Zur Geschichte und Gründung Israels: Wem gehört das Heilige Land?

Von Herbert Nowitzky

Immer wieder wird das Existenzrecht Israels nicht nur von den Arabern bestritten, sondern auch von Menschen, die man getrost als Antisemiten bezeichnen kann. Dabei hat Israel aufgrund des Völkerrechts, aber auch durch Beschluss der UNO vom 29.1.1947 (Resolution 181) das Recht, auf seinem uralten biblischen Territorium Judäa, Sam100714052333-b1-aria und Galiläa erneut einen jüdischen Staat zu etablieren. Wo sonst?

Die Römer bereiteten zwar dem Rest des ersten Judenstaates ein vorläufiges Ende, doch gab es seitdem eine ununterbrochene jüdische Einwohnerschaft im Lande – vor allem in den Städten Jerusalem, Tiberias, Hebron und Safed. Die Araber eroberten das Land 638 n. Chr., also sechs Jahre nach Muhammads Tod, und hielten es bis in die Kreuzfahrerzeit besetzt. Muhammad selbst besuchte Jerusalem nur im Traum, was von seiner Kindfrau Aisha im „Hadith“ bestätigt ist.

Nach der Kreuzfahrerzeit gab es wechselnde Oberherrschaften im Heiligen Land, bis schließlich unter Sultan Selim I. (1512-1520) und seinen Nachfolgern für Jahrhunderte die Gebiete bis Ägypten in den osmanischen Staat einverleibt wurden. Das  Osmanische Reich, im 1. Weltkrieg mit Deutschland verbündet, verlor erst nach der Niederlage seine Territorien im Nahen Osten, was zugleich auch das Ende des Osmanischen Reiches im Oktober 1918 bedeutete.

Die arabischen Gebiete und „Palästina“ (eine geographische Bezeichnung für ein bestimmtes Gebiet westlich und östlich des Jordan) standen zunächst unter dem Mandat der Siegermächte. Es folgten neue Staatsgründungen der Araber (u.a. Syrien, Libanon) und der neue Staat „Transjordanien“, das spätere Jordanien, wurde von „Palästina“ abgetrennt. 1426245_577880468934571_1029821405_n

Zuvor war die „Balfour-Deklaration“ (2.11.1917) erfolgt, welche  –   unterstützt von der britischen Regierung  – die „Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk“ vorsah. Eine verstärkte jüdische Einwanderung nach „Erez Israel“ folgte, vor allem nach der nationalsozialistischen Machtübernahme in Deutschland.

Kein Geringerer als Mark Twain besuchte auf seinen ausgedehnten Reisen am Ende des 19. Jahrhunderts auch das Heilige Land und beschreibt es als heruntergekommene dünn besiedelte Einöde, die von Beduinen mit ihren Herden durchzogen wurde. Nur die wenigen Städte waren etwas mehr bevölkert.

Herkunft des Namens „Palästina“: Philisterland

Die „Philister“, von denen sich der Begriff „Palästina“ ableitet, waren übrigens Bewohner der griechischen Ägäis, die sich schon im ersten Jahrtausend v. Chr. vor allem in fünf „Philisterstädten“ an der Küste Kanaans niedergelassen hatten und bis zum siebten vorchristlichen Jahrhundert ein Dorn im Fleische Israels waren. Sie gingen zusammen mit dem „Nordreich“ Israels 622 v.Chr. unter, als diese Gebiete von den Assyrern besiegt und eingenommen wurden. Dr. Pelz.

Übrig blieb das „Südreich“ Juda mit der Hauptstadt Jerusalem, das Jahrhunderte später nach der römischen Eroberung zur Provinz „Syria-Judäa“ wurde. Übrig blieb aber auch der von den Philistern abgeleitete geographische Begriff „Palästina“.

Die Araber, die sich heute als „Palästinenser“ bezeichnen, haben nie einen eigenen Staat mit einer eigenen Hauptstadt gebildet. Ihre Sprache, Religion und Kultur unterscheidet sich in nichts von den übrigen arabischen Stämmen – im Gegensatz etwa zu dem Volk der Kurden, dem ein eigener Staat vorenthalten wird.

