Papst Benedikts „Regensburger Rede“ und der kritische Dialog mit dem Islam

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Papst Franziskus hat auf dem Flug von Rom nach Krakau am 27. Juli 2016 gesagt: „Wenn ich von Krieg spreche, spreche ich ernsthaft von Krieg. Nicht von Religionskrieg. Nein. Es herrscht Krieg der Interessen, um Geld, um die Ressourcen der Natur, um Herrschaft über die Völker“ (vgl. Tagespost 30.7.16). 0000009699_3

Papst Franziskus hat wiederholt über Christenverfolgung, auch in islamischen Ländern, gesprochen, nicht aber von einem Religionskrieg. Das haben auch seine Vorgänger Johannes Paul II. und Benedikt XVI. nicht getan.

FOTO: Prof. Dr. Hubert Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Blättern wir 10 Jahre zurück. Am 12. September 2006 hat Benedikt XVI. in seiner „Regensburger Rede“ die Aussage eines oströmischen Kaisers über Mohammed zitiert und damit einen Aufschrei in der islamischen Welt ausgelöst. In einigen Ländern kam es zu Protesten und gewalttätigen Ausschreitungen gegen Christen. Tatsächlich hatte der Papst in einem wissenschaftlichen Vortrag sein Lebensthema „Glaube und Vernunft“ (Fides et ratio) aufgegriffen.

Der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer (siehe Foto unten) nahm in einem KNA-Interview dazu Stellung: „Benedikts große Einsicht besteht darin, dass Glaube und Vernunft aufeinander angewiesen sind. Ich finde, sie wird von Jahr zu Jahr aktueller“ (vgl. Konradsblatt 33-34.2006, S.4).

Papst Benedikt XVI. wurde bei seinem Zitat unterstellt, er habe das Thema „Islam und Gewalt“ ansprechen wollen. Dazu der Regensburger Bischof: Benedikt „hat es (Zitat) sich in keiner Weise zu Eigen gemacht… wer sein Gesamtwerk kennt, weiß auch, dass Joseph Ratzinger mit Blick auf die geistige Identität Europas eine Gemeinsamkeit von Christen und Muslimen formulieren konnte, nämlich den Respekt vor dem Heiligen“.

In der Auseinandersetzung um die „Regensburger Rede“ meldeten sich 138 muslimische Gelehrte zu Wort. So führte die „Regensburger Rede“ zu einer neuen katholisch-islamischen Gesprächsinitiative. Die Schwierigkeiten dieses Dialogs sieht Voderholzer in der Frage „Nach repräsentativen Gesprächspartnern“, in der Einbeziehung der „geistlichen Autoritäten der Universitäten“ und im „innerislamischen Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten“. borMedia1847901

Für die Zukunft wünscht sich Voderholzer, „dass islamische Autoritäten sich noch deutlicher distanzieren und eine spirituelle Deutung der entsprechenden Koranverse als verbindlich vortragen, die häufig zur Legitimation terroristischer Gewalt benutzt werden. Für mich stellt sich die Frage, wie sich der Koran selber versteht, woher er seine Autorität bezieht“.

Es gibt die Distanzierung von Moslemführern von Gewalt und auch Solidarität mit Christen. Deutlich wurde das nach der Ermordung des Priesters Jacques Hamel, als an den Gedenkgottesdiensten in Frankreich und Italien eine große Zahl von Moslems teilnahm.

