Allerheiligen und Allerseelen: Gemeinschaft der Gläubigen über den Tod hinaus

Von Prälat Dr. Wilhelm Imkamp

In unserer, die in „erlebnisintensiven Events“ rauschhafte Selbstvergessenheit sucht, wird das Sterben und der Tod ausgegrenzt. Verborgenes Sterben und namenlose Beerdigungen werden immer häufiger. Die Toten kommen immer öfter als „Halloween-Kürbisse“ und in „after-work-Gruselpartys“ vor, wo neuerdings auch Gruselclowns gern gesehen sind. Osternacht2012_Maria_Vesperbild_009_01

So werden Tote zur makaberen Karikatur einer im Wortsinn „gnadenlosen“ Spaßkultur. Hier haben Tote keine Lobby mehr, denn sie schreiben ja keine Leserbriefe, nehmen nicht an Meinungsumfragen teil, und vor allem gehen sie nicht mehr zu den Wahlen, sie sind gesellschaftlich nicht mehr relevant.

Gegen diese Verdrängung steht der Allerseelentag, denn Tote fallen eben nicht aus der Gemeinschaft der Kirche, entweder sind sie in der Anschauung Gottes Glieder der himmlischen Kirche oder als „arme Seelen“ Glieder der leidenden Kirche, denn nur die ewige Verdammnis schließt aus der Kirche endgültig aus.

Auch wenn man diese Möglichkeit einer ewigen Verdammnis buchstäblich „tod-ernst“ nehmen muß, sollte das schlichte Faktum, daß die Kirche zwar unzählige Menschen mit Gewißheit als Heilige verehrt und im Fest Allerheiligen diese unüberschaubare Zahl Heiliger auch besonders feiert, aber auf der anderen Seite von keinem Menschen die ewige Verdammnis eindeutig festgestellt hat, Hoffnung geben.

Und diese Hoffnung hat einen Namen: „Fegefeuer“: Wie viele Menschen würden endgültig verloren gehen, wenn es nicht diesen Reinigungs- und Vorbereitungsort gäbe, 131223-stern-von-bethlehem_b87bfae72csondern nur die Alternative zwischen Himmel und Hölle. Das Fegefeuer ergibt sich aus der Barmherzigkeit Gottes: „Denn es ist im Fegefeuer nicht Gottes Zorn, der uns straft, es ist Gottes Liebe“ (Herman Schell). 

Die Liebe Gottes achtet den Menschen auch als Sünder nach dem Tod so, daß sie seine Sünden ernst nimmt. Gott erklärt niemand für gerecht, ohne ihn auch gerecht zu machen. Die Seele, die nach Gott verlangt, der aber der Blick auf Gott noch durch die aufgehäuften Sündenstrafen verwehrt ist, verzehrt sich in Sehnsucht nach der Gegenwart Gottes: „Erst wenn der Wille ganz ausgeglüht ist von den Schlacken des Diesseits, ist die Seele reif für Gott, wirklich gerecht gemacht“ (Herman Schell).

Wir sollten uns das Fegefeuer allerdings nicht als gemütlichen „Transitroom“, sondern eher als sehr intensive, ja schmerzliche Reinigung vorstellen:

„Der kleinste Schmerz im Fegefeuer ist stärker als der größte Schmerz auf Erden“ meint der hl. Thomas von Aquin. Diese Qual, nämlich den Anblick Gottes entbehren zu müssen, übersteigt bei weitem all unsere Vorstellungskraft. media-390606-2

Und hier kommen wir Lebenden, die Glieder der pilgernden Kirche auf Erden ins Spiel, denn wir können den Verstorbenen ihre Qualen erleichtern:

„Stellvertretende Liebe ist eine zentrale christliche Gegebenheit, und die Fegfeuerlehre sagt aus, daß es für diese Liebe die Todesgrenze nicht gibt. Die Möglichkeit des Helfens und des Schenkens erlöschen für den Christen mit dem Tod nicht, sondern umgreifen die ganze Communio sanctorum, diesseits und jenseits der Todesschwelle“ (Joseph Ratzinger).

Im Gebet für die Verstorbenen und vor allem auch durch hl. Meßopfer können wir den Verstorbenen beistehen. So bietet der Allerseelentag die tröstende Gewißheit, daß wir mit unseren Verstorbenen in einer innigen Gebetsgemeinschaft verbunden sind.

Auf der anderen Seite steht das Allerseelenfest gegen die Chimären des Aberglaubens, die Tote mit magischen Praktiken beschwören oder in Halloween-Kürbissen wiederbeleben zu wollen. Die Fegefeuerlehre ist ein wichtiger und entscheidender Beitrag zur „Psychohygiene“, gerade des modernen Menschen. Ein unverkrampftes Verhältnis zum Tod und zu den Toten macht unsere „after-live-party“ zum ewigen Freudenfest.