Der Anspruch der „palästinensischen“ Araber auf ein eigenes „Staatsgebiet“ auf israelischem Territorium ist absurd. Ebenso absurd ist die Idee, Jerusalem mit der heiligsten Stätte Israels, dem Tempelberg, zur Hauptstadt eines solchen Staates etwa so groß wie das Saarland, machen zu wollen.

Selbst der Koran spricht das Hl. Land den Israeliten zu

Interessanterweise, aber kaum beachtet, hat auch Muhammad (Mohammed) das Land westlich und östlich (!) des Jordan als das „heilige Land der Kinder Israel“ bezeichnet (Sure 5,21 und 7,137) – allerdings diesen von seinem Gott „Allah“ gegeben. Der Koran erwähnt übrigens Jerusalem nicht ein einziges Mal, während in der Bibel Jerusalem mehr als 800mal erscheint und von Jesus Christs als die Stadt des „großen Königs“ bezeichnet wird.  IMG_1056

Nach der Staatsgründung (1948) griffen fünf arabische Staaten Israel an. Etwa 750.000 Araber werden durch diesen Krieg zu Flüchtlingen – gleichzeitig werden wenigstens 800.000 Juden aus arabischen Ländern vertrieben und fliehen ohne ihre Habe nach Israel.

Außerdem okkupieren die Jordanier entgegen den Beschlüssen der UNO die „Westbank“ und den Ostteil Jerusalems. Es werden alle 58 Synagogen zerstört und der Friedhof auf dem Ölberg geschändet. Der Ostteil wurde hermetisch abgeriegelt, alle für Juden und Christen heilige Stätten konnten nicht mehr aufgesucht werden. Der einzige Zugang war das Mandelbaumtor, das nur mit besonderer Genehmigung passiert werden durfte.

Araber verzichteten auf „palästinensische“ Staatsgründung

Von 1948 bis zum 6-Tage-Krieg 1967 besaßen die Araber nun genau das Gebiet, auf dem sie einen Staat „Palästina“ hätten errichten können. Diese Absicht hatten jedoch die arabischen Staaten niemals.davidstern (2)

Vielmehr kam es 1964 in Ägypten (Nasser) zur Gründung der Terrororganisation PLO, der sich später sechs weitere anschlossen – darunter die „Fatah“ (arab. „hataf“ = „schneller Tod“) – die alle das gleiche Ziel hatten: die Zerstörung Israels und die Rückgewinnung der einstigen islamischen Eroberung.

Die Führung der PLO übernahm schon bald der Ägypter Arafat, zuvor unehrenhaft aus der ägyptischen Armee ausgestoßen und später als „Bauingenieur“ in Kuwait tätig.

Selbst in der Gründungsakte der PLO vom Mai 1964, der „PLO-Charta“, ist weder von einem zu schaffenden Staat „Palästina“ noch von einer Hauptstadt Jerusalem die Rede. Das Ziel der Terrororganisation ist aber in Artikel 13 ausdrücklich festgeschrieben und gilt bis heute:

„Arabische Einheit und die Befreiung Palästinas sind zwei sich ergänzende Ziele und die Erreichung des einen erleichtert die Erreichung des anderen. Arabische Einheit führt also zur Befreiung Palästinas, und die Befreiung Palästinas führt zu arabischer Einheit. Die Tätigkeit für die Verwirklichung des einen Ziels geht einher mit der Tätigkeit für die Verwirklichung des anderen.“

Trotzdem hat Israel immer wieder seinen guten Willen gezeigt: Im Hebron-Abkommen (1997) überlässt Israel die Stadt Jericho und Teile von Gaza der sog. „Palästinensischen Autonomie“ (PA). Hebron – Israels erste Hauptstadt überhaupt und Grabstätte des Patriarchen Abraham sowie Isaaks und Jakobs – wird zum großen Teil geräumt.