Der Passauer Bischof Stefan Oster hat nach dem LKW-Attentat in Nizza alle friedliebenden Moslems aufgefordert, gegen die Gewalt im Namen Allahs aufzustehen:

„Wann endlich kommt der kollektive, der große gemeinsame Aufschrei aller friedliebenden und wirklich ihrem Gott ergebenen Muslime der Welt, dass sie ihren Glauben nicht länger im Namen von Terroristen missbrauchen lassen wollen? Wann endlich tun sich die religiösen und politischen Führer der islamischen Welt zusammen, um der Welt zu erklären und zu demonstrieren, dass Islam und Terrorismus nicht zu vereinbaren sind?“ (PUR-Magazin, 8-9, 2016, S. 10)

Niemand kann einen Krieg der Religionen wollen. Für Europa und die Christen in moslemischen Ländern bleiben die Fragen: „Wie sich der Koran selbst versteht“ und „woher er seine Autorität bezieht“ von existentieller Bedeutung. IGFM-Kampagne-IKEA-Saudi-Arabien-1_01

Das sind nicht nur Fragen für Religionswissenschaftler, sondern zentrale Fragen für die verantwortlichen Politiker. Wenn z.B. in Deutschland der Islam für „fast jeden zweiten deutschstämmigen Türken wichtiger als die Gesetze“ ist, haben wir ein echtes Integrationsproblem, das man nicht mit flotten Sprüchen wie „Wir schaffen das“ lösen kann.

Tatsächlich sind wir konfrontiert mit dem Islam als einer geistlich-spirituellen Macht, für die es aber keine repräsentative Autorität gibt, die dafür sprechen kann. Wir stehen einem Islam gegenüber, der in einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Sunniten und Schiiten steht. Wir sind mit einem Terrorismus konfrontiert, der sich mit dem Koran legitimiert.

Wir haben schließlich seit Jahren Millionen von Moslems in Westeuropa, die hier arbeiten und bleiben wollen, die ganz überwiegend friedlich sind, die aber nicht bereit sind, sich in die geltende Verfassungswirklichkeit zu integrieren. Ein laizistisches Weltverständnis kann offensichtlich solche Probleme nicht verstehen und deswegen auch nicht lösen.


8 Kommentare on “Papst Benedikts „Regensburger Rede“ und der kritische Dialog mit dem Islam”

  1. Niemand sagt:

    Also viele Protestanten können nicht gut mit dem Islam, jedoch sind einige Kirchenvertreter der EKD nun komplett in ihrer Verzückung für den Islam abgehoben und verkörpern für viele Protestanten, die sich nicht von Scharen der Lehrbeauftragen das eigene Denken abgewöhnen lassen, auch nicht mehr das Christentum.
    Der Vorwurf, Gott kann nicht gebären, zeigt in dem verbissenen Kampf des Islams gegenüber dem Christentum, schon allein durch die Wortwahl, wie wenig intensiv man sich mit dieser Problematik befasst hat…

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  2. Rübezahl sagt:

    Also ohne mich wissenschaftlich theologisch zu vertiefen, bin ich ja der Meinung, dass es schwachsinnig ist, Religionen komplett zu verteufeln, aber ihren Missbrauch. Immerhin waren Ismail und Isaak Brüder und für den Islam begann die Tragödie mit der Irrlehre Mohammeds und seiner Nachfolger, die die Religion des Islam zur politischen Ideologie für ihre Macht umformten. Da muss man gezielt ansetzen, den Misthaufen an Irrlehren, die sich im Islam angehäuft haben, wo Brüder Brüder bekämpfen, Schiiten gegen Sunniten, gegen Wahabiten….

    Wir dürfen die Augen nicht vor der Tatsache verschließen, dass Mächtige auch immer versucht waren, Religionen zu missbrauchen. Die katholische Kirche hat im Mittelalter wissentlich dem Volk die frohe Botschaft im neuen Testament durch Jesus vorenthalten und vorwiegend das Alte Testament als Drohgebärde für ihre Forderungen benutzt. Auch wenn man jetzt bei Benedikt um die Ecke denken muss, als theologischer Laie, macht es Sinn, nicht in der Religion selbst das Übel zu sehen, sondern darin, was die Menschen daraus gemacht haben. Mit Franziskus kann uns ebenso mit seinem Schreiberling Tebarz van Elst am neuen Evangelium, welches nicht mehr durch die Botschaft Jesu vorwiegend geprägt ist, sondern durch einen nicht unbedenklichen Multi-Kulti-Mix ein Rückschritt in der aufgeklärten Religion des Christentums blühen. Es ist schlichtweg größenwahnsinnig, an einer Welt-Einheitsreligion zu schrauben, wo der Erkenntnisstand der Religionen und die Aufklärung fatale Lücken aufweisen.

