Evangelische Kritik an Luthers Judenhaß: „Hier war er so etwas wie ein Ketzer“

Namhafte Protestanten zu „Schattenseiten“ des Reformators

Der evangelische Bischof Michael Bünkerleitet leitet seit acht Jahren die Evangelische Kirche in Österreich; zudem ist er seit 2007 Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa. 978-3-15-010998-4

Der 62-jährige Theologe äußert sich aktuell in einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“ zu judenfeindlichen Schriften Martin Luthers. Zunächst stellt er fest: „Ganz klar: Luther ist sicher kein Heiliger. Dazu sind die Schattenseiten viel zu deutlich und sein Lebenslauf zu widersprüchlich.“

Kritik äußert der evangelische Bischof etwa hinsichtlich der Stellung Luthers im Bauernkrieg, seines feindlichen Verhaltens gegenüber dem sog. „linken Flügel der Reformation“, aber „in erster Linie“ wegen der antijüdischen Schriften und Predigten des Reformators.

Die evangelische Generalsynode in Österreich habe sich in der Erklärung „Zeit zur Umkehr“ 1998 hiervon nicht nur „distanziert“, sondern diese Äußerungen Luthers „verworfen“. Er fügt hinzu: „Luther war in dieser Frage so etwas wie ein Ketzer.“

Auch der evangelische Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann befaßt sich mit diese problematischen Seite Luthers. Er ist Vorsitzenden des Vereins für Reformationsgeschichte und Autor des Buches „Luthers Juden“ (Reclam-Verlag).

Das „Göttinger Tageblatt“ berichtet, Prof. Kaufmann habe erklärt, die Forderung des Reformators, Synagogen niederzubrennen und jüdische Häuser einzureißen, sei für das damalige 16. Jahrhundert beispiellos: „Ich habe lange gesucht und keinen Zeitgenossen gefunden, der das ebenfalls vorgeschlagen hätte“, sagte der Kirchengeschichtler.

Es sei bedrückend, erläuterte er weiter, daß die Nationalsozialisten die Novemberpogrome von 1938 unter Berufung auf Luther inszeniert hätten.

In seiner vor- und frühreformatorischen Zeit hatte sich Luther zunächst vergleichsweise gemäßigt über Juden geäußert, erstmals am 5. August 1514, wobei er den Humanisten Johannes Reuchlin verteidigte, der die Verbrennung des Talmud und anderer jüdischer Schriften ablehnte.

Besonders scharf waren Luthers Schriften in der Spätzeit der Reformation. Wenige Tage vor seinem Tod forderte er die Vertreibung der Juden aus Eisleben, was dann im folgenden Jahr 1547 tatsächlich geschehen sei.

Quellen für die Zitate:
http://derstandard.at/2000046290110/Buenker-Luther-ist-kein-Heiliger
http://www.goettinger-tageblatt.de/Campus/Goettingen/Goettinger-Theologe-Thomas-Kaufmann-ueber-Luthers-Judenfeindlichkeit

Kaufmanns Buch: http://www.reclam.de/detail/978-3-15-010998-4/Kaufmann__Thomas/Luthers_Juden


6 Kommentare on “Evangelische Kritik an Luthers Judenhaß: „Hier war er so etwas wie ein Ketzer“”

  1. Luthers Kirche ist tot – Geolitico

    http://www.geolitico.de/2017/01/18/luthers-kirche-ist-tot/

    18.01.2017 – Doch auf die von Luther zusätzlich besorgte Verbreitung der Thesen im Volk strömte ihm wachsende Zustimmung aus allen Teilen des Landes zu; und die heftigen Erwiderungen und Angriffe der Ablassprediger und ihrer gelehrten Helfer ließen den kampfesmutigen Luther zu weiteren Angriffen übergehen …

    Europa war einst die Christenheit | GEOLITICO

    http://www.geolitico.de/2015/12/26/europa-war-einst-die-christenheit/

    26.12.2015 – Hat sie vergessen, was aus Luther geworden wäre, wenn Kurfürst Friedrich, den man zu Recht den Weisen nennt, nicht seine schützende Hand über ihn gehalten hätte? Ohne Friedrich wäre es Luther wohl ähnlich ergangen wie vor ihm Johan Hus. Er wäre ein Märtyrer der alten, aber nicht zum Gründer …

