Unheilvolle Medjugorje-Verstrickungen im jugoslawischen Bürgerkrieg

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In erscheinungsbewegten Kreisen hört man immer wieder die Mär, Medjugorje sei damals im serbisch-kroatischen Krieg „wunderbar“ beschützt worden durch die „Königin des Friedens“, welche dort angeblich mehreren Sehern schon seit Jahrzehnten erscheint. Scannen0004

Die dortigen Privatoffenbarungen sind kirchlich nicht anerkannt, die zuständigen Diözesanbischöfe (erst Zanic, dann Peric) haben sich sogar strikt dagegen geäußert.

Nun zum vielgehörten Argument von der wundersamen Friedensstätte Medjugorje inmitten des jugoslawinschen Bürgerkriegs Anfang der 90er Jahre. Die Wirklichkeit ist genau gegenteilig, wie Friedrich Reusch auf der katholischen Webseite „The Cathwalk“ klarstellt:

„Es gab damals eine enge Zusammenarbeit zwischen Kriegsverbrechern des jugoslawischen Bürgerkrieges in den 90er-Jahren und den in Medjugorje die Fäden ziehenden Franziskanern der Franziskanerprovinz Mostar.

Der Fuldaer Diözesanpriester Stefan Krönung erinnert sich an Einsätze mit dem Malteser-Hilfsdienst in Medjugorje infolge des Bürgerkriegs. Der Hilfsdienst hatte das besondere Anliegen, den durch den Krieg schwer gebeutelten Bosniern zu helfen und arbeitete mit dem Kassler Verein Helft Bosnien e.V. zusammen.

Pfarrer Krönung über sein Bild von Medjugorje:

„Das Ganze ist mir eher ‚nationalistisch’ als ‚fromm’ vorgekommen. (…) Das Franziskanerkloster in Mostar war bislang noch nicht einmal bereit, uns bei unseren humanitären Aktionen zu unterstützen, und wir hatten ‚nur mal nach einem Abstellplatz für PKW’ angefragt.

Ich werde nicht vergessen, wie wir erzählt bekamen, dass am Tag vor dem Angriff Kroatiens auf Mostar die UN-Blauhelme aus der bedrohten Stadt abzogen und in Medjugorje stationiert wurden. Natürlich war so das ‚Wunder’ vom wunderbaren Schutz der Gottesmutter komplett. Nur warum war der Schutz für die 30 km entfernten Menschen an der Neretwa nicht mehr da und das Morden griff um sich?“ 038_35

Wenn die Medjugorje-Propaganda uns also weismacht, der Ort sei im Krieg auf „wundersame Weise“ beschützt worden, so ist das entweder eine falsche Schwärmerei wider besseren Wissens oder aber eine Lüge.

Schließlich kann man wohl kaum behaupten, dass es wundersam ist, wenn die Strategen der Erscheinungen erst so eng mit kroatischen Freischärlern zusammenarbeiten, dass diese dann auf dem Franziskanergelände in Medjugorje Splittergranaten testen und zu einem ihrer strategischen Zentren ausbauen, bis irgendwann die UN-Schutztruppe eingreift und für Ruhe sorgt.

Angenommen, die Franziskaner von Medjugorje wären überzeugt, dass in Medjugorje wirklich die Muttergottes erscheint, würden sie dann Übungsmanöver mit Splittergranaten am Fuß des Erscheinungsberges zulassen?

Bald nach dem Krieg saßen bezeichnenderweise auch einige Medjugorje-Freunde in Den Haag als Kriegsverbrecher in Haft. Der neue Medjugorje-Guru, Pater Slavko Barbarić, besuchte die alten Freunde im Jahr 2000 in der Haft und schwärmte danach von ihnen in einer Presseaussendung in den höchsten Tönen: „Es wird das kroatische Volk in diesen guten und edlen Menschen gerichtet.“