    Naturgesetze existieren, die kann selbst der Mensch nicht beugen und wir Menschen leben nicht ewig, wir sind im Kreislauf des Lebens eingebunden und die Inkarnationstheologie existiert nicht erst seit den 3 Weltreligionen, sondern schon lange, und Phythagoras war ein berühmter Vertreter, der schon sagt, es muss einen Schöpfergott geben, der eine solche Ordnung schaffen kann, damit Leben überhaupt existieren kann.
    Wenn man bedenkt, jeder Mensch müsste von Null immer wieder anfangen, Geburt und Sterben, würden wir heute noch wie die Affen auf die Bäume klettern. Die Menschen der frühen Kulturen hätten kaum überlebt, wenn sie sich nicht als Schöpfungskinder verstanden hätten und der Schöpfung mit Achtung und Respekt begegnet wären. Aber da liegt genau der Punkt der Irrlehre Mohammeds begraben, weil er als totalitärer Herrscher sich an der Schöpfung, an den Menschen, die sich seinem Glaubensbild nicht unterwerfen, vergreift und Gott in Form von Allah zu seinem Diener stempelt, der seine hörigen Anhänger für seine Bluttaten an den von ihm bezeichneten Ungläubigen belohnen soll. Trotzdem glaubt er auch, dass er in den Himmel kommt, aber sich nicht wie Christen und Juden vor dem Schöpfergott verantworten muss. An dem Punkt, wo Menschen Religionen dazu nutzen, die Schöpfung, die Schöpfungskinder zu unterwerfen und zu unterdrücken, befinden sich die Religionen auf von Menschen gezeichneten Irrwegen.

    Man sollte auch nicht gleich auf die Protestanten schießen und zwischen der institutionellen Obrigkeit, die den Glaubensauftrag missbraucht, um im Vorstand von Moscheebauvereinen zu sitzen, übergeschnappte grüne Christen, die mit ihrer Genderideologie und Hang zur erotischen Nächstenliebe schon mit Kindern neigen, eine Frau Käsmann, die sich vor lauter Verzückung über den Islam als notwendige kulturelle Bereicherung freut, so tickt die Mehrheit der Protestanten nicht, die sich an der Lehre Jesu orientieren.

    Wir müssen die Fähigkeit aufbringen, da, wo durch die Menschen in die Religionen ideologisch derart eingegriffen wurde, um diese für ihren Machterhalt zu missbrauchen und die Gläubigen zu unterwerfen, mit Aufklärung, die Judentum und Christentum bereits durchlaufen hatten, wieder auf das gesunde Maß einer religiösen Suche zum Schöpfergott zu führen und ihnen das ideologische Gift, welches durch Menschenhand impliziert wurde, zu entziehen. So ungefähr würde ich jetzt mal den Versuch Benedikts, es in seiner Rede auszudrücken, deuten.

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  3. Rabenstolz sagt:

    Mein heutiges Erlebnis in einer Klosterbücherei. Es ist Luther-Jahr und als Christ gehe ich davon aus, dass geistliche Vertreter Interesse daran haben müssen, das Christentum zu fördern und zu verbreiten. Die Bestellung der neuen Lutherbibel wird abgelehnt, weil man als Laden zuviel bestellen müsste, mal Nachfrage dazu recherchieren, irrelevant.
    Ich kam mir vor, als gäbe es die Ökumene nicht und Katholiken und Protestanten sind wieder im Clinch, da glaubte ich, die Bartholomäusnacht wäre überwunden.
    Das Monopol für die Bücherbestellung überlässt man lieber der Bibelgesellschaft und die Preise sind wow, extrem und eine Luxusausgabe wollte ich auch nicht. Also wurde mein christliches Interesse schlichtweg abgewürgt.
    Viele Bücher mit Geistesblitzen von Papst Franziskus standen rum, doch offen gesagt schlagen die mich in die Flucht, von Benedikt kein einziges Exemplar zu finden.
    Zwei noch gültige Bibeln, das war es und da frage ich mich, ist die ideologische Gehirnwäsche in christlichen Kreisen der Kirchenvertreter schon so dramatisch voran gegangen, oder will der Klerus dem einfachen Volk die neue Luther-Bibel, die von der Freiheit des Menschen handelt, vorenthalten? Ob sie verbessert oder wieder ein wenig gefälscht ist (glaube mal zum Lutherjubiläum nicht), werde ich ja dann sehen, wenn ich das Prunkstück in den Händen halte, es sei denn, es sind nur Exemplare für die Obrigkeit gedruckt worden. Schließlich erwartet Papst Franziskus Unterwürfigkeit zu seinem sehr fragwürdigen Weltbild und da passt eine aufgeklärte Lutherbibel oder Bücher von Ratzinger nicht hin.
    Dabei lebt unser deutscher Papst noch, was ist nur mit diesen Buchläden in den Klöstern los? Wobei es jetzt nur meine Erfahrung in einem Kloster, wo die Stadt Lutherstadt ist, betrifft, vielleicht gibt es ja noch Ausnahmen an Klosterbuchläden.

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  4. zeitschnur sagt:

    Ich denke, dass Benedikt XVI. etwa anderes ansprechen wollte – nicht das Thema „Islam und Gewalt“, sondern das Thema „Islam und Vernunft“.

    Aus den Zitaten damals folgte, dass er dem Islam einen unvernünftigen Voluntarismus zuweist. Allah ist völlig willkürlich – schaltet und waltet immer unabsehbar und wie ein arabischer Pascha. Was er gestern gut nannte, kann er morgen böse nennen – er ist schließlich Gott und darf das. Der Gläubige ist mental von diesem Voluntarismus so stark geprägt, dass er nicht vernünftig handeln kann, einer destruktiven Schwankung hinsichtlich der Vernunft ausgesetzt wird, wenn er zu stark religiös denkt.

    Die Muslime leiden ja selbst an der extremen Widersprüchlichkeit des Koran. Manche retten sich dadurch, dass sie sich das rausssuchen, was ihnen schmeckt, viele aber werden geistig irre an der Inkonsistenz dieses Buches.

    Nun ist nicht alles, was wie ein Widerspruch wirkt, wirklich einer. Gott ist schließlich tatsächlich Souverän und seine Vernunft ist höher als unsere. Dennoch muss sich auf Dauer eine vernünftige Tradition einstellen im Umgang mit dem scheinbar Widersprüchlichen. Gelingt dies nicht, ist die Religion unvernünftig. Der Islam hatte nun wirklich Zeit genug.

    So macht der Abendländer mit ihnen eben auch diese seltsamen Erfahrungen – dass sie einmal friedlich und freundlich wirken und morgen durchdrehen in ihrem Hass – ein solches Verhalten ist nicht nur unmoralisch, sondern ein Zeichen eines erschreckenden Mangels an Vernunft.

    Wer nicht genau aufpasst aber, wird auch im Rahmen anderer Weltanschauungen in solche Unvernunft rutschen können, gerade auch dann, wenn er sich von der Lehrtradition entfernt, und sei es nur minimal. Unsere eigene Geschichte lehrt uns da Abgründe.