    Der Gekreuzigte unter uns
    Veröffentlicht am 17. April 2017 von Herbert Ludwig in Gesellschaft und Kultur /

    http://www.geolitico.de/2017/04/17/der-gekreuzigte-unter-uns/

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  2. Rabenstolz sagt:

    Die antijüdische Stimmung wird weniger von den Katholiken, habe ich den Eindruck, aufgeheizt, wobei genau wissen tue ich es nicht, als vielmehr von der EKD-Führungsspitze, allen voran Bedford Strohm, der selbst dann noch jubelt als Mitglied des Moscheebauvereins, wenn eine Moschee mit dem Namen eines Christen-Mörders eingeweiht wird.
    Es wäre die Pflicht gewesen dieses EKD-Führungsadels, jener Volksverhetzung durch antisemitische Demonstrationen Einhalt zu gebieten, aber stattdessen wurden, um die grüne Ideologie durch zu boxen, teilweise linke Berufsdemonstranten geordert, damit Christen unter Leitung ihrer ideologisch verseuchten Hirten gegen Christen aufmarschieren.
    Während viele evangelische Christen Luther als den betrachten, was er ist, ein Kind seiner Zeit mit seinen Fehlern und persönlichen Auffassungen, die man nicht teilt, eine Zeit-Figur der Geschichte, der man aber die Bibelübersetzung verdankt, um sich selbst ein Bild über den christlichen Gott und Jesu Lehre machen zu können, die Luther nicht mit seinen persönlichen Lebenseinstellungen gefüttert hat. Er hat diszipliniert als objektiver Übersetzer gearbeitet, denn in der Bibel selbst wird nicht zum Judenhass aufgerufen, und dies unter Verfolgung und Bedrohung seines Lebens. Er floh als Junker Jörg auf die Wartburg und der EKD-Führungsadel benutzt die Person Luther für eigene ideologische Zwecke, werbewirksam auf der Wartburg.
    Wie kann ein längst verstorbener Luther Schuld an dem verbreiteten Hass der NSDAP-Führungselite sein, die diesen selbst geschürt hat mit dem Missbrauch von Luthers Persönlichkeit. Ich bin entsetzt, wie gerade der EKD-Führungsadel wieder versucht, die Stimmung aufzuheizen, der Bischof mit Muslimen gemeinsame Sache macht und seinen christlichen Lehrauftrag gewissenlos über Bord wirft, die evangelische Zeitschrift CF versucht, durch an den Haaren herbeigezogene Pseudowissenschaftler die Kreuzigung Jesu zu leugnen, damit man ihn mühelos unter die Reihe der Propheten mit Mohammed als Leitfigur zwangseinordnen kann.
    Ja, ich gebe Hamet Abdel Samad in dem Punkt Recht, dass Luther seine dunklen Seiten als Persönlichkeit nicht zu rechtfertigen sind, was aber nicht mit Kritik an seiner unter Lebensgefahr realisierten Bibelübersetzung zu rechtfertigen ist.
    Dank des EKD-Führungsadels, der im Machtkampf um die Bibelgestaltung zum Reformationsjahr Gott sei dank unterlegen war, aber ganz bewusst Wucherpreise für alte, fast Original getreue Bibeln fördert, um später den Gläubigen Christen, die die alte Schrift nicht kennen, eine ideologisierte, geistig vergiftete Ramschbibel unterzujubeln, so ist jedenfalls mein Verdacht. Kathrin Göring Eckart als Bibelverfasserin, Bedford Strohm, mir wird übel, wie da die Schöpfung und die Schöpfungskinder, die ihren selbst ernannten Propheten nicht als Untertan huldigen, der Verdammnis der Hölle Preis gegeben werden.
    Dass gerade jetzt, wo die Verbrüderung mit dem Islam angestrebt wird und man diesen Antisemitismus duldet, werden Luthers Verfehlungen als Mensch bewusst hochgespielt, entweder aus dem Grund, die alte überlieferte heilige Schrift der Bücherverbrennung preis zu geben oder um den neu aufflammenden Judenhass zu rechtfertigen, pfui Teufel mit solch verlogenen Klerus. Mir wäre im Träume nicht eingefallen, dass in heutigen, durch Humanisten aufgeklärten Zeiten man das Lebenswerk Luthers, die sachliche Bibelübersetzung verteidigen muss, nicht den fehlbaren Menschen Luther, dessen Judenhass für aufgeklärte Menschen abzulehnen ist und ja auch seine Bibelübersetzung lässt diesen Spielraum zu, Luther in dieser Hinsicht zu kritisieren.
    Er hat sich auch selbst nicht zum Propheten verklären lassen, um göttlichen Anspruch zu erheben, das sollte man auch bedenken. Der Autor Hamed Abdel Samad fordert mit Recht von den Muslimen ein, dass Mohammed eine Figur seiner Zeitgeschichte war und diesen nicht als selbsternanntes Götzenbild zu vergöttern. Manche unserer Politiker sind anderer Meinung in ihrem göttlichen Ehrgeiz, weil sie vielleicht danach streben, als religiöse Propheten sich vergöttlichen zu lassen. Ismail und Isaak waren jüdische Brüder und verbreiteten auf ihre Weise die Religion, und Christus hat sich nie zum Propheten erhoben, er lehrte die Menschen die Verantwortung als Schöpfungskinder, die sich vor Gott verantworten müssen. Vielleicht sollte man sich die Lutherbibel doch noch besorgen, bevor wir nur noch ideologisch verseuchte Bibelausgaben ergattern können.
    Dieser aufgeheizte Streit um Luther wäre überflüssig gewesen, wenn nicht ein arroganter, ideologischer Macht strebender Klerusadel der EKD eine historische Figur der Zeitgeschichte für eigene persönliche Interessen ausgeschlachtet hätte und ja, man kann sich da als Christ und ehrlicher Theologe nur dadurch wehren, indem man Stellung bezieht.

