Ivo Sasek: Prediger zwischen V-Theorien, Weltrettertum, Esoterik und Schauermärchen

Von Felizitas Küble

Ein freikirchlicher Prediger macht seit einigen Jahren in der Schweiz von sich reden, nicht zuletzt durch jährliche Konferenzen und etliche Filme aus seinem „Panorama“-Studio. Zudem unterhält bzw. unterstützt er einige Internet-TV-Kanäle (darunter Sasek-TV, Jugend-TV, Klagemauer-TV), gründete die Anti-Zensur-Koalition und verbreitet diverse Schriften, ist aber hierzulande weniger bekannt als bei den Eidgenossen.

Es geht um Ivo Sasek. Der gelernte Automechaniker wuchs glaubenslos auf, bekehrte sich später zunächst in die evangelikale Richtung, fand dort aber wegen seineFotolia_23885701_Konzert_470x_r pfingstlerischen Anwandlungen und privaten Visionen bzw. himmlischen „Offenbarungen“ wenig Rückhalt, so daß der Familienvater (11 Kinder) seinen eigenen, esoterisch geprägten Kultverein gründete, die OCG  = Organische-Christus-Generation.

In seiner wirr erscheinenden „Theologie“ vereinigt er neben Weltfriedens-Theorien und politischen Verschwörungsthesen einige neugnostische Elemente, darunter die Lehre von einer Prä-Existenz der Seele oder die Reinkarnation sowie die „Allversöhnung“ nach Origenes.

Während er die katholische Kirche (besonders deren Marienverehrung) scharf kritisiert und z.B. düstere Schauermärchen über den Jesuitenorden verbreitet (siehe etwa hier ab der 58. Min.: https://www.youtube.com/watch?v=E2BHqW8zAtI), steht er mit anderen religiösen Gruppierungen auf weitaus besserem Fuße, zB. mit Scientology.

Manches an Saseks Äußerungen klingt für konservative Christen durchaus eingängig (etwa seine Kritik am Genderismus und einer staatlichen Frühsexualisierung der Kinder), doch sollte dies nicht darüber hinwegtäuschen, daß sein inhaltliches Programm insgesamt mit kirchlichen Glaubensvorstellungen vielfach auf Kriegsfuß steht, wenngleich er sich gerne in ein weltfriedensbewegtes Mäntelchen hüllt.

Derzeit treibt ihn eine ganz besondere Mission um, nämlich nichts weniger als die friedliche Kooperation aller 12 Weltreligionen, die es angeblich alle so herzlich gut meinen und mit Terror und Gewalt nichts am Hute haben.

Sein jüngster programmatischer Spielfilm mit dem Titel „Im Anfang war das Herz“ wird hier von seiner Organisation vorgestellt: http://www.panorama-film.ch/sprache-des-herzens/foto-dcubillas-www_freimages_com_

Darin heißt es:

„Wahre Religion hat mit Terrorismus so wenig zu tun wie:

  • Der Ku-Klux-Klan mit wahrem Christentum
  • Die Protokolle der Weisen von Zion mit wahrem Judentum
  • Der IS, ISIS etc. mit wahrem Islam usw.“

Freilich hat ohnehin kein Vernünftiger behauptet, der rassistische (und übrigens auch extrem anti-katholische) Klu-Klux-Clan aus den USA sei eine christliche Einrichtung. Überdies ist längst bewiesen, daß die „Protokoll der Weisen von Zion“ eine judenfeindliche Fälschung darstellen, daher tatsächlich über das „wahre Judentum“ nichts aussagen.

Nun wird es aber interessant, denn gleichzeitig wird in dieser Film-Präsentation der „Islamische Staat“ (IS) und ähnliche Terrororganisationen („etc.“) ausdrücklich vom „wahren Islam“ getrennt.

Während sich aber IS-Terroristen sehr wohl auf den Koran und den islamischen Dschihad bzw. „Heiligen Krieg“ berufen können, handelt es sich bei den Zions-Protokollen eben nicht um ein jüdisches Dokument und beim Klu-Klux-Klan nicht um eine christliche Vereinigung, welche sich auf die Bibel und/oder die Kirche stützt.

Mit anderen Worten: Der Vergleich hinkt gewaltig – und er soll offenbar auf geschickte Weise den Islam entlasten.

Dazu passen weitere Wohlfühl-Aussagen, wonach „alle 12 großen Weltreligionen“ angeblich „seit jeher dasselbe Ideal vermitteln“, nämlich die Nächstenliebe. Wie schön aber auch!131223-stern-von-bethlehem_b87bfae72c

Und so kommt Prediger und Filmregisseur Sasek zu der wunderbaren Schlußfolgerung: „Religion hat mit Terror und Kriegstreiberei nichts zu tun. Religion ist Religion und Terrorismus bleibt Terrorismus. Es ist daher nicht nötig, im Namen der Terrorbekämpfung die Religionen abzuschaffen.“

Uns ist freilich nicht bekannt, daß eine solche „Abschaffung“ von ernst zu nehmender Seite gefordert oder auch nur vorgeschlagen worden wäre. 