Camp David II: Arafat lehnte israelisches Gebietsangebot ab

Im Juli 2000 verhandeln Präsident Clinton (USA) und Ministerpräsident Barak (Israel) mit dem Terroristenchef Arafat in Camp David (II) über einen zu gründenden „Palästinenser-Staat“. IMG_1016

Obwohl Barak 95 bis 97 Prozent der von den Arabern geforderten Fläche des israelischen Kernlandes (Judäa, Samaria, Gaza) sowie den Osten Jerusalems (!)  –  das 1980 zur „ewigen und unteilbaren Hauptstadt Israels“ erklärt worden war  –  anbot, lehnte Arafat mit Blick auf die PLO-Charta ab. Der enttäuschte Clinton sagte zu ihm: „You have been here 14 days and said no to everything.”

Nachdem Arafat 2004 an Aids gestorben war (vgl. “Jerusalem Post” Nr. 7/2007), zeigte Israel erneut seinen guten Willen. Ministerpräsident Sharon ließ gegen den Willen der jüdischen Siedler den Gazastreifen gewaltsam räumen. Statt der erhofften friedlichen Entwicklung intensivierte sich seitdem der arabische Raketenbeschuss von den nun näher gerückten Abschussrampen. Im Gazastreifen offenbart sich inzwischen das heillose Chaos einer islamischen „Verwaltung“, wie sie in anderen arabischen Regionen üblich ist.

Fakten zur Vertreibung von Arabern aus Israel

Abschließend noch ein Wort zur „Vertreibung“ von etwa 620.000 Arabern aus dem Kernland Israels. Selbst wenn es eine Vertreibung war  –  andere Quellen sprechen auch von Flucht, zu der diese Menschen von ihren eigenen Führern aufgerufen waren  –  so wurden im Gegenzug etwa 800.000 Juden unter Zurücklassung ihrer gesamten Habe aus den arabischen Ländern vertrieben, wo sie oft schon seit Jahrhunderten, wenn auch als Dhimmis (benachteiligte Bürger 2. Klasse), lebten. accumulator_default_img

Dabei wäre es ein Leichtes gewesen, die arabischen Flüchtlinge in den Nachbarländern aufzunehmen. Immerhin haben die arabischen Länder, darunter die reichen Ölstaaten, eine Fläche, die größer ist als Europa.

Deutschland hat nach dem Krieg nicht nur mehr als ein Drittel seiner Fläche verloren, sondern nahm auch etwa 13,5 Millionen Vertriebene vor allem im westlichen Teilstaat auf und integrierte diese. Wäre von den Arabern ein wirklicher Friede im Nahen Osten gewünscht, so könnte auch dort die „deutsche“ Lösung ein nachahmenswertes Beispiel sein!

Gegen eine solche Lösung steht aber ein grundlegendes Gesetz des Islam: Ein Territorium, das einmal von Muslimen erobert wurde – ob für kurze oder längere Zeit – und wieder verloren ging, wird auch weiterhin als unaufgebbares Land Allahs betrachtet. Das gilt im übrigen nicht nur für das spanische Andalusien, sondern auch für jedes Stück Land, auf dem eine Moschee errichtet wurde!

Kein Gebiet erhielt und erhält noch immer soviel „Entwicklungshilfe“ wie die „Palästinensische Autonomie“ – in diesem Jahr mehr als eine Milliarde Euro, die europäische und amerikanische Steuerzahler etwa je zur Hälfte aufbringen (müssen).

Was mit diesen Geldern geschieht, ist tagtäglich in den TV-Sendern zu sehen, der Rest fließt in die Taschen korrupter Clans. So zweigte allein Arafat 900 Millionen Euro „Entwicklungsgelder“ auf seine Privatkonten in der Schweiz ab, die nie zurückgefordert wurden.

 

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8 Kommentare on “Zur Geschichte und Gründung Israels: Wem gehört das Heilige Land?”

  1. Winnetou sagt:

    Guten Tag,

    aus der Perspektive von Zeitzeugen, von der UNO dokumentierten Vorfällen und auch aus Sicht so gut wie jeder Menschenrechtsorganisation der Welt, ist dieser Artikel eine perverse Verdrehung der Tatsachen, eine Leugnung von Gräueln wider die Menschlichkeit, wie einer von der gesamten Welt damals beobachteten ethnischen Säuberung, ein Spucken auf die Opfer, ein Schlag ins Gesicht für jeden Nachkommen der Dreiviertel Million Vertriebenen und 13.000 Ermordeten der Nakba (Katastrophe) 1948.