Noch allerdings fließt das Geld. Es floss früher auch auf die Hercegovačka Banka, an der die Medjugorje-Franziskaner Anteilseigner waren. Die UN-Schutztruppe schloss im Jahr 2001 die Filiale dieser Bank in Medjugorje, auf der ein Großteil des Spendenaufkommens der Medjugorje-Industrie abgewickelt wurde, wegen Verdachts auf Wirtschaftskriminalität.
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Auf dem Höhepunkt des innerkirchlichen Konflikts zwischen der kritischen Diözesanleitung von Mostar-Duvno und den Medjugorje-Franziskanern wurde Bischof Ratko Perić am 2. April 1995 von kroatischen Freischärlern zusammengeprügelt, entführt und schließlich in einer Kapelle der Franziskaner 10 Stunden lang festgehalten und erst durch die UN-Schutztruppen wieder befreit. Das Exempel war statuiert: Wer sich gegen Medjugorje und Komplizen stellt, muss selbst als Bischof Angst vor Gewalt haben.“
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Quelle und vollständiger Text mit Fußnoten hier: https://thecathwalk.net/2010/01/19/medjugorje-lugennetz-und-sundenpfuhl-teil-3/
Wir danken für die freundliche Abdruckerlaubnis!
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Weitere Infos zu Medju: https://de.wikipedia.org/wiki/Me%C4%91ugorje

4 Kommentare on “Unheilvolle Medjugorje-Verstrickungen im jugoslawischen Bürgerkrieg”

  1. WalfischSchnucki/Bab´Aziz sagt:

    Mir wurde damals 1994 erzählt, die Leute wussten, wo und in welchen Gebieten es zu Massakern kommen wird. Auch die UN-Truppen werden an ihre eigene Sicherheit gedacht haben. So etwas wurde auch damals berichtet im Fehrnsehn hier in Deutschland.
    Und was hat das schon wieder mit den Erscheinungen zu tun?

    P.S.: Meine Heimatstadt hier in NordDeutschland wurde im dreißigjährigen Krieg völlig abgeschlachtet Frau Küble , raten sie mal von wem? Völlig neu besiedelt musste alles werden. Frau Küble – der BALKEN!!!
    Sie haben ja so ein Glück, dass die Nächstenliebe funktioniert.
    Das Wirken eines Apostels hätte alles verhindern können – dieses große Morden.
    Wirklich, sehr christlich.

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  2. Ralf sagt:

    Da bleibt mir nur zu hoffen, daß diese Lüge noch zu meinen Lebzeiten auffliegt…aber ich glaube die „ultrafrommen Gebets-Schüler der Gospa“ werden niemals die Wahrheit akzeptieren.
    „Das Buch der Wahrheit“ zb hat immer noch Anhänger, obwohl mittlerweile alle Beweise geliefert wurden, daß es sich um einen Betrug handelt…

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  3. zeitschnur sagt:

    Das ist für mich persönlich bei all diesen charismatischen und visionären Erscheinungen eines der Hauptprobleme: dass sie im Rahmen konkreter politischer Interessen auftreten.
    Bei Medjugorje ist es nur ein besonders vulgärer Aufguss.
    Mir fiel das etwa auch bei Fatima auf – und weil wir hier schon soviel über Fatima diskutiert haben, möchte ich das einmal genauer anbringemn, was mir so sauer aufstößt an Fatima. Es ist nicht dies oder jenes Wort der Visionen oder Visionsgebete, diese oder jene Geste:

    Auch wenn ich bei Fatima inhaltlich und den Wortlauten der „Botschaften“ und „Aufträge“ an die Kirche nicht so kritisch bin, sehe ich es doch vor allem als politisches Phänomen:
    Es wurde etwa von Sr. Lucia später angefügt, in Portugal werde das Dogma immer erhalten bleiben (im Rest der Welt aufgrund der Irrlehren Russlands nicht) – Zusammenhang hier anchlesebar: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20000626_message-fatima_ge.html – wobei hier doch tatsächlich übersetzt wird, die Muttergottes habe einen großen Krieg unter Pius XII. abgekündigt – sollte das nicht angeblich noch unter Pius XI. passiert sein?!).