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  3. Rübezahl sagt:

    Worauf die EKD Führungselite zielt, ist, dass alle Protestanten unter Generalverdacht gestellt werden, um eine neue ideologische Ausrichtung zu erzwingen. Die Tatsache, dass viele Christen, die objektiv durch Luther, der seine persönliche Meinung dabei aussparte, für viele Christen, die durch den Klerus unterdrückt wurden, eine Befreiung war, wird bewusst untergraben. Man wirft Äpfel mit Birnen zusammen. Es ist eine forcierte Unwahrheit, dass alle protestantischen Christen, die durch den Vatikans im Bezug auf die heilige Schrift belogen wurden, Judenhasser waren. Luther aber nicht erkannte, dass es Unsinn ist, ein ganzes Volk für den Tod von Christus verantwortlich zu machen. Sein Fehler als unvollkommener irrender Mensch, der den falsch gelegten Fährten des Vatikans versuchte Glauben zu schenken. Es ist total richtig, den Irrglauben Luthers anzusprechen, ihn auf alle evangelische Christen pauschal als Generalverdacht für Judenhass zu Verallgemeinern nicht, aber sonst könnte man auch nicht für eigene ideologische Machtinteressen evangelische Christen in Frage stellen und die Busenfreundschaft selbst zu fundamentalistischen Muslimen, die eine Vernichtung der Glaubensfreiheit anstreben, nicht rechtfertigen, bestes Beispiel Bedford Strohm, involviert im Moscheebauverein.

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  4. zeitschnur sagt:

    Ja, alles unmöglich bei Luther, das mit den Juden, keine Frage – aber eines muss uns Katholiken klar sein: er hatte massive katholische Vorbilder, zeitgenössische meine ich, und war insofern gut katholisch!