    Eine unmenschliche Täter-Opfer-Umkehr, Leugnung der israelischen Verbrechen die einem Geschichtsrevisionismus gleicht, Verdrehung der tatsächlichen, dokumentierten Ereignisse und zu guter letzt ein gerüttelt Maß an israelischer Propaganda – „Hasbara“ – „Rechtfertigung“ mit teilweise haarsträubenden und an den Haaren herbeigezogenen Begründungen wie nicht beweisbaren biblischen Ansprüchen – für die Gründung dieses Landes wurden durch das imperialistische Großbritannien zunächst eine Vielzahl in Erwägung gezogen, ein Staat erdacht zur Hochzeit der National- und Kolonialstaaten. Darunter Patagonien, das heutige Lateinamerika und eine Vielzahl anderer Orte. Die Wahl fiel auf das Heilige Land und wäre es doch ein anderes Land geworden, hätte man eben eine neue Hasbara – haarsträubende Rechtfertigung – geschrieben.

    Es geht um Land für ein Volk, was ein edles Vorhaben ist, aber nicht so wie es umgesetzt wurde – denn nun gibt es ein neues Volk ohne Land und das ist Unrecht. Möchtest man mit solchen Artikeln bewusst provozieren, verdreht und lügt man bewusst oder ist man tatsächlich so ideologisch verblendet?

    Zunächst einmal zu der schlichten faktischen Unwahrheit es bestünde eine Nähe zwischen Arabern (wer auch immer diese einheitliche Gruppe sein soll, ein saudi-arabischer Mensch ist kulturell völlig anders aufgewachsen, als ein marokkanischer oder palästinensischer Mensch. Sind sie ein Rassist der ungültige Verallgemeinerungen ausspricht und viele Vorurteile in sich trägt? Dann passt diese aktuelle Studie der Antisemitismusforschung ja wie die Faust aufs Auge zu ihnen. Vermutlich sind sie ein Philo- und damit ein Antisemit, ein Rassist der in Juden eine Gruppe mit einheitlichen menschlichen Eigenschaften sieht und bestimmte (positive) Vorurteile projiziert? Damit täten sie diesen Menschen genau so wenig einen Gefallen. Das ist keine Hilfe.

    Das ist Verblendung und Selbst-Täuschung die nur in einer Katastrophe münden kann, für Sie und die, denen sie vorgeblich helfen möchten, indem sie ihre Vorstellungen auf sie projizieren. Vermutlich überfordert sie das und eine andere Sicht auf die Welt, als durch Schubladen (Araber. Jude. Etc.) ist zu viel von ihnen verlangt, aber ich wollte es einmal ansprechen.)
    zu der von ihnen aufgebauten Brücke zwischen „Arabern“ und Menschen die man „getrost als Antisemiten“ bezeichnen kann, mit der sie ihr Machwerk eröffnen.
    Hier die Ergebnisse der Antisemitismusstudie von Professor Wilhelm Kempf und ein Interview mit Rolf Verleger (ehem. Direkt. Zentralr. der Juden in D.) dazu, Quelle unten:

    „Studie der deutschen Antisemitismusforschung besagt:
    „Palästinafreunde“ menschenrechtsorientiert, Mehrheit,
    „Israelfreunde“ des- oder wenig informiert, Rassismus,
    „Rechte“ ebenso Vorbehalte gegen arabische Menschen

    Eine soeben unter dem Titel „Israelkritik zwischen Antisemitismus und Menschenrechtsidee. Eine Spurensuche“ veröffentlichte Untersuchung des inzwischen emeritierten Professors für Psychologische Methodenlehre und Friedensforschung, Wilhelm Kempf, geht der Frage nach Erscheinungsformen und Ausprägungen des Antisemitismus im Lande nach – und kommt zu überraschenden Ergebnissen. Telepolis sprach hierzu mit Rolf Verleger, der Kempfs von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstütztes Projekt als wissenschaftlicher Berater begleitet hat.