    Es wurde und wird immer eifrigst betont, es seien die „Freimaurer“ gewesen, die die Kinder damals nach den Visionen gequält hätten. Stets liest man in ultrakonservativen katholischen Publikationen, Portugal sei damals von einer Freimaurer-Regierung heimgesucht gewesen. Das ist nun leider aber eine zu grobe und daher unrichtige Darstellung der geschichtlichen Zusammenhänge. Portugal war erschüttert von großen Unruhen, einem Sturz des Monarchen aus verschiedenen, komplizierten Gründen und tatsächlich stark antiklerikal geprägten Exponenten wie etwa Afonso Costa in der republikanischen Zeit. Nun waren aber die Republikaner nicht eine dichte und übereinstimmende „Freimaurer-Front“, sondern ein zerstrittener Haufen verschiedenster Leute und Parteien HIER https://de.wikipedia.org/wiki/Afonso_Costa oder auch HIER https://de.wikipedia.org/wiki/Zeittafel_Portugal#1900.
    Hinzukommt, dass in Portugal die Freimaurer-Logen jahrhundertelang schwer verfolgt worden waren. Sie sehen sich jedenfalls als Opfer der Kirche und man muss auch diese Sicht mit einbeziehen in die gesamte Recherche…
    Sie selbst stellen ihre Geschichte dort so dar HIER http://freimaurer-wiki.de/index.php/Portugal.

    Es ist also eine hochkomplizierte Geschichte, in der auch die Jesuiten eine zwielichtige Rolle gespielt hatten mit ihren unguten „Missionierungs“-Methoden und ihren üblichen Versuchen, auf den Hof und über den Hof sowohl politisch als auch in den Bistümern am Bischof vorbei den totalen Einfluss zu gewinnen.
    Diese alte jesuitische Masche war eine schwerste Belastung für Europa – ich las gerade jüngst, dass auch die berühmte und wirklich zweifellos fromme Markgräfin Sibylla Augusta von Baden-Baden ihre jesuitischen Berater und Beichtväter nach wenigen Jahren hinauswarf. Dabei spielte spielte deren religiöser und politischer Radikalismus wohl die Hauptrolle, dem sie sich selbst anfangs noch ergeben hatte…

    Man kann also davon ausgehen, dass auch Fatima eine massive politische Funktion erfüllte in den politischen Wirren der damaligen Zeit.
    Der „Erhalt des Dogmas in Portugal“ war dann mit dem faschistischen Politiker Salazar, der bereits in den Zwanzigern zu der Militärjunta gehörte, die in Portugal die Macht übernommen hatte (und nachdem 1918 ein Restaurationsversuch des Königtums gescheitert war!) – wie jeder, der der Vision glaubte, denken musste – vollständig gegeben. Tatsächlich hielt sich das faschistische Regime bis 1974 halten können – Sr. Lucias Vision schien also echt zu sein, solange das so war.

    Da bleibt einem nur noch ein „Honi soit qui mal y pense“…

    Anders: Fatima war (ganz gewiss auch) eine politische Funktion, um den Faschismus in Portugal (und Europa) vorzubereiten und zu konsolidieren (und eben nicht eine Restauration der alten Monarchien). Dass diesem Denken auch zahlreiche Kleriker anhingen, ist bekannt…

    Medjugorje folgt im Prinzip genau diesem Strickmuster. Man macht Politik mit Marien-Erscheinungen… und rechtfertigt damit auch Unrecht und Bosheit.

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    • Bernhard sagt:

      Das findet man bei allen radikalen Bewegungen und leider auch in besonders „überzeugten“ christlichen Bewegungen, dass der „Feind“ als monolithischer Block dargestellt wird. Ich finde es – vorsichtig ausgedrückt – auch schade, wenn Christen nicht in der Lage sind, genau hinzuschauen.

      Das mit dem politischen Hintergrund mag stimmen, wobei ich mir bei Fatima nicht vorstellen kann, dass Sr. Lucia nach Jahrzehnten die Worte der Erscheinung noch Wort für Wort niederschreiben konnte, wenn sie denn wirklich eine Erscheinung hatte. Da mögen auch ihre eigenen Vorstellungen „hineingerutscht“ sein.

      Sie erwähnen oft die Jesuiten in einem negativen Zusammenhang. Was für „Missionierungsmethoden“ hatten bzw. haben sie in Portugal angewendet?

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