    Lesen wir doch, was in Spanien lief, wenige Jahrzehnte vor Luther, und dies unter dem frenetischen Beifall der katholischen Christenheit… https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Juden_in_Spanien

    Das frühneuzeitliche Spanien hat Juden nicht nur ausgewiesen aus seinem Reich, sondern selbst bei Konvertiten den Laden dichtgemacht: deren Rasse war nicht „rein“! Und wehe es kommt mir einer und behauptet, der katholische Antijudaismus sei ja etwas gaaaaanz anderes als der moderne Antisemitismus! Nein, das ist nicht „ganz anders“! Das ist echter Rassismus von Anfang an! Man bruachte den Juden, um sich überlegen und auserwählt zu fühlen.
    Und dieser Schmutz in katholischen Köpfen leistete trotz heuchlerischer Papstunterwürfigkeit unbeirrt Widerstand gegen päpstliche Mäßigungsversuche. Wenn also die allerfrömmsten Katholiken Spaniens, darunter die Jesuiten, schon frühe Rassisten waren, warum sollte man einem Luther verübeln, wenn er diesen Ungeist ebenfalls „widerständig“ vorbrachte?
    Das ist doch wie Max und Moritz: Luther und Ignatius!

    Bleiben wir redlich: Luthers Judenhass war eines der wenigen katholischen Relikte in seinem Bewusstsein, die er nicht aufgeben konnte oder wollte. Die Reconquista war kaum abgeschlossen zu seiner Zeit, und schon damals richtete sich der Hass der Christen wundersamerweise eher auf Juden als auf Muslime, obwohl die Juden es ja nun nicht waren, die Spanien überfallen, erobert und beherrscht hatten…

    Immer wieder dasselbe Motiv unter Katholiken: Obwohl Juden ohne globale Herrschaftsambitionen waren und ihnen nichts taten, hassten sie die Juden, hofierten aber eher den islam, zuletzt sehr deutlich bei Pius X.

    Die Quittung dafür haben wir heute.

    Aber wir haben nun unseren Wunschpartner im Religionswettbewerb.

    Es ist niederschmetternd, aber leider wahr: Katholiken ausgerechnet sollten nicht auf Luthers Judenhass herumreiten. Zu groß die Gefahr, dass die eigene Schande wieder hochkommt.

    Luther Ausfälle sollten jeden Katholiken vor Scham erröten lassen, denn es kommt vom zeitgenössischen katholischen Denken damals, und Luther war mehr Katholik als die meisten Katholiken heute.