    Die Frage, ob und wie Antisemitismus und Kritik an Israels Politik in der deutschen Bevölkerung zusammenhängen, ist das zentrale Thema dieser 2010 durchgeführten und jetzt als Buch veröffentlichten Studie.

    Untersucht wurde eine große repräsentative Stichprobe mit einem gängigen „Antisemitismus“-Fragebogen, dann aber auch mit Fragebögen zur Einstellung zum Zionismus und zu Israel und schließlich – das ist das Besondere an der Studie – auch noch mit Fragen zu weiteren Bereichen: Einstellungen zum Islam, zu Menschenrechten und Gewalt, Krieg und Frieden, Kenntnisse und persönliche Verbundenheit zu Israel und Palästina.

    Aus gemeinsamen Antwortmustern auf all diese Fragen bildeten sich drei Gruppen heraus – aus insgesamt 90 Prozent der Stichprobe; die Meinungen der restlichen 10 Prozent zu diesen Fragen ließen sich nicht einordnen:

    „Palästinafreunde“ – 38 Prozent der Stichprobe – nehmen überwiegend Partei für Palästina, sind überwiegend pazifistisch eingestellt, und liegen bei den Vorbehalten gegen Juden, Palästinenser und Islam deutlich niedriger als die „Israelfreunde“. Sie halten generell die Menschenrechte hoch und haben die größten Kenntnisse des Konflikts.

    „Rechte“ – 26 Prozent der Stichprobe – haben konsequent und durchgängig Vorbehalte gegen Zionismus und Juden, und ungefähr genauso stark auch gegen die Palästinenser und den Islam. Sie halten relativ wenig von Menschenrechten, haben mäßige bis wenige Kenntnisse des Nahostkonflikts und beziehen in diesem ihnen nicht sehr wichtigen Konflikt eher Partei für Palästina als für Israel.

    „Israelfreunde“ – 26 Prozent der Stichprobe – nehmen Partei für Israel und befürworten zumeist auch die Anwendung von Gewalt gegen die Palästinenser. Ihre Kenntnisse und ihre persönliche Betroffenheit durch den Konflikt liegen im mittleren Bereich, ebenso ihre Werte auf den Antisemitismusskalen – selbstverständlich niedriger als die der „Rechten“.

    Gespräch mit Prof. Dr. Rolf Verleger, ehemaliges Direktoriumsmitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland und Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Schleswig-Holstein, über Israelkritik zwischen Antisemitismus und Menschenrechtsidee – Palästinafreunde, Israelfreunde und Rechte:

    Habe ich Sie richtig verstanden: Die, wie Sie sie nennen, „Israelfreunde“ sind laut den Befragungen antisemitischer als die „Palästinafreunde“?

    Rolf Verleger: Ja, so kam es heraus: Die „Israelfreunde“ in der deutschen Bevölkerung liegen in der Mitte zwischen den „Rechten“, die relativ viele Vorbehalte gegen Juden – und Moslems übrigens auch – haben, und den „Palästinafreunden“, die wenige Vorbehalte haben.

    Ähnlich verhält es sich bezüglich der Kenntnisse und der emotionalen Betroffenheit durch den Konflikt: Die „Israelfreunde“ liegen in der Mitte zwischen „Rechten“, die der Konflikt wenig interessiert, und den „Palästinafreunden“, denen der Konflikt persönlich nahegeht. Mit einem Wort: Die „Israelfreunde“ sind die laue Mitte.
    „Man kann den Blick dafür verlieren, dass alle Menschen gleiche Rechte haben“

    Und wie erklären Sie sich das? Dass die Verteidiger und Beschützer Israels „antisemitischer“ als ausgerechnet die „Palästinafreunde“, denen ja tagtäglich Antisemitismus testiert wird, sind?

    Rolf Verleger: Für die „Israelfreunde“ spielen Menschenrechte in ihren Antworten nicht dieselbe übergeordnete Rolle wie für die „Palästinafreunde“. Dazu passt eben auch, dass sie mehr Vorbehalte gegen andere mit sich herumtragen.