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    • ester sagt:

      ja genau, sehr gut erkannt.
      Für uns ist Gott einfach, er ist gut, er ist die Liebe, er will unser Heil und die Frage der Theodizee kommt daher, dass es scheinbar nicht so ist.
      Und es macht uns Probleme, was im Fall des Allah nicht so ist, weil er von vorneweg als absolut, unerkennbar, unnahbar, undenkbar, unanfragbar, unhinterfragbar, absolut über allem menschlichem Sein seiend, gesehen wird.
      Soweit ich das begriffen habe, geht es deshalb dem Moslem auch nicht um eine, wie auch immer geartete, Gottesbezeichnung oder gar um die Idee, nach dem Tode Gemeinschaft mit Gott zu haben, wie bei den Christen.
      Richtig erkannt haben Sie auch, dass nicht alles, was wie ein Widerspruch oder gar absurd wirkt, es auch ist,
      Also wenn Gott will dass der Mensch sich an Gottes Gebote hält so mag das manchen als Ausdruck eines böse wollenden Gottes erscheinen, wie uns die Diskussion rund um die Sünden wider das 6. Gebot lehrt, aber dennoch kann man sagen, die Gebote kommen aus seinem guten Wollen für die Menschen usw.
      Dennoch haben sich die Theologen auch abgearbeitet an den vermeintlichen Widersprüchen in der Selbstoffenbarung Gottes, an so Fragen wie Gott es zulassen konnte, dass Abraham den Isaak opferte, warum die Patriarchen mehrere Frauen haben und warum Gott den Richter JIftach nicht, vergleichbar dem Abraham, daran gehindert hat, seine Tochter zu opfern und sind irgendwie nur zu der Lösung gekommen, „da waren halt andere, primitivere Zeiten, da war das halt so!“ um es etwas platt zu formulieren.
      Und gerade die dunklen Stellen dienten ja der Rechtfertigung der Ausrottung der nordamerkanischen Indianer, man verglich sich dem Volk auf dem Weg ins gelobte Land, dass den Auftrag hatte, alles zu massakrieren was vorher da war.
      Was tun? ich weiß es nicht!
      Auf was hoffen? Darauf dass Gott uns hilft!?

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      • Guten Tag,
        das, was uns – mit Recht – an „Allah“ als willkürlich erscheint, jener ferne, unnahbare, nicht wirklich mit den Menschen verbundene „Gott“, dessen Handlungen moralisch nicht einsichtig oder „logisch“ verständlich sind usw., gab es als „theologische Versuchung“ auch im Christentum, natürlich nicht in jener rigiden Ausprägung wie im Islam. Wenn ich mich recht erinnere, hat dies Papst Benedikt in seiner Regensburger Rede auch angesprochen. Es geht um jenen mittelalterlichen Nominalismus (vertreten u.a. von Ockham und Duns Scotus), welcher in die Richtung eines Willkür-Gottes tendierte. Gottlob haben sich die nominalistischen Thesen in der katholischen Kirche nicht durchsetzen können (eher jedoch im Calvinismus – hinsichlich der dort zugespitzen Souveränitätslehre von Gott und noch verselbständigt vor allem betr. der deterministischen „Gnadenwahl“, doppelter Vorherbestimmung etc).
        Abraham brauchte Isaak gerade nicht opfern, damit wurde das – damals im Heidentum z.T. vorhandene – Menschenopfer schon zu Beginn der Geschichte Israels außer Kraft gesetzt. In der Folge wurden die Kinderopfer, die bei Nachbarvölkern z.B. dem Götzen Baal dargebracht wurden, im AT scharf kritisiert und als Greuel verworfen.
        Gott ging es um die Opfer-Haltung Abrahams, seine rückhaltlosen Gehorsamsbereitschaft, die bereit war, sogar das „Liebste“ für Gott zu opfern. Aber der Ewige ist diesen Weg dann selber gegangen, indem er sein „Liebstes“ opferte, nämlich seinen geliebten Sohn, der vor allem deshalb die menschliche Natur annahm. Zudem ist der Gehorsam und die Hingabebereitschaft Abrahams ein Vor-Bild für Maria – und so, wie er der „Vater des Glaubens“ ist, so ist Maria nicht nur eine vollendete „Mutter des Glaubens“, sondern zugleich auch die geistliche Mutter der Gläubigen.
        Die Ähnlichkeiten zwischen Abraham und Maria, überhaupt zwischen den Gerechten Israels und der Madonna sollten in der Theologie stärker herausgearbeitet werden, auch deshalb, um Maria nicht von ihrem jüdisch-alttestamentlichen Hintergrund abzuschneiden. (Dieses „isolierende“ Unterfangen hat sich kirchengeschichtlich nämlich sehr negativ ausgewirkt, ich erinnere an die Verknüpfung eines gewissen triumphalistischen Marienkults mit dem Judenhaß, zB. bei Zerstörungen von Synagogen im Mittelalter, wobei auf jenen Plätzen dann öfter „Marienkirchen“ erbaut wurden…)
        Der Richter Jiftach wurde übrigens von Gott nicht aufgefordert, seine Tochter zu opfern, sondern er hatte ein leichtfertiges Gelübde gemacht und fühlte sich an dieses gebunden, woran ihn aber nicht Gott erinnerte, sondern sogar seine Tochter selbst, obwohl sie die Betroffene war.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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      • zeitschnur sagt:

        Es ist ja ausgerechnet der Islam, der den Christen Vernunftwidrigkeit vorwirft – etwa darin, dass wir sagen, wir hätten einen Gott, der aber in einem drei Personen sei. Auch sehen sie die Aussage, Gott habe gezeugt und geboren (!) als blasphemisch an, weil Gott doch nur Geist ist und diese physischen Akte nicht vollbringen könne als reiner Geist. Das ist ihrer Meinung nach vernunftwidrig. Und es ist nach rein naturalistischen logischen Kriterien auch unsinnig – nur: das Christentum hat sich selbst ja m.W. nie als „puren“ Monotheismus deklariert, wie der Islam das voraussetzt, und die Vorstellung eines inkarnierten Gottes hat ja auch die damalige jüdische Hierarchie zutiefst empört. Auch ist die Auferstehung des Leibes ein Stolperstein christlichen denkens, dass Christus leiblich in die Gottheit inkludiert ist, Gott überhaupt als Geist inkarnieren konnte und der Mensch auch als Leibwesen ihn abbildet.

        Diese trinitarische heilsgeschichtliche „Wendung“ ist tatsächlich eine theologische Explosion, schon für die Juden, aber auch für andere Monotheisten, wie etwa den Islam. Aber: AUCH für Christen!

        Wir glauben allerdings, dass Gottes Vernunft höher als die unsere ist und in seinem Selbstzeugnis müssen wir auch das scheinbar Vernunftwidrige glauben, um einen Zugang zur übernatürlichen Vernunft zu bekommen.

        Wir setzen also in unserem Glaubensweg auf der Ebene der natürlichen Erkennbarkeit Gottes an, die vernünftig für jeden Menschen erreichbar ist. Durch die demütige Annahme auch scheinbar vernunftwidriger Glaubenssätze (und alle unsere Dogmen sind im natürlichen Sinn vernunftwidrig), erhalten wir Anteil an der übernatürlichen Vernunft und entdecken dann auch, dass wir die natürliche Vernunft zu unserer Überraschung doch einsetzen können. Voraussetzung ist aber die gläubige Annahme der Selbstoffenbarung Gottes.

        Dadurch entsteht ein feines Webstück zwischen Gott und Mensch. Immer mehr wird der kontemplierende Mensch in die Gottheit verwoben, wenn er diesen Weg mit einem reinen Willen und Herzen geht.

