatoffenbarungen, von denen Mitglieder aus entsprechenden Gruppen häufig berichten, sorgfältiger untersuchen lassen.

Kardinal Müller sagte in einem Interview mit der Vatikanzeitung, Charismatiker seien in etwa wie „ungeplante Kinder“, die ebenfalls geliebt würden, deren „grundstürzende“ Neuheiten aber „verstörend“ wirken könnten, weshalb sie der „Reinigung“ bedürften.

Auf „Katholisch.de“, dem Portal der deutschen Bischofskonferenz, heißt es dazu unter dem Titel „Kirche will Privatoffenbarungen strenger prüfen“, es gehe darum, charismatische Gruppierungen zukünftig „genauer zu beobachten“: http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/medien-kirche-will-privatoffenbarungen-strenger-prufen2732900420_68d28f8a20

„Katholisch.de“ schreibt sodann zutreffend, daß „Privatoffenbarungen, etwa Marienerscheinungen“, die von der Kirche anerkannt wurden, „keine allgemeine Glaubensverbindlichkeit“ aufweisen; sie sind weder Dogma noch gehören sie zum amtlichen Glaubensgut der Kirche.

Tatsächlich sind „Privatoffenbarungen“ (Erscheinungen, Visionen, „Botschaften“, übernatürliche Einsprechungen etc.) von der Offenbarung Gottes nicht nur graduell, sondern grundsätzlich zu unterscheiden, denn die göttliche Offenbarung ist laut beständiger Lehre der katholischen Kirche mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen.

Daher sind auch jene Erscheinungen, welche von der Kirche approbiert (gebilligt, zugelassen, bejaht) wurden, keineswegs glaubensverbindlich bzw. nicht verpflichtend für die Gläubigen. Von den nicht-anerkannten oder gar ausdrücklich abgelehnten Privatoffenbarungen soll sich das Kirchenvolk ohnehin fernhalten.

Weitere Hinweise zu diesem Themenkreis hier: https://charismatismus.wordpress.com/2014/03/27/prof-joseph-schumacher-zur-kirchlichen-approbation-von-privatoffenbarungen/

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10 Kommentare on “Kardinal Müller will „Botschaften“ und charismatische Phänomene kritisch prüfen”

  1. Nur Jesus ist der Herr sagt:

    „Charismatiker seien in etwa wie ungeplante Kinder“.

    Irgendwie kommen mir bei dieser Aussage folgende Worte Jesu in den Sinn:

    „Und als Jesus ein Kind herbeigerufen hatte, stellte er es in ihre Mitte und sprach: Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr keinesfalls in das Reich der Himmel hineinkommen.“ Mt 18,3

    Dann also gern ein „ungeplantes Kind“ sein.

    Gott kann man weder institutionalisieren noch das Wirken des Heiligen Geistes planen.

    In der Bibel kann man nachlesen, dass Gott für seine Zwecke regelmäßig einfache Menschen und nicht religiöse Führer für große Aufgaben oder prophetische Ansagen erwählt hat,

    Die Geschichte von der Berufung des Königs David zeigt uns, dass Gott sehr wohl sein Augenmerk auch auf „ungeplante“ oder „von den Eltern nicht ernst genommene“ Kinder richtet.

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    • Osterglocke sagt:

      Also so „grundstürzende“ Neuheiten kanns ja sicher wirklich nicht geben.

      Das WESENTLICHE wird schon in der Bibel festgehalten sein.

      Die Frage ist nur, ob wir bereits alle in der Bibel verborgenen Schätze entdeckt haben.

      Sicherlich nicht😎

      Vorsichtig muß man schon sein.

      Jetzt hatte ich gerade die Vision, dass Jesus fishermens friends mag 😅😅😅😅😅

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  2. zeitschnur sagt:

    Da darf man ja gespannt sein – aber ich sage es mit einem ironischen Unterton. Was soll das Schreiben Neues bringen? Entscheidend ist, was daraus praktisch folgt.

    Ich bin skeptisch, denn das „Lehr-Amt“ hat sich oft genug durchaus selbst charismatisch vergaloppiert. Man denke an die charismatische Neigung Johannes Pauls II oder schon Pius IX. und seiner ultramontanen eisernen Bischöfe – die schwammen ja förmlich in absurden Seherinnen- und Erscheinungsdirektiven. Das war so krass, dass Medjugorje nicht wirklich schlimmer ist…

    Man wird diesen Konflikt mit irgendwelchen Instruktionen aus Rom genauso wenig lösen wie die Frage nach einer würdigen Eucharistiefeier.

    Mich ermüdet das alles unendlich.

