Warum erschöpft sich das „Wort zum Sonntag“ in substanzloser Sozialkritik?

OFFENER BRIEF an Beauftragte der evang. und kath. Kirche über das „Wort zum Sonntag“

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit Jahrzehnten gehört das „Wort zum Sonntag“ zu den Garanten im deutschen Fernsehen: Weiterhin sind jeden Samstag hunderttausende Zuseher vor den Geräten, mittlerweile auch an den digitalen Empfängern, um das „Wort zum Sonntag“ als einen Impuls für den bevorstehenden Feiertag mit in die Nacht zu nehmen. Riehle, Dennis_5

Auch ich gehöre zu diesen Interessierten, die sich regelmäßig einen christlichen Blick auf unser Zeitgeschehen wünschen. In einem ansprechenden Format, kurz und prägnant, modern und doch seriös – das sind die wesentlichen Eckpunkte einer mehrminütigen Sendung, die zeigen soll, welche Kultur und welche religiösen Traditionen unser Land auch im 21. Jahrhundert fortdauernd prägen.

Die Gedanken, die uns die evangelischen und katholischen Sprecher mit auf den Weg geben, sollen persönlich, aber auch für die Zuschauer in ihr jeweiliges Leben übertragbar sein. Sie sollen wirklichkeitsnah, aber eben nicht dem Zeitgeist hinterherrennend sein. Und sie sollen fundamental im besten Sinne, nämlich den Wurzeln lebendigen Christentums nah, sein.

Das geschieht am sinnvollsten durch die Bibel. Als Heilige Schrift ist sie das wesentliche Instrument, um Menschen zu erklären, was unsere Religion ihnen sagen möchte. Sie ist Grundlage für eine Existenz nach all unseren Werten, den Überzeugungen und den klaren Botschaften christlicher Verkündigung, die die Sendung sein soll:

Keine Kurzpredigt im dogmatischen oder belehrenden Verständnis, sondern ein ganz vitaler Anstoß, der freudig, aber eben nachdenklich machen soll, sich mit dem eigenen Glauben wieder neu kritisch und ermahnend gleichsam auseinanderzusetzen.

Doch wo ist dieses Werk geblieben? Wie oft fragte ich mich in der letzten Zeit, wodurch sich das „Wort zum Sonntag“ noch von dem Kommentar unterscheidet, den ich kuchristusrz davor in den „Tagesthemen“ sah. Denn von der Bibel war keine Rede. Viel eher ein recht weicher Meinungsbeitrag zu aktuellen Themen, dem es an jedwedem christlichen Inhalt fehlte.

Nein, Sozialkritik ist in einem Sendungsformat, das sich explizit mit dem religiösen Verständnis unserer Gegenwart befassen möchte, nicht möglich, solange es an einem Bezug zu einer biblischen Stelle fehlt. Friedensappelle werden in einem solchen Rahmen wertlos, wenn nicht Gottes Vergebung ihre Erwähnung findet. Und finanzpolitische Einordnungen bleiben dann unglaubwürdig, wenn sie im „Wort zum Sonntag“ ohne ein Gleichnis aus dem „Buch der Bücher“ auszukommen vermögen.

Standpunkte, Gutdünken oder Besserwisserei – für sie brauchen wir keine drei Minuten des Samstags. Sie können wir täglich in den sozialen Netzwerken, aber auch im Alltag erleben.

Das „Wort zum Sonntag“ ist viel zu wertvoll, um zu einem Sendeplatz zu verrohen, an dem substanzlose Einordnung dessen geschieht, was ohnehin schon jeder von uns weiß. Die Themen der Bibel, sie sind genauso präsent wie unser Heute – nutzen wir doch dieses Alleinstellungsmerkmal, das „Tagesschau“, Wissensmagazine und Talksendungen eben nicht zu bieten haben:

Die Betrachtung aus diesem Blickwinkel des Religiösen, des Christlichen, der eben doch einzigartig ist, wenn man die Chance nicht vergibt, ihn mit  geistlicher Nahrung jeden Samstag neu zu füttern und in Erinnerung zu rufen, wozu wir uns bekennen und worauf wir uns beziehen dürfen.

Mit dieser Ermutigung und den besten Segenswünschen
grüße ich Sie herzlich

Dennis Riehle, Martin-Schleyer-Str. 27 in 78465 Konstanz
Webpräsenz: http://www.Dennis-Riehle.de

 


4 Kommentare on “Warum erschöpft sich das „Wort zum Sonntag“ in substanzloser Sozialkritik?”

  1. Dorrotee sagt:

    Leider finden wir auch solche Predigten in den Sonntagsgottesdiensten in den Gemeinden.
    Man hat manchmal keine Lust mehr hinzugehen, weil man nicht weiß, was heute wieder an Sozialkritik kommt. AfD-Wähler werden andauernd von der Kanzel verteufelt, und Flüchtlingshelfer werden in den Himmel gelobt. Kaum noch erbauende, im Glauben festigende Predigten.
    Ich muss vorher immer suchen, wo es wohl eine gute Messe geben könnte.

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    • Bernhard sagt:

      Na ja, es gibt Priester, die in der Predigt sich sehr für Flüchtlinge und gegen Islamkritiker aussprechen. Dass einer die AfD namentlich erwähnt hätte, habe ich aber noch nie erlebt.

      Eine „gute Messe“ hängt aber nicht von der Person des Priesters ab, das werden Sie doch wissen 😉
      Anders als die Protestanten, gehen wir Katholiken in die Kirche, weil Christus selbst auf dem Altar gegenwärtig ist. Ob die Predigt „gut“ ist und man etwas „aus ihr mitnehmen“ kann, ist zwar nicht egal, aber zweitrangig.

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      • Guten Tag,
        natürlich hängt zwar die Gültigkeit einer hl. Messe nicht von der Person des Priesters ab (darum ging es „Dorrotee“ auch gar nicht!), aber sehr wohl die Frage, ob man sie als würdig empfindet oder nicht. Zudem schrieb Dorrotee nicht, daß sie bei einer zu erwartenden schlechten Predigt nicht zur Kirche geht. Aber natürlich darf ein Katholik auswählen, in w e l c h e n Gottesdienst er geht, wobei er jenen bevorzugen kann (und möglichst auch soll), der erwartungsgemäß „ohne Experimente“ abläuft und eine gediegene Predigt bietet. Das ist nicht nur unser gutes katholisches Recht, sondern auch sehr zu empfehlen!
        Ich habe hier in Münster übrigens ebenfalls schon mehrere Predigten mit Seitenhieben gegen die AFD gehört, wobei die Partei zwar nicht namentlich genannt wurde, aber jedem klar war, daß sie gemeint war. Der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, hat vor zwei Jahren sogar im feierlichen Weihnachtsgottesdienst im Dom namentlich und ausdrücklich gegen Pegida gepredigt.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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  2. Es ist der direkte Bezug zu Christus der unsere Handlung und Aussage immer bestimmt.

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