    Unabhängig von dieser Umfrage – also mehr spekulativ – stellt sich das für mich so dar, dass die Israelfreundschaft der deutschen Politik seit Adenauer sich aus Bündnistreue zu den USA speist und aus schlechtem Gewissen wegen des fehlenden Widerstands gegen Hitler in Sachen Ausrottung des Judentums. Beide Motive sind nicht unehrenhaft. Aber sie können dazu führen, dass Juden zu einer besonderen Menschengruppe verklärt werden.

    In der Tat scheint mir manchmal bei den „Israelfreunden“, die ich kenne – vor allem Politiker, wie sie in den Medien auftreten – auch ein Philosemitismus mitzuschwingen, der insofern dem Antisemitismus gleicht, als dass er „die Juden“ als eine besondere, einheitliche Gruppe ansieht, denen die deutsche Politik verpflichtet sei, sodass auch Israel zu „schützen“ sei.

    Es ist dann nicht immer unbedingt klar, dass ein jüdischer Israeli genauso viel wert ist wie ein Palästinenser; bei Hitler wären die Juden weniger wert gewesen, heute scheinen sie mehr wert zu sein. Das heißt: Man kann den Blick dafür verlieren, dass alle Menschen gleiche Rechte haben. Vollständiger Artikel hier im Link: http://www.heise.de/tp/artikel/45/45281/1.html

    Was manche Menschen realisieren müssen ist, den Palästinensern ergeht es wie den eingeborenen Indianern Nordamerikas. Sie werden mit Gewalt vertrieben. Keineswegs haben, wie der Artikel dann nahelegt, 750.000 Menschen freiwillig Hals über Kopf die Flucht ergriffen, wurden von zionistischen Streitkräften freiwillig bei etlichen von der UNO bestätigten Massakern hingerichtet oder haben freiwillig 530 Dörfer und Gemeinden, mit Kirchen und Moscheen, Büchereien und anderen Kulturstätten selbst dem Erdboden gleichgemacht, ihre Geschichte ausgelöscht um dann unter unmenschlichen Bedingungen bis in die zigste Generation, ein Dreivierteljahrhundert lang, im In- und Ausland zu kauern.

    Und unter keinen Umständen haben sie das verdient – dies war eine friedliche Bevölkerung von überwiegend Olivenfarmern und Ziegenhirten, bis heute ohne eigenes Militär, während der Staat Israel das viertstärkste Militär der Welt hat. In dem Artikel schwingt ein erheblicher antiarabischer Rassismus mit, ersichtlich an der Vielzahl der groben Vorurteile und der übermäßig kritischen Sichtweise. Der Autor des Artikels hat offenbar die Hasbara mit Löffeln gegessen und in seinem Weltbild arabische Mitmenschen mit Terroristen und Übeltätern gleich gesetzt. Das auch Juden Täter und Araber auch Opfer sein können, überfordert solche Menschen.

    Auf dieser „Adobe Muse Webseite des Tages“ namens Palestineremix lässt sich die jüdische Einwanderung, Vertreibung der Araber, Besatzung des Landes und Zerstörung von 530 palästinensischen Dörfern und Gemeinden nachvollzogen werden, dies ist überprüfbar:
    http://interactive.aljazeera.com/aje/PalestineRemix/maps_main.html

    Hier deutsche Nahostexperten und Politiker zur Vertreibung und Situation der Palästinenser!

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    • Winnetou sagt:

      Miko Peled, Sohn des israelichen General Matityahu Peled, während einer Vorstellung seines Buchs „The General’s Son – The Journey of an Israeli in Palestine“ in den USA: https://www.youtube.com/watch?v=8LIPGTwjHpU

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      • Guten Tag,
        und hier eine Besprechung des Buches vom „Sohn der Hamas“ – hier wird israelisches Unrecht bestimmt nicht totgeschwiegen, aber der Sohn eines Hamas-Gründers erlebte die Gewalt seiner Landsleute gegen eigene Landsleute, ging zum israelischen Inlandsgeheimdienst, um Terror zu verhindern (was ihm auch gelang) – und dabei wurde er Christ: https://charismatismus.wordpress.com/2014/09/29/sohn-der-hamas-ein-palastinensischer-steinewerfer-wird-israelischer-top-agent-und-findet-zu-christus/
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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      • Winnetou sagt:

        Danke für die Antwort,
        die Relevanz und den Zusammenhang zu Obenstehendem erkenne ich nicht. Ich kann jedoch als Sohn von sowohl Arabern als auch Deutschen sagen, dass ich Christ bin, ebenso wie die palästinensische Mutter meines arabischen Vaters, die im Westjordanland lebte, wo heute noch Cousinen von mir leben, unter Angst vor Soldaten die nachts willkürlich Häuser durchsuchen und die besetzte Bevölkerung ausrauben, sowie attackieren und schikanieren auf der einen Seite und radikalen Siedlern mit der Thora unter dem einen und der Uzi unter dem anderen Arm, die junge 19-jährige arabische Mädchen auf offener Strasse bespucken.

        Der Großvater meiner christlichen, palästinensischen Großmutter wurde von israelischen Soldaten zwecks einer ebensolchen Hausdurchsuchung offenbar zu Unterhaltungszwecken in einen Sack gesteckt und die Treppe in seinem eigenen Haus hinuntergestossen, wo er vor den Augen meines damals 9-jährigen Vater einen Herzinfarkt erlitt und verstarb. Solche Vorfälle sind keineswegs die Ausnahme, sondern die Regel, wie israelische Reservisten von Breaking The Silence in inzwischen Tausenden persönlichen Zeugnissen, auch auf Video, berichten.

        Hier findet ein gewaltiger und erheblicher Machtmissbrauch statt, durch die okkupierende Kraft, die eigentlich eine Verantwortung für die von ihr übrigens völkerrechtlich vertriebene und besetzte Bevölkerung trägt. Das diese Seite immer wieder die Bedrohung durch die (abzulehnende) Hamas betont, durch den von ihr verursachten Widerstand, durch die eigenen an der palästinensischen Bevölkerung tagtäglich begangenen Verbrechen, erscheint wie blanker Hohn. Wie einem Vergewaltigungsopfer vorzuwerfen, es wehre sich in übertriebener Weise?! Selbstverständlich sind die Methoden der Hamas abzulehnen. Es sind die Methoden eines in die Ecke gedrängten, stetig weiter misshandelten Opfers, dem die Welt zu helfen sich noch weigert, auch wenn sie in Hunderten UNO-Resolutionen laut protestiert!

        Auch für die Existenz der Hamas muss man dem Staat Israel die Verantwortung geben – ohne sein Handeln insbesondere in Gaza, wäre sie insbesondere dort niemals so erstarkt. Viele Quellen betonen auch und behaupten sie könnten belegen, der Staat Israel habe die Hamas in der Entstehung zumindest indirekt gefördert, als Gegengewicht zur säkularen Fatah und zum Entstehungszeitpunkt sehr populären ebenfalls säkularen PLO. In der selben Weise wie Dr. Jürgen Todenhöfer heute auf NSA-Dokumente hinweist, die eine starke Beteiligung der USA (und übrigens auch Israels) an der Entstehung des IS belegen. Es ist für viele Menschen eine bekannte Tatsache, dass westliche Machthaber Terrorismus befürworten, fördern und produzieren, zur Durchsetzung aggressiver Akte, Landnahmen, Kriege um Ressourcen und der Rechtfertigung des eigenen Handelns, insbesondere wenn es vor Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen strotzt, wie im Falle der israelischen Regierung. Hier will ich es jedoch nur bei einem Hinweis belassen. In jedem Fall diente die Hamas den Plänen der Hardliner in Israels traditionell rechter, aber inzwischen komplett nach rechts gerückter Regierung, das lässt sich rückblickend festhalten.