        Willkür oder Gewalt kennt ein solcher Mensch nicht mehr, weil Gott die Verwebung, die er bereits zu dem geliebten Menschen hergestellt und dem Menschen möglich gemacht hat, nicht mehr rückgängig macht, sondern höchsten noch in andere Dimensionen hinein vertieft und erweitert. So ist ein Christ immer mehr in Gott geborgen und wird wirklich sein Kind, seine Braut und an die Gottesmutter angelehnt sogar seine Mutter, weil er damit Christus auf seine ganz ganz kleine Weise in diese Welt bringt.

        All das kennt der Islam nicht – für ihn ist es vernunftwidrige Anmaßung.

        Man erkennt aber am Islam, dass der Anspruch, eine Religion rein vernünftig zu „machen“ in Gewalt und Unglauben endet. Daher die enge Bindung zwischen Nominalismus im katholischen Bereich (wo er überlebt hat), Protestantismus und Islam von Anfang der Aufklärung an. Die Reduktion der Vernunft auf ihren natürlichen Bereich hat auch die Verwandtschaft zum Islam aufgetan.

        Wir dürfen uns daher nicht wundern, dass gerade der Protestantismus weithin im Islam für sich kein Problem sieht – es sind ähnliche Gottesbilder. Aber gerade sie sind aufgrund der Erstarrung in der natürlichen Vernunft … Torheit. Und so sagte es uns auch die Schrift voraus.

        Die Jiftach-Geschichte ist grausam, aber sie führt vor Augen. wie ernst und hoch der Preis ist, den der Mensch tatsächlich wert ist: Gott hat das hier zwar nicht gefordert, aber es war wohl damals tatsächlich üblich oder nicht ungewöhnlich, Menschenopfer zu bringen. Sowohl bei Isaak als auch bei Jiftachs Tochter fällt auf, dass sie fraglos bereit sind dazu!

        Diese beiden schrillen Geschichten (obwohl sie unterschiedlich verlaufen) zeigen uns, wo der Mensch vor Gott steht – eigentlich.

        Man kann vielleicht invers sagen: dass ein Mensch geopfert werden „muss“ vor Gott, zeigt auch den Wert des Menschen vor Gott an. Man darf das also nicht einfach als „barbarisch“ wegwischen. Es ist nicht barbarisch und trifft den Kern der Sache, aber Gott wollte das nicht und sprang selbst für uns ein – auch mit einem Menschenopfer.

        Und erst danach ist jedes weitere Menschenopfer barbarisch.

        Die Polygamie entspringt nach Jesu eigener Deutung später der „Herzenshärte“ des Mannes, die Sündenfolge ist. Der systematische und einseitige Missbrauch der Frau durch den Mann ist klare Folge des Falls, den Eva ertragen muss, weil Gott sie in ihrer Mutterschaft schwächt (Gen 3, 16). Es steht aber eindeutig dabei, dass der Mann diese Schwächung zur Herrschaft über die Frau ausnutzen wird. Es ist im Geschlechterverhältnis eindeutig die Frau, die – wiederum nur natürlich gesprochen – den kürzeren gezogen hat. Wenn immer daraufhingewiesen wird, dass aber doch beide gleich erlösungsbedürftig sind, dann hat das damit nichts zu tun. Das System der Sünde unterdrückt einseitig und grausam die Frau durch den Mann und nicht umgekehrt, auch wenn vielleicht in Einzelfällen oder kurzen historischen Momenten auch mal das Gegenteil der Fall ist – das ist dann nie das generelle „natürliche“ System, sondern eine Ausnahme.