Der diesjährige Kongreß des selbsternannten Weltenlehrers stand passenderweise unter dem Leitwort der „Internationalen Freundschaft“: http://www.familie-sasek.ch/aktuell.html

Auch Saseks Familie (darunter viele seiner Kinder) begab sich an jenem 14. Mai 2016 singend auf die Bühne und pries die Weisheit verschiedener Weltreligionen, auf der eigenen Webseite illustriert mit einem großen Herzen, das die Symbole von 12 Religionen enthält.

Der Song unter dem bezeichnenden Titel „Ich spür mehr“ und dem Motto „Grenzenlos lieben“ präsentiert eine rein gefühlsbezogene, kitschig anmutende „Religiosität“ im Herz-Schmerz-Stil, verbunden mit einem „christlichen“ Anstrich bei gleichzeitiger Einbeziehung der (Irr-)Lehren diverser Religionen.

Mit einer emotional aufgeladenen und schwarmgeistigen Wellness-Gläubigkeit läßt sich freilich leicht eine selig-wolkige Weltverbrüderung der Religionen herbeisingen, wobei die störende Realität  – etwa der islamischen Christen- und Judenverfolgung  – gleich gar nicht in den Blick kommt oder mit scheinbar naiver Rhetorik hinweg-erklärt wird.

Weitere Infos zu Sasek: http://blog.gwup.net/2016/12/01/video-kontrovers-uber-ivo-sasek-und-klagemauer-tv/


5 Kommentare on “Ivo Sasek: Prediger zwischen V-Theorien, Weltrettertum, Esoterik und Schauermärchen”

  1. Adan sagt:

    Liebe Leser,
    ich empfehle jedem von Ihnen sich ein eigenes Bild von der Veranstaltung zu machen und zu einem eigenen Urteil zu kommen. Die hier aufgeführte Beweisführung ist einseitig, irreführend und leider nicht gründlich recherchiert.
    Ohne hier auf einzelne Punkte einzugehen bitte ich jeden Leser sich die Ansprache im Original anzusehen und erst dann zu urteilen, so wie es schon der Bibel steht „Prüfet und das gute behaltet“ und nicht wie es hier praktiziert wird nach dem Motto „Prüfet nicht und verbreitet das schlechte was euch erzählt wurde“.
    Hier der Link zur Veranstaltung: https://www.youtube.com/watch?v=D5VOTOdjP5E
    Liebe Grüße
    Adan

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  2. röm.kath. sagt:

    Im „Apostolischen Schreiben EVANGELII GAUDIUM“ schreibt „Papst Franziskus“: „Angesichts der Zwischenfälle eines gewalttätigen Fundamentalismus muss die Zuneigung zu den authentischen Anhängern des Islam uns dazu führen, gehässige Verallgemeinerungen zu vermeiden, denn der wahre Islam und eine angemessene Interpretation des Korans stehen jeder Gewalt entgegen“.
    Er forderte am Weltflüchtlingstag am 20. Januar 2014 die muslimischen Migranten auch auf, im Koran zu lesen, die Christen in der Bibel. Ist Koran und Heilige Schrift also gleich-gültig?

    Hat Ivo Sasek hier abgeschrieben?

    Sind die Terror-Ereignisse heute vielleicht auch eine Zulassung Gottes, damit wir aufwachen und erkennen, dass eben nicht alle Religionen gleich-gültig sind? Wo doch seit einigen Jahrzehnten immer mehr Menschen, ja sogar „katholische Oberhirten“, behaupten, dass letztlich alle Religionen gleich gut und friedlich seien, was letztlich dazu führt, zu meinen, der Glaube an Jesus Christus sei für die Menschen gar nicht notwendig?!

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  3. Johann sagt:

    wir bewegen uns eben in der Endzeit. Die Bibel sagt, dass in ihr vermehrt Verführer auftreten werden, die „anstelle von Jesus Christus“ sich als Messiasse gebärden werden. Christen wissen, was sie von solchen Verführern halten sollen….

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  4. Adolf Breitmeier sagt:

    Wer auf Kosten anderer gut leben will, gründet eine Sekte, gibt sich als ,,Guru“ und als Prophet aus – und schon geht es ihm gut. Es gibt immer ,,Suchende“, die er dann ,,findet“ – und löhnen läßt. Schamanen haben schon in der Steinzeit gewußt, wie man es macht.

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  5. Dorrotee sagt:

    Habe mir eben das Youtube-Video angeschaut. Das Lied „Ich spür mehr“ ist ausgesprochen kitschig.
    Es ist wirklich eine religionsvermischende Weltverbrüderung, wovon die da singen. Unbedingt Abstand nehmen von solch einer Verkündigung.
    Sie singen: Ich vergaß, dass du mich schufst.
    Sollte man mal drüber nachdenken, ob nicht noch mehr Glaubenswissen vergessen wurde.
    Liebe Fr. Küble,
    fürchterlich, was Sie da wieder entdeckt haben. Man kann nur hoffen, dass diese Familie keinen Erfolg hat mit ihrem Irrglauben. Decken Sie weiterhin diese Missstände auf. Danke!

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