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      • Winnetou sagt:

        *Korrektur: -Mein- Großvater, der Mann meiner christlichen, palästinensischen Großmutter, war gemeint. Hier ein Zeugnis in 8 kurzen Videos einer israelischen Reservistin über ähnliche Vorgänge als Tagesordnung in den israelischen Besatzungsstreitkräften: https://www.youtube.com/watch?v=yXBYJHVqh6M&list=PLXRjgwlnXEE_F7WPJ8YUb-1jcBfeIU_CI

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  2. zeitschnur sagt:

    Gut, dass Sie diese Fakten hier auflisten – allein, all die Antizionisten und Antisemiten, die sich hinter dem Antizionismus verschanzen, wollen diese Fakten nicht wahrhaben.
    Leider – und das ist eine echte Schande, vor allem katholische Traditionalisten nicht.
    Und warum nicht?
    Weil Päpste die ultramontanen „Leuchttürme“ bis einschließlich und vor allem Pius X. oder auch ganz übel Pius IX. ihnen diese furchtbare Haltung vorgemacht haben. Ich habe selbst erlebt, wie dort über Juden geredet und gedacht wird, dass man sie für die heimlichen Drahtzieher alles Unglücks der Welt ansieht, dass man Israel als freimaurerische Verschwörung ansieht und den Holocaust für eine Lüge. Williamson war und ist kein Einzelfall. gerade unter Piusbrüdern grassiert der Antizionismus.
    Benedikt XV. wird unter anderem deshalb in diesen Kreisen aufs Bösartigste verhetzt, weil er der erste Papst war, der sich dem Zionismus gegenüber aufgeschlossen zeigte.
    Man drückt beide Augen zu vor dem Terror der Muslime und leider auch der arabischen Christen (es waren zuerst „palästinensische Christen“, die mit dem Terror begannen) und rechtfertigt die schlimmsten Grausamkeiten, Hauptsache der eigene Judenhass wird bedient. Die schlimme Lage der Christen dort hängt vielleicht auch mit dieser schweren Sünde zusammen, die immerhin auch von den regionalen Patriarchen allzuoft unterstützt und sogar befeuert wurde und wird.
    Angereichert wird das alles mit einer Sustitutionstheologie, die aus den Juden ewig Verworfene bastelt. Man hält es für eine Mission der Kirche, wie ein ekelhafter „Sieger“ den Juden den Fuß auf die Kehle zu setzen und ihnen zu zeigen, dass sie unterworfen sind und nun die Heidenkirche die wahre „Braut“ sei. Das drückte sich in der kirchlichen Doktrin von der Ghettoisierung und sozialen Ausgrenzung der Juden im christlichen „Herrschaftsgebiet“ aus.

    Ich gehe davon aus, dass sich das, was das NT uns dazu sagte, eines Tages vollziehen wird: Israel wird sich bekehren und in seine alten Rechte eingesetzt, und vieles an der sichtbaren Kirche wird dem Verdeben überlassen werden. Wie Paulus den aufgeblasenen Heidenchristen schon im Römerbrief warnte, so wird es kommen: nun wird er aus dem edlen Stamm ausgebrochen, weil er sich über Israel erhoben hat.

    Ich weiß aber aus zahlreichen und fruchtlosen Debatten mit vielen Katholiken, dass es sie nicht interessiert, was der Apostel Paulus dazu geschrieben hatte.

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  3. Adolf Breitmeier sagt:

    Land gehört dem (Mensch oder Volk), der/das es im wahrsten Sinne des Wortes besitzt, und seine Gesetze und Verhaltensregeln dort durchsetzen kann – und es erfolgreich gegen Aggressoren verteidigen kann – und das auch unmissverständlich gegebenenfalls auch mit Gewalt durchsetzt. Wer seine Grenzen öffnet für jedermann und die Gäste mit Teddybären bewirft, der ist sein Land bald los, und die neuen Herren sagen, wo es lang geht.

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    • zeitschnur sagt:

      Das klingt nach Carl Schmitt, aber nicht nach Völkerrecht. Mit der Begründung ist es auch recht, dass man die Tibeter aus ihrem eigenen Land warf und genauso recht war es, Deutschland die Ostgebiete zu rauben. Und wenn der IS den Norden des Irak besetzt – recht hat er, denn er schafft es, dort seine Regeln durchzusetzen.

      Im Text oben geht es darum, dass Israel keinem Staat und keinem Staatsvolk etwas weggenommen hat. Denn genau das wird ja immer behauptet, um zu beweisen, dass Israel völkerrechtswidrig bestehe.

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