    Andererseits zeigt uns die Forschung, dass eine dermaßen rigide Aufpflanzung des „Lehramtes“ als „ecclesia docens“, wie sie seit dem Trienter Konzil vorgenommen wurde, auch nicht das Richtige sein kann. Das Chaos, das wir derzeit erdulden und selbst produzieren, ist auch eine Folge jahrhundertelanger lehramtlicher Arroganz – das „Imperium schlug zurück“. Die Reformation hat sicher das Kind mit dem bade ausgeschüttet. Man kann sich aber fragen, ob Rom das Kind nicht auf der anderen Seite in große Gefahr brachte.

    Es ist zwar notwendig, dass das Lehramt bei Zwiespalten und drohenden Schismen wegen Glaubensfragen definitive Urteile fällt.
    Mehr aber auch nicht – so sah man das mindestens das 1. Jahrtausend der Kirchengeschichte. Man ließ doch sehr viel zu und ließ sich mit definitiven Urteilen Zeit.

    Meines Erachtens hätte man das Kirchenvolk nicht dermaßen aus der theologischen Reflexion ausgrenzen dürfen, wie sich das leider entwickelt hatte. Vor allem auch nicht die Frauen. Man hat ihnen buchstäblich alles geraubt. Die goldenen Zeiten der „Kirchenväter“ (die ja auch nicht dem „Lehramt“ angehörten!!!), der intellektuellen Ordensfrauen und Mystikerinnen und der brillanten Universitätstheologen des Hoch- und Spätmittelalters war spätestens mit dem 16. Jh vorbei: Ab da wurden sie allesamt systematisch ausgegrenzt.

    Was geschah?

    Frauen verlegten sich auf das pseudomystische Terrain. Nun, da sie nicht mehr intellektuell und rational auftreten durften, sondern allenfalls „sozial“ und „karitativ“, versteckten sie sich in „Botschaften“. Die Theologen wurden gezwungen, nur noch steril zu lehren und zu forschen und verfemt, wenn sie auch nur einen Fußbreit frei dachten. Die Panik, irgendeiner könnte mit „Neuerungen“ kommen, war auf römischer Seite so extrem, dass man dort nicht bemerkte, wie man in der Panik selber „Neuerungen“ um „Neuerungen“ einführte… Ein Mann wie John Henry Newman, der dennoch auch die wissenschaftliche Theologie zur „ecclesia docens“ rechnen wollte, wurde eiskalt verhetzt und für viele Jahre diskriminiert. Er forschte in aller Stille weiter…

    Solange man dieses unselige Ungleichgewicht nicht bereinigt, werden irgendwelche Instruktionen gar nichts bringen, denn das Volk wird sich das einzige Terrain, auf dem man ihm nicht verbieten kann, sich zu äußern, nämlich das charismatische, nicht rauben lassen.

    Nicht zuletzt glaube ich, dass das ausufernde charismatische und erscheinungsbewegte Unwesen ein Symptom lehramtlicher Verwirrung ist.

    Kardinal Müller ist daher zu empfehlen, vielleicht auch einmal eine Selbstkontrolle in Rom anzuregen. Eventuell führt das zu einer effizienteren Bereinigung der Situation. Der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf her.

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    • Osterglocke sagt:

      Offenbarung oder Privatoffenbarung sind so große Worte.

      Gott hat sich uns vollständig offenbart als Person Jesus Christus, da gibt’s keine Steigerung mehr.

      Was wir meinen sind Gespräche.

      Das Gebet ist ein Gespräch.

      Wir beten und bitten alleine und in der Gruppe und erhoffen uns Antworten.

      Gott, Jesus und der Heilige Geist sprechen oder schweigen.

      Wir brauchen einen Dialog mit Jesus.

      Ehrlich, ich wünsche mir sogar, dass Jesus unsere Worte hier im Forum nicht gleichgültig sind und am liebsten wären mir persönliche Antworten von ihm.

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    • Stefan1 sagt:

      Ich bin mit Ihren Betrachtungen über die Situation und Entwicklung in der Kirche anhand des gewählten Themas zum grössten Teil einverstanden. Das haben Sie wie immer sehr klug formuliert.

      Das Einzige was ich noch entgegen halten könnte, ist die Vermutung, dass es nicht zwingend besser gekommen wäre, wenn alles anders gelaufen wäre, jedoch sicher mit anderen Folgen und möglichweise wäre auch diese hypothetische Entwicklung teilweise wieder beklagenswert. Was denken Sie?

      Darum unterstütze ich Ihre Empfehlung der Selbstkontrolle (vielleicht auch Selbstkritik) an Kardinal Müller.

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  3. Nur Jesus ist der Herr sagt:

    Die göttliche Offenbarung ist abgeschlossen?