Unser Autor Prälat Dr. Wilhelm Imkamp ist Direktor der Wallfahrtstätte Maria Vesperbild in Ziemetshausen (Bistum Augsburg)

 


4 Kommentare on “Allerheiligen und Allerseelen: Gemeinschaft der Gläubigen über den Tod hinaus”

  1. Wolfgang sagt:

    Dienstag, 28. Oktober 2014
    Warum Halloween auch europäisches Brauchtum ist

    http://grenzwissenschaft-aktuell.blogspot.de/2011/10/warum-wir-halloween-feiern.html

    Sonntag, 31. Oktober 2010
    Warum wir Halloween feiern

    http://grenzwissenschaft-aktuell.blogspot.de/2008/10/warum-wir-halloween-feiern.html

    Montag, 31. Oktober 2011
    Erzbischof kritisiert Halloween-Feiern

    http://grenzwissenschaft-aktuell.blogspot.de/search?q=Allerseelen

    Mittwoch, 30. April 2008
    1. Mai: Walpurgisnacht – Hintergründe und Ursprung
    Ausschnitt aus J. Praetorius: Blockes-Berges Verrichtung, 1668 | Public Domain

    Ganz Europa feiert in der Nacht vom 30. April auf dem 1. Mai die so genannte Walpurgisnacht – auch als „Hexen- oder Freinacht“ bekannt. Bei den heutigen Feierlichkeiten gehen jedoch die historischen und mythologischen Wurzeln dieses uralten Brauchtums mehr und mehr verloren.

    http://grenzwissenschaft-aktuell.blogspot.de/2008/04/1-mai-walpurgisnacht-hintergrnde-und.html

    Einen Hinweis auf eine astrologische Deutung sehen entsprechende Autoren, federführend Michael Molnar in folgender Bibelstelle: „Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Bethlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.“ (Mt 2,1 EU)

    http://grenzwissenschaft-aktuell.blogspot.de/2010/01/vatikan-astronom-stern-von-bethlehem.html

    Siehe auch das Fisch-Symbol im frühen Christentum als dem Sternzeichen Fische im Zodiak bzw. Tierkreis bzw. dem platonischen Weltenmonat Fisch im platonischen Weltenjahr entsprechend. Das Fische-Zeitalters, welches etwa mit Christi Geburt begann und von dem Jesus Christus der spirituelle König und Herrscher und Eröser auch der „Magoi“ aus dem Osten im Neuen Testament der Bibel als monotheistische Zarathustrier bzw. Zoroastrier bzw. sterndeutende Magier-Priester des Zarathusrismus bzw. Zoroastrismus ist (auch die persisch-medischen Zarathustrier warteten auf einen göttlichen Erlöser ähnlich dem jüdischen Messias und siehe dazu auch die durch die MAGOI im Neuen Testament erfüllte Prophezeiung des jüdischen Propheten Daniel im Alten Testament der Bibel), die Sterndeuter bzw. „Magoi“ oder auch Magier-Priester aus dem Osten huldigten Jesus Christus mit den sakralen Sonnen-Symbolen ihrer Religion wie Gold und Weihrauch als spirituellen König und Erlöser des neuen Zeitalters bzw. Äons…in ihrer Religion war die Sonne das höchste Gottes-Symbol – im Alten Testament der Bibel ist der Saturn der Königsstern der Juden. Der Saturn wurde dem Samstag als Wochentag zugeordnet, weswegen dann der jüdische Sabbat gefeiert wurde. Er stand auch für den alten mosaischen Bund des Alten Testamentes nach Moses mit dem mosaischen Gesetz. Die Sonne hingegen wurde in der Antike im Mittelmeerraum und auch bei Griechen und Persern astrologisch dem Wochentag Sonntag zugeordnet, weswegen die Christen ihre Heilige Messe und ihr heiliges Fest auch am Sonntag feiern – die Sonne als Gottessymbol steht hier symbolische für den Neuen Bund des Neuen Testamentes mit Jesus Christus, welcher den Alten mosaischen Bund ablöste und ersetzte bzw. an dessen Stelle trat. Das Neue Testament legt das Alte Testament neu aus und interpretiert es neu, denn Jesus Christus hat das Gesetz auf sich genommen und so erst voll erfüllt und vollendet und vervollkommnet und idealisiert.
    Siehe zu den 7 Wochentagen und 7 antiken Planeten bzw. astrologischen Planeten-Sphären auch die Engel der 7 Gemeinden als den 7 antiken astrologischen Planeten-Sphären zugeordnet – im Neuen Testament der Bibel. Sternen-Symboliken fndet sich im Neuen und Alten Testament der Bibel und auch im äthiopischen Henoch-Buch, aus welchem der Apostel Paulus im Neuen Testament der Bibel im Judas-Brief zitiert und welches bis heute noch wie auch das für die Angelogie bzw. Engelslehre bedeutsame Jubiläen-Buch, aus welchem Epiphanias und Origenes zitierten, zum breiteren und engeren Bibel-Kanon der koptischen Kirche Äthiopiens gehören. Siehe auch Thomas von Aquin zu astrologischen Einflüssen und den Heiligen und Kirchenlehrer Albertus Magnus und die Heilige und Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen.
    Zur Verschwisterung des Christentums mit der griechischen Philosophie siehe auch Justin den Märtyrer als Kirchenlehrer und Kirchenvater und den Heiligen Irenäus von Lyon und den Heiligen Clemens von Alexandrien und Origenes als Schüler des Heiligen Klemens und Dionysios Areopagita und den Heiligen Augustinus und Lactantius bzw. Laktanz zur hermetischen Philosophie der Hermetik und die gesamte Patristik und Philo(n) von Alexandrien als jüdischen Theologen und Philosophen. Siehe auch Elias Erdmanns Texte zu ihm und zum Christentum und zur 4 bzw. 5 Elemente Lehre der griechischen Philosophie und Hermetik usw.

    Einen Hinweis auf eine astrologische Deutung sehen entsprechende Autoren, federführend Michael Molnar in folgender Bibelstelle: „Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Bethlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.“ (Mt 2,1 EU)

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  2. Hat dies auf Des katholischen Kirchfahrters Archangelus unbotmäßige Ansichten – ob gelegen oder ungelegen. rebloggt und kommentierte:
    Unangestrengt und locker, aber immer angemessen und mit scharfer Analyse.

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