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    • Guten Tag,
      wie in diesem Artikel erwähnt und in Prof. Kaufmanns Buch erläutert wird, hat sich Luthers Judenhaß mit zunehmendem Alter gesteigert. In seiner katholischen und frühreformatorischen Zeit war er weitaus weniger ausgeprägt. Je stärker sich Luther von seinem katholischen Erbe entfernte und sich die Reformation verselbständigte, umso mehr wuchs seine judenfeindliche Haltung. Dies könnte zunächst mit seinem ohnehin zunehmenden „Grobianismus“ zu tun haben. Zwar ist dieses Phänomen eines vulgären Stils für jene Zeit nicht ganz neu, aber bei Luther selbst für damalige Verhältnisse überdurchschnittlich ausgeprägt. Mir fiel das schon als Schülerin auf, als ich mir diverse Schriften von Luther besorgte, um den Reformator, von dem unser Geschichtslehrer ständig schwärmte, doch mal im O-Ton kennenzulernen (dabei handelte es sich um seine Frühschriften, die Spätschriften sind noch viel grobianistischer).
      Natürlich geht es nicht allein um emotionale Unbeherrschtheit und sprachliche Disziplinlosigkeit, sondern vor allem um inhaltliche Punkte. Dazu gehört beispielsweise, daß Luther die jüdische „Gesetzlichkeit“, die ihn an die katholische „Werkgerechtigkeit“ erinnerte, durch die Brille seiner spezifischen Rechtfertigungslehre („Glaube/Gnade allein“) betrachtete und daher strikt ablehnte. Zudem hatte er anfangs geglaubt, Juden in größerer Zahl für seine Reformation gewinnen zu können. Nachdem dies mißlang, machte sich heftige Verbitterung in ihm breit. Das ging soweit, daß er sogar Judenchristen bzw. Christen jüdischer Herkunft ertränkt sehen wollte.
      Bei aller berechtigten Kritik an judenfeindlichen Worten und Taten von katholischer Seite wollen wir nicht vergessen, daß kein Papst je zum Verbrennen von Synagogen aufforderte, vielmehr gab es eine Reihe päpstliche Schutzbriefe schon seit Gregor dem Großen: https://de.wikipedia.org/wiki/Sicut_Judaeis
      Wenn hier – noch dazu evangelische – Stellungnahmen zitiert werden, die sich argumentativ mit Luthers Judenhaß beschäftigen, ist das durchaus kein „Herumreiten“ auf diesem Thema, von dem wir nun etwa deshalb Abstand nehmen sollten, weil es katholischerseits auch eine ganze Menge zu kritisieren gibt.
      Einmal abgesehen davon: Noch wichtiger als die Beurteilung der Vergangenheit ist die Gegenwart, zB. der Antizionismus, wie er sowohl in rabiat-traditionalistischen wie auch in linken (!) kirchlichen Kreisen gerne gepflegt wird, etwa bei der pazifistischen katholischen Organisation „Pax Christi“, immerhin quasi-amtlich stets mit Bischof an der Spitze. Seit Jahrzehnten kritisiere ich die israelfeindlichen Stellungnahmen und Aktionen von „Pax Christi“ – und bin damit leider ziemlich allein auf weiter Flur.
      Ähnlich erging es mir, als ich jahrelang (!) öffentlich gegen das judenfeindliche, pseudo-katholische Radauportal „kreuznet“ protestierte, was entsprechende Schmähartikel von dort gegen mich zur Folge hatte, von der unterirdischen Haßpost, die ich aus diesen Kreisen bekam, ganz zu schweigen.
      Bei mir wird in puncto Judenfeindschaft kein Auge zugedrückt, weder links noch rechts – auch nicht beim Mißbrauch der Marienverehrung zu judenfeindlichen Zwecken. So werde ich mich z.B. noch näher mit dem ständig gegen Juden stänkernden „Radio Maria“ befassen. Die wahre Gottesmutter im Himmel wird über eine solch üble Vereinnahmung ihres Namens sicherlich entsetzt sein. Noch vor wenigen Tagen besuchte mich ein katholischer Priester aus Polen, der mir bestätigte, daß sich die ständigen Seitenhiebe gegen Israel und die Juden bei „Radio Maria“ bis heute nicht gebessert hätten. Der polnische Episkopat sei in seiner Haltung gegenüber diesem privaten, aber von einem Priester geführten Rundfunk gespalten.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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      • zeitschnur sagt:

        Ach – ich wollte doch Sie nicht kritisieren. Sie sind tatsächlich im gläubigen katholischen Lager weit und breit die einzige, die das alte Bundesvolk weder euphorisch noch abwertend behandelt. Und dafür bin ich Ihnen natürlich sehr dankbar.

        Dennoch: Mit dem aufziehenden Lutherjahr hört man im katholischen Bereich immer wieder diese Vorwürfe an Luther, die m.E. eine Splitter-Balken-Problematik darstellen. Das wollte ich sozusagen im Keim ersticken. Denn wenn jemand bis heute Träger boshaftetesten Antijudaismus und -semitismus ist, dann sind es weite Teile insbesondere des konservativen bis traditionalistischen, aber eben auch des progressiven Katholizismus.
        Sie beschreiben es ja selbst!

        Ich habe selbst sattsam die Erfahrung gemacht, wie man Juden gegenübersteht: nämlich misstrauisch, ablehnend und unendlich herablassend, das Herz voller Hass und das Hirn voller Falschinformationen. In vielen Details kommt das zum Ausdruck.

        Und solche Leute fallen genüsslich über Luthers Judenhass und auch über seine Frauendiskriminierung her, obwohl auch diese Motive seines Denkens aus dem schwärzesten Katholizismus stammten.

        Bei Porgromen übrigens sind auch Häuser der Juden in Flammen aufgegangen. Das ist nun wahrlich nicht Luthers einsame Idee gewesen! Lesen wir doch hier zur Einführung: https://de.wikipedia.org/wiki/Antijudaismus#Pogrome_und_Vertreibungen
        Bis also Luther auf solche Ideen kam, waren schon viele Synagogen abgebrannt – und oft befeuerten auch Kleriker diese Zustände…

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