        Man kann das als Frau aber auch positiv – diesmal in übernatürlicher Vernunft – annehmen: nur so wurde die Frau auch Frontkämpferin gegen den Satan (Gen 3, 15), als die Geschwächte, und Christus hat sich mit ihr schwach gemacht und demselben maskulinen Angeber- und Machtsystem ausgeliefert und davon töten lassen. Man muss sehen, dass dieses maskuline System keinerlei Verheißung hat und sogar regelrecht ausgeschlossen ist vom Heil. Bischof Graber hat das in einem kleinen Werk über Maria einmal sehr gut herausgearbeitet: dieser von der Sünde total zerfressene und machtgierige Mann wurde beim Kommen Jesu vollkommen beiseite gestellt, im Notfall sogar zum Verstummen gebracht. Und wie selbst Thomas v.A. schon bemerkt hat, sind die Frauen durch ihre jahrtausendelange Demütigung in einer besseren Vorbereitung für Christus als der stolze Mann. Das heißt nicht, dass sie weniger erlösungsbedürftig wären, aber es zeigte sich, dass sie im allgemeinen leichter und unverstellter Christus erkennen können. Bis heute gibt es den bekannten christlichen Frauenüberhang. Das war auch schon gleich nach Pfingsten bald so und daran hat sich nichts geändert, weil sich am Los der Frau nur wenig verändert hat… und bei den Heiden sowieso nicht!

        Trotzdem kann man bei den Patriarchen trotz dieser schweren Entgleisungen eine Bereitschaft wahrnehmen, sich zu verändern, hin zu der Haltung, die Johannes d.T. oder der hl. Josef (die waren der wahre „neue Mann“ schon im Aufgehen gewesen) und eben vor allem eher die Frauen und vollkommen als begnadeter Mensch dann Maria an den Tag legten.
        So wie Maria ist, so hat Gott den Menschen im Paradies gedacht!

        Abraham, Isaak und Jakob etc. kannten es doch nicht anders als so verkehrt. In gewissem Sinn waren sie doch von kleinauf „verdorben“ worden durch das sündhafte System, in dem sie aufwuchsen. Man muss ihnen das nachsehen.
        Mühsam musste Gott uns Menschen herauspellen aus unserem tiefen Fall und beim Mann musste angesetzt werden, weil er stärker und systematisch (!) der Meinung war, „Herr“ und „Bestimmer“ zu sein und die Frau auch noch so instruiert hatte, dass sie das akzeptierte…wie heute die armen Frauen im Islam…

        Bei Abraham aber fällt auf, dass Gott daraf bestand, dass die Nachkommen, die er wollte, von einer bestimmten und einzigen Frau sind – auch das zeigt, wie tief Gott die Polygamie verabscheute. Als die drei geheimnisvollen Männer Abraham besuchen und er ihnen ein Mahl bereitet, viel quasselt und ein großes Getöse macht, schweigen die drei lange. Das erste was sie sagen ist:
        „Wo ist Sara, deine Frau?“
        Man muss das alles mal in seiner Subtilität lesen und es fallen einem Backsteine von den Augen…

        Jesus selbst wurde Mann und machte dem gesamten verkehrten, herablassenden männlichen Selbstverständnis einen Strich durch das Bild: Er selbst ist das Vorbild für jeden Mann, aber Jesus wollte dienen. Für die Frau ist er natürlich ebenso Vorbild, aber die Frau war ja bereits darauf eingeschworen, zu dienen. Das macht einfach die psychologische Lage grundlegend anders.

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      • ester sagt:

        Danke für die Erklärungen.
        Eigentlich ist es komisch, dass Protestantismus und Islam so gut miteinander können,
        Ich denke immer, die gemeinsame Komponente ist, dass, der Islam wie, der Protestantismus eine Religion ohne Opferkult ist und eben beide angefangen haben, als christliche Irrlehre, nur ist der Islam weiter gegangen und hat ein eigenes Heiliges Buch verfasst.
        Ich denke es bleibt uns nichts anderes übrig,. als mit dem Islam in die Diskussion zu treten, das fällt uns schwer, weil wir vieles einfach gewohnheitsmäßig als wahr ansehen, was doch absolut neu und göttlicht ist (Lesung von heute, das Kreuz, den Griechen ein Ärgernis, den Juden eine Torheit) ich denke das ist es immer noch, nur, wir sehen, vor lauter Gewohnheit nicht mehr, dass auch wir, je nachdem, Juden oder Griechen sind, was das Kreuz angeht.

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