    Ein solches Denken ist naiv und in Unkenntnis göttlicher Allmacht.

    >Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben.< Ezechiel 36,27+28

    Der Heilige Geist ist unser Beistand und er offenbart uns das Herz und den Willen des Vaters. Nicht umsonst heißt es: "Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden." Es braucht auch unser Zutun, dass sein Wille hier auf Erden geschieht.

    Wer dem Heiligen Geist das Wirken und Offenbarungen vom Herzen Gottes abspricht, der braucht sich nicht wundern, wenn die Menschen den Gottesdiensten fernbleiben.

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    • Guten Tag,
      natürlich wirkt Gott auch nach der Menschwerdung Christi in den Herzen seiner Gläubigen, aber es handelt sich dann eben nicht um eine Offenbarung, die für a n d e r e Gläubige oder gar für das ganze Kirchenvolk verbindlich wäre. Darum geht es doch!
      Im übrigen nimmt die katholische Kirche – im Unterschied zu Ihnen – ernst, was im Hebräerbrief nachzulesen ist, nämlich daß Gott einst durch die Propheten zu uns gesprochen hat, zuletzt aber hat er dies durch seinen Sohn getan, womit ER seine Selbstmitteilung vollendet hat.
      In der Botschaft Christi – der göttlichen Offenbarung – ist alles enthalten, was der Mensch benötigt, um zum Heil zu gelangen. Zu dieser göttlichen Offenbarung gehört die mündliche (Tradition) und schriftliche (Hl. Schrift) Überlieferung, also die kirchliche Verkündigung aus apostolischer Zeit.
      Daher ist die öffentliche Offenbarung der Kirche – also die göttliche Offenbarung – mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen.
      Die katholische Kirche konzentriert sich mit diesem Dogma vom Abschluß der Offenbarung also auf Bibel und Apostellehre.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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      • Hannes Gunka sagt:

        Sg Frau Küble,
        überschätzen Sie das Lehramt der (katholischen) Kirche nicht doch ein wenig? Ohne das Wirken des Heiligen Geistes, der „weht, wo er will“ , wäre doch alles nur tote Theologie! Im übrigen ist Ihre Aussage, daß die göttliche Offenbarung mit dem Tod der letzten Apostel aufgehört hätte, biblisch nicht haltbar. Paulus selbst zählt in seinen Briefen die Ämter in der Kirchen-Gemeinde auf: darunter auch die Apostel! Also gibt es sie noch, hoffentlich! Sie geben doch erst einer Gemeinde Leben! Und dass heute Offenbarungen, die der Heilige Geist jedem geisterfüllten Christen schenken kann, nicht nur für sich selbst, sondern für eine oder mehrere Personen gelten, ist erfahrbare Tatsache! Natürlich ist immer eine Prüfung notwendig und hat sich an der Heiligen Schrift zu orientieren.

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      • Guten Tag,
        die Heilige Schrift und die apostolische Überlieferung ist beileibe keine „tote Theologie“ (Gottes Wort ist aus sich heraus lebendig!) – und gerade wenn man die Hl. Schrift ernst nimmt, dann weiß man, daß in ihr und der Apostellehre alles (!) enthalten ist, was der Christ zum Leben und zum Sterben braucht. Das ist die amtliche Lehre der katholischen Kirche – zudem klar bibelorientiert…
        Natürlich gibt es die Apostel im engen Sinne (12 Apostel und Paulus als Heidenapostel) – und den Begriff im weiteren Sinne. Wir sprechen auch heute noch beispielsweise vom „Apostolat“ oder von einem „Laienapostel“ in der katholischen Kirche; in der evangelischen meist von „Evangelisation“.
        Mit Christus und seinen Aposteln ist die göttliche und öffentliche (!) Offenbarung abgeschlossen, denn in Christus vollendet sich Gottes Botschaft und Heilswerk.
        Das ist ein bedeutendes Dogma in der katholischen Kirche (sogar dem Rang nach noch höher als ein Einzel-Dogma, nämlich ein Axiom, eine theologische Denkvoraussetzung für diverse weitere Lehrinhalte).
        Freilich schließt dies p r i v a t e Einsprechungen Gottes an einzelne Gläubige nicht aus.
        Diese Erleuchtungen, Prophetien oder Weissagungen etc. sind aber für andere Gläubige nicht verpflichtend, nicht glaubensverbindlich.
        Das ist der entscheidende Unterschied zwischen solchen „Privatoffenbarungen“ und der göttlichen Offenbarung, die alle Christgläubigen verpflichtet.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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    • Osterglocke sagt:

      Jesus ist auferstanden, er lebt ☺

      Jesus spricht, wann er will und mit wem er will und was er will.

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